Wie du mit der 70%-Regel dein Ego besiegst und deine Leistung verbesserst

Wenn du etwas loslässt, bist du etwas glücklicher. Wenn du viel loslässt, bist du viel glücklicher. Wenn du ganz loslässt, bist du frei. – Ajahn Cha

Inhalt

# 1 Einleitung
# 2 Erwartungshaltung anpassen
# 3 Bessere Leistung durch mehr Zufriedenheit
# 4 Die 70%-Regel in der Praxis

Einleitung

Erwartest du auch immer das Beste? Das Optimale? Wenn du in einer Partnerschaft lebst, erwartest du, dass sich dein Partner immer angenehm lieb verhält. Idealerweise so, wie du es dir vorstellst.

Auf dem Tennisplatz wiederholt sich dieses Denkmuster. Du gehst mit einer ganz bestimmten Erwartungshaltung in das Match. Die Vorhand und der Aufschlag kamen in den letzten Trainingseinheiten so sicher wie die Bank von England.

Warum sollten sie also im Match nicht kommen?

Umso mehr wird dann deine Wut gekitzelt, wenn es im Match nicht läuft. Erst bist du nur ein wenig gereizt. Dann beginnt sich dein Fokus auf das Spielgeschehen langsam zu verabschieden. Schlussendlich hat deine Konzentration mit dem Match so viel zu tun wie Donald Trump mit Politik.

Nichts.

Deine Erwartungshaltung ist beim Einspielen bei 100%. Das ist natürlich nicht falsch. Natürlich sollst du 100% geben. Natürlich sollst du zu 100% fokussiert sein. Natürlich sollst du 100% Herz auf dem Court lassen.

Aber erwarte es doch nicht.

Über den 100% gibt es nichts. Du gibst dir selbst kaum die Möglichkeit dich zu überraschen oder deine Leistung zu übertreffen, die du dir vorgenommen hattest.

Wie um Rogers Willen willst du denn das Gefühl der Zufriedenheit in dir wach rütteln?

Auf diese Weise nicht.

Wir werden in diesem Artikel deiner Zufriedenheit und Bestätigung auf den Grund gehen. Denn ausschließlich Kritik wird dich in deiner Entwicklung nicht weiterbringen. Kritik gehört dazu. Sie muss sein. Doch ist es Lob und gutes Zusprechen, das in dir die Blockaden aufbricht um effektiv besser Tennis zu spielen.

Denkst du Roger Federer ist im Training ein grimmig dreinschauendes Ekel, welches jeden im Umkreis einer Schlägerlänge mit verbalen Giftpfeilen angreift?

Selbstverständlich nicht.

Erwartungshaltung anpassen

Die 70%-Regel ist simpel:

„Erwarte nicht immer das Beste. Erwarte 70% vom Besten. Und du wirst es wesentlich leichter haben“

Du musst also deine Erwartungshaltung anpassen. Egal auf welchem Niveau du spielst. Die 70%-Regel gilt auch für deine Stärken wie deine Vorhand.

Wie kannst du diese so wichtige Regel jetzt auf dein Spiel allgemein anwenden? Lass uns ein konkretes Beispiel dafür durchgehen.

Stell dir vor wir sitzen bei einem Pfefferminztee zusammen an einem Tisch. Wir sprechen dein nächstes Match durch und überlegen, was nicht perfekt laufen kann.

  • du wirst leichte Fehler machen
  • du wirst taktische Fehler begehen
  • dein Gegner wird einige gute Winner spielen
  • du wirst Linienbälle und Netzroller gegen dich haben

Ich denke du verstehst worauf ich hinaus will.

Dominic Thiem ist ein hervorragendes Beispiel für die 70%-Regel.

Vor seinem Halbfinal-Match gegen Rafael Nadal bei den French Open sagte er in einem Interview, dass er natürlich einige Vorhände von Nadal wird schlucken müssen. Dies sei unumgänglich.

Was bedeutet dies aus psychologischer Sicht?

Wenn Dominic dann mit Nadal auf einem Platz steht und drei Vorhände um die Ohren bekommt bleibt Dominic entspannt. Er macht sich nicht verrückt und denkt:

„Oh nein. Rafa ist einfach unschlagbar hier. Was soll man gegen diese Vorhand nur machen? “

Stattdessen denkt er sich:

„Oktober. Das wusste ich ja, mein lieber Rafa. Aber was kannst du noch? Mit dieser Vorhand raubst du mir nicht meinen Glauben an den Sieg. Da musst du dir mehr einfallen lassen“

Der Unterschied zwischen diesen beiden Denkweisen hat direkten Einfluss auf deine Leistung auf dem Platz und das Ergebnis auf der Anzeigetafel.

Dominic, falls du das liest, schreib doch in einem Kommentar wie es tatsächlich war 🙂

Passe deine Erwartungshaltung an. Bleibe realistisch und bedenke immer die Dinge, die auf jeden Fall passieren werden. Und zwar gegen dich.

Bessere Leistung durch mehr Zufriedenheit

Wenn man dem 9-jährigen Lukas im Training immer nur sagt was er falsch macht, was wird passieren?

Wird Lukas motivierter und leistungsfähiger?

Oder wird er irgendwann, mit der ermüdenden Dauer der Negativität, aufhören an sich zu glauben und damit auch aufhören sich zu entwickeln?

Zufriedenheit wird oft missverstanden, da sich viele Athleten darauf ausruhen. Dies ist aber eher Dummheit. Und damit eine andere Komponente. Zufriedenheit kann als Basis für die nächsten Schritte auf der eigenen Entwicklungsstufe genutzt werden.

Als Beispiel bleiben wir bei Lukas.

Lukas soll die Vorhand aus dem Halbfeld verbessern. Er verzieht jede Vorhand knapp seitlich ins Aus. Anstatt ihm aus dem knappen Aus einen Strick zu drehen, kann die gute Beinarbeit vor dem Schlag gelobt werden. Darauf aufbauend ist Lukas mit seiner Beinarbeit zufrieden, will aber mehr.

Er will den Winner aus dem Halbfeld.

Natürlich ist Lukas viel motivierter durch das Lob, als wenn verbal auf ihn eingeprügelt worden wäre.

Durch Zufriedenheit kann sehr wohl Verbesserung entstehen. Am Beispiel von Lukas und seiner Vorhand aus dem Halbfeld hast du vielleicht schon wieder die 70%-Regel erkannt.

70% des Schlages waren gut. Darauf kann aufgebaut werden. Wären 100% erwartet worden, wäre Lukas nur enttäuscht und frustriert gewesen. Die Basis zur Verbesserung wäre ihm unter den Sandplatzschuhen weggezogen worden.

Die 70%-Regel in der Praxis

Wie kannst du nun diese Regel in dein Spiel integrieren? Wende die 70%-Regel für all deine Auftritte auf dem Court an. Für dein Training. Für das Einspielen. Für deine Matches. Einfach für alles. Als Tennisspieler hast du gerade auf dem Platz ein größeres Ego als 90% aller anderen Menschen.

Akzeptiere dies.

Wenn du es schaffst die Regel anzuwenden wirst du Schritt für Schritt deine Leistung in vielen Bereichen deines Spieles verbessern.

Du stresst dich weniger. Du setzt dir kleine Ziele, anstatt immer einen Riesen zu jagen, den du nicht zu packen kriegst.

Du hast immer Luft nach oben. Du weißt um deine Stärken und Schwächen.

Du lernst dich als Tennisspieler besser kennen.

Die 70%-Regel bringt Coolness in deine verspannte Ansicht. Mach dich locker. Sieh alles nicht so ernst und mit stets finster Miene.

Manchmal ist weniger mehr.

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1 Kommentar

  • Toller Artikel wie die meisten die ich gelesen habe. Die Regel an und für sich ist ja nichts neues, das anwenden ...daran scheitert es. Wie schon Brad Gilbert zu Andre Agassi sagte: Du muss nicht mit jedem Schlag einen Winner schlagen, es reicht wenn du den Ball einmal öfter übers Netz beförderst als dein Gegner. Leider wecken die oft wahnsinnigen Spiel im Fernsehen bei uns den Wunsch, auch solche traumhaften, schneller und trickreichen Winner zu schlagen. Was dabei vergessen wird ist, dass solche Winner auch bei 2 Granden wie Nadal und Thiem die Ausnahme und nicht die Regel sind. Im Best of 5 sind dann schon mal 10-12 solcher irren Ballwechsel mit Traumwinner dabei, nur das sind die besten der Welt. Mir geht es da auch immer wieder so, dass ich überpowere beim spielen und einfach zuviel in den Schlag lege, weil ich den Gegner vom Platz schießen will. Enden tut es dann meist in einer Niederlage. Erst beim Stand von 0:4 und 0:40 fallen mir dann meist die oben besagten Worte von Brad Gilbert wieder ein. Dann wenn es meist zu spät ist

    Nochmals toller Artikel und wie immer sehr lehrreich. Danke dir

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