So erkennst du am Ballwurf, wohin dein Gegner aufschlagen wird

Du willst schon am Ballwurf deines Kontrahenten erkennen, wohin dieser wie aufschlagen wird.

Du willst dein Spielverständnis verbessern.

Dafür müssen wir uns zunächst mit ein wenig Psychologie beschäftigen. Vielleicht ist dir selbst schon aufgefallen, dass jeder Tag aus deinen Gewohnheiten besteht. Du stehst morgens zur linken Seite deines Bettes auf. Dann gehst du ins Bad, putzt dir die Zähne und schaust dabei erstmal auf dein Smartphone.

Anschließend kramst du dann deine Klamotten zusammen, machst dich ein wenig schick und startest in den Tag.

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere.

Bestimmte Abläufe haben sich komplett vollautomatisiert. Verselbstständigt. Wir merken selbst gar nicht mehr, dass wir etwas auf eine gewisse Art und Weise so tun wie wir es tun.

Dies können zum Beispiel ganz bestimmte Hand- und Armbewegungen in hektischen, wirren Situationen sein.

Eine bestimmte Fußstellung, wenn wir in einem Gespräch eigentlich weg vom Fleck wollen und keine Zeit haben (hier zeigen die Füße zumeist in die Richtung in die wir als nächstes gehen werden oder gehen wollen.

Bestes Beispiel: Kunde erwartet an der Supermarktkasse sein Rückgeld. Achte mal darauf).

Solche, ich nenne sie jetzt einfach mal „Verhaltensmuster“, erleben wir auch auf dem Tennisplatz.

Beim Aufschlag.

Mein Mathematiklehrer in der Schule hatte die Angewohnheit folgenden Satz unter jede Klausur zu schreiben:

„Wer lesen kann ist klar im Vorteil“

Auf unseren geliebten Tennissport übertragen könnte man es folgendermaßen beschreiben:

„Wer beobachten kann ist klar im Vorteil“

Auch wenn wir das erste Mal gegen einen Gegner spielen, haben wir vom ersten Ballwechsel an die wunderbare Möglichkeit so viele Informationen über ihn zu sammeln wie es uns möglich ist.

Vor allem beim Aufschlag.

Den Ballwurf richtig lesen

Denn bei diesem Schlag werden sich bei unserem Gegner, über all die Jahre welche er bereits Tennis spielt, die eingangs beschriebenen „Verhaltensmuster“ entwickelt haben. Ganz bestimmte Bewegungsabläufe, Fußstellungen, Ballwürfe die er einfach so macht wie er es nun einmal macht. Einfach weil er es sich selbst über die Jahre, zumeist unbewusst, so antrainiert hat.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich mal gegen einen Typen spielte, der tatsächlich ein immer gleiches Muster beim Aufschlag spielte.

Er spielte den ersten Aufschlag immer mit 100% Tempo voll auf meinen Körper. Dabei warf er den Ball gerade nach oben. Manchmal glückte ihm dieser gerade Ballwurf nicht ganz. Dann verschob sich der Ballwurf ein bisschen nach links.

Zu deiner Info: Mein Gegner war in diesem Fall Rechtshänder.

Der zweite Aufschlag war sehr sicher. Dazu nutzte mein Gegner oft den Slice. Dabei warf er den Ball nach rechts versetzt. Da ich wusste, dass diese Variation beim zweiten Aufschlag sehr häufig gespielt wurde, konnte ich mich sehr gut auf meinen Return vorbereiten. Mental, wie ich taktisch.

Und genau hier kommt jetzt diese eine Gabe, welche wir nicht umsonst mit an die Hand bekommen haben, ins Spiel: Das Beobachten.

Im Laufe eines Matches werden sich bestimmte Aufschläge in ganz bestimmten Matchsituationen wiederholen. Dadurch, dass sich bestimmte Aufschläge wiederholen werden (beispielsweise der Slice nach außen auf der Einstandseite) können wir, durch richtiges beobachten, am Ballwurf erkennen was unser Gegner für einen Aufschlag spielen wird.

Gehen wir von einem Rechtshänder aus, so wird bei einem Ballwurf relativ weit nach rechts höchstwahrscheinlich ein Aufschlag mit Slice folgen. Wohl möglich nach außen geschlagen.

Andersherum verhält es sich mit dem Ballwurf relativ weit nach links. Aus diesem Ballwurf einen Slice- oder harten Aufschlag zu spielen ist fast nicht möglich.

Was können wir also erwarten?

Genau: Einen Kickaufschlag mit Vorwärtsdrall.

Da aber jeder Spieler seine eigenen, kleinen Eigenarten und Feinheiten besitzt, liegt es an uns und unserer Beobachtungsgabe die verschiedenen Variationen der Ballwürfe zu erkennen.

Nicht nur am Ballwurf lässt sich erkennen, was unser Gegner als nächstes tun wird. Auch kann eine bestimmte Spielsituation, ein bestimmter Spielstand uns Anhaltspunkte liefern was unser Gegner für einen Aufschlag spielen wird.

  • Ist er unter Druck bei seinem Aufschlagspiel?
  • Verspürt er vermutlich überhaupt keinen Druck und kann locker und unverkrampft servieren?
  • Ist er bei eigenem Aufschlag verunsichert und wird vermutlich eher sicher servieren?

Um diese ganzen Informationen aber nutzen zu können und sich selbst einen Vorteil zu schaffen ist eines aber unerlässlich:

Das genaue beobachten des Gegners bei jedem Aufschlag, in jeder Spielsituation.

Wir bekommen während eines Matches genügend Gelegenheiten unsere Informationen, welche wir durch gezieltes beobachten unseres Gegners erhalten haben, auszuwerten:

  • Zwischen allen gespielten Punkten
  • Beim Seitenwechsel auf der Bank (deswegen sollte diese wichtige Pause auch tatsächlich ausgenutzt werden)

Teste es einfach mal.

Und schaue beim nächsten Match deines Kumpels mal genauer hin. Du wirst gewisse „Verhaltensmuster“ feststellen. Nicht nur beim Aufschlag. Auch bei anderen Schlägen. Bei anderen Situationen im Match.

Vermutlich sogar bei einzelnen Schlägen im Ballwechsel.

Man kann es drehen wie man will. Man kann es sehen wie man will. Mein Mathematiklehrer hatte damals auf seine Art und Weise recht.

Und wir lernen daraus:

„Wer beobachten kann ist klar im Vorteil“

Fazit

Dein Spielverständnis, kombiniert mit deiner Beobachtungsgabe, lässt dich das Spiel deiner Gegner lesen. Du musst dir vertrauen können. Dies hat etwas mit Mut zu tun. Ich bin überzeugt, dass du durch das Lesen des Gegners dein Selbstvertrauen verbessern kannst. Wenn du regelmäßig richtige Entscheidungen im Match triffst, dann wirst du automatisch mehr Vertrauen in dich haben.

Lass uns kurz ein Beispiel durchgehen.

Du hast die Ideen aus diesem Artikel angewandt und in einem Match genau erkannt, wie dein Gegner bei welcher Aufschlag-Variation den Ball wirft. Du richtest also deinen Return an dem Aufschlag deines Gegners aus.

Du erkennst, dass ein Aufschlag mit Slice kommen wird. Du gehst einen Schritt nach vorn, um den Winkel zu verkürzen. Du gehst in die Knie, holst nicht zu weit aus und spielst den Return mit Topspin lang, idealerweise mittig, ins Feld.

Dieser Plan geht auf. Du hast den Aufschlag richtig enttarnt und konntest auf diese Weise den Aufschlag deines Kontrahenten lesen. Dies muss dir einfach Selbstvertrauen geben. Du weißt, dass du deinen Entscheidungen und auch deiner Intuition vertrauen kannst.

Stück für Stück kannst du dich so in eine selbstbewusste Position bringen. 

Hab Mut und vertraue deinem Instinkt.

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2 Kommentare

  • Vom Prinzip richtig.Was den Ballwurf angeht versucht man im modernen Tennis es zu vermeiden den Ballwurf ,Fußstellung unterschiedlich zu haben.
  • Hey Michael,

    das ist richtig. Fußstellung und Ballwurf gleich zu belassen ist für viele "Normalos" nicht einfach und würde jahrelange Bewegungsabläufe durcheinander bringen.

    Viele Grüße,
    Marco

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