Im Interview: Dominic Thiem

Marco Kühn
von Marco Kühn

Anmerkung: Dieses Interview mit Dominic Thiem entstand weit vor dem Finale der French Open und dem Einzug in die Top-10 der Weltrangliste. Es muss ungefähr 2013 oder 2014 gewesen sein. 

Als tennis-insider.de ins Leben gerufen wurde, war Dominic sofort bereit ein paar Fragen zu beantworten. Die Anfrage zu diesem 'Mini-Interview" beantwortete Dominic sofort. Innerhalb weniger Tage sendete er mir seine Antworten. Diese professionelle Einstellung charakterisiert ihn bis heute sehr gut. Obwohl ich weder ein Journalist noch ein großer Reporter war, hatte er keine Probleme damit sich für tennis-insider.de Zeit zu nehmen. 

Während ich diese Einleitung schreibe ist es mittlerweile 2019. Dominic Thiem gehört zu den besten Spielern der Welt. Die kleine Zeitreise, die dieses Interview mit sich bringt, führt dich in seine Gedankenwelt vor großen Erfolgen und dem Angriff auf den Titel bei den French Open.

Viel Spaß dabei!

Intro.

Im heutigen Herrentennis ist es alles andere als leicht, sich als junger Spieler nach oben zu spielen. Die Leistungsdichte ist enorm. Das Niveau ist auf vielen Challenger- und auch Futureturnieren sehr hoch. Von der ATP Tour ganz zu schweigen.

Dominic Thiem hat es geschafft, sich mit nur 20 Jahren in den breiten Fokus der Öffentlichkeit zu spielen. Man kann davon ausgehen, dass auch die großen Stars mittlerweile von ihm Notiz genommen haben. Auf alle Fälle hat dies Andy Murray getan. In Rotterdam nahm der junge Österreicher dem Wimbledonsieger einen Satz ab. Und auch bei seinem Heimturnier in der Wiener Stadthalle brachte er Jo Wilfried Tsonga an den Rand einer Niederlage.

Eine Eintagsfliege? Wahrlich nicht … Just in dieser Woche spielt sich Dominic Thiem weiter nach oben. Aus der Qualifikation spielte er sich in Indian Wells, dem größten Turnier neben den Grand Slams, in das Hauptfeld. Dort schlug er in der ersten Runde den Lokalmatadoren Daniel Kosakowski. In der zweiten Runde besiegte er die Nummer 23 der Weltrangliste, keinen geringeren als Gilles Simon. In zwei Sätzen. 7/6 und 6/2.

Es freut mich sehr, dass Dominic Thiem sich vor seiner ersten Runde in Indian Wells Zeit genommen hat, einige Fragen zu beantworten.

Interview

Welche drei Dinge würdest Du mit auf eine einsame Insel nehmen?

Bücher, mein Handy und einen Solar-Stromgenerator!;-)

Welchen Film hast Du zuletzt im Kino gesehen?

Kino geht sich selten aus. Im TV mag ich Alarm für Cobra 11!

Wobei kannst Du am besten von allem abschalten?

Zuhause auf der Couch mit einem Buch oder vor dem Fernseher.

Seit Deinem Sieg in Kitzbühel gegen Jürgen Melzer hast Du Dich fast schon rasant nach oben gespielt. War Dein derzeitiges Ranking auch Dein gesetztes Ziel oder kam die Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit auch für Dich überraschend?

Es geht alles viel schneller als zu erwarten war. Geträumt hab ich schon davon, aber erwarten darf man sowas nie! Man darf auch nie vergessen, dass es Rückschläge geben wird.

Ich fand Deine Körpersprache im Match gegen Andy Murray sensationell. Man hat Dir den Fokus auf das Match förmlich angesehen. Wie war es vor dem Match? Hast Du an eine tatsächliche Siegchance gegen Murray geglaubt?

Ja! Ich hab einfach extremes Vertrauen in meine Stärken. Also vor allem in meine Schläge, die sind meine größte Stärke. Alles baut auf einer guten Technik auf. In den Schlägen stecken soviele Jahre Arbeit! Ich weiß, dass die sehr gut sind.

Was denkst Du, wie viel Dir Dein tolles Ergebnis bei den Australian Open dieses Jahr und Dein Match gegen Andy Murray in Bezug auf Deine spielerische und mentale Entwicklung gebracht hat?

Es war eine Bestätigung, dass meine Stärken auch auf ATP-Niveau echte Stärken sind. Das war sehr wichtig! Aber ich habe schon vorher gewusst, dass ich gut unterwegs bin. Mein Trainer Günter Bresnik ist internationale extrem erfahren und mein Trainingspartner Ernests Gulbis ist jeden Tag ein perfekter Maßstab.

In welchen Bereichen Deines Spiels willst Du Dich noch weiter verbessern? Bei der Rückhand Longline ist ja nicht mehr allzu viel Luft nach oben 😉

Überall! Ich steh grad einmal in den ersten 100! Wäre echt schlecht, wenn es da nicht noch viel zu verbessern gäbe!

Dominic Thiem hat im Jahr 2014 eine Matchbilanz von 15:4!

Wenn Roger Federer gegen Rafa Nadal spielt. Wem drückst Du die Daumen? Und warum?

Ich schau mir das eher an, um was draus zu lernen. Das hat sich auch in den letzten Monaten geändert: Ich sehe die Stars jetzt nicht mehr so als Stars, sondern schon auch als Konkurrenten.

Auf welchem Platz im Ranking willst Du Ende 2014 stehen? Sind die Top 50 schon ein realistisches Ziel?

Top 50 sind möglich, aber sie wären ein Traum. Meine Ziele für 2014 sind: fix im Hauptfeld Roland Garros, ohne Wild Card im Hauptfeld Kitzbühel und Wien. Jahresende um 70 oder 80 wäre schon perfekt.

Bei den Australian Open dieses Jahr erreichte Thiem als Qualifikant die zweite Runde. Dort verlor er gegen Kevin Anderson

Du hast Dich dafür entschieden, vorerst nur ATP Turniere zu spielen. Wird dies auch in Zukunft so bleiben oder gibt es auch einen Plan B der Dich wieder zu Challengerturnieren führen könnte?

Es kann nicht immer nur aufwärts gehen. Im Moment hab ich eine perfekte Phase. Die ist aber auch sehr einfach, weil ich dauernd neue Sachen erlebe und nichts zu verteidigen und nichts zu verlieren habe.

Und auch weil mich viele Spieler noch nicht kennen. Das wird nicht immer so bleiben. Ich bin sicher, es werden noch schwierige Phasen kommen! Es ist auch keine Schande, Challenger spielen!

Nehmen wir mal an, die Auslosung bei den French Open dieses Jahr meint es gut mit Dir und Du würdest auf Rafael Nadal treffen: Welche Erwartungen hättest Du an Dich selbst in diesem Match?

Rausgehen und ein geiles Match spielen. Und alles probieren, um ihn zu ärgern – und vielleicht sogar zu gewinnen 😉

Ich bedanke mich bei Dominic Thiem für das kleine Interview und wünsche ihm für die Zukunft Gesundheit und viele weitere Erfolge!

Marco Kühn
Marco Kühn
Marco ist ehemaliger Jugendranglistenspieler. Er ist auf dem Tennisplatz groß geworden und Federer-Fan. Heute hilft er Tennisspielern emotional kontrolliert und taktisch überlegen Matches zu gewinnen.

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