
Direkt nach dem Spiel habe ich sie gemacht.
Kurz in meine To-Do-Ist-App auf dem Smartphone getippt.
Jetzt schreibe ich diese Liste mit dir auf. So gut wie nichts funktionierte auf dem Platz. Viele Fehler, kaum Druck in den Schlägen, katastrophale Aufschlagquote.
Eine Liste mit 10 Fehlern, die mir unterlaufen sind. Wir gehen diese Liste jetzt gemeinsam durch und schauen, was wir beide im nächsten Match besser machen können.
Bist du bereit? Dann lass uns an die Grundlinie stiefeln und unsere Fehler vermeiden.
Nur aus Fehlern und Niederlagen lernt man.
Klingt so spannend wie ein Match zwischen Carlos Alcaraz und Benoit Paire. Passt aber. Ein Sieg streichelt das Ego. Aber eine Niederlage verbessert jeden Spieler - falls er die Lehren erkennt.
Jupp, du denkst richtig.
Mit unserer 10-Fehler-Liste gibt es eine ganze Tennistasche an Lernmaterial für unser Spiel. Ich schlage vor, wir starten mit einem Klassiker der Fehler im Tennis.
Als ich Daniil Medvedev das erste Mal spielen sah, dachte ich:
"Verdammt, der Typ holt bei jedem Schlag zu spät aus und macht dennoch kaum Fehler!".
Was für Meddy gilt, gilt nicht für uns.
Wer zu spät ausholt, der ist mit dem Treffpunkt im Rückstand. Dieser verlagert sich nach hinten. Gern so weit, dass man die Murmel hinter dem Körper trifft. Was viel zu spät ist und den Schlagrhythmus zerstört.
Was kannst du tun?
Hole aus, sobald du erkennst, wohin der Ball des Gegners kommt. Hole während oder vor deiner Bewegung zum Ball aus. Je früher du das Racket nach hinten nimmst, umso mehr Zeit hast du dann am Ball.
Verunsicherung, Nervosität, schwache Beinarbeit.
Alles Indikatoren für eine Rücklage beim Schlag. Dabei gehst du aus dem Schlag raus, statt auf den Ball zuzugehen. Viele Spieler trauen sich in einem Meden- und Turnierspiel nicht, nach vorn auf den Ball zuzugehen.
Sie warten auf den Ball, weil sie vor nervlicher Anspannung wie paralysiert sind.
Diese innere Einstellung der absoluten Passivität führt beim Schlag zur Rücklage.
Die Rücklage führt wiederum zu weniger Kontrolle auf der Bespannung. Der Ball fliegt hoch und weit weg, lässt sich kaum kontrollieren und die Körperspannung beim Schlag bleibt auf der Strecke.
Was kannst du tun?
Durchbreche deine Passivität. Gehe auf den Ball zu. Schaue die Murmel aufmerksam an. Schnapp sie dir aktiv, anstatt auf sie zu warten.
Passivität und damit die Rücklage werden in deiner Einstellung gelöst. Wie du dich auf dem Platz fühlst, spiegelt sich in deinen Schlägen wider. Setze dir Mini-Ziele für deine Schläge. Bewege dich nach vorn, spiele den Schlag, gehe wieder zurück.
Nutze einen sauberen Schwung.
All diese kleinen Details führen dich auf den Weg nach vorn, Richtung Ball.
Mein alter Coach Magnus, er war Schwede, sagte früher:
"You walk like Kühlschränke!".
Was meinte er damit?
Wir bewegten uns zwischen den Schlägen nicht. Wir blieben nach dem Schlag stehen, schauten unserem Schlag hinterher, staunten, warteten auf den nächsten Ball und waren dann überrascht, wenn wir nicht pünktlich zum Ball standen.
Starre Beine führen zwangsläufig zu vielen Fehlern. Du stehst dann schlecht zum Ball, dein Timing geht flöten und die Sicherheit und das Selbstvertrauen in deinem Spiel schwinden.
Was kannst du tun?
Bewege dich zwischen deinen Schlägen. Sei auf den Zehenspitzen, Split-Step, wenn der Gegner den Ball trifft, zum Schlag bewegen und wieder von vorne. Es darf keinen Stillstand in der Rally geben.
Wann immer du mit vielen ärgerlichen Fehlern im Match zu kämpfen hast: Prüfe, ob du dich schlecht bewegst. Beginne dann im nächsten Ballwechsel damit, dich mehr nach deinen Schlägen zu bewegen.
Das sehe ich bei vielen Clubspielern in längeren Ballwechseln.
Ab dem dritten, vierten Schlag in der Rally öffnet sich die Schlägerfläche. Die Bespannung zeigt dann schräg Richtung Himmel. Was nie ein gutes Zeichen ist. Wenn du die Schlägerfläche beim Schlag öffnest, verlierst du die Kontrolle über deinen Schlag. Der Ball "geht dir ab" und fliegt weiter nach hinten.
Meist ins Aus.
Hier fehlt der Einsatz des Handgelenks. Du triffst den Ball zwar sauber vor dem Körper. Du stehst auch gut zum Ball. Aber der fehlende Einsatz des Handgelenks führt zur Öffnung der Schlägerfläche beim Schlag.
Das wollen wir in unseren Matches vermeiden.
Was kannst du tun?
Setze bewusst dein Handgelenk ein. Nutze dieses, um die Schlägerfläche beim Schlag zu schließen. Stelle dir vor, du würdest den Ball beim Schlag mit deiner Bespannung wie ein Geschenk einwickeln wollen. Deine Schlägerfläche geht über den Ball. Um diesen Effekt zu erreichen, setzt du dein Handgelenk ein.
Hier ein Tipp aus meiner Praxis:
Wenn du merkst, dass dir der Ball "ab gegangen" ist, prüfe direkt, ob du die Schlägerfläche zu früh und zu sehr geöffnet hattest.
Meist ist genau das der Fehler, den du dann direkt im nächsten Ballwechsel korrigieren kannst.
Das sagte mein alter Coach Tom zu meiner Vorhand.
Wenn ich in unseren Trainerstunden nicht locker über die Schulter ausschwang, landete mein Schwung in der Hosentasche. Schau mal, wie deine Teamkollegen im Sommer unter Druck bei der Vorhand ausschwingen. Ich bin mir sicher, du wirst den Hosentaschen-Schwung oft sehen.
Warum ist das ein Fehler?
Auch beim Hosentaschen-Schwung verlierst du die Kontrolle über die Murmel. Du bekommst kein Tempo auf den Ball, machst mehr Fehler ins Netz und verlierst dadurch einiges an Nerven.
Was kannst du tun?
Führen das Racket durch den Ball nach vorn und beende den Schlag bewusst über deiner Schulter. Ziel ist es, dass der Ellbogen nach dem Ausschwung vor deiner Nase ist.
Der Hosentaschen-Schwung gehört ebenfalls zu den Fehlern, die du sehr schnell im Verlauf eines Matches korrigieren kannst. Hier ist auch gern der Arm zu eng am Körper. Auch dieses kleine Detail möchte von dir korrigiert werden.
Wenn man es weiß, kann man schneller und effektiver handeln.
In einem Mentalcoaching-Gespräch sagte mir ein Spieler:
" ... ich habe diese Gewohnheit meinen Schlägen hinterherzuschauen. Dann schaue ich auf den Gegner und bleibe so lange stehen, bis dieser den Ball schlägt. Ich merke selbst, dass mich das voll rausbringt ...".
Ein Stück weiter oben haben wir schon über die starren Beine gesprochen. Jetzt müssen wir über den starren Blick sprechen.
Mir passiert es oft, dass ich VOR meinem Schlag auf den Gegner schaue.
Ich gucke, wo er steht, in welche Richtung er sich als Nächstes bewegen könnte. Das stört die Konzentration beim Schlag. Der Flow in den Bewegungen geht verloren. Die Fehlerquote steigt, die Selbstsicherheit sinkt.
Was kannst du tun?
Fokussiere den Ball. Ist nicht leicht, das weiß ich. Aber wir haben den Tennissport ja nicht gewählt, weil er leicht ist.
Das Anschauen des Balles ist die vielleicht schwierigste Disziplin beim Tennis. Aber wenn du in dieser Disziplin nur zu 2 % besser wirst, hat diese Verbesserung einen enormen Einfluss auf dein Leistungspotenzial.
Das kann ich dir, ohne mit dem Schlägerkopf zu zucken, versprechen.
Die Murmel tropft mit 3 km/h auf deine T-Linie.
Dein Gegner hängt hinten links im Zaun.
Du hast Zeit, dich zum Ball zu bewegen. Du hast Zeit, die dir Ecke auszusuchen. Du hast Zeit, dir eine Menge Gedanken zu machen.
Dann, wenn der Ball bei dir ist und du ihn spielen musst, passiert es.
Du lässt den Ball zu tief fallen. Deine Körperspannung gleicht einem Wackelpudding. Du schaust den Ball nicht an, obwohl er ja so lang und langsam in der Luft unterwegs war.
Zack, da haben wir einen Fehler, der völlig unnötig ist.
Was kannst du tun?
Mein alter Coach Hans-Egon sagte mir mal, man müsse die "einfachen" Bälle noch fokussierter, noch aggressiver, noch aufmerksamer, noch professioneller, noch akribischer und noch besser spielen als die schweren Bälle in einer Rally.
Damit lag er goldrichtig.
Gehe mit vollem Fokus auf diese vermeintlich "leichten" Bälle zu. Triff den Ball am höchsten Punkt. Schnapp dir den Ball, attackiere ihn und überlasse rein gar nichts dem Zufall.
Die Bälle, die leicht aussehen, sind die schwierigsten.
Auch das kann ich dir, ohne mit dem Schlägerkopf zu zucken, versprechen.
Stöppchen hier, Löbchen dort ...
Und schneller als man denken kann, hat man den sicher geglaubten Punkt noch verloren. Ich bin ein großer Freund der Spielfreude, des Spielwitzes und der Spielintelligenz.
Das innere Kind soll sich ab und an auch mal zeigen.
Aber es ist unsere Aufgabe dieses Kindchen jederzeit in der Rally zu kontrollieren.
Was kannst du tun?
Besonders in wichtigen Spielphasen, wenn die Big-Points anstehen. Schlagentscheidungen, oder auch die Shot-Selection, ist eine der entscheidenden Faktoren beim Tennis.
Ich empfehle dir fokussiert und humorlos vorzugehen, als zu sehr dem inneren Kind Raum an der Grundlinie zu geben.
Kennst du das?
Man ist mental so gefangen, dass man einfach nur irgendwie die Situation überstehen will. Das kann beim Arzt sein. Das kann in einer Prüfungssituation sein.
Das kann auf dem Tennisplatz, im Wahnsinn eines Meden- und Turniermatches, sein.
Was passiert, wenn du vor Nervosität erstarrst?
Exakt, du spielst den Ball nur noch rein. Dein Spiel hat keinen Plan, keine Struktur mehr. Du spielst, um nicht zu verlieren. Du spielst aber nicht, um zu gewinnen.
Fehlende Spielfreude kann zur Stagnation in den Leistungen führen. Ein Spieler, der immer nur mit denselben Leuten trainiert, der immer nur in seine Komfortzone schwimmt, der wird sich auf Dauer kaum verbessern.
Was kannst du tun?
Experimentiere in deinen Trainingsspielen immer wieder mit neuen Schlagvariationen.
Spiele gegen unterschiedliche Spielertypen Trainingsmatches. Finde neue Wege, dich an der Grundlinie zu positionieren. Finde neue Positionen beim Return. Schlage von weiter außen auf.
Du verstehst, worauf ich hinaus will?
Sei kein Spieler, der NIE neue Sachen auf dem Court probiert. Lass die kreative Sau in dir heraus. Bleibe spielerisch in Bewegung und höre niemals auf, neue Sachen über dein Spiel zu lernen.
Völlig unterschätzt meiner Meinung nach.
Tennis ist ein Flow- und Rhythmussport. Kein Kraftsport.
Je angespannter das Nervenkostüm, desto angespannter die Schlagbewegungen.
Wenn du bei deinen Schlägen zu viel Kraft aufwenden musst, dann kapituliert irgendwann dein Körper. Du verlierst zu viel unnötige Energie im Verlauf eines Matches. Diese verbrannte Energie aufgrund von zu viel Kraftaufwand raubt dir Konzentration, Fokus, Rhyhtmus und Flow.
Was kannst du tun?
Verfeinere die technische Ausführung deiner Schläge. Lerne zu schwingen, statt zu schlagen. Bei Vorhand, Rückhand und auch beim Aufschlag. Ja, auch der Aufschlag ist eine kinetische Kette, die aufgrund von Schwung und Energie funktioniert. Nicht aufgrund von Kraft.
Hier sind die Details entscheidend. Arbeite an einer ruhigen Ausholbewegung. Lerne, deine Hüftrotation bei deinen Grundschlägen mühelos einzusetzen. All diese kleinen Details werden dich zu einem besseren Spieler mit verbesserten Schlägen und verbesserter Energiie sowie Konzentration im Match machen.
Du kannst kein fehlerfreies Tennis spielen.
Wirf deinen Perfektionismus über den Zaun. Stürze dich in ein Tennis-Abenteuer, bei dem du mehr über dich und deine dunklen Seiten des Geistes lernen wirst, als du zu Beginn deiner Reise je vermutet hättest.
Werde ein Student des Sports, der auch mit einer 6:0-Matchbilanz niemals aufhört, zu lernen. Konzentriere dich auf die kleinen, feinen Details deiner Spielweise.
Versuche immer, diese kleinen Details weiter zu optimieren.
Dann machen dir die Fehler, die du machen wirst, weniger aus. Dein Nervenkostüm seitzt besser und du kannst freier durchschwingen, wenn es im Match-Tiebreak 7:7 steht.

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