Was du als großes Tennistalent mit Potenzial unbedingt tun solltest – Teil II

Im ersten Teil dieser kleinen Artikelserie ging es um die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.

In diesem Teil soll es um die Einstellung gehen. Sollte man sich bereits als Champion fühlen? Ist der Überfluss an Möglichkeiten gesund? Was sollte das tägliche Ziel eines jungen Talents sein?

Entwicklung über Erfolg

Gehen wir zu Beginn auf einen Kernpunkt ein, wenn es um die Entwicklung eines Talents geht. Das Stichwort lautet: Belohnung.

Was ist ein Erfolg? Und was ist ein Erfolg wert?

Hier entsteht nicht selten ein großes Missverständnis. Oft wird ein Sieg gegen einen wesentlich besser platzierten Spieler als Erfolg betrachtet. Was natürlich absolut richtig ist.

Eine Niederlage gegen einen schlechter platzierten Gegner wird folgerichtig als Misserfolg betrachtet.

Im ersten Fall, dem Sieg über den besser platzierten Spieler, haben wir eine sofortige Belohnung für das Talent in der Entwicklung.

Im zweiten Fall, der Niederlage, sehen wir zunächst keine Belohnung. Wir sehen eher das Gegenteil. Frust, Wut und ansatzweise Verzweiflung. Warum Wut aber eigentlich ein Gewinn ist besprechen wir später.

Jede sofortige Belohnung fördert unweigerlich die eigene Zufriedenheit.

Ein voller Bauch gewinnt aber keine Turniere

Natürlich, Siege sind wichtig für das Selbstvertrauen. Siege sind wichtig für die Bestätigung der Arbeit. Jeder Mensch braucht und will Bestätigung, auch wenn dies niemand zugibt.

Doch lass uns mal gemeinsam schauen, warum die Niederlage es ist, die für eine spätere Belohnung sorgt. Und warum der Wert dieser Belohnung (Erfolg) höher zu bemessen ist als ein unmittelbarer Sieg eines Matches.

Belohnungsaufschub

Eine Studie hat ergeben, dass Lottogewinner spätestens nach drei Jahren wieder denselben Kontostand haben wie vor dem großen Gewinn. Wenn sie sogar nicht noch weniger auf dem Konto haben.

Würde man also dich als Tennisspieler mit allem Erfolg der möglich ist überschütten, wärst du eine kurze Zeit lang auf einem Hoch. Du hättest Erfolg und könntest diesen genießen.

Eine Entwicklung findet auf diesem Wege aber nicht statt.

Eine Niederlage hingegen zeigt dir unmissverständlich auf, woran du noch arbeiten musst und wo deine Schwächen liegen. Deine Aufgabe ist es die Augen für diese Lehren zu öffnen. Und nicht vor der unangenehmen Wahrheit davonlaufen.

Nutzt du die Zeit und lernst aus deiner Niederlage, so ist dies ebenso ein Erfolg wie ein Sieg in einem Match. Es ist ein Erfolg für deine Entwicklung als Tennisspieler.

Welcher Erfolg ist nun stärker zu werten?

Das kurze Hoch eines Sieges in einem Match? Oder der Erfolg durch das Lernen aus Niederlagen? Durch Niederlagen lernst du für das Leben. Ein einzelner Sieg in einem Match ist vergänglich.

Du wirst durch eine Niederlage erst später belohnt. Doch ist es dieser Belohnungsaufschub, der dich zu einem besseren Tennisspieler macht.

Und das ist es doch was du willst, oder nicht?

Lass dich nicht blenden

Genieße deine Siege. Sei stolz auf dich. Freue dich über den Lohn deiner harten Arbeit. Doch sortiere diese Art von Erfolg richtig ein. Sei dir immer bewusst, dass dein größter Erfolg deine Entwicklung ist – nicht ein einzelner Sieg.

Heiße Niederlagen deswegen Willkommen. Empfange diese mit offenen Armen und lade sie zu einem Kaffee ein. Setzt euch an einen Tisch und analysiert.

Für deine Entwicklung sind aber Niederlagen wichtiger, da diese dich erst später belohnen werden, dieser Erfolg dich aber viel weiter bringt. Kurzfristige Belohnung hingegen ist wie ein Stein, der sich dir in deiner Entwicklung in den Weg legt. Du kannst schnell deinen klaren Blick verlieren und immer wieder über diesen Stein stolpern.

Oder du gehst ab sofort mit offenen Augen durch deine Tenniskarriere und verstehst das Prinzip des Belohnungsaufschubs. Dieser lässt dich die Steine auf deinem Weg glasklar erblicken. Deine Sinne für Verbesserung werden geschärft.

Was solltest du jetzt tun?

  • Lerne, dass Niederlagen positiv sind
  • Sieh Siege als das was sie sind: Schöne Bestätigungen deiner Arbeit, die dich aber auch von deiner Entwicklung abhalten können
  •  Vergleiche dich niemals und unter keinen Umständen mit anderen Spielern deines Alters
  •  Setze Entwicklung stets über Perfektion

Und: Lies den Ratgeber „Wie man seinen Gegner mit Köpfchen schlägt“ 🙂

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2 Kommentare

  • Hi Marco!
    Ich finde deinen Blog soweit sehr gut.Du beschreibst jedoch,die üblichen Ansätze,die viele verbreiten.Für die große Masse mag das auch so stimmen.
    Meine Erfahrungen mit Talent sehen zum Teil anders aus.
    Das erste was man feststellt,wenn man mit wirklichem Talent zu tuen hat ,es ist hoch individuell.Damit beginnt das Dilemma,wenn man mit Regeln und Argumenten kommt,die aus einer Welt der weniger talentierten kommen.Als erstes muß man sich vorstellen,wie es ist wenn man Talent hätte.Sachen gelingen dir selbstverständlich und benötigen kaum Arbeit.Seine Fähigkeiten selber zu wertschätzen fällt aber schwer,da alles erstmal zu leicht geht.Entstehen hier und da Probleme, ist man nicht gewöhnt zu kämpfen.Man setzt sich Ziele ,die zu hoch sind.Ein 12 Jähriger versucht Winner zu schlagen,wie Roger Federer und versteht nicht,daß das egal wie gut er ist ,nicht funktioniert.Er versteht nicht warum er verliert gegen jemanden,der viel schlechter die Bälle trifft und einen Ball nicht so gut beschleunigen kann.Man frustriert dann solcheSpieler indem man sie mit untalentierten spielen läßt.Es entstehen nicht die Ballwechsel die möglich wären und der Spaß und die Inspiration geht verloren. Spieler ,die weniger talentiert sind lernen zu kämpfen und erzielen damit Erfolge im frühen Tennis.Man hat dann oft eine Situation,in der die Talente frustriert sind und die weniger talentierten Erfolge feiern.Da wir Talent aber oft nur in den Ergebnissen sehen wollen,weil das das einfachste ist zum bewerten,verlieren wir sehr viele wirkliche Talente.Es gibt so viele Tennistrainer,die Talent gar nicht erkennen oder damit umgehen können. Ich behaupte ganz provokant,Zverev wäre in den normalen Verbandstrainingssystem nie zu dem geformt worden, was er heute ist.Solche Spieler müssen erkannt werden und dann individuell schon sehr früh auf ihr eigenes Spiel vorbereitet werden.Seine körperlichen Vorzüge und auch Schwächen wurden erkannt und man entwickelte schon früh eine Vision,wie sein Spiel aussehen soll.
    In Verbänden werden alle ähnlich trainiert und nicht auf die persönlichen Stärken hingearbeitet.
    Monotones Cross-Spielen ist nicht für jeden das richtige .Viele Trainer sehen die schnellen Hände eines Talents und lassen sich hinreißen sein Spiel schneller zu machen.Damit können sie einen Spieler jedoch schaden.Im Juniorentennis entscheidet nicht der Speed ,sondern die Kontrolle.Also muß ich sehr vorsichtig den Speed entwickeln,was bei Talenten mit schnellen Händen gefährlich ist.Da gehört sehr viel Sachverstand dazu ,nicht die Kontrolle zu verlieren.Diese Zusammenhänge und wie man damit umgeht ist nur wenigen bekannt.Wendige,kleine Spieler werden bevorzugt.Große Spieler bekommen Probleme mit ihrem Körper in jungen Jahren,weil der Körper unharmonisch wächst.Das Herz und Kreislaufsystem ist oft unterentwickelt zur Größe des Körpers .Die Muskulatur ist instabil aufgrund der Größe.Solche Spieler werden aussortiert,obwohl sie bei vernünftigen Training die Spieler sind,die die Waffen haben werden mit denen man sich im Herrentennis durchzusetzen kann. Die unproblematischen guten Durchschnittsspieler werden dann gefördert.Wie man dann aber sieht,waren das nicht die Richtigen in den letzten 20-30 Jahren.Talentförderung müßte individueller sein und schon früh auf die besonderen Ansprüche des Profisports ausgerichtet werden.
    Bei aller Begeisterung für Kerbers Kampfgeist,wäre es doch auch schön ,wenn sie auch den Ball vernünftig treffen könnte.Petko mit ihrem Körper müßte eigentlich 200km/h Aufschlagen und Grundschläge haben,daß den anderen der Schläger aus der Hand fällt.Wo ist da das Talent?Uneffektiver geht es doch kaum noch.Wo sind bei den Jungs die Spieler mit den Waffen ?Struff hat Waffen,wurde aber halt falsch trainiert.Er steht zu weit hinten und sein Tennis wurde nicht richtig entwickelt.Langsam und mühselig kann er jetzt seine Stärken nutzen.
    Wenn er nicht aus einem Tennisumfeld käme hätten wir ihn schon lange verloren, wie viele andere.Für mich beginnt alles mit Talent.Daß es dann noch ein weiter Weg ist klar,aber diese Idee alles funktioniert über den Willen ist eine Idee von Untalentierten und endet immer in der Durchschnittlichkeit.
  • Hey,

    zunächst Danke für dein eigentlich doch positives Feedback.

    Deine Ausführungen sind allesamt richtig - gehen sehr auf die Psyche und den Charakter ein. Ich denke, dass die verschiedenen Charaktere immer unterschiedlich mit den Anforderungen und Aufgaben umgehen. Was für den Einen gilt muss nicht unbedingt für einen weiteren gelten.

    Du bringst das Denken eines Talents hervorragend auf den Punkt. Hättest du nicht Lust einem dritten Teil der Serie dein Vorwort zu schenken? :-)

    Gruß,
    Marco

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