Tenniseltern: Vom traurigen Kind, dem Aufschlag und der Rückhand der Linie entlang

Mischa Zverev besiegte bei den Australian Open die Nummer eins der Welt, Andy Murray.

Vor ziemlich genau 18 Jahren spielten Mischa Zverev und ich dasselbe Turnier. Es fand in Selm statt und wurde auf Teppich ausgetragen. Eine kleine, eher miefige Halle. Leider durfte ich nicht gegen den heutigen Riesentöter antreten. Ich flog bereits in der ersten Runde raus.

Glück für Mischa 😉

Mich stoppte eine folgenschwere Knieverletzung. Mischa musste sich bereits im Kindesalter mit hohen Erwartungen herumplagen. Umso schöner ist es zu sehen, dass ein heute entspannter, vollkommen in sich ruhender Mensch bei Eurosport von seinem größten Triumph berichten kann – ohne Starallüren.

Im Tennissport wird von außen stets immenser Druck aufgebaut. Gerade auf Kinder. Klar, sie sind am leichtesten zu lenken und zu beeinflussen.

Oft sind die Wünsche und Träume der Eltern größer, als die der Kinder. Nicht die Interessen des Kindes wollen umgesetzt werden, sondern die des Vaters oder der Mutter.

Das Kind kann bereits im Alter von neun Jahren beginnen innerlich zu weinen. Leise, still und heimlich. Für einen Aufschlag oder eine Rückhand der Linie entlang, die von Vater oder Mutter mit Applaus bedacht wird. Nirgendwo kann man Egoismus so sehr spüren, wie an den Zuschauerzäunen der Jugendturniere.

Es ist vollkommen normal, dass sich die Eltern der Kids mehr über einen Sieg freuen als ihr Kind selbst. Wahrscheinlich freuen sich die Eltern dazu auch mehr für sich – als für ihr Kind.

„Wir spielen nächste Woche noch ein Turnier.“

Tenniseltern schicken ihr Kind niemals allein auf den Platz. Stets wird das „Wir“ gepriesen. „Wir“ waren dort im Halbfinale. „Wir“ haben gegen XY verloren. Aber da haben „Wir“ wirklich großartig gespielt. Stellt sich die Frage, wer das Ganze wirklich will. Und wer sein restliches Leben mit den Narben der Kindheit leben muss. Genau das scheinen Tenniseltern aber nie zu bedenken. Sie sehen Wimbledon, viel Geld und eine Rundum-Politur für ihr zerkratztes Ego.

Die mit dem Schläger begnadeten Kinder sind es, die das Selbstwertgefühl ihrer Eltern nähren müssen. Dabei sind die Eltern nicht satt zu bekommen. Sie wollen immer mehr. Sie merken nicht, wann sie satt sind.

Bis sie mit schlimmen Bauchschmerzen vor ihren selbst errichteten Trümmern stehen – ihrem traurigen Kind.

Eine bereits im frühen Kindesalter verdrehte Welt

Die Last auf den schmalen und zittrigen Schultern der Kinder ist so unsichtbar, dass das Kind diese Last auch nicht kommunizieren kann.

Wie will ein Kind über etwas sprechen, was es nicht sehen und tatsächlich erleben kann?

Gesenkter Blick, Wortkargheit und Orientierungslosigkeit im Privatleben eines Kindes sind Indizien für nach Selbstwert gierende Tenniseltern. Der Mensch kann so egoistisch sein, dass selbst das Wohl des eigenen Nachwuchses zu einer Nebenrolle im Theaterstück des Tenniswahnsinns wird.

Das rationale Denken setzt aus.

Wie viele talentierte Kinder verdienen später tatsächlich Millionen mit Schläger und Ball? Und wie viele Tenniseltern wollen mit allen greifbaren Mitteln ihr Kind an der Weltspitze sehen? Die Wahrscheinlichkeit mit verbundenen Augen aus einem Labyrinth zu entkommen ist höher, als das ein talentiertes Kind der Spieler wird, den sich die Eltern wünschen.

Liebe Tenniseltern: Wo bleibt die charakterliche Entwicklung des Kindes in den so wichtigen, jungen Jahren? Wo ist das so reine, unschuldige Lachen nach einem Training?

Vergrabt bitte euer Ego und führt eure Kinder in ein glückliches Leben.

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2 Kommentare

  • Wir haben genauso einen Tennisvater im Verein, der Mann ist so schlimm, dass jetzt sogar eine Heimmannschaft bei der wir zu Gast waren einen OS eingekauft hat, damit der Tennisvater nicht Oberschiedsrichter macht.
    Er sitzt schon beim Einspielen seiner Tochter auf dem Platz (U16!!), zeigt absolutes passiv aggressives Verhalten und benimmt sich unmöglich auf dem Platz, zwingt quasi andere Eltern auch auf dem Platz zu sitzen, weil die natürlich ihr Kind nicht alleine mit ihm lassen möchten. Dabei bleibt er weitgehend regelkonform, damit ihm keiner etwas nachsagen kann, ist aber zumindest für eine superschlechte Stimmung auf dem Platz verantwortlich. Manchmal hält er auch Karteikarten mit codierten Tipps hoch, die seine Tochter lesen soll.
    Mittlerweile fürchten wir schon fast, das wir als Verein verspottet werden, weil sich dieser Mann so fürchterlich benimmt.
    Aber es ist kein Kraut gegen ihn gewachsen, er pocht auf sein Recht als Betreuer auf dem Platz seiner Tochter sitzen zu dürfen (Badischer Tennisverband) und wir überlegen, ihm anzudrohen, seine Tochter nicht mehr aufzustellen, wenn er sein Verhalten nicht ändert.
    Wir sind ein wenig ratlos :-)
  • Hallo !
    Bitte die einhändige Rückhand erleutern. (erklären)
    Gruß Dieter

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