Superstars & Underdogs

„Niemand soll auf der Challenger-Tour seinen Lebensunterhalt verdienen können“, meinte ATP-Boss Chris Kermode sinngemäß im Rahmen eines Pressegespräches.

Diese Aussage irritiert und verärgert. Doch sie spiegelt die Realität im Profitennis wider. Die großen Turniere stocken Jahr für Jahr ihr Preisgeld auf. Die Top-Stars verdienen sich eine „goldene Nase“ mit Sponsorverträgen. Und der große Rest vegetiert am Existenzminimum… Nur die ersten 100, vielleicht 200, der Weltrangliste können vom Tennis leben. Ausgesorgt haben bloß die absoluten Superstars.

Die Haltung von Kermode zeigt die Fortsetzung einer kurzsichtigen Politik zum Nachteil der Mehrheit der Spielerinnen und Spieler – und zum Schaden fürs Tennis.

Wenn Kermode schon den Vergleich mit der Ausbildung bemüht, dann bitte mit der allgemeinen Berufsausbildung – und den „Lehr- und Wanderjahren“. Er scheint sich bloß am angloamerikanischen Universitäts-System, an Elite-Universitäten und Spitzen-AbsolventInnen zu orientieren. Sein Modell forciert jedenfalls eine beinharte Auslese. „Nur die Besten kommen durch!“ Konkret: Möglichst rasch durch die ITF-Serie. Weniger Druck haben nur die, die sich’s leisten können, weil es die Eltern finanzieren. Die weniger Begüterten werden, je nach Leidensfähigkeit, früher oder später den Schläger an den Nagel hängen…

Wollen wir den breiten Zugang zum Tennis verhindern, weil die finanzielle Durststrecke zu lange ist und sich Talente daher für andere Sportarten entscheiden? Nein! Wollen wir gescheiterte Existenzen, die aus Liebe zum Tennis ihre Berufsausbildung vernachlässigt haben? Nein! Wollen wir eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, die immer weiter auseinander driftet, wo die Besten Millionen verdienen und die Anderen nichts? Und nochmals nein!

Zurück in die Vergangenheit, als Tennis ein Sport der Eliten war? Damals spielten nur die Kinder der reichen Leute Tennis – und das Kind des Platzmeisters, weil es dazu Gelegenheit hatte. Der Unterschied zu heute: Zu dieser Zeit konnte niemand vom Tennis leben!

Das sind nicht nur sportpolitische, sondern auch gesellschaftspolitische Fragen!

Herzliche Grüße aus Wien!

 

P.S.  Auch Spielerinnen und Spieler, denen nicht der Aufstieg in die „Elite-Liga“ gelingt, müssen ein existenzsicherndes Einkommen verdienen! Oder wollen wir „Working Poor“ auch bei den Tennisprofis?

 

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