Der Fall Zverev: Liegt in diesem Detail die Lösung zum Grand-Slam-Titel?

Marco Kühn
von Marco Kühn
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Hinweis: Alle Daten in diesem Artikel stammen von meinem Partner tennisviz.com.

Du stehst morgens mit dem linken Bein zuerst auf.

Setzt dich auf die Bettkante. Schaust auf dein Smartphone.

Du machst du dich auf den Weg ins Bad. Dort triffst du jemanden im Spiegel, der dir auf den ersten Blick fremd vorkommt. Auf Autopilot putzt du diesem Fremden die Zähne, stiefelst unter die Dusche und ziehst dir etwas an.

Wir alle haben unsere Gewohnheiten.

Gewohnheiten, die wir bewusst gar nicht mehr bemerken. 

Warum erzähle ich dir von einem Fremden im Spiegel am Morgen?

Auch auf dem Tennisplatz haben wir feste Gewohnheiten. 

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Es gibt Schlagvariationen, die spielen wir häufiger als andere. 

Den Rückhand-Slice spielst du nicht so oft wie die Vorhand-Topspin.

Bei den Profis ist die Rückhand-Cross der am häufigsten verwendete Schlag. Was nicht verwunderlich ist. Fast jedes Spiel baut sich über die Rückhand des Gegners auf. 

Die Rückhand dient dazu, die Murmel im Spiel zu halten, den Gegner zu bewegen und abzuwarten, etwas im Ballwechsel machen zu können. Offensiv zu werden, zu attackieren, den Gegner weiter nach außen oder hinter die Grundlinie zu drängen.

"Marco, wann kommst du endlich zu Alexander Zverev?".

Jetzt, mein aufmerksamer Tennisfreund.

Sascha spielt ebenfalls die Rückhand-Cross am häufigsten in seinen Matches. Genau genommen zu 27 %. Allerdings spielt er auch sehr häufig Vorhand-Cross. Was ebenfalls völlig natürlich nicht. 

Es ist einer der Grundschläge.

Warum diese Vorhand-Cross aber ein Problem in den großen Matches gegen Jannik Sinner und Carlos Alcaraz ist, das besprechen wir gleich. 

Hier zunächst eine Übersicht über die Frequenz seiner Schlagvariationen im Jahr 2025:

zverev schlagdaten

Du liegst richtig. Er liebt den Stoppball über alles.

Spaß beiseite. 

Wir kümmern uns jetzt um den Schlag, der seit Jahren als seine Schwäche bezeichnet wird. 

Wir analysieren in den folgenden Zeilen, warum die Vorhand das fehlende Puzzleteil ist. Wir werden auch analysieren, wie sein Kopf damit zusammenhängt und was Zverev in Zukunft besser machen könnte.

Ganz nebenbei:

Der aufmerksame Leser wird viel, sehr viel, für sein eigenes Spiel mitnehmen können.

Bist du bereit? Dann lass uns starten.

Wie effektiv ist die Vorhand-Cross von Zverev?

Die Vorhand-Cross ist bei Zverev zu 22,2 % ein schwacher Spielzug.

Was bedeutet "schwacher Spielzug"? 

  1. Unerzwungener Fehler
  2. Schläge, die den Gegner in die Offensive bringen
  3. Schläge, die zu einem Winner des Gegners führen

Zu 22,2 % ist die Vorhand-Cross schwach. 

Aber: Zu 23,2 % ist diese Schlagvariation ein starker Spielzug. Warum diese Zahl in den epischen Matches um Titel zu wenig ist, finden wir später noch heraus.

Wie setzt sich ein "starker Spielzug" zusammen? 

So:

  1. Gewinnschläge
  2. Schläge, die den Spieler in die Offensive bringen
  3. Schläge, die zu einem Fehler des Gegners führen

54,6 % der Vorhand-Cross gespielten Schläge von Zverev sind neutral. Heißt: Sie lassen den Ballwechsel weiterlaufen, ohne dass etwas Entscheidendes passiert.

Lass uns das genauer analysieren.

Sascha weiß, dass die Vorhand nicht sein bester Schlag ist. Wir alle kennen das. Wir alle haben diesen Schlag, bei dem wir mehr nachdenken. Es ist der Schlag, den wir im Kopf mit angezogener Handbremse spielen. Bei uns Hobbyspielern ist es meist die Rückhand. 

Die Gegner von Sascha wissen, dass er die Vorhand liebt wie Vampire das Tageslicht. Er wird Tage haben, an denen er diesen Schlag noch schlechter als sonst auf dem Schläger fühlt. Was unweigerlich zu noch mehr Verunsicherung bei der Vorhand führt.

Was tut er also?

Er spielt die Vorhand cross. 

Er wird oft dort angespielt, er fühlt sich nicht wohl mit diesem Schlag und er traut sich nicht die Linien zu suchen. Das sind Indizien dafür, warum die Vorhand-Cross leider sein zweithäufigster Schlag ist.

Hier ist er mental in einer Zwickmühle:

Er traut sich nicht, viel mit seiner Vorhand zu machen. 

Spielen seine Gegner ihm bewusst in seine Vorhand?

Jupp. Und er traut sich nicht, viel damit zu machen. Deswegen spielt er so häufig Vorhand-Cross in seinen Matches. Allen voran in den engen Spielsituationen, wo es auch mal um einen Grand-Slam-Titel geht. 

Er wird mit der Vorhand-Cross zu passiv.

Der entscheidende Vergleich mit SinCaraz

Zverev schlägt bis auf Taylor Fritz nahezu alle Spieler, die hinter ihm in der Weltrangliste stehen. 

Probleme bekommt er in den Blockbuster-Matches. In den Matches, in denen ein Carlos Alcaraz oder Jannik Sinner auf der anderen Seite des Netzes stehen.

Ich denke nicht, dass Zverev Angst vor den beiden hat oder zu viel Respekt. Ich schätze Zverev so ein, dass er vor dem Match zu 100 % an seine Chance glaubt. Diese 100 % werden aber im Verlauf eines Matches niedriger.

Viel niedriger.

Und zwar dann, wenn er spürt, dass er mit seiner Vorhand schlicht nicht gegen die Beiden ankommt. Die Zahlen belegen die absolute Überlegenheit von SinCaraz gegen Zverev. 

Lass uns den Einfluss der Vorhand dieser drei Spieler miteinander vergleichen.

Wir starten mit Carlitos.

alcaraz einfluss

Spielt Alcaraz Vorhand-Cross, macht er zu 49,6 % den Punkt.

Der Einfluss dieser Schlagvariation ist mit 9,5 % solide. Er setzt den Gegner mit dieser Variation zu 28,4 % unter Druck oder macht direkt den Winner. 

Wir kennen ja die Vorhand-Raketen, die Alcaraz gerne mal zündet. Cross ist das Netz flacher als Longline.

Das macht seine Vorhand-Cross noch gefährlicher.

Zu 18,9 % macht er a) den Fehler oder b) der Gegner konnte ihn unter Druck setzen. Das mag im ersten Moment nach einer hohen Quote klingen. Das wird sich gleich aber in einem anderen Licht zeigen, wenn wir uns Jannik und Sascha anschauen.

Bei Jannik Sinner sieht die Geschichte so aus:

sinner einfluss

Jannik macht sogar zu 49,9 % den Punkt, wenn er Vorhand-Cross in der Rally spielt.

Der Einfluss dieser Schlagvariation ist einen Tick höher als bei Carlitos. Was den Druck auf den Gegner und die Fehler betrifft, nehmen sich die beiden besten Spieler der Welt nicht viel. 

Was die Vorhand-Cross betrifft, sind Alcaraz und Sinner gleich stark. Auch wenn Carlos den Ball besser beschleunigen mag. Der Effekt auf das Spiel ist ähnlich wie bei Jannik Sinner.

Aber wie sieht es bei Alexander Zverev aus? Bedenke: Wir vergleichen Sascha mit SinCaraz. 

Zverev spielt alles andere als eine schlechte Vorhand. Wir wollen herausfinden, was ihm fehlt, um die beiden in großen Matches packen zu können.

Bei Sascha sieht es so aus:

zverev einfluss

Sascha macht "nur" zu 44,2 % den Punkt, wenn er Vorhand-Cross spielt. 

Das ist der Unterschied im Vergleich zu Jannik und Carlitos.

Er kann beim Gegner wesentlich weniger Schaden mit seiner Vorhand-Cross anrichten. In Zahlen: 

Knapp 6 % weniger, als SinCaraz. 

Im Gegenzug macht er weniger Fehler und gibt dem Gegner weniger Optionen. Das sehen wir beim Cold-Balken.

Aber:

Das ist wieder ein klares Indiz dafür, dass Zverev die Vorhand auf Sicherheit im Spiel hält. Und sich in der Rally weiter hinter die Grundlinie zurückfallen lässt.

Was bedeutet "Impact" genau?

In der Grafik siehst du den Impact-Bereich der Vorhand-Cross. "Impact" steht in unserem Falle für den Einfluss des Schlages auf das Match.

Die Impact-Säule verrät:

  • hat diese Schlagvariation, die Vorhand-Cross, großen Einfluss auf das Spiel des Spielers? Konnte der Spieler damit Ballwechsel diktieren, Punkte vorbereiten oder gar abschließen?
  • hat diese Schlagvariation wenig Einfluss auf das Spiel des Spielers? ist dies eine Schlagvariation, die beim Gegner wenig Druck ausübt und dem Gegner kaum Probleme bereitet?

Was ebenfalls interessant ist:

Sascha schlägt durchschnittlich nur 6,9 Winner pro Match mit seiner Vorhand. Bei einem Alcaraz sind es durchschnittlich 10,1. Zverev spielt seine Vorhand zu 95 % mit Topspin. 

Ein Alcaraz "nur" zu 89 %. 

Auch das zeigt uns:

Sascha traut sich nicht. 

Er wird mit der Vorhand zu passiv. Er spielt die Kombination aus viel Spin + Cross. Dabei orientiert er sich weiter hinter die Grundlinie.

Wir dürfen nicht vergessen, dass er ein starker Aufschläger ist. Er könnte richtig stark Aufschlag +1 spielen, so wie es ein Jakub Mensik oder ein Joao Fonseca machen.

Zverev bewegt sich für seine Größe sensationell. Er kann unheimlich konstant spielen. Seine Rückhand ist eine Waffe.

Aber:

Diese verflixte Vorhand hat einen Einfluss auf sein Spiel, den er nicht haben möchte. Vor allem, wenn man diesen einen Grand-Slam-Titel holen will.

Was passiert mental bei Alexander Zverev?

Wir haben herausgefunden, dass Zverev nicht gerne offensiv Vorhand spielt. 

Die Vorhand ist für ihn ein Schlag, mit dem er die Murmel im Spiel halten will. Dazu wissen wir, dass er sich gerne weiter hinter die Grundlinie zurückfallen lässt.

Ist das die "passive Kombination", die er gar nicht bewusst spürt?

Bei Unsicherheit tendiert der menschliche Geist zur Vorsicht. 

Man schaut, was passiert. Man reagiert, man hört auf, zu agieren. Viele Zuschauer sind seit Jahren verwundert, warum Alexander Zverev so passiv ist. 

Es ist ja so offensichtlich.

Aber es ist gut möglich, dass er das nicht so sieht. Für ihn ist diese "passive Kombination" normal:

Mit viel Topspin auf Sicherheit gespielte Vorhand-Cross + Zurückfallen lassen = Passivität.

Sascha spielt die Vorhand zu 95 % mit Topspin. Die passive Kombination kommt mir so vor, als wenn sie eine Gewohnheit in seinen Abläufen in einer Rally ist. Tief in die Knie gehen, schön unter den Ball kommen, Spin, halbhoch cross über das Netz und dann ein, zwei Schritte zurückgehen.

Das ist keinesfalls ein schlechter Spielzug. Für viele Spieler ist diese Kombination gut. Aber reicht eine solche Kombination gegen einen Jannik Sinner oder Carlos Alcaraz?

Das wage ich zu bezweifeln. Das ist zu wenig.

Er wird Tage haben, an denen er die Vorhand besser fühlt. Es wird auch an der Tagesform, dem Gegner und der Situation liegen. In Matches, in denen er spürt, dass er nicht verlieren kann, wird die Vorhand lockerer aus dem Arm kommen als in einem Endspiel gegen Sinner oder Alcaraz.

Aber wie entsteht diese "passive Kombination"?

Kennst du das?

Du stehst im Hochsommer an der Grundlinie bereit zum Aufschlag. Es war den ganzen Tag heiß und es kündigt sich durch Gewittertierchen ein Unwetter an. Aus dem Nichts kommen diese kleinen Tierchen auf dich zugeflogen und halten dich von deinem Aufschlag ab.

Nicht lang, aber sie stören deine Konzentration.

Diese kleinen Tierchen können auch sinnbildlich für negative Gedanken stehen, die dich während eines Matches ablenken. Diese Gedanken kommen immer wieder und sie tun dir nicht weh. Sie stören aber deine Konzentration. 

Dein Fokus switcht vom Match hin zu diesen negativen Gedanken.

Wie ein Magnet.

Alexander Zverev kennt seine schwächere Vorhand. Er weiß, dass es sein "Zitterschlag" ist. Er wird bei der Vorhand mehr nachdenken, als bei seiner Rückhand. Zwischen einem Ballwechsel und auch vor einer Vorhand wird er von negativen Gedanken abgelenkt sein.

Was völlig menschlich ist. 

Wer denkt als Hobbyspieler nicht mehr nach, wenn der Gegner jeden zweiten Ball hoch auf die Rückhand spielt?

Aber was führt dazu, dass Zverev immer wieder in diese passive Kombination verfällt?

Es ist das Zusammenspiel aus Selbstvertrauen und Selbstsicherheit in den entscheidenden Momenten eines Matches. Nur ganz wenige Schlagentscheidungen in einer Rally entscheiden darüber, wie die Dynamik des Matches verlaufen wird. 

Um das besser verstehen zu können, müssen wir die Begriffe Selbstvertrauen und Selbstsicherheit in Bezug auf Tennis klären.

Selbstvertrauen ist nichts anderes als das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. 

Es hat nichts damit zu tun wie ein Hulk über den Platz zu laufen und sich mit dem Schlägerrahmen auf die Brust zu klopfen. Selbstvertrauen hast du, wenn du vor und bei einem Schlag so wenig wie nötig denkst. 

Hier wieder unser Rückhand-Beispiel:

Wenn der Ball langsam auf deine Rückhand kommt, dann springt in deinem Kopf direkt die Alarmsirene an:

"Verdammt, ich muss Rückhand spielen. Was mache ich jetzt?".

Dein Puls geht hoch. Dein Fokus liegt nicht beim Schlag. Dein Vertrauen in deine Fähigkeiten ist gering. Spielst du hingegen sehr gerne und gut Vorhand, sieht das anders aus. Du freust dich, wenn du eine Einladung mit Schleife in Form eines langsamen Balles des Gegners auf die T-Linie bekommst.

Du denkst höchstens: 

"Das Dingen setze ich schön hinten ins Eck!".

Hier sieht es ganz anders aus. Du spürst Vorfreude. Dein Fokus ist voll beim Schlag. Dein Vertrauen in deine Fähigkeiten ist hoch.

Das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist der erste wichtige Step, um im Match sein bestes Tennis zeigen zu können. Selbstvertrauen allein reicht aber nicht. Jeder Spieler braucht im Match Selbstsicherheit.

Ich nenne diese Selbstsicherheit gerne:

Eine Bestätigung vom Match, dass dein Selbstvertrauen echt ist.

Selbstsicherheit gibt dem Spieler diesen "im Tunnel"-Fokus beim Schlag. Diese flüssigen Bewegungen, die einfach da sind, ohne dass man sich auf sie konzentrieren muss.

Selbstvertrauen und Selbstsicherheit sind zwei Faktoren, die Alexander Zverev für eine offensive Vorhand fehlen. Was nicht heißt, dass seine Vorhand schlecht ist. Das ist sie ganz sicher nicht. Aber seine passiv gespielte Vorhand wirkt sich auf sein Selbstvertrauen und seine Selbstsicherheit aus.

Das ist einer der Gründe, warum er so konstant stark gegen "schwächere" Leute spielt, aber in den ganz großen Matches gegen die besten der Welt verkopft.

Im wahrsten Sinne des Wortes.

Verlierst du gegen Mondballspieler die Nerven?

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Bereits über 13.430 Leser.

Was könnten wir Alexander Zverev als Lösung vorschlagen?

Mini-Erfolgserlebnisse mit der Vorhand zu Beginn eines Matches sammeln. Oder was denkst du?

Egal, welches Match. Ob gegen Alcaraz oder Jarry.

Was sind Mini-Erfolgserlebnisse?

Stell dir vor, du stehst zum Aufschlag auf die Einstandseite bereit. Du nimmst dir vor, den Aufschlag mit Slice nach außen zu spielen, um anschließend mit deiner Vorhand in die offene Seite zu spielen.

Du tippst den Ball auf, servierst giftig mit Slice an die seitliche T-Linie. Dein Gegner kommt in voller Streckung gerade so eben an den Ball. Du umläufst deine Rückhand und spielst mit deiner Vorhand in die offene Seite.

Deine Vorhand landet aber 2 Zentimeter hinter der Grundlinie.

Der gelungene Slice-Aufschlag und das Umlaufen deiner Rückhand sind in diesem Fall aber dennoch Mini-Erfolgserlebnisse. Der Slice-Aufschlag ist ein Mini-Erfolgserlebnis. Das Umlaufen der Rückhand ist ein Mini-Erfolgserlebnis.

Die Vorhand in die offene Seite ist ein Mini-Erfolgserlebnis.

Der Fehler? Der gehört zum Tennis dazu wie der Netzpfosten.

Mini-Erfolgserlebnisse sind ganz kleine Details deines Spiels, die sich im Verlauf eines Matches anhäufen und dir Selbstvertrauen und Selbstsicherheit geben.

Wie können solche Mini-Erfolgserlebnisse bei Alexander Zverev aussehen?

Früh im Match die Vorhand anders als "nur" den Cross einsetzen.

Mit einer frühen Vorhand-Longline kann Zverev die Ballwechsel-Dynamik verschieben. Diese Vorhand-Longline muss nicht als Winner gespielt werden. Er kann sie mit mehr Höhe und Spin spielen.

Eine weitere Option wäre die Vorhand aus der Mitte oder der eigenen Rückhand heraus. Die Vorhand aus der Mitte spielt Zverev sehr gut.

Das Umlaufen der besseren Rückhand klingt im ersten Gedankengang kontraproduktiv. Aber lass uns das genauer analysieren.

Wenn die Vorhand-Cross die Schwäche ist und diese Schwäche aufgrund einer passiven Kombination aus langweiligem Topspin und dem Zurückfallen hinter die Grundlinie zustande kommt, dann ist die Vorhand Inside-Out eine sehr gute Lösung.

Zverev würde das exakte Gegenteil von dem tun, was er sonst tut.

Er würde ins Feld hineingehen. Das ist der Kontrast zum Zurückfallen. Er würde die Vorhand mit mehr Dampf spielen. Was ebenfalls der Kontrast zur sicheren Topspin-Variante wäre.

Man sagt ja gerne:

Wenn dir ein Verhalten an dir nicht gefällt, dann tue das exakte Gegenteil.

Das hilft nicht immer. Kann aber ein erster, guter Schritt sein.

Zum Schluss dieser Analyse müssen wir noch kurz über die Passivität sprechen. Diese entsteht, wenn man in einem Gedankenmuster des Reagierens gefangen ist. Ein inneres Mantra spult unbewusst ab, dass man nur in der Reaktion ist.

Bedeutet im Zverev-Fall:

Der Gegner spielt ihm auf die Vorhand. In seinem Unterbewusstsein ist abgespeichert, cross mit viel Spin zu antworten. Das ist seine Gewohnheit. Er ist in einem Gedankenmuster gefangen, das sagt:

"Ich reagiere mit der Vorhand-Cross!".

Ein echter Mindset-Shit für Sascha könnte die folgende Reaktion sein:

"Ich agiere mit der Vorhand-Longline!".

Jeder Spieler schenkt sich ganz neue spielerische Optionen, wenn er vom Reagieren auf das Spiel zum Agieren des Spiels übergeht. Das macht Carlos Alcaraz so stark und kreativ in seinem Spiel. In seinem Unterbewusstsein scheint abgespeichert zu sein:

"Ich agiere im Ballwechsel. Ich kreiere meine Chancen!".

Das ist eine mentale Haltung, die für Alexander Zverev vieles verändern könnte.

Marco Kühn
Marco Kühn
Marco ist an der Grundlinie groß geworden, ehemaliger Jugendranglistenspieler und heute Tennis-Mentaltrainer für Hobby-Turnierspieler, Jugendspieler und Profispieler. Er publizierte Fachartikel für tennisnet.com, tennisMAGAZIN, Tennis-Point und den Focus.

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