18 zeitlose Aufschlagtipps, die deinen Gegnern nicht gefallen werden

Du stehst planlos mitten in der Süßigkeitenabteilung.

Um dich herum buhlen bunte Verpackungen um die Gunst deiner hart erarbeiteten Dineros.

Es fällt dir schwer, dich für eine Leckerei zu entscheiden. Was süßes? Oder doch lieber was salziges zum Actionfilm heute Abend?

Du fühlst dich schlecht, obwohl du noch keine Packung geöffnet hast.

Ähnlich kann es dir beim Aufschlag ergehen. Du weißt vor lauter Auswahl nicht wohin.

Wenn du bereits ein paar Jahre das Racket schwingst, dann bist du bei deinem Aufschlag nicht selten planlos. Nach einem emotionalen Ballwechsel, den du mit deiner Rückhand-Longline-Granate fürstlich abgeschlossen hast, pfeifst du aus dem letzten Loch.

Du hast keine nervlichen Kapazitäten frei, um dich voll auf deinen nächsten Aufschlag konzentrieren zu können.

Dann musst du innerhalb weniger Sekunden entscheiden, wohin du wie servieren willst.

Du kannst verschiedene Varianten spielen. Das ist kein Problem. Das Problem ist eher, wie du dich für die beste Aufschlagvariante entscheiden kannst.

Und:

Wie du all die komplexen Abläufe bei deinem Serve möglichst gut auf die Kette bekommst.

In diesem Artikel stelle ich dir 18 Ideen vor. Pick dir fünf heraus. Implementiere diese in deine Abläufe beim Aufschlag.

Wenn du das sechsmal praktiziert hast, dann schlägst du besser auf.

Und sparst dir noch einige Nerven.

Schnall dich an und mach dir eine Dose Vitamalz auf. Wir starten.

18 Aufschlagtipps für mehr Punkte bei eigenem Serve

1) Wie ist der Untergrund beschaffen?

Spielst du auf Sand?

Dann kann ein Aufschlag mit Kick deinen Gegner vor größere Probleme stellen als wenn du mit Slice servierst. Doch wenn du auf stumpfem Teppich mehr wichtige Aufschlagspiele durchbringen willst, dann kann der Slice gefährlicher sein.

Und, es geht noch weiter:

Ist der Sandplatz trocken? Oder gab es die letzten drei Tage Dauernieselregen?

Der Untergrund kann die Entscheidung für deine Aufschlagvariation übernehmen.

2) Hohes oder niedriges Selbstvertrauen?

Kennst du das?

Du hast die letzten Ballwechsel fehlerfreies Tennis gespielt. Dazu hast du den letzten Punkt mit einem grandiosen Vorhand kurz-cross abgeschlossen. Du läufst wie Novak Djokovic über den Platz:

  • Nase hoch
  • Blick arrogant Richtung Zuschauer

In diesen Phasen kannst du dich vermutlich mehr auf deinen brachialen ersten Aufschlag verlassen. Solltest du jedoch ängstlich deine letzten Vorhände irgendwie ins T-Feld geschubst haben, dann wirst du auch beim eigenen Serve ängstlicher sein.

Angst ist beim Tennis kein guter Coach.

Und wenn du deinen Aufschlag verbessern willst, dann orientiere dich immer an deinem Selbstvertrauen. 

Tipp: Spiele mit weniger Tempo und mit mehr Slice, wenn du dich unsicher fühlst.

3) Wirf die Kugel mehr nach rechts

Wir haben sie alle.

Probleme beim Ballwurf.

Das ist aber nicht schlimm. Denn wenn wir Probleme erkennen, dann können wir sie angehen und beheben. Einer der besten Aufschlagtipps, die mir damals einer meiner Verbandstrainer gegeben hat: 

"Kühn, du Tourist. Wirf die Kugel weiter nach rechts. Dann triffst du auch mal einen ersten Aufschlag!"

Herr Vogl hatte recht.

Das funktioniert.

4) Verschiebe deine Position nach außen

Idiotisch ist es ein Problem mit derselben Einstellung lösen zu wollen, wie es entstanden ist.

Du hast einen katastrophalen Tag erwischt und spielst von zehn Aufschlägen keinen rein? Dann musst du etwas verändern. Meckern und die Sonne beschimpfen bringt dich nicht weiter. Du kannst vieles verändern. Unter anderem die Position beim Aufschlag. Stell dich doch mal weiter nach rechts.

Du veränderst dadurch deine Perspektive auf den Gegner.

Das ist nicht nur psychologisch ein kleiner Kniff. Du wirst vermutlich auch anders und besser servieren.

5) Serviere den zweiten Aufschlag als ersten

Dein Gegner weiß, dass du beim ersten Aufschlag ein wahres Raonic-Brett servierst. Aus diesem Grund geht er bereits in Deckung und stellt sich drei Meter hinter die Grundlinie. In seinem Kopf bereitet er sich auf deinen ersten Aufschlag vor.

Und dann, vollkommen unerwartet ...

... servierst du mit Slice durch die Mitte.

Du bist ab diesem Moment für deinen Gegner ein kleines Rätsel. Er weiß, dass er sich nicht auf dich verlassen kann. Du hast deinem Gegner beigebracht, dass du mit Köpfchen Tennis spielst.

Das, liebe(r) Tennisfreund*in, ist ein Vorteil für dich.

6) Tippe den Ball länger auf

Eine Kurze Frage an dich:

Wie lang ist die durchschnittliche nervliche Zündschnur des durchschnittlichen Tennisspielers?

a) Drei Zentimeter
b) Zwei Zentimeter
c) Ein Zentimeter

Korrekt. Antwort c) ist richtig. Vor allem, wenn dein Gegner bereits lautstark mit sich selbst spricht und kurz vor der Explosion steht, solltest du dir mehr Zeit beim Aufschlag lassen.

Wirst du dadurch der nächste beste Freund deines Gegners? Nein.

Wirst du den nächsten Punkt gewinnen? Ja.

7) Lass dir doch mal Zeit

Das längere Auftippen hat aber noch andere Vorteile. Du kannst dich nach emotionalen Ballwechseln physisch und psychisch erholen. Hinzu kommt, dass sich sehr viele Spieler zwischen dem ersten und zweiten Aufschlag kaum Zeit lassen.

Bleib cool. Du bist nicht auf der Flucht.

Du kannst dir zwischen deinem ersten und zweiten Serve gern mehr Zeit lassen. Du wirst merken, dass du weniger Hektik in deinen Bewegungen und mehr Kontrolle beim Aufschlag hast.

8) Lege ein Ei

Ich habe in meiner Karriere gelernt, dass ein langsamer Aufschlag oft klüger ist. Das ist einer der Aufschlagtipps, die dir nicht jeder Coach so nennt.

Ein 'Ei' ist ein Aufschlag, der kurz und mit Schnitt gespielt ist. Dein Gegner muss beim Return nach vorne laufen, früh ausholen, im richtigen Moment stehenbleiben, den Ball sauber treffen und sich anschließend wieder schräg nach hinten orientieren.

Das sind ganz schön viele Aufgaben.

Leg ein 'Ei' und stelle deinem Gegner doch mal diese Aufgaben.

aufschlag tipps

9) Gib dem Aufschlagspiel ein Geheimnis mit

Du wirst schnell ein Muster beim Aufschlag deines Gegners erkennen. Meist servieren Hobbyspieler schnell mit dem ersten und langsam mit dem zweiten Serve.

Gib deinem Aufschlag doch mal ein Geheimnis mit.

Erschaffe ein Aufschlagmuster, dass deinen Gegner in einen Rauschzustand der Angst versetzte:

1) Slice durch die Mitte bei 0:0
2) Slice nach außen bei 15:0
3) Hart auf den Körper bei 30:0
4) Mit Kick auf den Körper bei 40:0

Denk dran:

Wenn dein Kontrahent nicht weiß, was du als nächsten spielen wirst, dann beschäftigt ihn dies im Kopf. Du förderst die Unsicherheit bei deinem Gegner.

10) Was erwartet dein Gegner? Tue das Gegenteil

Als ich früher Turniere spielte, wurde ich regelmäßig von meinen Kontrahenten überrascht. Je höher ich spielte, desto besser schlugen sie auf.

Was bedeutete 'besser'?

Sie wussten, dass viele Spieler meist einen knallharten ersten Aufschlag erwarten. Wie wir vorhin schon erwähnten, sind aber die Varianten effektiver. Die wahren Aufschlagtipps liegen immer in der Variation.

Versuche demnächst in den Kopf deines Gegners zu klettern und zu schauen, was er so über deinen Aufschlag denken könnte. Wenn du dann ein paar Infos gefunden hast, dann spiele das Gegenteil.

11) Aufschlag bei 30:0

Bei 30:0 hast du das Momentum auf deiner Seite.

Dein Gegner hat das Game eventuell im Kopf bereits abgehakt. Du hast allen Grund jetzt nochmal zu zeigen, dass du 'oben auf' bist. Mein Tipp für dich: Serviere mit Tempo durch die Mitte direkt auf den Körper. Selbst wenn du den ersten Aufschlag nicht triffst und über den zweiten gehen musst, so hast du Stärke und Selbstvertrauen symbolisiert.

12) Aufschlag bei 0:40

Schenke deinem Kontrahenten nicht das Spiel.

Ich würde dir nicht raten bei diesem aussichtslosen Spielstand einfach drauf los zu servieren. Gehe die Geschichte taktisch an. Vielleicht geht ja noch was in diesem Spiel.

Versuche mit Verstand zu servieren und es deinem Gegner so schwer wie möglich zu machen das Spiel zu holen. Das setzt auch psychologische Ausrufezeichen.

Tipp:

Serviere mit Slice durch die Mitte bei einem solchen Spielstand und schaue, wie sich der Ballwechsel ergibt. Lass deinen Gegner um diesen Punkt kämpfen.

13) Die Thiem-Oldschool-Methode

Ich meine, dass er es nicht mehr so oft praktiziert.

Oder?

Vor ein paar Jahren stand Dominic auf der Vorteilseite fast im Korridor und servierte von dort mit einem extremen Kick auf die Rückhand des Gegners. Die Folge war, dass ein Diego Schwartzman diese Returns fast aus dem Publikum spielen musste.

Nein, du kannst natürlich nicht einen solchen Kick wie Dominic spielen. Aber du kannst doch das Aufschlagmuster nehmen und auf deinem Niveau anwenden.

Was spricht dagegen?

14) Was du tun kannst, wenn dein Service konstant im Netz landet

Unser Trainer wurde früher zu einem Benoit Paire auf dem Platz, wenn wir denselben Fehler immer und immer wieder machten.

Nicht selten wurde dann nach dem Bällesammeln der gesamte Korb wieder ausgekippt und wir mussten nochmal sammeln.

Solltest du im Match merken, dass du auffallend viele erste Aufschläge im Netz landen, dann gehe wie folgt vor:

  1. Wirf den Ball etwas höher
  2. Fokussiere dich mehr auf das letzte Drittel deiner Aufschlagbewegung (die Bewegung, wenn der Schläger aus dem Rücken kommt und den Ball trifft)
  3. Triff den Ball etwas weiter oben

15) Wohin nach dem Aufschlag?

Du wunderst dich noch darüber, wie unglaublich gut dein Aufschlag kam und da ist die Kugel auch schon wieder zurück.

Du stehst wie ein Kühlschrank an genau der Stelle, an der du nach deinem dynamischen Absprung beim Aufschlag gelandet bist.

Und zack ... Da kommt er, der Unforced Error.

Ein, zwei kleine Schritte zurück bitte. Split-Step, wenn dein Gegner den Ball trifft. Aufmerksam bleiben.

Du möchtest doch nicht den Punkt verlieren, den du mit deinem grandiosen Aufschlag eingeleitet hast.

16) Wenn der Gegner fast auf der T-Linie steht

Es gibt diese Gegner, die sich dreist fast an die T-Linie stellen.

Weil sie deinen zweiten Aufschlag für einen absoluten Einwurf halten. Sie wollen dich provozieren. Sie wünschen sich, dass du emotional reagierst, mit Schmackes servierst und einen Doppelfehler produzierst.

Aber diesen Gefallen tust du ihnen natürlich nicht. Stattdessen grinst du kurz, konzentrierst dich und spielst deinen zweiten Aufschlag so, wie du ihn sonst auch immer spielst.

Soll dein Gegner doch erstmal deinen Aufschlag attackieren. Das gelingt ihm vielleicht auch ein paar Male. Doch wie sieht es auf die gesamte Matchdauer gesehen aus?

Bleib cool. Und lass deinen Gegner auch mal Fehler machen.

17) Schaue, wo dein Gegner steht

Ich kenne das von mir selbst zu gut. Man ärgert sich noch über die vergangene verschlagene Vorhand. Man ist mit den Gedanken bei den Rechnungen, die noch zu bezahlen sind.

Die Konzentration vor einem Aufschlag ist in manchen Phasen eines Matches herausfordernder als die Besteigung des Mount Everst.

Und, das Tolle ist:

Du musst diesen Everest nicht besteigen. Alles, was du tun musst, ist einen Blick rüber zu deinem Gegner zu werfen. Prüfe, wo dieser sich für seinen Return bereit gestellt hat. Allein durch diese simple Aktion lenkst du deine Gedanken von all dem negativen Kram ab.

Es geht nicht darum, sofort eine Strategie für deinen nächsten Aufschlag zu erarbeiten. Ziel ist es, dass du aus deinem Gedankenstrudel entkommst.

18) Beachte den Spielstand

Spiele öfters den Spielstand.

Ein Tipp, den mir damals mein alter Coach Hans-Egon gegeben hat. Manchmal musst du nämlich gar nichts besonders spielen. Es reicht, wenn du den ersten Aufschlag mit 70% deines möglichen Tempos mittig ins Feld spielst.

Aus genau diesem Grund kann es auch richtig sein bei 40:15 einen Aufschlag mit Slice nach außen zu spielen. Anstatt mit vollem Tempo durch die Mitte zu gehen, einen Fehler zu machen, über den zweiten Aufschlag gehen zu müssen und so das Aufschlagspiel unnötig eng werden zu lassen.

Tipp: Hab vor deinem Aufschlag stets den Spielstand im Hinterkopf und prüfe, ob es nicht eine schlaue Variation für deinen Aufschlag gibt.

Du wirst oft eine 'schlaue' Option finden.

Zusammenfassung

"Ja, das ist alles immer so leicht gesagt!"

Stimmt. 

Du musst dich von deinem Perfektionismus befreien. Tennis ist kein Sport für Kontrollfreaks. Es ist nicht möglich in einem Match alles unter Kontrolle zu haben. Es ist verrückt alles unter Kontrolle haben zu wollen.

Kein Mensch auf diesem Planeten trifft jeden ersten Aufschlag. Die Kunst besteht darin mit den sich immer verändernden Umständen eines Matches anzufreunden und in diesen immer anderen Situationen die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen.

Das ist fernab von perfektem Tennis.

Aber an erfolgreichem Tennis nah dran.

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Sven H., Spieler aus der Bezirksliga

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