Von den Besten lernen – Wie schlägt die Weltspitze auf?

Das Tennis-Jahr 2017 war in jedweder Hinsicht… unvorhersehbar.

Nach Verletzungspausen dominierten plötzlich wieder Rafael Nadal und Roger Federer das Geschehen. Viele Spieler mussten die Saison verletzungbedingt vorzeitig beenden, unter anderem Novak Djokovic und Andy Murray.

Die Top 10 am Ende 2017 unterschied sich somit deutlich von den Jahren zuvor.

Und doch ist es immer wieder sehr interessant einen Blick hinter die Taktiken und Strategien der Weltspitze zu werfen. Denn von den Besten zu lernen heißt bekanntlich, siegen zu lernen.

In diesem Falle blicken wir einmal auf die Strategien beim Aufschlag.

Zahlen und Fakten

Dass dem Aufschlag – insbesondere im Herrentennis – eine besondere Bedeutung zukommt, ist sicherlich kein Geheimnis. Auch wenn das klassische Serve-and-Volley in der Weltspitze zumeist lediglich als taktisches Überraschungselement genutzt wird, spielt der Aufschlag dennoch eine besondere Rolle.

Es ist keine Überraschung, wer 2017 an der Spitze des ATP Serve Ratings steht: John Isner. Der große Amerikaner gilt derzeit als wohl einer der besten Aufschläger der Welt. Trotzdem fehlt den großen Aufschlägern wie Isner, Karlovic oder auch Sam Querrey derzeit ein wenig der Anschluss an die absolute Weltspitze.

Nun, dass Roger Federer im Serve Rating auf Rang drei steht, ist allerdings auch keine große Überraschung. Federer besticht durch sein extrem variables Aufschlagspiel, was ihm knapp 80% aller Punkte nach dem 1. Aufschlag einbringt.

Ein extrem starker Wert.

Ebenso überragend ist seine Ausbeute nach dem 2. Aufschlag von knapp 60%. Nur einer ist ihm in dieser Wertung noch überlegen: Rafael Nadal.

Der Spanier gewinnt derzeit 61% seiner Punkte nach dem 2. Aufschlag. Damit wären wir bereits bei einer wichtigen und trotzdem zumeist unterschätzten Komponente:

Dem 2. Aufschlag!

Entscheidungsfaktor 2. Aufschlag

Man hört es häufig bei den Tennis-Übertragungen im Fernsehen, dass die Quote beim 1. Aufschlag von enormer Bedeutung sei.

Das ist auch keinesfalls in Abrede zu stellen, allerdings ist nicht der 1. Aufschlag allein entscheidend für den Erfolg bei den Aufschlagspielen. Vielmehr kann ein stabiler 2. Aufschlag eine ebenso tragende Rolle einnehmen. So kann er, sinnvoll eingesetzt, mehr als nur ein „Notnagel“ sein.

Auch hierzu können wir uns eine interessante Statistik ansehen:

Sieht man sich rein die Quote beim 1. Aufschlag in der Saison 2017 an, wird man einen Roger Federer nur auf Rang 34 finden.

Und doch gilt er als einer der besten Aufschläger im Circuit. Schaut man sich daraufhin die gewonnen Punkte nach dem 1. Aufschlag an, wird man wiederum einen Rafael Nadal nur auf Rang 30 finden.

In beiden Kategorien dominieren Ivo Karlovic und John Isner.

Und doch stehen Nadal und Federer auf Rang eins und zwei der Weltrangliste. So richtig interessant wird es nun, zieht man die Statistik über gewonnene Punkte nach dem 2. Aufschlag zu Rate. Dort sind Nadal und Federer tatsächlich mit Abstand auf den Rängen eins und zwei.

Diese Tatsache lässt interessante Rückschlüsse über die Bedeutung des 2. Aufschlags ziehen.

Natürlich reden wir hier von der absoluten Crème de la Crème des Herrentennis und es lässt sich nicht zu 100% auf den Großteil aller Spieler übertragen, dennoch wird deutlich, welch wichtige Bedeutung dem 2. Aufschlag zukommt und dass es sich lohnt, auch diesen gesondert zu trainieren.

Es gab einige Turniere, bei denen ich Spieler gesehen habe, die mit einem gewaltigen 1. Aufschlag ausgestattet waren, dessen 2. Aufschlag allerdings komplett harmlos und angreifbar war.

Das ist genau der springende Punkt.

Natürlich ist der 1. Aufschlag in erster Linie die Waffe, mit der man sich freie Punkte erarbeitet, Asse serviert, sich gute Möglichkeiten verschafft. Aber ich kenne niemanden der in der Lage ist zu 100% den 1. Aufschlag zu servieren.

Und genau dann ist es wichtig einen stabilen und effektiven 2. Aufschlag zu haben, welcher mehr darstellt als den berühmten Notnagel.

Platzierung des Aufschlags – Lernen von den Besten

Die Platzierung des Aufschlags – der wesentliche Faktor neben der Geschwindigkeit. Häufig haben Spieler gewisse Präferenzen was die Aufschlagrichtung betrifft.

Das bestätigt sich auch unter den Top 10 der Weltrangliste. Dabei wird deutlich, dass mache Spieler deutlich beständigere Muster verfolgen als andere.

Ein sehr gutes Beispiel ist Grigor Dimitrov.

Dimitrov schlägt in festen Mustern auf und hat deutlich erkennbare Präferenzen was die Platzierung des Aufschlags betrifft. Speziell wenn es um die Big Points geht, greift er immer wieder auf die bewährten Taktiken zurück. So schlägt er häufig den 1. und den 2. Aufschlag in dieselbe Richtung. Auf der Einstand-Seite zumeist auf die sogenannte T-Section, also durch die Mitte.

Auf der Vorteil-Seite hingegen schlägt er häufig nach außen auf. Die taktische Marschrichtung ist damit offensichtlich.

Er versucht häufig in die Rückhandecke seiner Gegner aufzuschlagen.

Wir gehen hier aufgrund der Mehrzahl der Spieler von Rechtshändern aus. Der Return auf der Rückhand ist häufig der etwas Schwächere und somit erfolgsversprechender für den Aufschläger.

Ein anderes Beispiel: Der Maestro, Roger Federer.

Wie bereits oben beschrieben besticht Roger Federer durch seine exzellente Variabilität beim Aufschlag, was es dem Gegner nahezu unmöglich macht, seinen Aufschlag zu lesen. Zwar hat auch Federer Aufschläge, welche er häufiger serviert als andere, allerdings lässt er sich deutlich mehr Freiraum für Variabilität.

Vergleicht man also diese beiden taktischen Herangehensweisen fällt auf, dass Dimitrov klar festere Strukturen hat, was es ihm ermöglicht feste Spielzüge zu etablieren. Allerdings fällt es dem Gegner deutlich leichter den Aufschlag zu antizipieren. Federer hingegen verlässt sich deutlich häufiger auf seine Variabilität, mit welcher er den Gegner zu verladen versucht.

Aber es gibt noch ein weiteres taktisches Mittel, welches in der Weltspitze scheinbar nur vereinzelt genutzt wird – der Body Serve.

Der Aufschlag auf den Körper des Gegners wird insbesondere beim 1. Aufschlag von vielen Spielern nur sehr sporadisch eingesetzt. Beim 2. Aufschlag hingegen ist der Body Serve etwas weiter verbreitet. Alexander Zverev ist derzeit wohl der Spieler in den Top 10, der den Body Serve am häufigsten nutzt. In nahezu allen Situationen präferiert „Sascha“ den Body Serve als 2. Aufschlag.

Der Erfolg gibt ihm Recht.

Über den 2. Aufschlag hat Zverev durchschnittlich denselben Erfolg wie beispielsweise Tomas Berdych. Auch andere Spieler nutzen den Body Serve als 2. Aufschlag mittlerweile häufiger. Darunter z.B. Jack Sock oder auch Rafael Nadal. Der Body Serve kann also mit Fug und Recht als gute Variante des 2. Aufschlags genutzt werden.

Alles in allem kann man sagen, dass es für die Platzierung des Aufschlags sicherlich keinen Königsweg gibt. Jeder muss seinen eigenen Rhythmus finden, aber dennoch kann man hier sicherlich einiges von der Weltspitze lernen, sei es nun die Beständigkeit und die taktische Konstanz eines Grigor Dimitrov, die enorme Variabilität eines Roger Federer oder die neuen Impulse eines Alexander Zverev. Wichtig ist lediglich, dass man einen Plan hat, wenn man an der Aufschlaglinie steht.

Aufschlag in Drucksituationen

Im Rahmen dieses Artikels habe ich mich insbesondere mit dem Service in Drucksituationen bei Big Points beschäftigt. Auch hier gibt es sehr verschiedene Ansätze, von Spieler zu Spieler unterschiedlich – mit unterschiedlichem Erfolg.

Es gibt Spielertypen, welche auch in Drucksituationen fest an ihrem Matchplan festhalten. Auch hier ist u.a. wieder Grigor Dimitrov zu nennen, welcher fest an seinen Gewohnheiten festhält, oder auch Alexander Zverev, der an seinen Mustern festhält. Auch Rafael Nadal zählt zu den Spielern, die in engen Situationen auf die Spielzüge bauen, die sich bewährt haben.

Es gibt allerdings auch Spieler, welche in wichtigen Situationen variieren, um den Gegner zu verladen. Interessanterweise sind die Erfolge dieser Variation häufig ganz unterschiedlich. Die aktuelle Nummer zehn der Welt, Pablo Carreno Busta, schlägt von der Vorteil-Seite häufig auf den Körper auf. Bei Big Points jedoch, z.B. 30 – 40, variiert er mit dem Aufschlag nach außen.

Allerdings gewinnt er mit dieser Variation nur 40% der Punkte.

Genauso gibt es aber auch den positiven Effekt der Variation in Drucksituationen. Ein Paradebeispiel – wie so häufig – Roger Federer.

Federer scheint bei Big Points keinen Druck zu verspüren und ist in der Lage, sein Percentage in den wichtigen Situationen noch einmal zu steigern. So gewinnt er z.B. bei 40 – Ad über den 1. Aufschlag deutlich über 80% seiner Punkte. Auch hier hilft ihm natürlich seine Variabilität enorm.

Der Erfolg beim Aufschlag in Drucksituationen ist selbstverständlich nicht ausschließlich von der Platzierung und der Taktik abhängig. In diesen Situationen entscheidet mehr denn je die mentale Stabilität. Daher hängt der Erfolg wie so häufig von der Mischung aus Taktik und mentaler Stärke ab, was diese beiden Komponenten einmal mehr in den Vordergrund stellt.

Fazit

Als Fazit kann man ziehen, dass die Rolle des 2. Aufschlags eine nahezu gleichwertige Stellung mit der Quote des 1. Aufschlags einnimmt. Von daher bin ich der Meinung, dass auch im Training mehr auf die Qualität des 2.Aufschlags geachtet werden sollte. Wichtig ist, die Unterschiede zwischen 1. und 2. Aufschlag nicht zu groß werden zu lassen.

Darüber hinaus sollte kein Spieler, egal welcher Alters- und Spielklasse den Fehler machen kopflos an die Aufschlaglinie zu treten. Denn einen Plan, einen Spielzug kann man sich in jeder Situation, vor jedem Punkt zurechtlegen. Denn die Wichtigkeit der Taktik beim Aufschlag ist insbesondere an den Zahlen der Weltspitze offensichtlich geworden.

Und warum sollte man nicht von denjenigen lernen, die unser Spiel am besten beherrschen?!

Viel Erfolg,
Alex Berghaus

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