Warum hohe Niederlagen deine besten Trainer sind

Zunächst dachte ich, ein Kettenraucher würde eine seiner 32 täglichen Zigaretten an meinem Bein ausdrücken.

Es brannte. Und stach.

Meine kurze, blaue Hose war an der linken Hosentasche mit Erde verschmutzt. Mein gelbes, etwas zu großes T-Shirt blieb kurioserweise unversehrt.

Da lag ich nun.

Mitten in Dänemark. Auf einem Waldweg Richtung Strand.

Das Sonnenlicht durchflutete schüchtern die dichten Bäume. Die Sonne blendete nicht – spendete aber Licht.

Mein Fahrrad wurde auf dem Weg zum Strand von einer Wurzel erwischt.

Ähnlich wie damals die Titanic gegen den Eisberg verlor, blieb mein kleines Vehikel gegen die unscheinbar wirkende Wurzel des dicken, unsympathischen Baumes neben mir auf der Verliererstraße.

Meine Ausbildung zum Stuntman lag leider noch weit vor mir. Deswegen konnte ich den Sturz – trotz meiner acht Jahre Lebenserfahrung – nur bedingt abwehren.

Von meinem linken Knie grüßte eine Schramme, nicht länger als mein Zeigefinger, doch größer als mein kleiner Finger.

Eine Zigarette war allerdings nicht zu sehen.

Da es mein erster Sturz in dieser Größenordnung war, wusste ich mir im ersten Moment nicht zu helfen. Mama und Papa waren noch im Ferienhaus, welches einige Meter hinter mir lag. Der Waldweg war so einsam und unscheinbar, dass keine Menschenseele sich an diesem Morgen dort verlor.

Ich war gestürzt. Am Boden. Verletzt.

Eine Herausforderung stellte sich mir – ohne Vorwarnung – in den Weg.

„Wie komme ich wieder auf die Beine?“

„Wie komme ich zurück ins Ferienhaus?“

„Wie komme ich, trotz Schramme und Blut am Knie, endlich ans Meer?“

Ich rutschte auf dem Hosenboden vom Fahrrad weg. Meine Blicke suchten eine Möglichkeit, irgendwie auf die Beine zu kommen. Bereits nach wenigen Augenblicken sah ich ein recht stabil wirkendes Gebüsch. Meine paar Kilos sollten für die dicken Äste kein großes Problem darstellen.

Also hangelte ich mich an diesen Ästen hoch.

Schneller als ich es glauben konnte, stand ich wieder auf meinen Beinen. Die Schramme schmerzte zwar und ich konnte das Bein nicht richtig bewegen – doch ich stand.

Halb hüpfend, halb humpelnd koordinierte ich mich zum Fahrrad.

Während ich mich mit meiner linken Hand am Baum abstützte, zog ich mein Fahrrad mit dem rechten Arm hoch. Nun stützte ich mich am Fahrrad ab, welches ich langsam Richtung Ferienhaus schob.

Nachdem ich auf meinem Weg zum Ziel gefallen war, am Boden lag und zunächst hoffnungslos schien, kam ich voller Stolz zurück zum Ferienhaus.

Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben gelernt, dass man nur aus Niederlagen und Rückschlägen wirklich etwas lernen kann. Wäre ich ohne Probleme und Sturz zum Strand gefahren, hätte ich das Meer und das Wetter genossen.

Es wäre der einfache, schöne Weg gewesen. Ohne Hindernisse. Ohne Sturz.

Aber auch ohne Lerneffekt.

So konnte ich zwar nicht diese schöne Seite geniessen. Doch saß ich voller Stolz im Vorgarten unseren Ferienhauses mit einem leckeren Cornetto Nuss in der Hand.

Ich hatte gelernt, wie ich mich nach einem Sturz – ganz allein – zu verhalten habe. Ich hatte gelernt, wie man richtig humpelt, ohne zu sehr sein Bein zu belasten.

Ich hatte gelernt, dass man auch mal auf den Boden schauen sollte, wenn man mit seinem Fahrrad durch einen Wald rast.

Ich hatte gelernt, dass die Äste eines Gebüsches stärker sind, als man ihnen beim bloßen Anblick zutraut. Ich hatte gelernt, dass der Schmerz einer Schramme am Knie zu Beginn scheußlich ist, dann aber schnell nachlässt.

Freue dich, mehr gelernt zu haben als dein Gegner

Hast du bei einem Match richtig auf die Mütze bekommen, sei sauer.

Ärgere dich. Raste aus.

Rede zwei Stunden mit niemandem. Sei nicht ansprechbar. Gehe zu einem Ort, wo die niemand findet.

Doch dann muss bei dir der Lerneffekt einsetzen. Du musst lernen zu verstehen, dass du in dieser Niederlage mehr gelernt hast als dein Gegner.

Dein Gegner mag im Moment des Matchballs der Sieger gewesen sein. Er hat dir als Sieger am Netz die Hand gegeben. Dein Gegner steht als Sieger auf dem Tableau.

Aber das ist alles nur kurzfristiger Erfolg. Für einen kurzen Moment. Auf längere Zeit gesehen, bist du der Sieger des Matches. Weil du lernen konntest. Und lernen tust du für deine gesamte Karriere als Tennisspieler. Vollkommen wurscht, ob du ein LK2 Spieler bist oder LK 19.

Du hast gelernt. Dein Gegner nicht.

Spring aus dir heraus – lerne zu reflektieren

Ein Idiot bist du, wenn du dich gegen das Lernen wehrst. Es gar nicht an dich rankommen lassen willst, weil dein Ego dir im Weg steht.

Hab ich dich gerade einen Idioten genannt?

Sorry.

Aber sei ehrlich zu dir: es ist schon idiotisch, wenn dir jemand Lernstoff für deine gesamte Karriere auf dem Silbertablett serviert, du das Tablett nimmst und es einfach wegwirfst.

Das ist Idiotentum.

Nimm dein Ego in den Schwitzkasten und bring es zum Schweigen. Sei offen für alles Neue, was sich dir anvertrauen will. Ob du in deiner harschen Niederlage einen schlechten Tag hattest, oder zuvor schlecht geschlafen hast, interessiert niemanden.

Das einzige, was dich interessieren muss ist, was du aus diesen Niederlagen lernen kannst.

Und dies wird immer mehr sein, als aus einem Sieg. Sei stolz – nach jeder Niederlage.

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1 Kommentar

  • Genial

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