Wie du deine chaotischen Gedanken während eines Matches kontrollieren kannst

Pippi sitzt im Garten auf dem Apfelbaum.

Sie schaut ungeduldig umher. Wenn ein Vögelchen zwitschert, schwenkt ihre Aufmerksamkeit zu dem Vögelchen.

Dann schaut sie auf das Grundstück der Nachbarn, auf den Rasen unter sich und auf das Haus vor ihr. Ohne groß zu überlegen, springt Pippi aus reiner Laune vom Baum hinab, läuft in das Haus und tut, was sie will.

Da Pippi stets tut was SIE will herrscht Chaos im Haus. Von der Decke seilt sich ein Affe ab. Ihr Pferd trägt einen Kanister um den Hals. Die Wände sind mit pinken Farben auf alter Tapete beschmiert.

Viele Tennisspieler sind wie Pippi Langstrumpf.

Sie tun was sie wollen, aber nur selten das Richtige. Sie halten sich fast nie an simple Regeln, die eigentlich unmissverständlich sind. Sie lassen sich auf dem Platz, während eines Matches, von ihrem selbst erzeugten Chaos leiten.

Ein ganz aktuelles Beispiel ist Nick Kyrgios.

Auch der Australier ist genial, tut aber ausschließlich was ER will und nicht das, was richtig wäre. Er hält sich an keine Regeln und zieht dadurch das pure, ungefilterte Chaos wie ein Magnet an sich.

Das Chaos kontrolliert Nick. Und nicht Nick das Chaos.

Ebenso wie Pippi Langstrumpf ist Nick Kyrgios lustig, mutig und spontan.

Doch vergisst der Australier, dass diese Eigenschaften Chaos auf dem Platz verursachen.

Wäre Erfolg eine gerade Linie und Chaos würde für die Ausreißer in dieser Linie sorgen, hätte Nick Kyrgios eine sehr zackige Linie.

Die Linie von Roger Federer hätte dagegen nur ein paar kleine Wölbungen.

Siehe Grafik:

Die Kyrgios-Federer-Chaos-Linie

Chaos ist alles, was dich als Tennisspieler von dem in dir schlummernden Potenzial abhält. Es ist eine deiner größten und komplexesten Aufgaben, dieses Chaos möglichst ruhig zu halten

Das ist der Grund, warum fast jeder gute Trainer weiß, dass der Erfolg im Detail verborgen liegt.

Das Chaos ruhig zu halten ist simpel, aber nicht einfach.

Lerne mit dem Chaos zu jonglieren

Du kannst das meiste Ballgefühl, die beste Vorhand und den härtesten Aufschlag in deinem Club haben. Derjenige, der mit dem Chaos auf dem Platz besser umgehen kann, wird dich schlagen.

Ich habe mich selbst geschlagen

– eine oft getroffene Aussage von einem Tennisspieler nach einem verlorenen Match. Nicht selten von dem eigentlich besseren Tennisspieler.

Diese Aussage impliziert, dass dieser Spieler nicht mit dem Chaos während des Matches zurechtgekommen ist.

Das Chaos sind alle Umstände und damit einhergehenden Emotionen, die sich dir auf dem Platz in den Weg schmeißen und dich beim Entfalten deines Potenzials bremsen wollen:

  • ein Zuschauer der Beifall klatscht, nachdem dein Gegner den Punkt durch einen Netzroller gewonnen hat
  • Wut
  • ein Doppelfehler bei 15:40, bei dem dein zweiter Aufschlag von der Netzkante ins Aus fliegt
  • Frust
  • eine herausragende Phase deines Gegners, wenn er drei Aufschlagspiele in Serie fehlerfrei spielt
  • Verzweiflung
  • das Durchsetzen deiner inneren Zweifel in deinen Gedanken, wenn dein vorher ausgedachter Matchplan nach hinten losgeht
  • Angst

Der Spieler, der mit diesen Umständen und Emotionen am besten umzugehen weiß, wird seinem Potenzial am nächsten kommen.

Du kannst dir diese Umstände und Emotionen wie kleine, hässliche Gremlins vorstellen, die dich immer wieder von der Schatztruhe weg schubsen.

Dabei gehört die Schatztruhe eigentlich dir.

Dem Chaos entkommen

Wie kannst du aus den riesigen Stiefeln der Pippi Langstrumpf emporsteigen und dich dem Chaos stellen, anstatt immer das zu tun, was DU willst?

Setze dir für dein nächstes Trainingsmatch eine einfache Aufgabe:

Finde für alle Probleme, mit denen du auf dem Platz konfrontiert wirst, eine rationale Lösung.

Nicht die Lösungen, die dein inneres Chaos, also deine Emotionen dir vorgeben.

Sondern die Lösung, die am vernünftigsten scheint.

Lass uns ein Beispiel durchgehen.

Du spielst gegen Harald.

Harald beginnt das Match mit seinem eigenen Aufschlag und trifft vier von vier ersten Aufschlägen. Von diesen vier Aufschlägen landen drei auch noch an der Außenkante der Seitenlinie.

Du hast in diesem Aufschlagspiel keine Chance.

Deine Emotionen, deine Gremlins, sagen jetzt zu dir:

Ein Aufschlagmonster, dieser Harald. Warum spielt der beim TC Vorarlberg? Und nicht auf der ATP-Tour? So ein Mist, ich werde keinerlei Chance bei seinen Aufschlägen haben. Ich MUSS mit mehr Risiko bei meinen eigenen Aufschlagspielen servieren, um überhaupt irgendeine Chance zu haben.

Das, mein Tennisfreund, ist totaler Unsinn 😉

Das rationale Denken, die Lösung für dieses Problem, wäre folgendes:

Hervorragend. Harald hat sein Kontingent an ersten Aufschlägen bereits in seinem ersten Aufschlagspiel aufgebraucht. Jetzt bringe ich mein erstes Aufschlagspiel durch und danach werde ich bestimmt eine Chance kriegen direkt sein zweites Aufschlagspiel zu durchbrechen

Kontrolliere das Chaos und nähere dich Schlag für Schlag deinem wirklichen Potenzial.

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1 Kommentar

  • […] Wahrnehmung deines Gegners ist verzerrt, weil du unmittelbar mit diesem Gegner verbunden bist. Ihr steht gemeinsam auf dem Platz. Du hast keine Fluchtmöglichkeit. Also laufen all deine […]

Was denkst du?

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