Die starke Mentalität, um stärkeren Gegner den Schneid abzukaufen

Du willst die Topleute schlagen?

Du willst bei einem Turnier für Furore sorgen?

Triumphieren?

Ich kann dich verstehen. Diese Artikel wird dir einen Hinweis in deine Tennistasche legen, der für deine Karriere goldwert sein kann.

Ich bin mir sicher, dass du diesen Hinweis in der Zukunft umsetzen kannst.

Als ich elf Jahre jung war spielte ich ein Turnier in Lippstadt. Es war ein sehr stark besetztes Jüngstenturnier und die Auslosung wollte, dass ich direkt gegen die Nummer zwei des Turnieres, Stefan, spielen sollte. Stefan stand zu diesem Zeitpunkt auf Rang 18 in Deutschland in unserem Jahrgang und wahrscheinlich kannte er mich vor dem Match gar nicht.

Nach dem Match sollte er mich sehr gut kennen 😉

Wir wurden von der Turnierleitung via Lautsprecher ausgerufen und gingen gemeinsam auf Platz zwei der Halle. Gespielt wurde auf einem sehr schnellen Teppichboden, der allerdings noch nicht sehr abgelaufen und stumpf war.

Ich fühlte mich direkt sehr wohl.

Das Match begann und ich konnte mit dem sehr schnellen und flachen Spiel von Stefan viel anfangen. Ich war von Natur aus bewegungsfaul und fand es prima, dass Stefan so gerade und schnell spielte. So musste ich nicht unnötig in die Knie gehen oder mich nach hinten orientieren, um nervige Mondbälle von der Hallendecke zu kratzen.

Die Ballwechsel, die Aufschlagspiele, das gesamte Match – war eng. Und heute, 22 Jahre später, habe ich verstanden warum ich gegen diesen viel stärkeren Gegner gewinnen konnte.

Denn machen wir uns nichts vor: du musst am Gegner dran sein, du musst spielerische Elemente in deiner Schatzkiste haben, um deinem Gegner Paroli bieten zu können. Du musst in seinen Kopf kraxeln.

Wenn dir die spielerischen Fähigkeiten fehlen, um dich an einem stärkeren Gegner im Match festzubeißen, kommst du erst gar nicht in die Position um ihn zu schlagen. Dann musst du erst auf den Trainingsplatz zurück, schuften und ackern – und dich dann neuen Herausforderungen stellen.

Was du aber tun kannst, wenn du an deinem Gegner dran bist und bereits in seinem Kopf bist, dann besprechen wir jetzt.

Vorstellung

Deine größte Waffe ist es dem stärkeren Gegner das Gefühl zu geben, dass er verlieren kann.

Markiere dir diesen Satz auf deinem Smartphone oder mache einen Screenshot von diesem aktuellen Bildausschnitt. Damit der Screenshot auch den Bildschirm ausfüllt, schreibe ich es nochmal:

Deine größte Waffe ist es dem stärkeren Gegner das Gefühl zu geben, dass er verlieren kann.

Stefan blieb bis zum 4:4 im ersten Satz ruhig. Ich konzentrierte mich ausschließlich auf mein Spiel, auf den nächsten Punkt und schleifte an meiner Gewissheit, dass ich das Ding gewinnen kann. Ab diesem 4:4 begann Stefan erste negative Reaktionen zu zeigen. Simple Dinge: Kopfschütteln, destruktive Selbstgespräche, hektische Bewegungen.

Ich hingegen blieb vollkommen ruhig. Es machte mich nicht nervös, dass ich kurz davor war einen Satz gegen die Nummer zwei des Turnieres zu gewinnen. Stattdessen spielte ich einfach weiter und tat unbewusst Dinge, die mir erst über 20 Jahre später auffallen.

Zeit

Wenn du bereits gegen stärkere Gegner an einem Erfolg dran warst, wirst du es kennen. Man neigt zu Hektik und dazu alles schneller zu machen.

Du denkst schneller:

„Oh man. Jetzt steht es 5:5. Wie hab ich es nur so weit geschafft? Wie soll ich jetzt spielen? Einfach nur rein? Oder voll drauf?“

Das sind vier Fragen innerhalb weniger Sekunden. Diese mentale Hektik überträgt sich unweigerlich auf dein Handeln auf dem Court. Diese Hektik wiederum ist die größte Waffe des stärkeren Spielers, um eine Niederlage abzuwenden. Rafael Nadal, Novak Djokovic und alle anderen großen Spieler haben schon unzählige Male von dieser mentalen und dadurch spielerischen Hektik ihrer Gegner in engen Matchsituationen profitiert.

Da du schneller denkst, spielst du auch schneller. Du kannst an Psychologie glauben oder nicht. Du kannst Bewusstsein und Unterbewusstsein für „Quark“ halten. Der Grund, warum du nach 32 Jahren Pause dich auf ein Fahrrad schwingst und losradelst als hättest du nie etwas anderes in deinem Leben getan, ist dein Unterbewusstsein. Dort sind die für das Fahrradfahren wichtigen Elemente wie Trampeln, Balance und Vorsicht gespeichert.

Du beginnst also NICHT dich mit der aktuellen Spielsituation zu befassen. Du denkst NICHT darüber nach, was du am Netz beim Handshake deinem besiegten Gegner sagen kannst. Du denkst NICHT darüber nach, was die anwesenden Zuschauer dir nach deinem Triumph alles sagen könnten.

Stattdessen nutzt du die auf dem Platz so wichtige Zeit zwischen den Ballwechseln anders.

Und zwar so:

Lass deinen Gegner Bilder malen

Wir haben vor einigen Zeilen darüber gesprochen, dass du deinem Gegner das Gefühl geben musst, dass er verlieren kann. Jetzt schauen wir, wie du das anstellen kannst.

Um diese Waffe einzusetzen benötigst du Zeit und die richtige Spielsituation. Ich schreibe bewusst Spielsituation, da es nicht immer ein enger Spielstand sein muss, der deinen Gegner zum nachdenken bringen kann. Eine solche Spielsituation ist, wenn du einen langen Ballwechsel gewonnen hast. Eine solche Spielsituation ist, wenn sich dein Gegner ärgert oder beginnt mit sich selbst zu reden. Eine solche Spielsituation ist, wenn du zumindest kurzzeitig das Momentum auf deiner Seite des Netzes hast.

Diese Phasen geben deinem Gegner Zeit Bilder in Gedanken zu malen. Gib deinem Gegner Zeit nachzudenken. Du gibst ihm dann die Möglichkeit sich vorzustellen, wie es wäre nach einer überraschenden Niederlage vom Platz zu gehen und sich erklären zu müssen.

Ein Bild könnte wie folgt aussehen:

„Was ist hier nur los? Der da drüben scheint auch nicht locker zu lassen. Wo ist die Selbstverständlichkeit nur hin? Oh man, wie soll ich das nur meinem Coach erklären, wenn ich hier verliere. Ganz zu davon schweigen, dass er sauer sein wird.“

Auch dein Gegner hat mentale Probleme, wenn du erst einmal in seinen Kopf gelangt bist. Vielleicht zeigt er es nicht durch seine Körpersprache.

Aber Zweifel kennt jeder Mensch.

Du allerdings solltest jetzt keine Zweifel mehr haben, dass du stärkere Gegner schlagen kannst, sobald du es in ihren Kopf geschafft hast.

Stefan konnte ich damals 6:4 und 6:4 besiegen.

Und wenn ich das geschafft habe, dann wirst es dir auch gelingen 😉

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