Was Tenniseltern und Kinder über Mentaltraining wissen sollten

Ist Mentaltraining im Tennis etwas für Kinder?

Schauen wir mal:

Drei.

Das ist die Anzahl von Eltern, die mich in den letzten sieben Monaten (Stand Dezember 2018) kontaktiert haben, um über Mentaltraining für Kinder zu sprechen.

Wer ein bisschen recherchiert und sich seinem gesunden Menschenverstand bedient wird schnell zu der Frage kommen, ob Mentaltraining für Kinder überhaupt angemessen ist.

Die ganz klare Antwort meiner Meinung nach lautet: Ja.

Selbstverständlich sollte man seinen 7-jährigen Sohn nicht dreimal die Woche zum Meditationskurs schicken. Doch machen die Grundlagen einer gesunden Mentalität auch bei jüngeren Tennisspielern absolut Sinn. Was Eltern oft vergessen ist, dass die Kinder den Leistungsdruck spüren. Die Kleinen machen sich vielleicht nicht verbal bemerkbar, aber sie zeigen es dann auf dem Platz. Leider werden diese Signale nur selten von ihren Eltern wahrgenommen.

Zu diesen Signalen gehören unter anderem:

  • Traurigkeit
  • Verzweiflung
  • Ausraster
  • Stille
  • Gleichgültigkeit

Schon jetzt vorab: Ich bin der Meinung, dass auch Eltern in den meisten Fällen ein Mental- und Verhaltenstraining dringend nötig haben 😉

Allein dieser Umgang mit Leistungsdruck und Erwartungen sollte Bestandteil eines Mentaltraining im Tennis für Kinder sein. So unterstützt man nicht nur die gesunde menschliche Entwicklung der Kurzen, sondern fördert auch bessere Leistungen auf dem Tennisplatz. Die Kids, die besser mit Druck umgehen können, werden auf Turnieren auch die besseren Ergebnisse erzielen. Bei den Erwachsenen im Profibereich ist dies nicht anders.

Verstehen Kinder Mentaltraining überhaupt?

Die tiefenpsychologischen Erkenntnisse von C.G. Jung, Alfred Adler oder Immanuel Kant sind für Kinder zwischen elf und 16 Jahren natürlich nur schwer zu begreifen. Wie bei so vielen Dingen im Leben ist auch das Entwickeln einer gesunden Mentalität bei Kindern im Tennis ein Prozess. Dieser Prozess verläuft nicht gerade nach oben, sondern wird immer mal wieder von Rückschlägen geprägt sein. Wenn ein junger Tennisspieler mit mentalen Techniken beginnt und zwei Wochen später bei einem Ranglistenturnier den Schlägerrahmen am Netzpfosten zertrümmert heißt das nicht, dass das Mentaltraining seine Wirkung verfehlt oder gar Blödsinn sei.

Kinder verstehen sehr wohl, dass ihre Gedanken ganz bestimmte Gefühle auf dem Platz hervorrufen und das diese Gefühle Einfluss auf ihr Tennis nehmen.

Mentaltraining für Kinder im Tennis sollte bei den Wurzeln ansetzen und die absoluten Basics ruhig und empathisch vermitteln. Mit der nötigen Geduld und dem richtigen Verständnis der Denkweise des Kindes ist dies über einen Zeitraum von drei Monaten ein guter Start, um in den nächsten Jahren einen mental gesunden und vor allem starken Tennisspieler zu bilden.

Aber was sind denn die Basics für Mentaltraining im Tennis bei Kindern?

Verantwortung

Würdest du mich fragen, wäre meine schnelle und präzise Antwort: Verantwortung. Ich habe schon einige sehr junge Spieler gesehen, die Verantwortung auf dem Platz annehmen und diese für sich nutzen. Allerdings gibt es zahllose junge Spieler, die diese Verantwortung schlicht noch nicht kennen und daher überhaupt nicht wissen, wie sie sich überhaupt verhalten können.

Was Kinder nicht kennen, können sie auch nicht umsetzen.

Wenn der 13-jährige Simon keine Ahnung hat, dass auch die Netzroller des Gegners in seiner Verantwortung liegen, wie soll er dann aufhören sich darüber aufzuregen?

Da kann man dem Simon keine Vorwürfe machen.

Verantwortung annehmen bedeutet für junge Spieler zu verstehen, dass sie für alles verantwortlich sind, was auf dem Platz passiert. Es ist nicht der Wind, der schlechte Platz oder die platten Bälle, die schuld sind an den letzten drei Niederlagen. Stattdessen ist der Spieler selbst dafür verantwortlich, dass er verloren hat. Vielleicht war die Vorbereitung auf das Turnier nicht so gut oder die Vorhand streikte am Tag des Matches.

Kinder müssen verstehen, dass wenn sie in der Lage sind die komplette Verantwortung zu übernehmen, sie auch die Macht für Veränderungen haben.

Wird die Verantwortung abgegeben, zum Beispiel an den sich ständig drehenden Wind während des Matches, dann ist man vom Wind abhängig.

Welcher Tennisspieler will bei 5:5 im ersten Satz, 30:30 und zweitem Aufschlag vom Wind abhängig sein?

Kein Spieler will das und erst recht kein junger Spieler.

Was bedeutet es die komplette Verantwortung für die Geschehnisse und Entwicklungen auf dem Tennisplatz zu übernehmen? Wenn ich die Möglichkeit hätte mit einem jungen, talentierten Spieler nach einer bitteren Niederlage zu sprechen, dann würde der Dialog wie folgt aussehen:

Ich: “Na, Simon, wie fühlst du dich?”

Simon: “Die Frage ist ein Scherz, oder? Bei 4:4 dieser eine Linienball, den mein Gegner einfach Aus gegeben hat. Das hat mich traurig und wütend gemacht, weil es einfach unfair ist. Danach habe ich die nächsten Punkte alle verloren.”

Ich: “Hmm, du hast recht. Das war unfair von deinem Gegner. Aber Simon, schau: Ist es nicht auch blöd gewesen, das noch viel blödere Verhalten deines Gegners für die Punkte danach verantwortlich gemacht zu haben? So hast du ja deinem Gegner, den du eh schon nicht leiden konntest, die Macht über dein Tennis gegeben.”

Simon: “Hmmm … Da hast du vielleicht recht. Aber was soll ich denn machen, wenn ich dann wütend und traurig bin?”

Ich: “Versuch doch mal dann deine Sichtweise zu ändern. Du weißt ja, dass dich das unfaire Verhalten deines Gegners traurig und wütend macht. Nimm das zum Anlass, um deinen Gegner sportlich für sein blödes Verhalten zu bestrafen. Wenn du dich von deiner Traurigkeit lenken lässt, tust du deinem Gegner ja noch einen Gefallen. Und das willst du doch sicher nicht, oder?”

Simon: “Nein, auf keinen Fall. Am liebsten hätte ich ihm nach diesem knappen Ball jede Vorhand um die Ohren gehauen, aber darauf konnte ich mich irgendwie nicht konzentrieren.”

Ich: “Aber hey, du hast doch jetzt schon genau erkannt, wie du auch hättest reagieren können. Das ist doch ein Erfolg – auch wenn du das Match heute verloren hast. Die Erkenntnis, dass du auf solche Spielsituationen auch anders reagieren kannst, ist für deine sportliche Zukunft vielleicht ein größerer Erfolg, als wenn du heute nur das Match gewonnen hättest.”

Simon (grinsend): “Das kann schon sein. Trotzdem hätte ich heute gerne gewonnen!”

Aus diesem Beispiel-Dialog lässt sich erkennen, dass Kindern einfach eine andere Haltung aufgezeigt werden kann. Wenn die Kurzen diese Haltung verstehen, dann werden sie für die Zukunft in der Lage sein diese auch anzuwenden. Die Annahme der absoluten Verantwortung für alles, was auf dem Platz passiert, sollte für Kinder Stück für Stück erklärt werden. Dafür eignen sich Niederlagen, die übrigens besonders für Kinder die besten Lehrer sind, hervorragend.

Was können Eltern beim Mentaltraining für ihre Kinder tun?

Jepp, Eltern haben eine noch größere Verantwortung. Ich glaube, dass viele Eltern gar nicht wissen, welche Wirkung ihr Verhalten, verbal sowie auch nonverbal, auf ihre Kinder hat.

Grundsätzlich sollten sich Eltern hinterfragen, was der Antrieb für die Bemühungen ist. Möchte man die Träume und Wünsche des Kindes unterstützen? Oder giert man mehr nach seinen eigenen Wünschen und Träumen?

Selbstverständlich würde kein Elternteil es je öffentlich zugeben, dass man hauptsächlich eigene Interessen mit der Karriere des Kindes verfolgt. Allerdings sollte jeder Erwachsene in der Lage sein sich selbst zu hinterfragen und die moralisch ehrlichsten Antworten finden. Dies gilt nicht im Sinne der Eltern, sondern im Sinne der Kinder. Und genau um diese soll es ja gehen.

Wenn diese Frage geklärt ist, können Eltern vor allem in der Niederlage für ihre Kids eine wahre Stütze sein. Auch die Kinder sind mental angeschlagen, wenn sie vor den Augen der Eltern und Trainer ein Match verlieren. Sie nehmen die Körpersprache der Außenstehenden am Spielfeld war. Wenn dann nach einer Niederlage auch noch ein mies gelaunter Vater auf einen wartet, dann ist dies für die Mentalität des Kindes sicherlich nicht förderlich. Hier gilt es für die Eltern die eigenen Emotionen ein wenig hinten anzustellen und sich voll auf das Kind zu konzentrieren. Leider fällt einigen Eltern dies nicht ganz leicht.

Was viele Eltern grundsätzlich unterschätzen ist die Fähigkeit ihrer Kinder die nonverbale Kommunikation zu verstehen. Wie ich gerade kurz angesprochen habe sind Kinder auf dem Platz aufmerksam und für alle Umstände sensibel eingestellt. Das Rollen der Augen des Vaters nach einem leichten Fehler, das Wegdrehen nach einem Doppelfehler oder auch das mit der Hand Abwinken bemerken Kinder.

Wenn sich Eltern also für ein Mentaltraining im Tennis für ihre Kinder entscheiden, dass müssen auch die Eltern voll mitziehen. Vielleicht lassen sich mentale Probleme schon lösen, indem der Umgang mit dem Kind optimiert wird. Viele mentale Probleme entwickeln sich über eine bestimmte Zeit, wenn sich beispielsweise Niederlagen häufen oder das Kind das Gefühl hat die Erwartungen nicht erfüllen zu können.

Wann lohnt sich Mentaltraining für Kinder beim Tennis?

Je höher die Ansprüche und das Leistungsniveau bereits in jungen Jahren sind, desto eher sollte man sich auch mit Mentaltraining beschäftigen. Ich habe in einem anderen Artikel bereits geschrieben, dass die Ausbildung der jungen Spieler im mentalen Bereich besonders in Deutschland fast nicht stattfindet. Deswegen macht es absolut Sinn sich Unterstützung von außen zu suchen.

Wenn das Kind zwischen zwölf und 16 Jahren jung ist, regelmäßig Turniere spielt und zu den besseren in seinem Jahrgang gehört, dann kann man als Elternteil des mentalen Aspekt offen ansprechen. Wie fühlt sich das Kind auf dem Platz? Wie fühlt es sich nach Niederlagen?

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Kinder ihren Eltern selbstverständlich nicht immer alles offen und ehrlich erzählen. Besonders dann nicht, wenn die Meinung oder die Emotionen des Kindes nicht mit den Vorstellungen der Eltern Hand in Hand gehen. Dies können Eltern allerdings nur schwer erkennen. Auch hier kann sich Mentaltraining positiv auf das Kind auswirken.

Wie bereits geschrieben geht es nicht darum tiefenpsychologische Untersuchungen durchzuführen, sondern jungen Spielern zu helfen eine gesunde und vor allem starke Mentalität mit auf den Weg zu geben.

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2 Kommentare

  • Sehr hilfreich für alle Tennisinteressierte. Ich stimme Dir voll und ganz zu. Meine Erfahrung mit ehrgeizigen Eltern ist die Gleiche, die meisten Kids haben kein Problem zu akzeptieren wenn ein Gegner besser ist aber allein die Anwesenheit eines Elternteils übt unheimlichen Druck aus und verhindert das das Kind seine Leistung abrufen kann.
  • Hey Horst,

    ja, es ist natürlich immer individuell zu betrachten. Aber sind viele Eltern meist in eine falsche Richtung motiviert. Sie verlieren manchmal auch den Hang zur wirklich realistischen Einschätzung. Das ist von den Eltern nie böse gemeint. Aber es ist nicht immer für das Kind förderlich.

    Viele Grüße,
    Marco

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