Aufschlag: 18 zeitlose Wege, um großartig zu servieren (+ 3 Strategien für eine höhere Quote)

Marco Kühn
von Marco Kühn

Du stehst planlos mitten in der Süßigkeitenabteilung.

Um dich herum buhlen bunte Verpackungen um die Gunst deiner hart erarbeiteten Dineros.

Es fällt dir schwer, dich für eine Leckerei zu entscheiden. Was süßes? Oder doch lieber was salziges zum Actionfilm heute Abend?

Du fühlst dich schlecht, obwohl du noch keine Packung geöffnet hast.

Ähnlich kann es dir beim Aufschlag ergehen. Du weißt vor lauter Auswahl nicht wohin.

Wenn du bereits ein paar Jahre das Racket schwingst, dann bist du bei deinem Aufschlag nicht selten planlos. Nach einem emotionalen Ballwechsel, den du mit deiner Rückhand-Longline-Granate fürstlich abgeschlossen hast, pfeifst du aus dem letzten Loch.

Du hast keine nervlichen Kapazitäten frei, um dich voll auf deinen nächsten Aufschlag konzentrieren zu können.

Dann musst du innerhalb weniger Sekunden entscheiden, wohin du wie servieren willst.

Du kannst verschiedene Varianten spielen. Das ist kein Problem. Das Problem ist eher, wie du dich für die beste Aufschlagvariante entscheiden kannst.

Und:

Wie du all die komplexen Abläufe bei deinem Serve möglichst gut auf die Kette bekommst.

In diesem Artikel stelle ich dir 18 Ideen vor. Dazu gibt es noch einen dicken Bonus am Ende des Artikels. 

Pick dir fünf Ideen heraus. Implementiere diese in deine Abläufe beim Aufschlag.

Wenn du das sechsmal praktiziert hast, dann schlägst du besser auf.

Und sparst dir noch einige Nerven.

Schnall dich an und mach dir eine Dose Vitamalz auf. 

Wir starten.

Aufschlag: 18 Wege für mehr Punkte bei eigenem Serve

1) Wie ist der Untergrund beschaffen?

Spielst du auf Sand?

Dann kann ein Aufschlag mit Kick deinen Gegner vor größere Probleme stellen als wenn du mit Slice servierst. Doch wenn du auf stumpfem Teppich mehr wichtige Aufschlagspiele durchbringen willst, dann kann der Slice gefährlicher sein.

Und, es geht noch weiter:

Ist der Sandplatz trocken? Oder gab es die letzten drei Tage Dauernieselregen?

Der Untergrund kann die Entscheidung für deine Aufschlagvariation übernehmen.

2) Hohes oder niedriges Selbstvertrauen?

Kennst du das?

Du hast die letzten Ballwechsel dank guter Beinarbeit fehlerfreies Tennis gespielt. Dazu hast du den letzten Punkt mit einem grandiosen Vorhand kurz-cross abgeschlossen. Du läufst wie Novak Djokovic über den Platz:

Nase hoch

Blick arrogant Richtung Zuschauer

In diesen Phasen kannst du dich vermutlich mehr auf deinen brachialen ersten Aufschlag verlassen. Solltest du jedoch ängstlich deine letzten Vorhände irgendwie ins T-Feld geschubst haben, dann wirst du auch beim eigenen Serve ängstlicher sein.

Angst ist beim Tennis kein guter Coach.

Und wenn du deinen Aufschlag verbessern willst, dann orientiere dich immer an deinem Selbstvertrauen.

Tipp: Spiele mit weniger Tempo und mit mehr Slice, wenn du dich unsicher fühlst.

3) Wirf die Kugel mehr nach rechts

Wir haben sie alle.

Probleme beim Ballwurf.

Das ist aber nicht schlimm. Denn wenn wir Probleme erkennen, dann können wir sie angehen und beheben. Einer der besten Aufschlagtipps, die mir damals einer meiner Verbandstrainer gegeben hat:

"Kühn, du Tourist. Wirf die Kugel weiter nach rechts. Dann triffst du auch mal einen ersten Aufschlag!"

Herr Vogl hatte recht.

Das funktioniert.

Wo wr beim Ballwurf sind ...

Aufschlag: So erkennst du am Ballwurf, wohin dein Gegner aufschlagen wird

Du willst schon am Ballwurf deines Kontrahenten erkennen, wohin dieser wie aufschlagen wird?

Du willst dein Spielverständnis verbessern?

Dafür müssen wir uns zunächst mit ein wenig Psychologie beschäftigen. Vielleicht ist dir selbst schon aufgefallen, dass jeder Tag aus deinen Gewohnheiten besteht. Du stehst morgens zur linken Seite deines Bettes auf. Dann gehst du ins Bad, putzt dir die Zähne und schaust dabei erstmal auf dein Smartphone.

Anschließend kramst du dann deine Klamotten zusammen, machst dich ein wenig schick und startest in den Tag.

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere.

Bestimmte Abläufe haben sich komplett vollautomatisiert. Verselbstständigt. Wir merken selbst gar nicht mehr, dass wir etwas auf eine gewisse Art und Weise so tun, wie wir es tun.

Dies können zum Beispiel ganz bestimmte Hand- und Armbewegungen in hektischen, wirren Situationen sein.

Eine bestimmte Fußstellung, wenn wir in einem Gespräch eigentlich weg vom Fleck wollen und keine Zeit haben (hier zeigen die Füße zumeist in die Richtung in die wir als nächstes gehen werden oder gehen wollen. Bestes Beispiel: Kunde erwartet an der Supermarktkasse sein Rückgeld. Achte mal darauf).

Solche, ich nenne sie jetzt einfach mal „Verhaltensmuster“, erleben wir auch auf dem Tennisplatz.

Beim Aufschlag.

Mein Mathematiklehrer in der Schule hatte die Angewohnheit folgenden Satz unter jede Klausur zu schreiben:

„Wer lesen kann ist klar im Vorteil“

Auf unseren geliebten Tennissport übertragen könnte man es folgendermaßen beschreiben:

„Wer beobachten kann ist klar im Vorteil“

Auch wenn wir das erste Mal gegen einen Gegner spielen, haben wir vom ersten Ballwechsel an die wunderbare Möglichkeit, so viele Informationen über ihn zu sammeln wie es uns möglich ist.

Vor allem beim Aufschlag.

Den Ballwurf beim Aufschlag richtig lesen

Denn bei diesem Schlag werden sich bei unserem Gegner, über all die Jahre welche er bereits Tennis spielt, die eingangs beschriebenen „Verhaltensmuster“ entwickelt haben. Ganz bestimmte Bewegungsabläufe, Fußstellungen, Ballwürfe die er einfach so macht wie er es nun einmal macht. Einfach weil er es sich selbst über die Jahre, zumeist unbewusst, so antrainiert hat.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich mal gegen einen Typen spielte, der tatsächlich ein immer gleiches Muster beim Aufschlag spielte.

Er spielte den ersten Aufschlag immer mit 100% Tempo voll auf meinen Körper. Dabei warf er den Ball gerade nach oben. Manchmal glückte ihm dieser gerade Ballwurf nicht ganz. Dann verschob sich der Ballwurf ein bisschen nach links.

Zu deiner Info: Mein Gegner war in diesem Fall Rechtshänder.

Der zweite Aufschlag war sehr sicher. Dazu nutzte mein Gegner oft den Slice. Dabei warf er den Ball nach rechts versetzt. Da ich wusste, dass diese Variation beim zweiten Aufschlag sehr häufig gespielt wurde, konnte ich mich sehr gut auf meinen Return vorbereiten. Mental, wie ich taktisch.

Und genau hier kommt jetzt diese eine Gabe, welche wir nicht umsonst mit an die Hand bekommen haben, ins Spiel: Das Beobachten.

Im Laufe eines Matches werden sich bestimmte Aufschläge in ganz bestimmten Matchsituationen wiederholen. Dadurch, dass sich bestimmte Aufschläge wiederholen werden (beispielsweise der Slice nach außen auf der Einstandseite) können wir, durch richtiges beobachten, am Ballwurf erkennen was unser Gegner für einen Aufschlag spielen wird.

Eine Art Matchplan in klein.

Gehen wir von einem Rechtshänder aus, so wird bei einem Ballwurf relativ weit nach rechts höchstwahrscheinlich ein Aufschlag mit Slice folgen. Wohl möglich nach außen geschlagen.

Andersherum verhält es sich mit dem Ballwurf relativ weit nach links. Aus diesem Ballwurf einen Slice- oder harten Aufschlag zu spielen ist fast nicht möglich.

Was können wir also erwarten?

Genau: Einen Kickaufschlag mit Vorwärtsdrall.

Da aber jeder Spieler seine eigenen, kleinen Eigenarten und Feinheiten besitzt, liegt es an uns und unserer Beobachtungsgabe die verschiedenen Variationen der Ballwürfe zu erkennen.

Nicht nur am Ballwurf lässt sich erkennen, was unser Gegner als nächstes tun wird. Auch kann eine bestimmte Spielsituation, ein bestimmter Spielstand uns Anhaltspunkte liefern was unser Gegner für einen Aufschlag spielen wird.

Ist er unter Druck bei seinem Aufschlagspiel?

Verspürt er vermutlich überhaupt keinen Druck und kann locker und unverkrampft servieren?

Ist er bei eigenem Aufschlag verunsichert und wird vermutlich eher sicher servieren?

Um diese ganzen Informationen aber nutzen zu können und sich selbst einen Vorteil zu schaffen ist eines aber unerlässlich:

Das genaue beobachten des Gegners bei jedem Aufschlag, in jeder Spielsituation.

Wir bekommen während eines Matches genügend Gelegenheiten unsere Informationen, welche wir durch gezieltes beobachten unseres Gegners erhalten haben, auszuwerten:

  • Zwischen allen gespielten Punkten
  • Beim Seitenwechsel auf der Bank (deswegen sollte diese wichtige Pause auch tatsächlich ausgenutzt werden)

Teste es einfach mal.

Und schaue beim nächsten Match deines Kumpels mal genauer hin. Du wirst gewisse „Verhaltensmuster“ feststellen. Nicht nur beim Aufschlag. Auch bei anderen Schlägen. Bei anderen Situationen im Match.

Vermutlich sogar bei einzelnen Schlägen im Ballwechsel.

Man kann es drehen wie man will. Man kann es sehen wie man will. Mein Mathematiklehrer hatte damals auf seine Art und Weise recht.

Und wir lernen daraus:

„Wer beobachten kann ist klar im Vorteil“

Dein Spielverständnis, kombiniert mit deiner Beobachtungsgabe, lässt dich das Spiel deiner Gegner lesen. Du musst dir vertrauen können. Dies hat etwas mit Mut zu tun. Ich bin überzeugt, dass du durch das Lesen des Gegners dein Selbstvertrauen verbessern kannst. Wenn du regelmäßig richtige Entscheidungen im Match triffst, dann wirst du automatisch mehr Vertrauen in dich haben.

Lass uns kurz ein Beispiel durchgehen.

Du hast die Ideen aus diesem Artikel angewandt und in einem Match genau erkannt, wie dein Gegner bei welcher Aufschlag-Variation den Ball wirft. Du richtest also deinen Return an dem Aufschlag deines Gegners aus.

Du erkennst, dass ein Aufschlag mit Slice kommen wird. Du gehst einen Schritt nach vorn, um den Winkel zu verkürzen. Du gehst in die Knie, holst nicht zu weit aus und spielst den Return mit Topspin lang, idealerweise mittig, ins Feld.

Dieser Plan geht auf. Du hast den Aufschlag richtig enttarnt und konntest auf diese Weise den Aufschlag deines Kontrahenten lesen. Dies muss dir einfach Selbstvertrauen geben. Du weißt, dass du deinen Entscheidungen und auch deiner Intuition vertrauen kannst.

Stück für Stück kannst du dich so in eine selbstbewusste Position bringen.

Hab Mut und vertraue deinem Instinkt.

Okay, weiter mit Punkt 4.

4) Verschiebe deine Position nach außen

Idiotisch ist es ein Problem mit derselben Einstellung lösen zu wollen, wie es entstanden ist.

Du hast einen katastrophalen Tag erwischt und spielst von zehn Aufschlägen keinen rein? Dann musst du etwas verändern. Meckern und die Sonne beschimpfen bringt dich nicht weiter. Du kannst vieles verändern. Unter anderem die Position beim Aufschlag. Stell dich doch mal weiter nach rechts.

Du veränderst dadurch deine Perspektive auf den Gegner.

Das ist nicht nur psychologisch ein kleiner Kniff. Du wirst vermutlich auch anders und besser servieren.

Der schnelle Weg, deinen Aufschlag variabel zu spielen

Du schlägst immer gleich auf?

Du weißt nicht so recht, wie du deinen Aufschlag variieren kannst?

Du willst wissen, wie du deinen Aufschlag deinem Gegner anpassen kannst?

Hervorragend.

Nimm dir eine Tasse Kaffee, mach es dir bequem und lies weiter.

Wie kannst du variabel aufschlagen?

Gibt es Schablonen, die man immer wieder anwenden kann? Wie richte ich meinen Aufschlag auf die unterschiedlichen Gegner aus? Wo stelle ich mich idealerweise hin, um möglichst effektiv zu servieren?

Lass uns die Antworten gemeinsam aus der Kabine kramen.

Kommen wir zu einer wichtigen Taktik im Einzel.

Spielst du gerne feste Variationen beim Aufschlag? Den Slice nach außen auf der Einstand-Seite? Feste Variationen sind gut und müssen zu deiner Datenbank gehören.

Der eine Spieler spielt starke, aggressive Returns. Ein anderer Spieler hingegen hat Schwächen, wenn der Ball mit Slice auf ihn zukommt. Jeder deiner Gegner ist unterschiedlich. Finde heraus, wo dein Gegner Stärken und Schwächen beim Return hat.

Teste dazu Varianten aus:

  • Schnell auf Mann
  • Schnell durch die Mitte
  • Slice nach außen
  • Mit Kick auf die Rückhand

Dein Gegner wird unterschiedlich reagieren. Du wirst merken, welche deiner Aufschläge ihm liegen. Und welche nicht. Nutze hier deine Beobachtungsgabe. Lege dir im Kopf Ordner an. Bezeichne diese mit:

  • Lieblingsreturn des Gegners
  • Schwachstelle beim Return des Gegners

Lege deine Aufschlagsvariationen in diese beiden Ordner ab. Du kannst auch einen Kick-Aufschlag spielen.

Wir können festhalten:

1. Gegner beobachten und realisieren, wo seine Schwächen sind

2. Aufschlag anpassen und ihm den Return möglichst schwer machen

3. Beobachten, wie der Gegner reagiert und Variationen wie einen Slice, Spin oder Aufschlag direkt auf den Körper einstreuen, damit der Gegner immer verschiedene Aufgaben beim Return lösen muss.

Soweit zu dem, was auf dem Court passiert. Dein Aufschlag kann aber noch mehr.

Er kann dich verraten. Deine Gedanken. Deine Gefühle. Sei dir dessen bewusst – viele Spieler unterschätzen diese Facette beim eigenen Aufschlag.

Wenn es nicht läuft – öfters mal das Tempo rausnehmen

Was kannst du tun, wenn sich dein Selbstvertrauen in den Keller verirrt hat? Du mit schweren Armen an der Grundlinie stehst und hektisch wirst. Augen zu und durch ist kein guter Ratgeber.

Was ist stattdessen ein guter Ratgeber?

  1. Geschwindigkeit rausnehmen
  2. Den Gegner agieren lassen

Dies sind deine Werkzeuge.

Triffst du keinen ersten Aufschlag, sieht so dein Notfallplan aus:

  • Tief durchatmen vor jedem Aufschlag
  • Hektik vermeiden
  • Höchste Konzentration dem Ballwurf
  • Mehr Slice – weniger Tempo

Speichere diesen Notfallplan in einem Ordner in deinen Gedanken.

Du kannst deinen Aufschlag variabel gestalten. Analysiere deinen Gegner genau. Finde schnell heraus, welche Aufschläge ihm liegen. Vermeide diese. Finde noch schneller heraus, welche ihm nicht liegen.

Und drück rein in die Wunde ;-)

Dein Aufschlag verrät viel über deinen mentalen Zustand. Arbeite an deiner Körpersprache beim Aufschlag. Erwischt du dich dabei, wie du zu viel von dir verrätst – lerne daraus. Verliere nie deine Ruhe.

Variiere deine Position bei deinen Aufschlägen. Verschiebe sie an der Grundlinie um ein paar Zentimeter. Probiere viel neues in deinen Trainingsmatches aus. Lerne neue Winkel für deine verschiedenen Variationen beim Aufschlag kennen.

Mache es jedem Gegner schwer, deine Strategie beim Aufschlag zu entdecken. Kann dein Gegner deine Schatztruhe nicht öffnen, behältst du im Match immer ein kleines Geheimnis für dich.

Okay, weiter mit Punkt 5.

5) Serviere den zweiten Aufschlag als ersten

Dein Gegner weiß, dass du beim ersten Aufschlag ein wahres Raonic-Brett servierst. Aus diesem Grund geht er bereits in Deckung und stellt sich drei Meter hinter die Grundlinie. In seinem Kopf bereitet er sich auf deinen ersten Aufschlag vor.

Und dann, vollkommen unerwartet ...

... servierst du mit Slice durch die Mitte.

Du bist ab diesem Moment für deinen Gegner ein kleines Rätsel. Er weiß, dass er sich nicht auf dich verlassen kann. Du hast deinem Gegner beigebracht, dass du mit Köpfchen Tennis spielst.

Das, liebe(r) Tennisfreund*in, ist ein Vorteil für dich.

6) Tippe den Ball länger auf

Eine Kurze Frage an dich:

Wie lang ist die durchschnittliche nervliche Zündschnur des durchschnittlichen Tennisspielers?

a) Drei Zentimeter

b) Zwei Zentimeter

c) Ein Zentimeter

Korrekt. Antwort c) ist richtig. Vor allem, wenn dein Gegner bereits lautstark mit sich selbst spricht und kurz vor der Explosion steht, solltest du dir mehr Zeit beim Aufschlag lassen.

Wirst du dadurch der nächste beste Freund deines Gegners? Nein.

Wirst du den nächsten Punkt gewinnen? Ja.

7) Lass dir doch mal Zeit

Das längere Auftippen hat aber noch andere Vorteile. Du kannst dich nach emotionalen Ballwechseln physisch und psychisch erholen. Hinzu kommt, dass sich sehr viele Spieler zwischen dem ersten und zweiten Aufschlag kaum Zeit lassen.

Bleib cool. Du bist nicht auf der Flucht.

Du kannst dir zwischen deinem ersten und zweiten Serve gern mehr Zeit lassen. Du wirst merken, dass du weniger Hektik in deinen Bewegungen und mehr Kontrolle beim Aufschlag hast.

8) Lege ein Ei

Ich habe in meiner Karriere gelernt, dass ein langsamer Aufschlag oft klüger ist. Das ist einer der Aufschlagtipps, die dir nicht jeder Coach so nennt.

Ein 'Ei' ist ein Aufschlag, der kurz und mit Schnitt gespielt ist. Dein Gegner muss beim Return nach vorne laufen, früh ausholen, im richtigen Moment stehenbleiben, den Ball sauber treffen und sich anschließend wieder schräg nach hinten orientieren.

Das sind ganz schön viele Aufgaben.

Leg ein 'Ei' und stelle deinem Gegner doch mal diese Aufgaben.

agassi neu

9) Gib dem Aufschlagspiel ein Geheimnis mit

Du wirst schnell ein Muster beim Aufschlag deines Gegners erkennen. Meist servieren Hobbyspieler schnell mit dem ersten und langsam mit dem zweiten Serve.

Gib deinem Aufschlag doch mal ein Geheimnis mit.

Erschaffe ein Aufschlagmuster, dass deinen Gegner in einen Rauschzustand der Angst versetzte:

1) Slice durch die Mitte bei 0:0

2) Slice nach außen bei 15:0

3) Hart auf den Körper bei 30:0

4) Mit Kick auf den Körper bei 40:0

Denk dran:

Wenn dein Kontrahent nicht weiß, was du als nächsten spielen wirst, dann beschäftigt ihn dies im Kopf. Du förderst die Unsicherheit bei deinem Gegner.

10) Was erwartet dein Gegner? Tue das Gegenteil

Als ich früher Turniere spielte, wurde ich regelmäßig von meinen Kontrahenten überrascht. Je höher ich spielte, desto besser schlugen sie auf.

Was bedeutete 'besser'?

Sie wussten, dass viele Spieler meist einen knallharten ersten Aufschlag erwarten. Wie wir vorhin schon erwähnten, sind aber die Varianten effektiver. Die wahren Aufschlagtipps liegen immer in der Variation.

Versuche demnächst in den Kopf deines Gegners zu klettern und zu schauen, was er so über deinen Aufschlag denken könnte. Wenn du dann ein paar Infos gefunden hast, dann spiele das Gegenteil.

11) Aufschlag bei 30:0

Bei 30:0 hast du das Momentum auf deiner Seite.

Dein Gegner hat das Game eventuell im Kopf bereits abgehakt. Du hast allen Grund jetzt nochmal zu zeigen, dass du 'oben auf' bist. Mein Tipp für dich: Serviere mit Tempo durch die Mitte direkt auf den Körper. Selbst wenn du den ersten Aufschlag nicht triffst und über den zweiten gehen musst, so hast du Stärke und Selbstvertrauen symbolisiert.

12) Aufschlag bei 0:40

Schenke deinem Kontrahenten nicht das Spiel.

Ich würde dir nicht raten bei diesem aussichtslosen Spielstand einfach drauf los zu servieren. Gehe die Geschichte taktisch an. Vielleicht geht ja noch was in diesem Spiel.

Versuche mit Verstand zu servieren und es deinem Gegner so schwer wie möglich zu machen das Spiel zu holen. Das setzt auch psychologische Ausrufezeichen.

Tipp:

Serviere mit Slice durch die Mitte bei einem solchen Spielstand und schaue, wie sich der Ballwechsel ergibt. Lass deinen Gegner um diesen Punkt kämpfen.

13) Die Thiem-Oldschool-Methode

Ich meine, dass er es nicht mehr so oft praktiziert.

Oder?

Vor ein paar Jahren stand Dominic auf der Vorteilseite fast im Korridor und servierte von dort mit einem extremen Kick auf die Rückhand des Gegners. Die Folge war, dass ein Diego Schwartzman diese Returns fast aus dem Publikum spielen musste.

Nein, du kannst natürlich nicht einen solchen Kick wie Dominic spielen. Aber du kannst doch das Aufschlagmuster nehmen und auf deinem Niveau anwenden.

Was spricht dagegen?

14) Was du tun kannst, wenn dein Service konstant im Netz landet

Unser Trainer wurde früher zu einem Benoit Paire auf dem Platz, wenn wir denselben Fehler immer und immer wieder machten.

Nicht selten wurde dann nach dem Bällesammeln der gesamte Korb wieder ausgekippt und wir mussten nochmal sammeln.

Solltest du im Match merken, dass du auffallend viele erste Aufschläge im Netz landen, dann gehe wie folgt vor:

Wirf den Ball etwas höher

Fokussiere dich mehr auf das letzte Drittel deiner Aufschlagbewegung (die Bewegung, wenn der Schläger aus dem Rücken kommt und den Ball trifft)

Triff den Ball etwas weiter oben

15) Wohin nach dem Aufschlag?

Du wunderst dich noch darüber, wie unglaublich gut dein Aufschlag kam und da ist die Kugel auch schon wieder zurück.

Du stehst wie ein Kühlschrank an genau der Stelle, an der du nach deinem dynamischen Absprung beim Aufschlag gelandet bist.

Und zack ... Da kommt er, der Unforced Error.

Ein, zwei kleine Schritte zurück bitte. Split-Step, wenn dein Gegner den Ball trifft. Aufmerksam bleiben.

Du möchtest doch nicht den Punkt verlieren, den du mit deinem grandiosen Aufschlag eingeleitet hast.

16) Wenn der Gegner fast auf der T-Linie steht

Es gibt diese Gegner, die sich dreist fast an die T-Linie stellen.

Weil sie deinen zweiten Aufschlag für einen absoluten Einwurf halten. Sie wollen dich provozieren. Sie wünschen sich, dass du emotional reagierst, mit Schmackes servierst und einen Doppelfehler produzierst.

Aber diesen Gefallen tust du ihnen natürlich nicht. Stattdessen grinst du kurz, konzentrierst dich und spielst deinen zweiten Aufschlag so, wie du ihn sonst auch immer spielst.

Soll dein Gegner doch erstmal deinen Aufschlag attackieren. Das gelingt ihm vielleicht auch ein paar Male. Doch wie sieht es auf die gesamte Matchdauer gesehen aus?

Bleib cool. Und lass deinen Gegner auch mal Fehler machen.

17) Schaue, wo dein Gegner steht

Ich kenne das von mir selbst zu gut. Man ärgert sich noch über die vergangene verschlagene Vorhand. Man ist mit den Gedanken bei den Rechnungen, die noch zu bezahlen sind.

Die Konzentration vor einem Aufschlag ist in manchen Phasen eines Matches herausfordernder als die Besteigung des Mount Everst.

Und, das Tolle ist:

Du musst diesen Everest nicht besteigen. Alles, was du tun musst, ist einen Blick rüber zu deinem Gegner zu werfen. Prüfe, wo dieser sich für seinen Return bereit gestellt hat. Allein durch diese simple Aktion lenkst du deine Gedanken von all dem negativen Kram ab.

Es geht nicht darum, sofort eine Strategie für deinen nächsten Aufschlag zu erarbeiten. Ziel ist es, dass du aus deinem Gedankenstrudel entkommst.

18) Beachte den Spielstand

Spiele öfters den Spielstand.

Ein Tipp, den mir damals mein alter Coach Hans-Egon gegeben hat. Manchmal musst du nämlich gar nichts besonders spielen. Es reicht, wenn du den ersten Aufschlag mit 70% deines möglichen Tempos mittig ins Feld spielst.

Aus genau diesem Grund kann es auch richtig sein bei 40:15 einen Aufschlag mit Slice nach außen zu spielen. Anstatt mit vollem Tempo durch die Mitte zu gehen, einen Fehler zu machen, über den zweiten Aufschlag gehen zu müssen und so das Aufschlagspiel unnötig eng werden zu lassen.

Tipp: Hab vor deinem Aufschlag stets den Spielstand im Hinterkopf und prüfe, ob es nicht eine schlaue Variation für deinen Aufschlag gibt.

Du wirst oft eine 'schlaue' Option finden.

Zusammenfassung

"Ja, das ist alles immer so leicht gesagt!"

Stimmt.

Du musst dich von deinem Perfektionismus befreien. Tennis ist kein Sport für Kontrollfreaks. Es ist nicht möglich in einem Match alles unter Kontrolle zu haben. Es ist verrückt alles unter Kontrolle haben zu wollen.

Kein Mensch auf diesem Planeten trifft jeden ersten Aufschlag. Die Kunst besteht darin mit den sich immer verändernden Umständen eines Matches anzufreunden und in diesen immer anderen Situationen die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen.

Das ist fernab von perfektem Tennis.

Aber an erfolgreichem Tennis nah dran.

Bonus: 3 zeitlose Strategien für eine hohere Quote beim ersten Aufschlag

Eine hohe Quote bei deinem ersten Aufschlag gibt dir Selbstvertrauen.

Das gesamte Match spielt sich für dich einfacher, wenn du schnell einige hervorragende erste Aufschläge im T-Feld deines Kontrahenten platziert hast. Auf der anderen Seite kann sich dein Schlagarm in Pudding verwandeln, wenn du kaum einen ersten Aufschlag ins Feld bringst und obendrein vielleicht noch zwei oder drei Doppelfehler in deinen ersten beiden Aufschlagspielen servierst.

In diesem Teil des Artikels werden wir drei Strategien besprechen, die deine Quote beim Aufschlag erhöhen werden. 

Lass uns zunächst mal schauen, wie wichtig dein Aufschlag überhaupt ist.

Im Gegensatz zu vielen anderen Experten vertrete ich persönlich die Meinung, dass dein Aufschlag der nach dem Return der wichtigste Schlag in deinem Repertoire ist. Du spielst den Aufschlag allerdings als einzigen Schlag im Tennis vollkommen alleine.

Du hast keinen Einfluss des Gegners.

Ok, er kann dich durch komische Bewegungen auf der anderen Seite irritieren. Oder dich durch eine komische Returnposition aus dem Konzept bringen.

Dein Service bleibt aber ein unglaublich wichtiger Schlag für deine Erfolge.

Wie Boris Becker einmal passend sagte:

"Der zweite Aufschlag ist die Seele eines jeden Tennisspielers!"

Da hatte Bobbele absolut recht.

Wir schauen also zunächst, wie es so in deiner Seele ausschaut. Ist es dort eher düster? Oder finden wir noch einen hellen Lichtstrahl? ;-)

Auf geht`s!

Ist dein Aufschlag Freund oder Feind?

Du weißt aus deiner eigenen Erfahrung, dass Training und Turnier zwei vollkommen verschiedene Veranstaltungen sind. Im Training hast du meist nicht so viele Zweifel im Kopf. Da spielen sich nicht nur deine Vor- sowie Rückhand viel einfacher. Auch dein Aufschlag kommt mit Bumms und platziert.

Im Turnier-Match zeigt sich dann aber oft ein ganz anderes Bild.

Dein Arm zittert, wenn du den Ball nach oben werfen willst. Deine Aufschlagbewegung fühlt sich fremd an. Vor dem zweiten Aufschlag würdest du am liebsten das Racket an einen Spieler aus dem Publikum abgeben,

Als Mentaltrainer kann ich dir sagen: Du bist nicht allein.

Ich habe noch keinen Spieler kennengelernt, der im Turnier nicht anders spielt als im Training.

Du solltest also zunächst überlegen, ob der Aufschlag dein Freund oder dein Feind ist. Sei dir gegenüber ehrlich und trickse dich nicht selbst aus. Analysiere, wie wohl du dich im Turnier bei deinen Aufschlägen fühlst - nicht nur im Training. Ein großer Denkfehler bei Tennisspielern ist es, dass sie ihre Leistungen aus dem Training mit ihren Leistungen im Turnier vergleichen.

Das ist ein sicherer Weg in die Depression. Hier hilft mentales Training.

Analysiere also bitte genau, wie stark dein Aufschlag im Turnier ist.

Spielst du viele erste Aufschläge ins Feld? Zitterst du manchmal? Weißt du manchmal vor dem Aufschlag nicht, wohin du wie servieren willst? Vergisst du deine Technik? Diese Punkte geben dir einen guten Einblick in dein Seelenleben als Tennisspieler. 

Ich habe mal ein kleines Chart erstellt, damit du dich selbst besser als Aufschläger im Match finden kannst. Keine Angst: Es ist nicht tragisch, wenn du dich ganz links befindest. Denn du liest gerade diesen Artikel und wirst anschließend genau wissen, wie du deinen Aufschlag und deine Quote verbessern kannst.

Hier die Grafik:

aufschlag chart


Wenn du dich selbst gut einschätzen kannst, dann kannst du den Rest dieses Artikels durch eine bessere Brille lesen. Du kennst vermutlich mindestens eine Person in deinem Verein, die sich selbst komplett überschätzt.

Diese Spieler haben es verdammt schwer sich zu verbessern.

Wir haben jetzt deinen aktuellen Standpunkt ermittelt. Lass uns nun mit der ersten Strategie für einen besseren Aufschlag beginnen.

Und diese erste Strategie startet noch vor deinem Ballwurf.

1) Male ein Bild von deinem Aufschlag

Selbst wenn du wie ich in Kunst früher immer nur eine glatte Fünf hattest: Schwing den Pinsel.

Du besitzt als Tennisspieler zwei unglaublich effektive Instrumente für mentale Stärke. Eines dieser Instrumente ist die Visualisierung. Du hast die Fähigkeit dir Situationen und Abläufe gedanklich vorzustellen, bevor sie überhaupt passiert sind.

So hast du beispielsweise als Kind in deinem Kopf ganze Horrorszenarien darüber gemalt, wie du deine Matheklausur zurückbekommst und eine Sechs hast.

Die Visualisierung vor deinem Aufschlag ist nichts anderes. 

Wenn du besser servieren willst, dann musst du vor deinem Service genau wissen, wohin du wie spielen willst. Ansonsten musst du planlos den Ball nach oben werfen und auf 'Gut Glück' spielen. Dies ist im Turnier, kombiniert mit deiner Nervosität, alles andere als eine gute Idee. Diese Strategie wird dich nicht zu einer höheren Quote führen.

Eher Richtung Niederlage.

Hier ein paar Ideen für deine Kreativität:

  • stelle dir vor dein Trainer würde dich beim Aufschlag beobachten
  • welchen Tipp für dein Trainer dir vor dem Aufschlag für deinen Ballwurf geben?
  • stelle dir detailliert vor, wie du mit Slice auf den Körper des Gegners servierst
  • visualisiere, wie du den Ball mittig und schlicht perfekt triffst

Du wirst Stück für Stück ein Bild von deinem Aufschlag im Kopf haben.

Sobald du den Ball auftippst und zu deinem Gegner schaust wirst du genau wissen, wie du servieren willst.

Diese Strategie wird beispielsweise von Novak Djokovic genutzt. 

Er lässt sich vor seinen Aufschlägen immer mal wieder so viel Zeit wie möglich. In einem Interview erklärte er einmal, dass er sich in diesen Sekunden immer genau vorstellt, wie er den Aufschlag spielen will.

Du wirst eventuell nie so platziert und schnell wie Nole aufschlagen. Das heißt aber nicht, dass du seine mentalen Tricks nicht auch für dich nutzen kannst ;-)

Wir fassen kurz zusammen:

  1. gehe mit einem Plan an die Grundlinie
  2. nutze die Visualisierung, um dir die wichtigen Elemente deines Aufschlages bildlich detailliert vorzustellen
  3. setze den aufgestellten und visualisierten Plan dann bestmöglich um

2) Dein Aufschlag muss realistisch sein

Bist du in der Lage jeden zweiten oder dritten ersten Aufschlag mit Bumms nah an die Linien zu spielen?

Schlägst du viele Asse in deinen Matches?

Eben ...

Aber trotzdem willst du immer wieder einen grandiosen Ersten servieren und am liebsten mit dem Schlag danach direkt den Punkt machen. Nein, so funktioniert das Spielchen nicht. Du musst bei deinem Aufschlag realistisch bleiben. Setze dir Ziele, die deinem gesamten Spiel zugute kommen.

Ich habe mal eine Grafik erstellt, um dir realistische Ziele zu zeigen. Du wirst erstaunt sein und nicht damit rechnen. Deswegen werde ich dir nachdem du die Grafik betrachtet hast genau erklären, warum du diese Ziele in deinen Matchplan beim Aufschlag unbedingt integrieren solltest.

Du willst ja mit Köpfchen siegen.

Hier ist die Grafik:

aufschlag quote


Du siehst vier Punkte.

Dies sind die Ziele für deinen Aufschlag. Die beiden großen Punkte zeigen das Ziel für deinen ersten, die beiden kleineren Punkte das Ziel für deinen zweiten Aufschlag.

"Kühn, warum soll ich in die Mitte aufschlagen?"

Weil dein Gegner das nicht kennt.

Es ist für deinen Gegner wesentlich einfacher, wenn du knallhart auf dessen Rückhand servierst. Das ist er gewohnt. Da muss er nur kurz blocken und der Return fliegt dir direkt vor deine Füße, nah an die Grundlinie.

Dann hast du zwar einen herausragenden ersten Aufschlag getroffen, aber dieser bringt dir nichts, weil du dich direkt in einer defensiven Position befindest.

Wir schauen uns mal an, wohin die meisten Spieler einfach aus Gewohnheit heraus servieren.

Hier ist deren Strategie:

nicht aufschlagen


Du siehst vier dunkle Felder.

Diese Felder werden in den meisten Fällen angespielt. Deine Gegner sind genau diese Felder gewohnt.

Wenn du jetzt mit Köpfchen servierst und mittiger spielst, dann wird dein Gegner gezwungen ungewohnte Bewegungen zu absolvieren. Er wird sich nach vorn bewegen müssen und nicht mehr nur einfach einen Schritt zur Seite. Dazu wird er einen langsamen Ball, also deinen Aufschlag, schnell spielen wollen.

Du weißt ja, wie kompliziert es ist einen langsamen Ball schnell zu spielen.

Hinzu kommt: Spielst du deinen Aufschlag mit etwas (oder gern auch viel) Slice, so bekommt dein Service ein kleines 'Geheimnis' mit auf seinen Weg. Der Ball wird flacher, springt seitlicher weg nach dem Aufspringen.

Dieses Verhalten des Balles ist für deinen Kontrahenten eine echte Aufgabe.

Andy Murray hat diese Variation durch die Mitte ganz gern gespielt. 

Und du kannst es auch. Du musst es zuvor nur in deinem Kopf richtig visualisieren und den Mumm haben neuen Strategien umzusetzen. Ich bin mir sicher, dass du es schaffst.

Sonst würdest du nicht diesen Artikel lesen.

Wir fassen zusammen:

  1. lass dein Ego auf der Bank und versuche nicht wie ein Profi aufzuschlagen
  2. spiele mittiger und bleib von den Linien weg
  3. nutze den Slice bei deinem Aufschlag

3) Eine Meeresschildkröte und dein Aufschlag

Würdest du ein Wettschwimmen gegen eine Meeresschildkröte gewinnen?

Nein, vermutlich nicht.

Führt die Meeresschildkröte schnelle Bewegungen aus?

Nein, die Wörtchen 'Schildkröte' und 'schnell' schließen sich hier aus.

Doch ist die Meeresschildkröte unglaublich schnell im Wasser unterwegs. Und ihre Technik kannst du für eine bessere Quote bei deinem Aufschlag sofort übernehmen.

Wie das geht?

Nutze die Schildkröte ab sofort als deine Eselsbrücke. Du musst bei deinem Aufschlag langsam mit deiner Bewegung beginnen, um am Ende explosiv aus dem Rücken heraus dein Racket nach oben zu bringen.

Die meisten Unsicherheiten beim Service ergeben sich aus einer extremen Hektik. Diese Hektik tritt dann meist schon beim Ballwurf auf und zieht sich durch den gesamten Aufschlag. Auf diese Weise wird es extrem kompliziert mit einer besseren Quote.

Ein tolles Beispiel für die Meeresschildkröten-Eselsbrücke ist Milos Raonic.

Er beginnt seinen Aufschlag ganz smooth, langsam, ruhig - frei von jeglicher Hektik. Er bleibt ruhig, bis sein Schläger im Rücken ist und der Ball die maximale Höhe nach dem Ballwurf erreicht hat. Dann schnellt der Schläger aus dem Rücken nach oben und knallt die Filzkugel förmlich in das gegnerische T-Feld.

Roger Federer hat auch eine Meeresschildkröte in seiner Aufschlagbewegung integriert.

Dominic Thiem mittlerweile auch.

Schau dir die Profis mal genauer an, wenn sie servieren. Sie fangen ruhig an, um am Ende der Aufschlagbewegung explosiv abzuschließen.

Und, bevor du fragst: Nein, diese Explosivität hat nichts mit der Geschwindigkeit deines Aufschlages zu tun. Es ist eine vollkommen natürliche Bewegung, welche dir im Laufe deiner Karriere aufgrund von Anspannung im Turnier nur abhanden gekommen ist.

Du kannst trotz enormer Explosivität beim Aufschlag durchdacht und mit Slice durch die Mitte spielen. 

Wir notieren uns:

  1. beginne deinen Aufschlag langsam
  2. nutze die Meeresschildkröte als Eselsbrücke
  3. bringe den Schläger in deinen Rücken und werde ab diesem Moment explosiv - nicht vorher

Falls die Quote doch im Keller versinkt

Der Aufschlag ist nicht der wichtigste, aber der komplizierteste Schlag beim Tennis. 

Du benötigst als Tennisspieler im Turnier eine enorm hohe Frustrationstoleranz. Wenn du dich direkt nach zwei oder drei Fehlern beim Aufschlag selbst verrückt machst und umgehend dein Karriereende verkünden willst: halte inne!

Du kannst direkt beim nächsten Aufschlag alles besser machen. Es ist wichtig, dass du dir die Basics immer wieder vor Augen führst. Und 'vor Augen führen' ist tatsächlich so gemeint. Du hast in diesem Artikel die mentale Technik der Visualisierung kennengelernt. Nutze diese so oft du daran denkst.

Dein Idol macht nichts anderes.

Die größten und erfolgreichsten Spieler im Tennis besitzen eine außerordentlich starke Mentalität. Auch diese Champions haben nur zwei Instrumente zur Verfügung:

  • Visualisierung
  • innere Dialoge

Novak Djokovic sagte einmal in einem Interview, dass er im Finale von Wimbledon 2019 gegen Roger Federer die Rufe des Publikums als "Nole, Nole!" interpretiert hat. Dabei riefen die Leute natürlich "Roger, Roger!".

Er selbst sagte sich aber, dass das Publikum auf seiner Seite war.

Der Erfolg gibt ihm recht.

Marco Kühn
Marco Kühn
Marco ist ehemaliger Jugendranglistenspieler. Er ist auf dem Tennisplatz groß geworden und Federer-Fan. Heute hilft er Tennisspielern emotional kontrolliert und taktisch überlegen Matches zu gewinnen.

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