Dylan Dietrich: Ein Aufschlag, der kaum zu breaken ist

Marco Kühn
von Marco Kühn
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In der Schweiz haben sie es gut.

Sie haben Henry Bernet.

Und sie haben:

Dylan Dietrich.

Im Jahr 2026 wurde er 22 Jahre jung. Er ist damit kein "Next-Gen"-Spieler im eigentlichen Sinn.

Dylan spielte College-Tennis, ging auf die Profitour - und marschiert dort durch.

Im September 2026 stand er noch auf Rang 413. Während ich diese Analyse in die Tasten haue wie Dylan den ersten Aufschlag auf dem Court, steht er auf Rang:

189. 

Das ist Anfang November 2026.

Zeit, sich den Burschen genauer anzuschauen. Sein gesamtes Spiel fasziniert mich. Es würde in einem Informations-Overkill enden, wenn ich hier alle Bereiche seines Spiels analysieren würde.

Deswegen schlage ich vor:

Wir nehmen seinen Aufschlag unter die Lupe. 

Eine Waffe, die kaum zu breaken ist. Dylan ist nicht "nur" ein Aufschlagmonster. 

Keineswegs. 

Er ist ein kompletter Spieler, der Luft nach oben hat. Aber er bringt in dem Grundlinien-Einheitsbrei vieler anderer Spieler einiges durcheinander.

Er serviert wie ein Bär. Und spielt danach gut weiter.

Lass uns schauen, was den Aufschlag von Dylan Dietrich so stark macht.

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Dylan Dietrich ist kaum zu breaken

Ein erster Blick auf seine Zahlen raubt jedem Gegner die Lust auf das Match:

dylan dietrich aufschlag quote

Dylan bringt 89 % seiner Aufschlagspiele durch.

Man muss schauen, wie sich diese Zahl entwickelt, wenn er auf der ATP-Tour serviert. Die Daten sind Matches von der Challenger-Tour. Aber:

Er schlug den nicht zu unterschätzenden Jenson Brooksby glatt in zwei Sätzen.

Zwei Zahlen lassen mich direkt genauer hinsehen.

Die Quote beim ersten Aufschlag ist mit 58 % ausbaufähig. Für weitere Sprünge nach oben sollte Dylan die 65 - 70 % anpeilen. 

Was könnte er tun?

Er kann besser mit dem Tempo variieren oder sich kleine Routinen vor dem ersten Aufschlag antrainieren.

Der Aufschlag ist der komplexeste Schlag im Tennis. 

Die Ausführung verlangt vom Körper höchste Konzentration und Koordination. Das alles unter Stress. Eine kleine Routine, die aus einer Atem- und Visualisierungstechnik besteht, hilft vielen Spielern.

Zurück zu Dylan:

Dennoch brachte er 89 % seiner Aufschlagspiele durch. Konkret in Zahlen:

119 von 133 Aufschlagspiele.

Das ist eine verdammt starke Zahl. 

Hier steckt schon eine erste kleine Lehre für dein eigenes Spiel drin. Du musst nicht jeden ersten Aufschlag treffen. 

Manchmal ist es wichtiger, wie du nach deinem zweiten Aufschlag weiterspielst.

Oder auch:

Wie du deinen zweiten Aufschlag spielst. Mehr dazu gleich in dieser kleinen Analyse.

Das sind die nackten Zahlen. Lass uns im nächsten Schritt schauen, wie Dylan seine Aufschläge platziert. Hier ist mir eine Kleinigkeit aufgefallen, die ich mehr als interessant finde.

Schau:

dylan dietrich aufschlagplatzierung

Das sieht auf den ersten Blick normal aus.

Dylan serviert auf der Vorteilseite viel nach außen. Auf der Einstandseite sehen wir einen gesunden Mix aus Aufschlägen nach außen und durch die Mitte.

Mich haben die 11 % auf der Vorteilseite gefreut.

Die meisten Spieler nutzen diese Variante so gut wie gar nicht. Was ich kein bisschen verstehen kann. Auf der Vorteilseite werden wichtige Punkte gespielt:

  • 15:30
  • 30:15
  • 40:30
  • 30:40


Und natürlich der Vorteil an sich.

Da macht es aus meiner Sicht Sinn, seinen Aufschlag zu mixen. Unerwartet zu servieren. Aus dem gewöhnlichen Muster auszubrechen. Dylan serviert hier mit auffälligen 11 % mittig, auf den Körper des Gegners. 

Am Ende dieses Artikels werden wir diese Aufschlagvariation noch weiter auflösen.

Leider habe ich nicht jedes Match von Dylan gesehen. 

Ich würde an dieser Stelle aber unterstellen, dass exakt diese 11 % mit ein Grund dafür sind, dass Dylan trotz einer nur durchschnittlichen Quote beim ersten Aufschlag nahezu alle seine Aufschlagspiele durchbringt.

Auch hier finden wir wieder eine kleine Lehre:

Du musst nicht hart und brachial servieren. Du darfst auch gerne mit Köpfchen servieren. Über diese Thematik schrieb ich bereits in meinem Artikel über Justin Engel.

Wie schnell Dylan Dietrich wohin serviert

Kommen wir zum Tempo seiner Aufschläge.

Auch hier finden wir kleine Details, die dem Gegner große Aufgaben auf dem Platz geben. Dylan serviert nicht nur hart. 

Er serviert hart und platziert.

Schau mal:

dylan dietrich aufschlaggeschwindigkeit

In den blauen Feldern finden wir die km/h.

Dylan serviert durch die Platzmitte am schnellsten. Wir sehen bei den Geschwindigkeiten sehr schön den Slice-Aufschlag nach außen, auf der Einstandseite. 

Ein Slice mit 174 km/h ist fast noch unangenehmer zu returnieren als ein Brett mit 190 km/h auf Mann.

Wir sehen hier die durchschnittlichen Zahlen.

Doch auch hier können wir eine kleine Lehre erkennen:

Dylan serviert variabel. Wir haben das bei der Aufschlagplatzierung weiter oben bereits festgestellt. Und der Eindruck verfestigt sich durch die Aufschlaggeschwindigkeit.

Es muss eben NICHT immer das sture Brett durch die Mitte sein. Ja klar, diese Variation gehört zum Spiel dazu. Aber es ist nicht die einzige Variation. 

Die Mischung macht einen herausragenden Aufschläger.

Was mir bei den 190 km/h-Aufschlägen auf den Körper des Gegners aufgefallen ist:

Hier können wir unterstellen, dass Dylan diesen Aufschlägen, wie beim Slice nach außen auf der Einstandseite, Slice mitgibt. 

Das würde in das psychologische Profil passen, dass er sich vor seinem Aufschlag Gedanken darüber macht, wie er seinen Aufschlag wohin spielen will. Ich glaube nicht, dass Dylan gedankenfrei und planlos den Aufschlag ins Feld zimmert.

Vermutlich schmiedet er im Kopf Aufschlagpläne, während er den Ball auftippt. Auch etwas, das du dir für deine eigenen Aufschläge abschauen kannst.

Aufschlag +1

Wir haben den starken Aufschlag von Dylan in seinen groben Zügen verstanden. 

Er serviert variabel, nutzt den Aufschlag auf den Körper, wählt seine Aufschlaggeschwindigkeit klug.

Was macht er danach?

Er spielt viel Vorhand. Zu 69 % nutzt er nach seinem Aufschlag die Vorhand. Dabei macht er dann zu 67 % den Punkt.

Mich hat ein kleines Detail bei seinem Spiel NACH dem Aufschlag beeindruckt.

Schau:

dylan dietrich aufschlag 1

Achte mal auf die Länge.

Er geht mit dem ersten Schlag nach seinem Aufschlag gar nicht sooo nah an die Seitenlinien. Die Länge in seinen Schlägen nach dem Aufschlag ist hier die wahre Stärke.

Dylan spielt insgesamt 69 % seiner Schläge nach dem Aufschlag zwischen T- und Grundlinie. 

Der Gegner kommt gar nicht dazu, sich zu wehren. Das ist für einen jungen Spieler eine verdammt starke Zahl.

Es wird gerne unterschätzt, wie effektiv lange, konstant gespielte Schläge sein können. 

Aber schau dir Rafael Jodar an. Er spielt absolutes Langweiler-Tennis. Aber er spielt dieses Tennis so lang, so konstant - er wird seinen Weg gehen.

"Langweiler-Tennis" soll nicht negativ gemeint sein.

Es besteht eine große Kunst darin, lang und konstant zu spielen - und dabei nicht einzubrechen. Diese Spielweise hat sich im Tennis fast immer durchgesetzt und wird es vermutlich auch in der Zukunft tun. 

Fakt ist aber:

Ein Charly Alcaraz ist schöner anzusehen als ein Rafael Jodar.

Zurück zu Dylan Dietrich und seinem Aufschlag, der kaum zu breaken ist.

Starke Länge im zweiten Aufschlag

Wo wir schon bei der Länge sind.

Eine Zahl fiel mir bei Dylan noch ins Auge.

Welche?

Die durchschnittliche Länge seines zweiten Aufschlags. Erinnerst du dich noch an seine Quote beim ersten Serve?

Die ist mit 58 % noch ausbaufähig.

Aber:

Dylan serviert den zweiten Aufschlag durchschnittlich 4,99 m hinter das Netz. Alexander Zverev serviert seinen zweiten durchschnittlich 5,19 m hinter das Netz.

Hier sehe ich einen weiteren Grund dafür, dass er kaum zu breaken ist. 

Das ist eine für den Gegner nervige Kombination:

1) langer zweiter Aufschlag

2) langer Schlag mit dem Schlag nach dem Aufschlag

Du kommst als Gegner nur schwer in die Rally. 

Du bekommst reihenweise harte Aufschläge serviert. Mit dem zweiten Serve spielt der Gegner eine fiese Länge. Und selbst wenn du den Return ganz gut spielst, wirst du mit dem ersten Schlag nach dem Aufschlag wieder nach hinten gedrängt.

Das stelle ich mir verdammt ermüdend als Gegner vor.

Gut gemacht, Dylan!

Ist dies das Geheimnis seines Aufschlags?

Zum Schluss dieser kleinen Analyse noch ein Wink mit der Wilson-Keule.

Wir sprachen bereits über den Aufschlag auf der Vorteilseite. Den, den Dylan gerne mittig, auf den Körper des Gegners, serviert.

Schau mal hier:

dylan dietrich aufschlag mittig

Mit dieser Aufschlagvariation macht Dylan die zweitmeisten Punkte.

Nach der Variation mit Slice nach außen auf der Einstandseite. Klar, es sind keine Asse. Aber er bewegt den Gegner mit diesen mittigen Aufschlägen. Der Gegner muss sich seitlich bewegen, was ungewohnt ist. Dies führt zu schwachen Returns, die Dylan dann attackieren kann.

Was kann man dazu sagen?

Wenn ich Dylan wäre, würde ich diese "Mitte-Variation" weiter ausbauen.

Was kannst du aus dieser Analyse mitnehmen?

Hier zum Abschluss ein kleines Brainstorming:

  • Du musst nicht mehr erste Aufschläge treffen. Du musst den zweiten Aufschlag länger spielen
  • Variation ist besser als Geschwindigkeit
  • Schlage mehr auf den Körper des Gegners auf
  • Serviere mehr mit Slice - auch beim ersten Aufschlag
  • Gehe mit deinem ersten Schlag nach dem Aufschlag mehr auf Länge - und weniger an die Seitenlinien

Alle Daten stammen von tennisviz.com.

Marco Kühn
Marco Kühn
Marco stand das erste Mal mit sieben Jahren an der Grundlinie, ist ehemaliger Jugendranglistenspieler und heute Tennis-Mentaltrainer (er arbeitete unter anderem mit Justin Engel und Marcel Hornung zusammen) und Datenanalyst von tennisviz.com. Er publizierte Fachartikel für tennisnet.com, tennisMAGAZIN, Tennis-Point und den Focus.

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