Wie man als Tennistrainer seine Schüler langfristig zu großen Erfolgen führt

Wenn du mit Menschen zu tun hast, vergisse nie das sie keine Kreaturen der Logik, sondern Kreaturen der Emotionen sind

Dale Carnegie

Viele Tennistrainer versuchen durch Druck und eine in ihren eigenen Augen angsteinflößende Mimik und Körpersprache, alles aus ihren Schülern herauszuholen.

Selbstverständlich ein interessanter Ansatz, welcher sicherlich seine Früchte trägt.

Zumindest kurzfristig.

Unter Druck zeigen viele Spieler ihr wahres Leistungspotenzial. Druck hat in bestimmten Situationen seine Daseinsberechtigung – ohne wenn und aber.

Doch kann es den Schüler auf Dauer ermüden. Die Einstellung des Schülers kann darunter leiden. Und daraus resultierend können auch die sportlichen Ergebnisse, ab einem bestimmten Zeitpunkt, nicht mehr dem eigentlichen Leistungspotenzial entsprechen.

Die Ansprache des Trainers an den Schüler ist, vor allem über einen längeren Zeitraum betrachtet, das Wichtigste Werkzeug welches dem Trainer in seiner Zusammenarbeit mit dem Schüler zur Verfügung steht.

Die Ansprache kann die letzten Prozentpunkte ausmachen, wenn es um die Leistung des Schülers geht.

Es geht dabei nicht nur um die Ansprachen vor einem wichtigen Match, oder Turnier.

Die Ansprache ist in JEDER Konversation zwischen Trainer und Schüler von wichtigster Bedeutung.

Sei es auf dem Platz während einer Übung. Sei es beim Bälle sammeln. Sei es während einem Turnier. Sei es bei der Begrüßung.

Warum Lob die Kritik schlägt

Nehmen wir ein konkretes Beispiel.

Schüler Stefan wird von seinem Trainer Achim trainiert. Achim gilt als eher strenger Hund als Trainertyp. Er ist penibel und achtet auf alle Kleinigkeiten.

Was für Stefan in seiner Entwicklung, logisch betrachtet, ja förderlich sein sollte.

Während einer Vorhand-Übung begeht Stefan in bestimmten Abständen immer wieder denselben Fehler. Er spielt die Vorhand aus dem Halbfeld viel zu passiv.

Anstatt druckvoll und mit Topspin durch den Ball zu gehen, spielt er diesen eher verhalten, drucklos und ohne Spin. Zwar lang und platziert – doch könnte er diesen Ball aufgrund seiner Fähigkeiten wesentlich besser spielen.

Achim, als strenger und autoritärer Trainer wird während der Übung immer lauter.

Er macht Stefan mehrmals darauf aufmerksam, dass er doch bitte bei dieser Vorhand mehr durch den Ball gehen solle. Von mal zu mal wird Achim dabei bestimmter, aggressiver in seiner Ansprache.

Und nach einiger Zeit passiert etwas, was wahrscheinlich schon zu tausenden malen auf einem Tennisplatz bei einem Training passiert ist.

Je lauter und bestimmender Achim in seiner Ansprache wurde, desto verunsicherter wurde Stefan.

Er spielte die Vorhand dann zwar aggressiver, aber mit einem verkrampften Arm voller Unsicherheit. In Stefans Kopf drangen Gedanken, die ihn in seinem Spiel weiter verunsicherten.

Am Ende der Übung war weder Stefan mit seiner Leistung, noch Achim mit seinem Schüler zufrieden. Das Ziel dieser Trainingseinheit, die Vorhand aus dem Halbfeld von Stefan zu verbessern, wurde komplett verfehlt.

Die Ansprache des Trainer Achim an seinen Schüler Stefan war falsch.

Er hat die Logik bei Stefan angesprochen – nicht aber seine Emotionen. Seine Emotionen wurden durch die falsche Ansprache nur völlig durcheinander gewirbelt.

Gehen wir wieder zurück zu unserem Beispiel und springen an die Stelle, an welcher Achim immer lauter und bestimmender in seiner Stimme wurde, als es um die zu passive Vorhand Stefans aus dem Halbfeld ging.

Denn hier liegt der Vogel begraben.

Anstatt immer impulsiver zu werden, hätte Achim seinen Schüler in ruhiger, verständlicher und deutlicher Ansprache sagen sollen:

Stefan, die Vorhand ist soweit gut. Aber wir beide wissen: du kannst sie noch besser und aggressiver spielen. Nimm ein wenig mehr die Hüfte mit hinein und gib deiner Vorhand dadurch mehr Power

Achim hat in seiner Ansprache zwei Optionen:

  1. Durch laute, aggressive Ansprache seinen Schüler unter Druck setzen
  2. Die Emotionen seines Schülers ansprechen und ihn auf dieser Ebene zu seinem Ziel führen

Untersützt der Trainer seinen Schüler durch eine positive Ansprache, so werden beide Seiten wesentlich bessere Ergebnisse erzielen. Das heißt nicht, das der Schüler in Watte gepackt und zu jeder Zeit gestreichelt werden soll. Es geht einzig und allein um die Art der Ansprache.

Zu jeder Zeit.

Es macht für die sportliche Entwicklung, auf Dauer gesehen, einen vehemmenten Unterschied ob ein Schüler permanent mit:

Du machst das verdammt nochmal falsch – jetzt reiß dich gefälligst zusammen und spiele vernünftiges Tennis

angesprochen wird oder mit:

Du willst doch eine aggressive Vorhand spielen, nicht wahr? Du bist auf dem richtigen Weg, aber wenn du tollen Winner im nächsten Match spielen willst, dann setz deinen Oberkörper noch mehr ein

Der Schüler muss mit seiner Emotion gepackt werden, dass er, der Schüler selbst, tolles Tennis spielen will und wird. Tolles Tennis, Erfolge und die Bestätigung seiner eigenen Leistung lösen im Schüler Emotionen aus.

Der Trainer muss es sich zur Aufgabe machen den idealen Weg zu finden, diese Emotionen in seinem Schüler anzusprechen und diese dann anschließend zu fördern.

Das ist der Weg den man als Trainer gehen sollte, wenn man seine Schüler zu den Erfolgen führen will von denen sie bislang nur träumen können.

Welche Ansprache pflegt dein Trainer zu dir? Oder bist du selbst Trainer? Was denkst du ist der beste Kommunikationsweg zwischen Trainer und Schüler? Lass es mich in einem Kommentar wissen 😉

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4 Kommentare

  • Sehe ich absolut genauso.
    Es ist nur noch besser,wenn der Trainer dem Schüler nicht sagt wie er das Problem löst,sondern ihn fragt wie er das Problem lösen würde.Das Ergebnis ist noch eine Stufe besser,da jetzt der Schüler lernt seine Probleme selber zu lösen,was im Tennis sehr wichtig ist.Es geht um Eigenverantwortung !
    Das heißt der Schüler erfüllt nicht die Ansprüche des Trainers,sondern versucht seine eigenen Ansprüche gerecht zu werden.Qualitativ ist das nochmal ein großer Unterschied .Ein Problem was man selber gelöst hat gibt einem Selbstbewusstsein und man verinnerlicht es viel mehr ,da es nicht fremdbestimmt ist.Der Trainer sollte der Berater sein .Ein Spieler sollte nicht für den Trainer spielen .Die erste Frage eines Trainers sollte immer heißen ,“was kann ich für dich tun und wohin möchtest du hin?“Wichtig ist,daß der Spieler die Ziele formuliert,damit es später keine Mißverständnisse gibt!
  • Hallo Marco,
    ich habe deinen Artikel bzgl. des Themas wie Trainer ihre Schützlinge zu Erfolgen führen mit großem Interesse gelesen.
    Unsere Tochter (13 Jahre) trainiert seit ca. 7 Jahren bei einem relativ strengen Trainer. Sie wurde von ihm gefördert (auch finanziell) und hat sich bis dato auch gut entwickelt ( aktuell Nr. 40 DTB U14). Jedoch merken wir als Eltern, dass unsere Tochter mit der Art des Trainers nicht mehr klar kommt. Es trifft genau das zu was du in deinem Artikel bes grienen hast: bei Fehlern oder Gewünshten Verbesserungen wird der Trainer laut und zeigt kein Verständnis.
    Auch die Ansprachen sind wenig motivierend.
    Wir überlegen aktuell die Zusammenarbeit zu beenden, weil unsere Tochter im letzten Jahr keinen richtigen Spaß mehr hatte und ihre Motivation nicht mehr die gleiche ist.
    Sie trainiert mittlerweile lieber mit mir wie mit dem Trainer. Was uns aktuell davon abhält ist eine Art Schuldgefühl gegenüber dem Trainer. Auf der anderen Seiete geht es um unsere Tochter. Was meinst du?
    Deine Meinung wäre uns sehr wichtig.
    Schöne Grüsse
  • Hallo Klaus,

    vielen Dank für deinen Kommentar.

    Ich werde dir in einer persönlichen e-Mail antworten, da dies ja schon etwas mehr ins private geht.

    Allgemein möchte ich aber sagen: Sobald man der Meinung ist, dass der Trainer nicht mehr der Richtige ist, sollte man die Reißleine ziehen und einen Trainerwechsel vornehmen.

    Das so etwas nie ganz leicht ist und natürlich den einen oder anderen faden Beigeschmack hat gehört leider mit dazu.

    Gruß,
    Marco

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