Kick-Aufschlag: Eine detaillierte Anleitung für Anfänger und Wiedereinsteiger

Wie macht er das?

Es sieht doch nach 'nichts' aus.

Ball hochwerfen, etwas in die Knie gehen, Schläger in den Rücken und - zack! Die Kugel springt Diego Schwartzman über den Kopf.

Roger Federer spielte mal einen Kick-Aufschlag gegen Nicolas Kiefer, der komplett nicht returnierbar war. Dies war bei den Australian Open, weit vor Tsitsipas und Zverev.

Allgemein fühlen sich manche Gegner von Federer beim Return so, als würden sie dem Bruce Lee des Tennis gegenüberstehen.

Vor allem, wenn dieser den 'Kick'-Aufschlag spielt:

lee federer

Nun, ich muss dir ein Geständnis machen.

Dieser Artikel wird aus dir keinen Federer-Kick-Aufschlag herausholen. Es wird dir nicht gelingen deine Gegner zu einem Schmetterball bei deinem zweiten Aufschlag zu zwingen. Doch wir wollen mal genauer überlegen, wie du deinen Aufschlag mindestens zu 5%-Pünktchen verbessern kannst. Auf eine Weise, die du dir jetzt vielleicht noch nicht ganz zutraust.

Lass uns direkt starten.

Was ist ein Kick-Aufschlag?

Auch wenn wir gerade eine Referenz zum großartigen Bruce Lee hatten. Beim Kick-Aufschlag sollst du deinen Gegner nicht treten.

Beim Kick-Aufschlag gibst du dem Ball den sogenannten Vorwärtsdrall mit. Dein Aufschlag dreht sich, nachdem er im gegnerischen T-Feld eingeschlagen ist, vorwärts. Der Ball verhält sich so, wie wir uns früher beim Klingelmännchen-Streich: Er wird schnell.

Schnell ist hier relativ.

Denn:

Das Tempo deines Aufschlages ist eher gering. Nach dem Absprung nimmt dein Serve aber Fahrt auf - eben durch den Vorwärtsdrall. Dein Aufschlag springt höher ab und ist für deinen Gegner schwieriger auszurechnen. Beim Slice-Aufschlag wird dein Ball flach, schnell und geht zur Seite weg. Beim Kick-Aufschlag springt der Ball höher ab. 

In etwa so, als wenn du eine gewaltige Vorhand-Topspin spielst.

Dein Vorteil ist, dass du mit weniger Tempo und dadurch weniger Risiko servieren kannst. Dein Nachteil ist, dass dir dein Aufschlag direkt um die Ohren fliegen kann, wenn du nicht genug Kick in deinem Serve hast.

Damit dir das nicht passiert, werden wir uns nun den kleinen gemeinen Details beim Kick-Serve widmen.

Ich werde mich nun zurücknehmen und meinen alten Trainer Tom erklären lassen. Das, was er mir damals beibrachte, möchte ich dir in den nächsten Zeilen weitergeben.

Damit du schon bald mit einer neuen Aufschlagvariation für Furore sorgen kannst.

In eigener Sache: Der Kick-Aufschlag wird auch gern als Twist-Aufschlag bezeichnet. Im Gegensatz zu einigen anderen Medien, würde ich diese Variation nicht als dominierende Spieleröffnung betrachten. Das mag für Dominic Thiem gelten, aber nicht für einen ambitionierten Clubspieler. Selbst einen Thiem spielt diese Aufschlagvariation nicht, um den Gegner vom Aufschlag weg zu dominieren. In meinen Augen ist der Kick eine Variation, um den Aufschlag sicher, aber dennoch zwingend ins Spiel zu bringen. Dazu ist es möglich, trotz zweitem Aufschlag aggressiv im Ballwechsel agieren zu können, ohne sofort vom Gegner in die Defensive gedrängt zu werden.

Kick-Aufschlag: Die Griffhaltung

"Nimm den Schläger richtig in die Hand. Das ist kein Hammer. Oder willst du jemanden erschlagen?".

Dies sagte Tom zu mir, als ich einen Kick-Aufschlag spielen wollte. Was machte mich zum Hammerwerfer?

hammer griffhaltung

Ich wollte mit einer neutralen Griffhaltung den Kick spielen. Neutral heißt, dass ich den Schläger so griff, als wenn ich jemandem die Hand geben wollte. Diese Griffhaltung eignet sich für einen gerade gespielten Aufschlag, aber nicht für den Kick.

Tom erklärte mir:

"Marco, der Kick-Aufschlag wird mit Gefühl gespielt. Du willst deinem Aufschlag Drall mitgeben. Versuche doch mal mit deinem Rückhand-Griff aufzuschlagen. Wenn du diesen nutzt, dann kommst du im weiteren Verlauf deiner Bewegung besser unter den Ball, um diesem den so giftigen Vorwärtsdrall mitzugeben. Klar, du kannst auch die Hammer-Griffhaltung nutzen. Aber es wird leichter fallen einen effektiven Kick-Aufschlag zu spielen, wenn du den Rückhand-Griff nimmst. Probiere es einfach mal aus!"

Gesagt, gespielt.

Ich drehte meine kleine schmächtige Hand etwas nach rechts.

Anschließend ging es weiter mit dem Ballwurf.

Tipp: Nichts ist in den Sandplatz gemeißelt. Wenn du mit einer anderen Griffhaltung ein besseres Gefühl beim Kick-Aufschlag hast, dann nutze diese. Es ist nicht immer einfach technische Tipps zu geben. Du solltest immer dein Gefühl beim Schlag als Orientierung nehmen. Wenn du beispielsweise mit dem Hammergriff einen Kick wie Roger Federer spielst - dann prima ;-) Es sollte dir selbstverständlich auch dein Trainer helfen können die für dich ideale Griffhaltung beim Kick-Aufschlag festzulegen.

Kick-Aufschlag: Der Ballwurf

Ich warf den Ball schön sauber und gerade nach oben, ein Stück weit nach rechts versetzt. Perfekt, wie ich dachte.

Aber mein Aufschlag hatte kaum Kick. Es wollte nicht wirklich etwas 'vorne rauskommen'. Tom griff ein und erklärte mir:

"Du willst deinem Aufschlag ja den Befehl geben, dass er sich nach dem Absprung Vorwärts drehen soll. Was schätzt du, was macht beim Ballwurf Sinn?" - fragte er mich.

Mir fiel spontan nichts ein. Dennoch tat ich so, als ob ich überlegen würde.

Tom brach das Schweigen auf dem grünen Granulat:

"Du kommst mit deiner Bespannung effektiver unter den Ball, wenn du dir den Ball selbst zuwirfst. Das bedeutet: Wirf den Ball weiter nach links, dazu etwas nach hinten - quasi in den Rücken. Du kannst dir das 'zu dir Werfen' als kleine Eselsbrücke merken. Wann immer du dich in Zukunft zu einem Kick-Aufschlag bereit machst, denke dir: 'Ok, Ball zu mir werfen!'. Wir werden gleich noch genau darauf eingehen, wie du den Ball am besten triffst. Aber merke dir jetzt, dass es wichtig ist den Ball mehr nach links zu werfen. Daran kannst du übrigens auch bei deinen Gegnern erkennen, ob sie einen Kick-Aufschlag spielen werden. Wenn dein Gegner den Ball weiter nach links wirft beim zweiten Aufschlag, dann kannst du dich auf einen Kick einstellen."

Diese Lehre war für mich wichtig. 

Du kannst dir also merken:

  1. Ball weiter nach links werfen
  2. Ball etwas nach hinten werfen
  3. Eselbrücke: 'Ball sich selbst zuwerfen'

Du hast jetzt die Griffhaltung und weißt, wie du den Ball werfen solltest. Im nächsten Schritt widmen wir uns dem Treffpunkt. Auch hier werden wir, wie es im Mentaltraining nicht unüblich ist, mit Bildern arbeiten.

Let`s go!

Tipp: Lege den Ball beim Ballwurf so in die Hand, dass die Kugel locker ist. Ergreife den Ball nicht so, als wenn du soeben einen Goldschatz entdeckt hättest. Es kann dir beim Ballwurf auch helfen, wenn du den Ball allein mit den Fingern nach oben wirfst. Du kannst dazu versuchen, den Ball so spät es möglich ist loszulassen. Das kann dir noch mehr Kontrolle beim Ballwurf schenken.

Streicheln, nicht hauen

Nun stand ich dort, an der Grundlinie. Einen Schritt von der Mitte aus nach links versetzt.

Die Griffhaltung saß, ich warf den Ball zu mir und schlug zu.

Die Kugel kam, aber der Kick blieb immer noch aus. Viele Aufschläge gingen ins Netz. Mich verließ das Gefühl für den Ball. Mir kam es vor, als könnte ich die Filzkugel nicht mehr auf meiner Bespannung kontrollieren.

Tom sah, dass ich Probleme hatte. Und er konnte direkt eingreifen, ohne dass ich nur ein Wort sagen musste.

Er erklärte:

"Nimm mal bitte einen Ball in deine linke Hand".

Ich schnappte mir eine abgespielte Filzkugel und sah Tom an.

"Super. Nun streichle bitte mit deiner flachen rechten Hand über den Ball".

Ich schaute ihn fragend an. Zunächst dachte ich, er wolle mich veräppeln. Doch im nächsten Moment war meine Angst groß, dass Tom im nächsten Schritt ein Meerschweinchen aus seiner Prince-Tasche holte. Also setzte ich die Anweisung meines Coaches um.

"Das ist zu lieblos. Streichle jede Faser des Balles. Von vorne nach hinten - das ist wichtig!".

Ich stellte keine Fragen, schaltete meinen Verstand aus und streichelte den Ball.

Nach zwei Minuten Streicheleinheiten durfte ich wieder das Racket in die Hand nehmen. Doch bevor ich weitere Aufschläge ausführen durfte, bekam ich noch eine entscheidende Anweisung:

"Das, was du soeben mit deiner rechten flachen Hand getan hast, tust du jetzt bitte mit deiner Bespannung. Streichle den Ball, schlage ihn nicht. Du kennst die richtige Griffhaltung und weißt ziemlich genau, wie du den Ball werfen musst - das ist ein Schlüssel. Nun öffnen wir die Tür, indem du den Ball streichelst. Wichtig ist, dass du deinen Fehler von vorhin nicht wiederholst. Du hast den Ball zunächst nicht komplett gestreichelt. Nicht von hinten nach vorne. Das ist jetzt, beim Kick-Aufschlag, wichtig. Du kommst mit deiner Bespannung von unten an den Ball. Streichle ihn, sobald du den Ball auf deiner Bespannung spürst. Du wirst merken, dass du mit dieser Bewegung den so entscheidenden Drall auf den Ball bekommst."

Ich setzte die Anweisungen um.

Stück für Stück bekam ich das Gefühl für den Kick-Aufschlag. Nein, es funktionierte nicht alles sofort. Dafür ist Tennis zu kompliziert. In diesem Sport gibt es kein 'sofort'.

Tennis wird mit Gefühl gespielt. Und sobald sich das Gefühl verbessert, wird auch der Schlag oder die Schlagvariation besser. Es muss nicht sofort der perfekte Kick-Aufschlag im Stile eines Roger Federer oder Dominic Thiem sein. Du musst auch nicht sofort einen Kick spielen, der deinem Gegner über den Kopf springt.

Dein erstes Ziel sollte das richtige Gefühl für den Kick sein.

Tom sagte dazu:

"Wenn du die ersten Kick-Aufschläge ins Feld bringst und das Gefühl gewonnen hast, dann kannst du weiter optimieren. Du kannst deinen Ballwurf anpassen, eventuell sogar deine Griffhaltung und vor allem die Zuschlagbewegung. Ich habe dir mit diesen Bausteinen die Grundlage gegeben. Im Tennis musst du viel für dich selbst herausfinden. Du musst Erfahrungen sammeln, aus diesen Erfahrungen lernen und dann besser werden. Dies gilt nicht nur für deine Taktik, sondern auch für deine Technik. Kein Trainer dieser Welt kann dir die komplette Arbeit abnehmen. Aber wie ich sehe, bist du mit deinem Kick-Aufschlag auf einem sehr gute Weg!".

Tipp: Das 'Streicheln, nicht hauen'-Konzept gilt nicht nur beim Kick-Aufschlag. Tennis spielst du nie mit Kraft, immer mit Schwung. Es ist eine gefühlvolle Sportart. Der Klang deiner Bespannung beim Schlag verrät dir immer ganz gut, ob du den Schlag sauber gespielt hast - oder nicht ;-) Klopfe nicht auf die arme Filzkugel ein, sondern behandele sie gut, damit sie auch das tut, was du möchtest.

Gibt es ein Fazit zum Kick-Aufschlag?

Nein ;-)

Du benötigst als Anfänger und Wiedereinsteiger vor allem eines:

Geduld.

Ja, das wolltest du jetzt nicht lesen, das weiß ich. Aber du willst ja auch nicht beginnen den Kick-Aufschlag zu trainieren, um nach zehn Minuten entnervt aufzugeben, oder? ;-)

Die drei wichtigen Bausteine für dich sind:

  1. Griffhaltung
  2. Ballwurf
  3. Zuschlagbewegung

Diese drei Bausteine solltest du immer weiter optimieren. Gib dir die nötige Zeit, mach dich gefasst oft zu scheitern und am Ende wirst du derjenige aus deiner Trainingsgruppe sein, der den besten Kick-Aufschlag spielt ;-)


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"Ich lese Marco`s E-Mails mit großer Begeisterung. Ich finde sie noch stärker als seinen Blog"

Sven H., Spieler aus der Bezirksliga

2 Kommentare

  • Einmal mehr Hammer - nein, nicht der Griff - dieser Beitrag! Danke Marco. Und danke für den kleinen Hinweis, dass es Geduld braucht... Ich liebe deine Artikel. Leider nützen sie mir wenig, da ich auf dem Platz fast immer alles vergesse, ich immer von den tollen Schlägen träume, die das (nicht anwesende) Publikum zu Begeisterungsstürmen aus den bequemen Sitzen reisst...
  • Lieber Werner,

    vielen lieben Dank für dein tolles Feedback! Das hat mich unglaublich gefreut zu lesen.

    Liebe Grüße
    Marco

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