Der Grund, warum eine sorgfältig gepackte Tennistasche matchentscheidend sein kann

5:7 4:5.

Cedric muss gleich gegen den Verlust des Matches servieren.

Er ist nervös und energielos. Hektisch kramt er in seiner Tennistasche, die links neben ihm auf der Bank steht.

Bereits zwei Lagen Handtücher und eine Lage Shirts hat er beiseite geräumt. Seine Kopfhörer fliegen ihm entgegen, sein Smartphone rutscht beim kramen die ganze Zeit quer durch die Tasche.

Cedric ist auf der Suche nach seiner Banane.

Er weiß, dass er diese halb braune, halb gelbe Energieschleuder eingepackt hat. Doch in Cedrics Tasche herrscht größeres Chaos als unter seinem Bett.

Schimpfwörter kommentieren die verzweifelte Suche. Cedric beginnt wütend zu werden.

Sein Gegner erhebt sich bereits von seiner Bank, als Cedric endlich, in der hintersten Ecke seiner Tasche, die Banane entdeckt.

Hektisch schält Cedric sie auf, nimmt einen Bissen und läuft entnervt zur Grundlinie.

Noch immer von seiner Wut mental gezeichnet, tippt Cedric den Ball auf, wirft ihn hoch und drischt die Filzkugel in die Netzwurzel.

Cedrics Wut brodelt.

Ohne sich Zeit zu nehmen und Gedanken zu machen beginnt er seinen zweiten Aufschlag.

Dieser landet 20 Zentimeter seitlich im Aus.

Doppelfehler. 0:15.

90 Sekunden später hat Cedric das Match durch zwei weitere leichte Fehler und einen Returnwinner des Gegners verloren.

Cedrics Tennistasche hat das Match entschieden.

Deine Tennistasche ist ein Spiegel deiner Seele

Herrscht in deiner Tennistasche das pure Chaos, lässt du dich auf dem Platz von Problemen und leichten Fehlern schnell an der Wutsehne kitzeln. Du verlierst schnell die Fassung und wirst von deinen Emotionen getrieben wie der 8-jährige Lukas, der unter dem Weihnachtsbaum anstatt dem roten den blauen Traktor entdeckt.

Dir fehlt die Ordnung und eine klare Richtung.

Deinen Schläger würdest du ja auch nicht mit der Wolle deiner Großmutter bespannen. Aber deine Tasche widmest du weniger bis gar keine Aufmerksamkeit. Da wird einfach mal alles schnell reingeschmissen, ohne dass du dir Gedanken machst. Ein paar Kopfhörer, Shirts, Griffbänder und vielleicht noch ein Springseil. Alles kommt in ein Fach, obwohl dein Racketbag zwei große Fächer für dich parat hat.

Das Nebenfach wird mit allerlei Kleinigkeiten vollgestopft.

Nicht selten findest du in diesem kleinen Fach noch ein paar Cent oder ein Stück der Verpackung des Energieriegels, den du im Match vor sieben Wochen verzehrt hast. So zerstreut die Kleinigkeiten in deiner Tasche umherfliegen, so zerstreut bist du auf dem Platz.

Dir fällt es schwer, deinen Matchplan umzusetzen, obwohl dieser nur aus zwei Facetten besteht: hoch und sicher spielen. Du lässt dich von drei guten Schlägen des Gegners aus der Bahn werfen. Ebenso schwer fällt es dir deine banane in der Tasche zu finden, wie bei unserem Beispiel Cedric zu Beginn dieses Artikels.

Verrückt, oder?

Novak Djokovic fiel bereits als kleiner Steppke dadurch auf, dass er mit einer penibel gepackten Tasche zum Training kam. Jeder dachte, dass seine Eltern für diese Ordnung in der Tasche des Kurzen verantwortlich waren. Doch war es Novak selbst, der nicht wenig Zeit in dasPackens einer Tasche investierte.

Hast du bei den TV-Übertragungen mal eine Tennistasche eines Profis gesehen, die chaotisch gepackt war? Wo alles heraus quillte, wie die Flüssigkeit aus einer geschüttelten Flasche Apfelschorle?

Wahrscheinlich nicht.

Rafael Nadal weiß genau um die Bedeutung des Chaos um einen Tennisspieler herum. Er legt nicht nur größten Wert auf Ordnung in seiner Tasche, sondern auch außerhalb dieser.

Deine Tasche ist die Grundlage, der Ausgangspunkt für dein Mach. Dies beginnt, wenn du die Tasche einen Tag zuvor oder am Morgen packst. Wirfst du deine sieben Sachen einfach in die Tasche hinein, ist deine Grundlage chaotisch und ohne eine klare Struktur.

Es ist dann nicht verwunderlich, wenn du eben so auf dem Platz agierst: chaotisch und ohne Ideen.

Du kannst mit einer vernünftig und sauber gepackten Tasche die Grundlage für dein Match legen. Eine Grundlage, die auf einer klaren Linie baut, auf Ordnung und einem sauberen „zu Hause“. Ähnlich wie auf dem Platz musst du beim Packen deiner Tasche simple Lösungen finden.

  • wohin kommt die Banane, die du brauchst?
  • was kann dagegen weiter unten verstaut werden?
  • brauche ich die Kopfhörer wirklich weit oben in der Tasche?
  • ist das Griffband schnell griffbereit?

Durch einfache Regeln bist du in der Lage deine Tasche ordentlich zu halten. Ist deine Tasche ordentlich, ist auch dein Geist sortiert und klar auf das Match fokussiert. Du kannst dir diese Wirkung wie einen Waldteich vorstellen.

Wenn deine Tasche ordentlich ist, du sofort alles findest und beim Blick in die Tasche Struktur und Ordnung vorfindest, ist der Waldteich, dein Geist, ruhig und treibt gemütlich vor sich hin.

Brodelt aus deiner Tennistasche allerdings das reine Chaos empor, sobald du den Reißverschluss öffnest, ist dem so, als würdest du Felsbrocken in den Waldteich werfen. Dein Geist ist unruhig und der innere Balancepunkt, der für deine Konzentration und Ruhe zuständig ist, wird durcheinander gewirbelt.

Lass uns zurück in das Beispiel zu Beginn des Artikels gehen.

Cedric hat durch das Suchen seiner Banane so viele Felsbrocken in den Waldteich geworfen, dass er das enge Match verloren hat. In einem ungünstigen Zeitpunkt war es eine Lapalie, die über den Ausgang des Matches entschieden hat.

Das ist das Schöne am Tennis. Alles was du tust, vor und während dem Match, hat eine Bedeutung für das Match. Streitest du dich vor dem Endspiel der Clubmeisterschaften mit deinem Lebensabschnittspartner, wirst du schlechter spielen, als wenn ihr zuvor einen tollen Abend verbracht habt.

Das noch Schönere am Tennis ist, dass du selbst dafür verantwortlich bist, mit welchen Voraussetzungen du in ein Match gehst. Deine Tennistasche kannst du zu einem Ort der Ruhe und Struktur machen. Durch simple Regeln.

Miste jetzt deine Tennistasche aus

Wenn du etwas Neues lernen willst, musst du zuvor deinen Gedankenmüll, der über die Thematik vorhanden war, in den mentalen Mülleimer werfen.

Im Falle der neuen Ordnung in deiner Tennistasche ist dies das Ausmisten von allem, was du nicht brauchst. Anschließend packst du die Sachen in deine Tasche, die du immer brauchst und die dir wichtig sind.

Aber vernünftig gepackt, versteht sich 😉

Allein das Ausmisten wird dich wahrscheinlich ein wenig beruhigen und dir ein gutes Gefühl für deinen nächsten Besuch auf der Tennisanlage geben. Du weißt dann, dass du mit einer vernünftig gepackten Tasche sofort losziehen und den Filzball verprügeln kannst.

Fühlt sich gut an, oder? 😉

Befreie deine Tasche auch von den ganzen Kleinigkeiten, die kein Tennisspieler – und erst recht du nicht, braucht. Es fliegen noch Vibrationsdämpfer im Nebenfach herum, obwohl du seit drei Jahren ohne spielst?

Raus damit.

Das Dextro Energen, welches seit neun Jahren sein Dasein in deiner Tasche fristet und keine Miete zahlt?

Raus damit.

Die Socken, die du seit drei Jahren als „Notfall-Socken“ in der hintersten Ecke des Hauptfaches rumfliegen hast?

Raus damit.

Wenn du alle Kleinigkeiten aus dem Waldteich befreit hast, kannst du dich daran machen deine „neue“ Tennistasche zu packen. Deine neue Tasche steht für Ordnung, Sauberkeit und vor allem für Einfachheit.

Halte die Ordnung einfach, dann fällt sie dir nicht schwer.

Deine Schläger kommen in das dafür vorgesehene Fach – und nur die Schläger. Dort haben keine losen Bälle etwas verloren.

In das Hauptfach kommen Klamotten und Handtücher. Keine Kopfhörer, Smartphones oder Energieriegel. Trenne die für dich wichtigsten Bestandteile voneinander, damit du dich nicht lange mit dem Suchen aufhalten musst.

Denk an Cedric und die Banane 😉

Deine Bestandteile kannst du wie folgt unterteilen:

  • Waffen (Schläger)
  • Munition (Klamotten)
  • Doping (Kopfhörer, Energieriegel, Bücher, Seilchen …)

Einfach und strukturiert.

Zurück zu Cedric.

Wie hätte sich ein solches Match entwickeln können, wenn Cedric zuvor diesen Artikel gelesen hätte und die Ideen umgesetzt hätte?

Ein kurzer Blick und zack – da wäre die Banane auch schon fast geschält gewesen.

Während dem Essen hätte sich Cedric überlegen können, wie er aufschlagen wird, wenn die ersten beiden wichtigen Punkte anstehen.

Ich habe hier einen Artikel über die verschiedenen Variationen beim Aufschlag geschrieben.

Cedric hätte sich einen Notfallplan machen können, wie er bei 0:30 oder 15:30 servieren will. Er hätte auf der Bank beim Seitenwechsel besser den Waldteich still halten können. Er hätte höchstens ein paar Kieselsteine reingeworfen.

Er wäre mit einer vollkommen anderen mentalen Einstellung zurück auf den Platz gekommen, um gegen den Verlust des Matches zu servieren. Ich habe in meinem eBook bereits darüber geschrieben, wie wichtig diese mentale Einstellung gerade auf Clubebene ist.

Ob er gewonnen hätte? Das kann man nicht sagen.

Was man aber bestimmt sagen kann ist, dass er bessere Chancen mit einer sorgfältig gepackten Tennistasche gehabt hätte.

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3 Kommentare

  • […] sprang ebenfalls auf, schnappte sich seine Tennistasche und marschierte Richtung Platz als würden wir gleich das Finale der Australian Open […]

Was denkst du?