Wie du die Kunst erlernst deinem Gegner alles zu gönnen – und dadurch selbst besser zu werden

Keiner gönnt dem anderen etwas. Dies ist eine nicht zu heilende Krankheit in unserer Gesellschaft. Sie verbreitet sich immer weiter und weiter.

Rückzugsorte um vor ihr zu entkommen? Rar!

Und ob du es glaubst oder nicht: Diese Krankheit macht selbst vor unseren geliebten Tennisplätzen nicht halt.

Im Gegenteil.

Robin spielt gegen Peter. Peter spielt eine schier unglaubliche Vorhand aus dem Lauf heraus. Obwohl er den gesamten Ballwechsel über in der Defensive war, spielt er diese Vorhand unerreichbar kurz-cross genau ins T-Feld-Eck.

Ein Ball den man eigentlich nur von Rafael Nadal aus dem Jahre 2008 kennt.

Robin flippt förmlich aus. Er hadert mit sich. Lautstark. Er verwickelt sich in ein Selbstgespräch, dessen Wortschöpfungen bei den Zuschauern für Schulterzucken sorgen. Niemand weiß so recht, warum und vor allem worüber Robin sich so sehr aufregt.

Sein Gegner hat einen unmenschlichen Winner gespielt. Da gibt es eigentlich nichts, worüber man sich aufregen könnte.

Und genau da haben wir es. Das Symptom.

Das Symptom, welches auf unsere eingangs erwähnte Krankheit mehr als eindeutig verweist. Wir können unserem Patienten folgende Diagnose überbringen: Robin gönnt seinem Gegner nichts.

Und schadet sich obendrein durch seine Hasstiraden sich selbst gegenüber auch noch.

Du musst gönnen können

Wenn du auf dem Tennisplatz als Persönlichkeit reifen, deine mentale Verfassung während einem Match verbessern und obendrein schlicht und einfach ein wesentlich besserer Spieler werden willst, dann lerne ab jetzt zu akzeptieren.

Akzeptiere, dass dein Gegner gute Bälle spielen wird.

Akzeptiere, dass dein Gegner Netzroller spielen wird.

Akzpetiere, dass dein Gegner Linienbälle spielen wird.

Akzeptiere, dass dein Gegner auch Tennis spielen kann.

Was bringt es dir zu hadern?

Welche Vorteile hast du, außer lächerlich zu wirken, wenn du dich benimmst wie ein kleines Kind dem das Magnum-Mandel-Eis runtergefallen ist und Mama und Papa gerad nicht in Sichtweite sind?!

Es bringt dir folgendes: Du baust deinen Gegner, dem du eh schon nichts gönnst und der dir äußerst unsympathisch ist, noch weiter auf.

Du bringst ihn wohlmöglich zum lachen. Innerlich ganz bestimmt. Du förderst seine mentale Einstellung zum Match. Kurzum: Du machst ihn zum überlegenen Spieler auf dem Platz. Und schubst dich selbst ganz alleine, auch wenn es vielleicht nur ein kleines Stückchen ist, auf die Verliererstraße.

Mach Schluss damit. Und schließe Frieden damit, dass du auf dem Tennisplatz mit Gegenwind konfrontiert werden wirst. Und beginne deinem Gegner herausragende Punkte zu gönnen.

Oder bist du ein sozial nicht integrierbares Wesen, dessen einziger Drang es ist sich vor einem Publikum zum Affen zu machen?

Ich denke nicht 😉

Was kannst du also stattdessen tun, wenn dein Gegner mal für ca. drei Sekunden über sich selbst hinauswächst und einen Ball von einem anderen Stern spielt?

Hier eine kleine Liste mit einigen Denkanstößen:

  • Schläger hoch, Arm hoch, mit der Bespannung applaudieren
  • Zum Boden schauen und sich an seinen eigenen letzten Winner erinnern
  • Den Gegner direkt vom hohen Ross holen und im freundlichen Ton sagen: „Mein Freund, dass wird jetzt aber nicht zur Routine hier!“
  • Seinen Respekt aussprechen
  • Den „Super-Daumen“ zeigen und sich dabei denken: „Der nächste Punkt gehört mir“

Doch solltest du in erster Instanz verstehen lernen, dass dir Missgunst auf dem Tennisplatz in keinem Bereich weiterhilft. Weder bringt sie dich schneller zum Sieg, noch macht sie dich als Tennisspieler besser.

Und du willst doch grandiose Siege feiern und ein besserer Spieler werden, oder nicht?

Es kommt sogar noch besser.

Denn du hast, wenn du deinem Gegner alles erdenklich gute auf diesem Planeten während einem Tennismatch gönnst, auch noch handfeste Vorteile auf der Bespannung.

Mal ganz davon abgesehen, dass du deinen Gegner nicht noch weiter stärkst, kannst du daraus lernen. Grandiose Punkte deines Gegners sind auch immer Aufgaben für dich damit umzugehen. Und an Aufgaben kannst du wachsen. Dich verbessern. Und stärker werden.

Du verlierst nicht deine Konzentration und deinen Fokus. Du bleibst innerlich in der Balance. Du hast direkt mit dem nächsten Punkt die Möglichkeit, den unglaublichen Schlag deines Gegner vergessen zu machen. Du kannst trotz diesem einen genialen Schlag deines Gegners weiterhin das Heft in der Hand halten. Du kannst dich selbst vor negativen Emotionen schützen.

Wenn du endlich beginnst deinem Gegner alles zu gönnen – und dadurch selbst zu wachsen und ein besserer Tennispieler zu werden.

Kennst du dieses Phänomen? Kennst du Spieler, die sich selbst komplett aus dem Rhythmus bringen indem sie sich über gute Schläge des Gegner ärgern?

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10 Kommentare

  • Was ist mit der Person die am platz sitzen und immer wieder mal Tipps geben die verunsichern?
  • Was ist mit der Person die am platz sitzen und immer wieder mal Tipps geben die verunsichern?
  • Hallo Marco,
    du hast recht mit deiner Ausführung und kann bestätigen das auf Grund dieses verhalten ich spiele verloren habe und auch Spieler verloren habe wegen meines verhalten.
    darum habe ich mir gesagt mich nur noch auf mein spiel zu konzentrieren und ablaus zu geben bei guten Schläge des Gegners.
    seitdem habe ich das Gefühl besser zu werden und mehr Freude am spielen.
    Gruß
    Bernd
  • Hallo Bernd,

    es freut mich, dass du durch diese "Taktik" dein Spiel tatsächlich verbessern konntest.

    Wie du angemerkt hast, ist die Freude am Spiel und damit die Grundstimmung auf dem Platz sehr wichtig. Diese Grundstimmung kann sich allerdings verschlechtern, wenn du deinem Gegner nichts gönnst - und DU spielst sofort schlechter ;-)

    Viele Grüße,
    Marco
  • Auf 1000 Fragen beim Tennis gibt es 1000 Antworten - und ebenso viele Bücher darüber. Ich hätte gern einmal Tipps & Tricks für das Allerallerschwerste beim Tennis, das viele andere Probleme von selbst löst: das Ballanschauen !!! im Match und nicht nur im Training :-( - wie kann es trainiert werden, wie funktioniert es bei sehr guten Spielern? Resultieren Fehler auch bei Spitzenspielern aus diesem Problem? Welche Übungen eignen sich besonders gut dafür im Tennisunterricht?
  • Hey Günther!

    Das ist eine sehr gute Frage. Ich denke, dass man das Ballanschauen auf eine Art und Weise "schulen" kann:

    Lernen zu erkennen, welchen Drall der Ball besitzt.

    Dies setzt den Fokus auf den Ball voraus. Dadurch ergibt sich eine bessere Konzentration auf das Ballanschauen. Der Ball dreht sich, je nach Drall, auch seitlich. Also nicht nur nach vorn oder rückwärts.

    So könnte eine Übung daraus bestehen, zu erkennen in welche genauen Richtungen sich der Ball im Flug gedreht hat.

    Viele Grüße,
    Marco
  • Trifft vollkommen zu! Ich habe mich bis vor ca. einem Jahr manchmal wie ein Rumpelstilzchen aufgeführt (du verstehst schon... ;) ) Im eigenen Verein war dann nen Ranglistenturnier und ich habe mich beherrscht » Turnier souverän gewonnen. Das erste Mal überhaupt ;)

    LG
  • Hallo Moritz,

    sehr schönes Beispiel, wie solch eine gänderte Einstellung im Kopf auf dem Tennisplatz seine Auswirkungen auf das Ergebnis haben kann.

    Der Spruch "Tennis wird im Kopf entschieden" ist alles andere als eine altbackene Floskel ;-)

    Viele Grüße,
    Marco
  • Das ist schonmal die Spitze des Eisbergs.
  • Hey Ralle,

    definitiv. Danach kommt noch so einiges. Aber sollte dies eine Grundlage sein auf welcher man aufbauen kann ;-)

    Viele Grüße,
    Marco

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