Mentales Training: Die Fallstudie eines 52-jährigen LK 19- Spielers

Du interessierst dich für mentales Training im Tennis, aber hast noch keine Ahnung, wie das überhaupt funktioniert?

Dann habe ich fantastische Neuigkeiten für dich. In diesem Artikel breche ich Schritt für Schritt für dich herunter, wie sich ein ganz normaler Vereinsspieler innerhalb von drei Monaten mental, aber auch taktisch, verbessern konnte.

Verbesserung bedeutet im Mentaltraining:

  • Mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • Verbessertes Umsetzen der Trainingsleistungen im Punktspiel
  • Einsetzen neuer Schlagvariationen
  • Besseres Spielverständnis
  • Die Fähigkeit eigenständig seine Performance zu analysieren und darauf aufbauend bessere Lösungen auf dem Platz zu finden

Gleich vorweg: Wir bleiben realistisch. Tennis ist ein komplexer Sport. Wer dir verspricht, dass du innerhalb von einem Monat deutlich besser wirst, der erzählt dir ein Märchen.

Du wirst vermutlich ein wenig enttäuscht sein beim lesen dieses Artikels. Die Methoden sind simpel. Der Artikel enthält keine hawaiianischen Heilmethoden, bei denen du auf dem Platz ein Feuer auf Höhe der T-Linie errichten musst. Es werden auch keine Yogaposen während deiner Seitenwechsel besprochen.

Und nein, du wirst auch keine Anleitung für das garantierte Verfluchen deiner Gegner erhalten.

Mentales Training hat in meiner Arbeit das Ziel den Spieler mit einem besseren Gefühl im Punktspiel (oder auch gerne Match genannt) auszustatten. Du kennst sicherlich dein Gefühl, wenn du nach einem hektischen Arbeitstag im Büro direkt auf den Platz hetzt, beinahe noch mit Krawatte auf dem Platz stehst und hibbelig drei Vorhände in Serie zwei Meter ins Aus spielst. Du bist dann erst recht entnervt und die eigentlich schöne Stunde Tennis ist nach fünf Minuten bereits im Eimer.

Dein Gefühl für dich, für den Sport und die verschiedenen Spielsituationen ist essentiell, wenn du in Zukunft bessere Ergebnisse auf dem Platz erleben willst. Ein Kopf voller Zweifel, Ängste und Sorgen wird niemals deine tollen Trainingsleistungen im Match umsetzen können. Dein Training mit einem Trainer auf dem Platz, der deine Schläge korrigiert, ist wichtig. Dies ist deine Grundlage. Deine Arbeit ist damit aber nicht abgeschlossen. Du musst auch deinen Kopf so trainieren, dass er deine Fähigkeiten und dein Potential abrufen und bestmöglich umsetzen kann.

Wir stürzen uns jetzt voller Freude auf die Fallstudie und schauen anschließend, was du daraus mitnehmen kannst.

Gestatten: Peter, 52 Jahre jung

Dein Charakter kommt immer mit auf den Platz. Wenn wir über mentales Training sprechen, dann sprechen wir auch über den Charakter. Wir schauen uns zunächst Peter etwas genauer an und erstellen ein Profil.

Name: Peter

Alter: 52

Beruf: Unternehmer

Vater, Ehemann und stolzer Hundebesitzer

Charakter:

  • Ehrgeizig, zielorientiert, ehrlich und loyal
  • Will manchmal zu viel zu schnell
  • Der große Ehrgeiz setzt ihm manchmal Scheuklappen auf
  • Durch die hohe Arbeitsbelastung fehlt ich teilweise die Ruhe auf dem Platz

Tennis:

  • Rechtshänder, technisch durch einen Trainer im Verein gut ausgebildet
  • Schnell zu Fuß, aber unsicher in den Grundschlägen
  • Nach eigenen Angaben gute Vorhand, aber anfällige Rückhand
  • Probleme die Stärken und Schwächen des Gegners zu erkennen
  • Geringes Spielverständnis
  • Kaum taktisches Wissen

Mentales Training für bessere Ergebnisse in Punktspielen

Der Kopf ist der Kapitän des Schiffes. Wenn der Kapitän in der rechten Hand eine Bierdose und in der linken ein Backfischbrötchen hält, dann hat er kaum noch Kapazitäten frei um das Schiff zu manövrieren.

Peter musste im ersten Schritt eine wichtige Sache lernen: Er musste auf dem Platz weniger tun. In der Praxis sah das so aus, dass er ein bis drei Ziele für jedes Trainingsspiel bekam. Eine höhere Anzahl an Aufgaben verwirrt den Kopf und die darin befindlichen Gedanken nur. Je mehr ein Tennisspieler auf dem Platz denkt, desto verkrampfter wird die Vorhand.

Diese ein bis drei Ziele sahen wie folgt aus:

  1. Spiele zunächst höher über das Netz
  2. Schaue den Ball bewusst und aufmerksam an
  3. Konzentriere dich auf deine Beinarbeit

Ich stattete Peter mit diesen Aufgaben für den Kopf aus. Der Gedanke dahinter war, dass jede Aufgabe für den Kopf einen direkten und möglichst positiven Effekt auf sein Spiel haben sollte.

Höher über das Netz spielen = Mehr Sicherheit, besserer Schlagrhythmus
Ball anschauen = Sauberer Treffpunkt, mehr Kontrolle beim Schlag
Beinarbeit = Besserer Abstand zum Ball, besseres Gefühl

Ich könnte schneller als Stephen King einen ganzen Roman über die Fehler schreiben, die viele Spieler im Kopf regelmäßig begehen. In den letzten Jahren haben sich aber folgende Fehler auffällig oft wiederholt:

  • Das Vergleichen der Trainingsleistungen mit der Leistung im Match
  • Zu viele Gedanken auf einmal, die nichts mit dem Schlag zu tun haben
  • Philosophieren über den möglichen Ausgang des Matches
  • Ego

All diese Bereiche werden unweigerlich dazu führen, dass die eigene Leistung im Match wesentlich schlechter wird, als es das Potential eines Spielers hergibt.

tennistasche packen

Peter war erstaunt, dass er weniger auf dem Platz tun sollte. Er war davon ausgegangen, dass er richtig was auf den Schläger bekam und richtig viel umsetzen sollte. Zaubersprüche, Meditationsübungen und okkulte Rituale. Das war aber ein Trugschluss. Es war in dem Falle von Peter wichtig, dass er auf dem Court möglichst wenig im Kopf hatte. Aufgrund seiner Arbeit und dem Stress, den er schon außerhalb des Platzes zu handeln hatte, war beim Tennis Einfachheit angesagt. Die einfachen Aufgaben sollten auch seinen Ehrgeiz bündeln. Ehrgeiz ist Energie. Leider wird diese oft in den falschen Bereichen eingesetzt. Das vorhandene Maß an Energie auf wenige und simple Aufgaben zu verteilen funktionierte im Falle von Peter hervorragend.

Wir hatten ein Stückchen weiter oben bereits besprochen, dass dein Charakter immer mit auf den Platz kommt. Das ist ein Paradebeispiel dafür, wie du dich mental auf deine Matches vorbereiten kannst - auf Grundlage deines individuellen Charakters.

Mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten durch mentales Training

Der nächste wichtige Schritt zu einer spürbaren Verbesserung für Peter auf dem Platz war das Spielverständnis, ergo die Spielintelligenz.

Ein kurzer Zwischenruf:

Viele Vereinsspieler sind auf dem Platz mit allerlei Dingen beschäftigt. Sie müssen sich extrem auf die Ausführung ihrer Schläge konzentrieren. Sie müssen das Timing zum Schlag managen. Hinzu kommt eine nervliche Belastung durch die Matchsituation. Dies sind nur ein paar Beispiele, was ein Spieler bei jedem Schlag im Match empfindet.

Die Emotionen sind unter anderem:

  • Aufregung
  • Freude
  • Wut
  • Frust
  • Verzweiflung
  • Hoffnung

Diese Emotionen sind stark und treten konstant auf. Du kannst dir jetzt vielleicht ungefähr vorstellen, warum du immer mal wieder das Verlangen verspürst den Netzpfosten mit deinem Schläger zu Kleinholz verarbeiten zu wollen. Das ist menschlich, normal und alles andere als schlecht.

Ende des Zwischenrufes ;-)

Peter sollte in der Lage sein die Geschehnisse während des Matches selbst analysieren zu können. Er sollte verstehen, warum etwas auf dem Platz passierte und was er direkt im nächsten Ballwechseln tun konnte, um das Ergebnis zu verbessern.

Hierzu ein kleines Beispiel:

Peter gab an, dass seine Rückhand unsicher war. Er fühlte sich mit diesem Schlag nicht wohl. Das sind alles tiefgreifende Aussagen, die aber noch nicht an den Kern der Sache stoßen. Ich analysierte mit Peter, warum denn seine Rückhand anfällig war. Spielte er sie zu kurz? Zu oft ins Netz? Flog sie permanent seitlich ins Aus? Ging die Kugel immer nach hinten raus ins Aus?

Die Antworten zu diesen Fragen sind wichtig, wenn man sein Spielverständnis schulen will.

Erst wenn du weißt, warum etwas nicht funktioniert, kannst du starten eigene Lösungen zu entwickeln. Ich nenne dies im mentalen Training das lösungsorientierte Denken. Leider verhaspeln sich viele Vereinsspieler in ihren Matches im problemorientierten Denken. Du, als mental starker Spieler, musst aber stets in Lösungen denken.

Wir analysierten, dass Peter die Rückhand zu oft ins Netz spielte. Er stellte dies in weiteren Matches fest. So konnten wir mentale Maßnahmen ergreifen, um seine Fehlerquote bei der Rückhand zu minimieren. Peter war in der Lage zu erkennen, wenn seine Rückhand zu oft ins Netz flog. Dieses Verständnis führte ihn dazu eine der drei Aufgaben für seinen Kopf umzusetzen:

Höher über das Netz spielen.

Wir hatten ein Problem und Peter konnte im laufenden Match ab sofort die Lösung für dieses Problem eigenständig auf den Schläger nehmen. Als Mentaltrainer ist es nicht möglich sich selbst auf den Platz zu stellen und seinem Schützling zu helfen. Die Aufgabe des Mentaltrainers besteht darin seinem Schützling die Gedanken mitzugeben, die dieser nutzen kann, um die bestmöglichen Entscheidungen auf dem Platz treffen zu können . Auch dann, wenn es mal überhaupt nicht läuft.

Ich zeige dir jetzt, welche psychologischen Auswirkungen dies auf Peter hatte.

Eines der größten Kopfprobleme von Tennisspielern ist das Gefühl der Hilf- bzw. Planlosigkeit. Dieses Gefühl kann für ein Match tödlich sein. Meist entsteht daraus ein nicht mehr zu brechender Kreislauf, der direkt in die Niederlage führt.

Damit Peter nicht in diese eben erwähnte Hilf- und Planlosigkeit abdriftet, entwarfen wir die auf seinen individuellen Charakter und seine Spielweise angepassten Lösungen. Dieses Wissen, diese Spielintelligenz, gab Peter ein Gefühl von Sicherheit. Ein Match verhält sich immer dynamisch. Es wird Phasen geben, die du dominierst und es wird ebenso Phasen geben, die dein Kontrahent dominieren wird. Deine Aufgabe besteht darin, beide Phasen ruhig, analytisch und lösungsorientiert zu spielen.

Es war für Peter wichtig diese Sicherheit im Match zu haben. Die Gedanken wirken sich direkt auf die Spielweise aus. Peter war vor dem Mentaltraining permanent in Unsicherheit und Zweifeln gefangen. Dies war selbstverständlich keine besonders gute Grundlage, um sein bestmögliches Tennis in Drucksituationen abrufen zu können.

Wie wir zu Beginn erörtern haben ist das Gefühl auf dem Platz entscheidend.

Was kannst du für dein Mentaltraining mitnehmen?

Du hast vermutlich eher selten über Training für deinen Kopf nachgedacht. Das ist gut, denn du besitzt dadurch einiges an Potential in diesem Bereich. Mentales Training ist individuell und orientiert sich an dem Charakter des Spielers. Dennoch gibt es für dich ein paar Hinweise, die du aus dieser Fallstudie für dich mitnehmen kannst.

Der wichtigste Punkt ist, dass du beginnst dich als Charakter auf dem Platz kennenzulernen. Was macht dir Angst im Match? Welche Spielweise bringt dich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs? Wie entstehen deine Siege und Niederlagen? Wo liegen deine individuellen Stärken und Schwächen? Behältst du in kritischen Situationen die Ruhe oder lässt du dich dann zu sehr von deinen Emotionen leiten?

Die Antworten bringen dich ein Stück weiter, wenn es darum geht deinen Charakter als Tennisspieler zu entdecken. Alles, was dich an deinen Gegnern irritiert, führt dich zu deinen Stärken und Schwächen.

Ich empfehle dir deinem Kopf vor jedem Ballwechsel eine analytische Aufgabe zu geben. Mit dieser recht simplen mentalen Technik lenkst du dich von negativen Gedanken ab und bleibst nicht in diesen stecken.

Starte mit diesen zwei Ansätzen und du wirst schnell merken, dass sich deine Gedanken auf dem Platz verbessern werden

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