Sandplatz-Tennis: Vom ersten Rahmenball zum ersten Vorhand-Winner

Ein kleiner Junge erklärt dir kurz das Sandplatz-Tennis.

Felix hat ein neues Spielzeugauto zum Geburtstag bekommen.

Mit einem Strahlen in den Augen springt er vom Stuhl im Esszimmer auf und bahnt sich seinen Weg Richtung Wohnzimmer. Vor dem Fernseher plumpst Felix gekonnt in eine Mischung aus Schneidersitz und bequemen Liegen.

Sein Blutdruck steigt.

Geschickt befreit Felix sein neues Vehikel aus der durchsichtigen Verpackung, die seinen Blutdruck und die Vorfreude während des Auspackens noch weiter steigen lässt.

Felix nimmt das Spielzeugauto auf dem dunkelgrauen Teppich in seine rechte Hand. Er holt aus, will das Auto rollen lassen – doch nach wenigen Zentimetern steckt es förmlich im Teppich fest.

Das Auto macht keinen Mucks mehr. Es geht nicht weiter.

Ähnlich wie das Spielzeugauto von Felix auf dem Teppichboden des Wohnzimmers, verhält sich die gelbe Filzkugel beim Umstieg von der Halle auf Sand. Spielst du den Ball gerade, ohne große Rotation, scheint das Tempo, welches du dem Ball mitgegeben hast zu verpuffen.

So wie das Auto von Felix nach nur wenigen Zentimetern im Teppich.

Der Sand bremst deinen Schlag, sobald er auf der gegnerischen Seite sein Ziel gefunden hat. 

Wir kommen im weiteren Verlauf dieses Artikels nochmal auf das Tempo zu sprechen.

Vorab:

Es mag Ausnahmen geben, wie beispielsweise Juan Martin del Potro. Er spielt die Vorhand so schnell, dass diese selbst nach drei Tagen Nieselregen pures Feuer wäre.

Hat dein Schlag wenig Drall, wenig Rotation, wird dein Schlag nach dem Absprung in der Hälfte des Gegners langsamer. Wenn du bereits sehr gut darin bist den Ball richtig anzuschauen, dann wirst du gut erkennen, ob und wie sich der Ball dreht. 

Zu Beginn der Sandplatzsaison ist es für dich besser, wenn sich deine Bälle sehr stark drehen.

Spiele höher, langsamer und mit mehr Spin.

Bei deinen ersten Spielen auf Sand lautet dein oberstes Ziel: Rhythmus.

Du musst Rhythmus und Gefühl für die neue Umgebung, für den neuen Untergrund und für das im Grunde komplett neue Spiel gewinnen. Bevor du also deine Winner zelebrieren kannst, musst du einen Umweg gehen und dir den wichtigen Rhythmus holen, um dann mit diesem Gas geben zu können. 

sandplatz-tennis

So gelingt es schneller mit dem ersten Vorhand-Winner beim Sandplatz-Tennis.

In der Halle wurden deine geraden, harten Schläge auf der gegnerischen Seite noch schneller.

Auf Sand werden sie gestoppt. Dies bringt deinen Rhythmus durcheinander. Dein Spielrhythmus wird verwirrt.

Du musst also einen anderen Weg finden, um schnell in den Schlag zu kommen. Der Weg zu diesem Ziel lautet: Topspin.

Spielst du den Ball mit Topspin, dreht sich das Szenario um. Der Ball fliegt langsamer über das Netz, gewinnt nach dem Absprung aber an Geschwindigkeit und „Schärfe„.

Merke dir:

Der Sand ist der Brandbeschleuniger für deinen Topspin. Spielst du den Ball hart und gerade, fliegt er schnell, verliert nach dem Absprung aber an Geschwindigkeit. Spielst du den Ball langsamer und mit viel Spin fliegt er langsam, gewinnt nach dem Absprung aber an Geschwindigkeit.

Da du es aus der Halle gewohnt bist, dass der Ball nach dem Absprung schnell wird, musst du dieses „Gefühl„ beim Umstieg auf Sand kopieren.

Dies gelingt dir nicht, wenn du auf den Platz gehst und wild drauf los spielst. Du wirst keinen Rhythmus bekommen. Du wirst schlecht zum Ball stehen und viele leichte, ärgerliche Fehler machen.

Ich gehe davon aus, dass du genau das nicht willst.

Kleine Anekdote: Bei uns gab es früher einen Typen im Verein, der auf den Court ging und direkt Winner um Winner um Winner spielen wollte. Hauptsache schnell, Hauptsache furios. Einige dieser Geschosse kamen auch, aber die Streuung der Schläge war enorm. Dieser Typ fand in der gesamten Saison nie zu einem konstanten Spiel. Seine Schwankungen waren so enorm, dass er keine zwei Matches auf einem spielerischen Niveau absolvieren konnte. Er suchte immer beim Platz, dem Wetter und dem Platzwart nach Ausreden. Die Wahrheit war aber: Er hatte nie den Fokus auf den Schlagrhythmus gelegt.

Schritt für Schritt Anleitung: So startest du auf dem Sandplatz durch

Wir haben früher im Verbandstraining folgende Abläufe gehabt:

Starte im T-Feld, beginne damit den Ball richtig zu fühlen, indem du ihn mehr streichelst als schlägst. Spiele hoch über das Netz, langsam und lerne, wie sich der Ball nach dem Absprung verhält.

Nach zehn Minuten gehst du zwei bis drei Schritte hinter die T-Linie. Dann spielst du wieder halbhoch mit Spin. Bis du ein erstes, gutes Gefühl für die neuen Umstände bekommst.

Nach 20 Minuten eroberst du die Grundlinie. 

Dort angekommen, bleibst du natürlich deiner Strategie treu. Du hämmerst nicht wild los, sondern fokussierst dich auf deine Füße. Du setzt mehr Schritte ein, um besser am Ball zu sein. Außerdem behältst du dein Tempo im Auge. Spielt dein Gegner schneller, spielst du nicht schneller – sondern nimmst das Tempo mit einem höheren Topspin-Ball raus.

Weil du weißt, dass du erst einen guten Rhythmus brauchst, um schneller spielen zu können, zügelst du dein Ego bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Die Ballwechsel nutzt du, um möglichst viele Bälle zu schlagen und nicht, um möglichst schnell den längsten Ballabdruck durch den schnellsten Schlag zu erreichen.

Das kannst du später bei den Aufschlägen versuchen 😉

Wenn du an der Grundlinie stehst, habe folgende Stichpunkte im Kopf:

  1. unter den Ball gehen, mit dem Handgelenk arbeiten
  2. Treffpunkt beachten, zum Ball hin bewegen – nicht warten
  3. halbhoch über das Netz spielen, Netzfehler vermeiden
  4. hinter die T-Linie spielen, nicht zu hohes Tempo gehen
  5. Füße bewegen, Füße bewegen, Füße bewegen

Sandplatz-Tennis: Die mentale Umstellung zwischen den Ohren

Du kannst dich nicht selber finden, indem du in die Vergangenheit gehst. Du findest dich selber, indem du in die Gegenwart kommst – Eckhart Tolle

Als ich früher aus der Halle auf den roten Sand wechselte, nervte mich der Klang meiner Bespannung auf.

So stumpf. Leblos. Frei von jeglicher Teilnahme am Spiel.

Die Vögel gaben ein lauteres Zwitschern von sich, als der Klang meiner Saiten bei der Vorhand. 

Mich irritierte der Zaun, welcher von einem lieblosen Werbeplakat verziert war, auf der ein Firmenname stand, den keiner kannte. Mich verwirrte der Wind, der mal von hinten und mal von vorn kam und meine Schläge beeinflusste.

Über die Sonne brauchen wir erst gar nicht sprechen. Ich liebe sie. Aber nicht beim Aufschlag. Ich suchte nach Lösungen für diese, nennen wir sie mal: Probleme.

Und ja, es gibt eine Lösung mit der veränderten Optik und Akustik zurecht zu kommen.

Willst du sie wissen? Die Lösung?

Verabschiede dich von der Halle.

Du bist, ebenso wie ich als kleiner Steppke, noch als ein Hallenspieler konditioniert, wenn du die ersten Rutschpartien auf Sand von der Leine lässt. Dein Auge, dein Gehör, dein gesamter Verstand sind noch auf „Halle“ programmiert.

Nicht aber auf Sand. 

Auf den blauen Himmel mit seinen kleinen Schleierwolken. Den Zaun mit den hässlichen Werbeplakaten. Den jungen Eltern, die ihren Babywagen durch den Park fahren, indem sich deine Clubanlage befindet.

Wenn du damals als Schüler stets die Klassenräume für die verschiedenen Fächer wechseln musstest, kamen dir die Räume ebenfalls immer anders vor.

Nicht wahr?! 😉

Du bist ein Gewohnheitsspieler

Beginnt die Freiluftsaison, musst du den Sandplatz als neue Liebesbeziehung betrachten, die erst wieder entstehen und wachsen muss. Ihr habt euch lange nicht gesehen. Du musst die Eigenarten und Vorzüge wieder kennenlernen.

Und vor allem musst du lernen mit diesen Vorzügen wieder richtig umzugehen.

Du wärst böse, wenn du sie mit deiner alten Liebesbeziehung, der Halle, vergleichen würdest. Das wäre unfair und würde dir nichts bringen außer Ärger und Groll.

Genieße den blauen Himmel. Lausche den Vögeln beim zwitschern. Ärgere dich nicht über die Werbeplakate im Hintergrund.

Nimm das alles an und konzentriere dich auf jeden einzelnen Moment, den du auf dem Platz verbringst. Sauge jedes Detail auf wie ein Schwamm. Sammle Informationen darüber, wie der Ball springt, wie sich deine Schläge anfühlen, wie du dich zum Ball bewegst.

Wenn du dich schnell mit den neuen Umständen vertraut machst, wird es dir leichter fallen besser zu spielen. Es bringt dir herzlich wenig, wenn du viele leichte Fehler machst, aber überhaupt keine Ahnung hast was die Ursache für diese Fehler ist. 

Viele Vereinsspieler treffen zu Beginn der Sandplatzsaison kaum einen Ball und können dies auch nicht korrigieren, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen. Dabei verstehen sie nicht, dass auf der roten Asche alles anders ist als noch in der miefigen Halle.

Hast du innerhalb kurzer Zeit möglichst viele Infos beisammen, kannst du dich deiner neuen Liebesbeziehung mit deiner vollen Aufmerksamkeit widmen.

Welche Infos benötigst du, um schnell tolles Sandplatz-Tennis zu spielen?

Verstehe, wie sich der Ball nach dem Absprung verhält. 

Dann weißt du, dass du dich mehr zum Ball hin bewegen musst. Rutsche nicht zu sehr auf dem Platz. Dies macht nicht nur den Platz kaputt, sondern auch deine Beinarbeit. Laufe so viele Bälle wie möglich aus und nutze das Rutschen nur, wenn du einen Stoppball erlaufen willst.

Dies ist die wichtigste Information: laufe die Bälle aus.

Beim Aufschlag hast du eine vollkommen neue Umgebung. 

Das Hallendach ist verschwunden und Flugzeuge behindern nun deine Quote beim ersten Aufschlag. Wirf den Ball erst ein paar Mal hoch, um ein Gefühl für den neuen Ausblick zu bekommen. Nimm den Schläger schnell in den Rücken und konzentriere dich nur darauf den Ball beim Aufschlag sauber zu treffen.

Deine komplette Aufschlagbewegung und das Tempo sind erst später an der Reihe. Ähnlich wie beim Start von der Grundlinie musst du dich auch beim Aufschlag zunächst an die neuen Umstände gewöhnen und das Timing finden. Dies wird dir zu Beginn nicht gelingen, wenn du dich an die Grundlinie stellst, die Filzkugel hochwirfst und direkt das Ass durch die Mitte spielen willst.

Dann wird es dir eher passieren, dass du den Ball nicht richtig triffst, du das Gefühl hast, dass dein Aufschlag nur 20 km/h schnell ist und die eigentlich noch ein Anfänger bist.

Mit solch einem Gefühl möchte man die neue Sandplatzsaison eigentlich begrüßen 😉 Folglich sollte dein Fokus auf den neuen Umstände liegen.

Sage dir:

Endlich wieder draußen. Ok, auf was muss ich achten? Der Platz ist langsamer, das Spiel ist anders. Der Ball wird anders fliegen. Ich muss also zunächst schauen, dass ich erstmal einen Rhythmus bekomme. Für meine Schläge, aber auch für meinen Kopf.

Dann wunderst du dich auch nicht, so wie ich früher, über den dumpfen Klang deiner Bespannung.

Ein kleiner Trick für großes Sandplatz-Tennis

In meinem Newsletter wurden alle Leser befragt, was ihr größtes Problem bei der bevorstehenden Umstellung auf Sand ist.

Leserin Simone antwortete folgendes:

Hallo Marco,
Ich schaffe es nicht den Ball auf der langsamen Asche schnell zu machen!

Wer bereits treuer Leser von tennis-insider.de ist weiß, dass es nicht einfach ist einen langsamen Ball schnell zu machen. Einen schnellen Ball hingegen noch schneller zu machen ist simpel.

Und genau dieses Szenario haben wir in der Halle, wenn auf einem schnellen Untergrund wie Teppich oder Granulat (so lange noch etwas vom Granulat über die Jahrzehnte übrig geblieben ist) gespielt wird. Der Ball ist eh schon schnell. Dementsprechend ist es einfach diesen Ball mit noch mehr Tempo zu spielen.

Auf Sand sieht es dann ganz anders aus. 

Der Sand stoppt den geraden Ball nahezu. Der rote Untergrund, auf dem wir so gern rutschen, macht den Ball langsamer. Dazu kommt der Wettereinfluß.

Ist es seit drei Tagen sonnig und trocken, ist der Platz schneller. Regnete es hingegen den gesamten Tag und du willst am Abend spielen, ist der Platz weich und langsam.

Um den Ball auf Asche schnell zu machen, musst du einen wichtigen Faktor berücksichtigen:

  • deine Beinarbeit

Der Ball kommt nicht mehr so bequem auf dich zu. Du musst dem Ball mehr entgegengehen. Um ein ideales Timing zu gewinnen, musst du also aus deiner Komfortzone heraustreten und dich immer auf den Ball zu bewegen. Andernfalls triffst du den Ball unsauber, verlierst an Timing und kannst dann nur froh sein den Ball überhaupt zurückzuspielen.

Wenn du dem Ball stets ein paar Schritt auf die Pelle rückst, kannst du das vorgegebene Tempo des Balles mitnehmen. In der Halle musstest du dies nicht so offensiv tun. Dort war es bequemer, da der schnelle Untergrund dir sehr geholfen hat.

Bei deinen ersten Matches auf Sand aber bist du mehr gefordert – speziell deine Füße.

Kleine Anekdote: Mir hilft ein kleiner Trick, wenn ich kaum Gefühl in meinen Grundschlägen habe. Dann positioniere ich mich zwei Schritte weiter nach vorn. Das ist besonders im Einspielen hilfreich. Durch die neue Position trickse ich meinen Kopf aus. ich bekomme automatisch eine "neue Perspektive" auf meine Schläge. Dazu kommt, dass ich den Ball früher nehme. Wenn du beim nächsten Spiel schnell merkst, dass dein Timing bei deinen Grundschlägen nicht passt, dann geh einen oder zwei Schritte weiter nach vorn.

Doch Achtung

Laufe nicht auf Teufel komm raus zum Ball. 

Gehst du mit zu großen Schritten auf den Ball zu, wirst du nicht gut zum Schlag stehen. Du wirst den Ball zu eng am Körper spielen. 

Die Grundlinie muss nach einer Stunde so aussehen, als hättest du drei Stunden gespielt. Die Spuren auf der Asche verraten dir immer sehr gut, ob du dich gut bewegt hast – oder ob du zu faul warst.

In der Mitte hinter der Grundlinie müssen sich also viele Spuren befinden, die deine kleinen Schritte verraten. Wenn diese Spuren dann noch nach vorn in den Platz führen, wirst du ganz sicher den Ball auch auf einem sehr langsamen Ascheplatz schnell spielen können.

Merke dir also:

  • bewege dich zum Ball hin
  • schnelle, kleine Schritte
  • viel Beinarbeit

Was sind deine Ziele für den Sommer?

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Sven H., Spieler aus der Bezirksliga

2 Kommentare

  • Hi Marco,

    danke für Deinen Artikel und die Tipps, gefallen mir gut.
    Mein Ziel für den Sommer ist, wieder Turniere spielen zu können, damit ich mich und meinen LK verbessern kann.

    Grüße
    Felix (nicht der mit dem Auto aus Deinem Artikel) ;-)
  • Hey Felix,

    danke dir für dein Feedback und deinen Kommentar! :-)

    Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen Turnierteilnahmen und hoffe, dass du dein gestecktes Ziel erreichst.

    Liebe Grüße
    Marco

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