3 mentale Strategien: Was Alexander Zverev dir über das Mindset eines Champions verraten kann

Ich erinnere mich an mein erstes Mal.

Es war auf der Hofeinfahrt. 

Die Sonne ging langsam unter. Der wunderbare Sommertag verabschiedete sich mit ein paar kaum wahrnehmbaren Schleierwolken in den lauwarmen Feierabend.

Der Wind bewegte sanft die Blätter des Apfelbaumes.

Dann griff ich ihn mir.

Den rechten Griff des Lenkrads meines Mini-Mountainbikes. Ich schwang mich auf den Sattel, kniff die Augen aufgeregt zu, und strampelte einfach los. Die erste Fahrt ohne Stützräder führte mich adrenalingeladene sieben Meter die Hofeinfahrt hinunter.

Fassungslos stoppte ich, blickte zurück. Ich fühlte mich, als hätte ich die Welt erobert.

Warum erzähle ich dir das?

Ich möchte mit dir in diesem Artikel über Entwicklung sprechen. Eine Fähigkeit, die gern unter die Asche an der Grundlinie gekehrt wird. Ein Blick auf die Champions zeigt aber: Sie sind Meister darin ihr Spiel zu entwickeln. Sie setzen sich kritisch mit ihrem Tennis auseinander, analysieren Niederlagen, hinterfragen sich - und werden stärker.

Diese Fähigkeit auf sich selbst zu schauen, unbequeme Fragen für sich zu beantworten und mit diesen Antworten zu arbeiten, nennen wir: Mindset.

Was ist überhaupt ein Mindset?

Komm, wir alle tun es.

Googlen.

Also lass uns den Begriff "Mindset" mal unserem Alleswisser "Onkel Google" auf den virtuellen Tisch knallen. 

Der Onkel meint:

Das Mindset (dt.: Denkweise, Einstellung, Mentalität) bezeichnet die generelle Denkweise einer Person und welche Meinungen sie vertritt.

Ok, scheint was mit Denken zu tun zu haben.

Nun denken viele Spieler sehr viel. Sie zerbersten sich ihre Köpfe vor einem Match über den Gegner. Sie haben einen Kopf voller Ängste, Zweifel und Hoffnungen. Und im Verlauf eines Matches wird der Denk-Herd erst richtig angeschmissen. 

Ich habe früher vor manchen Turnieren gar nicht richtig schlafen können, weil ich immer Spielzüge und mögliche Szenarien auf dem Court durchgegangen bin. Dann wälzte ich mich nach links, um die Rückhand im Kopf durchzugehen. Und dann nach rechts, um gedanklich ein Ass mit Slice nach außen zu servieren.

Mit dem Ergebnis, dass ich unkonzentriert und emotional (sehr) instabil auf dem Court stand.

Ich habe dadurch gelernt:

In vielen Matches sind es die Gedanken, die das Match entscheiden - nicht die Technik.

Wir können daraus schließen, dass wir alle ein Mindset besitzen.

Aber ...

Warum ist das Mindset wichtig?

Wenn du an der Grundlinie zum Return bereit stehst, ist deine Leistung die Summe all deiner Gedanken, die du vor dem Match gedacht hast.

Der Stress im Büro, den du wegen deinem faulen Arbeitskollegen hast, hat Einfluss auf deine Vorhand aus dem Halbfeld. Dein Mindset, deine Denkweise, ist ein weiterer Schlag in deinem Repertoire.

Dieser Schlag findet eben zwischen deinen Ohren statt.

Wenn also dein Mindset mindestens so wichtig ist wie dein Aufschlag, deine Vorhand und deine Beinarbeit, dann können wir dieses doch bestimmt trainieren.

Oder?

Definitiv.

Dieser Artikel ist ein kleines Mindset-Training. Wenn du bis hierhin gelesen hast, dann ist dein Denkapparat zwischen den Ohren nun gestretcht und warm. Du hattest ein paar Bilder im Kopf und bist bereit die mentalen Hanteln zu schwingen.

Wir passen natürlich auf, dass dir keine dieser Hanteln aus der Hand und deinem Nachbarn an den Hinterkopf fliegt ;-)

Wir beide gehen nun drei Aussagen von Alexander Zverev durch und schauen, wie diese dein Mindset positiv beeinflussen können. Wir schauen, was du von Alexander Zverev für den Kopf lernen kannst.

Ah, ich höre deine Gedanken:

"Zverev? Der macht doch nur Doppelfehler, schmeißt Schläger und brüllt rum! Was soll ich von dem über das richtige Mindset lernen?"

Nun, der gute Sascha ist seit Jahren in den Top 10 Zuhause und Olympia-Sieger. Dazu gewann er 17 Einzeltitel.

Mit 24 Jahren.

Was für uns fast noch wichtiger ist: Er hat sich innerhalb kürzester Zeit mental und spielerisch verbessert wie kein anderer Spieler. Er ist also ein Typ, von dem wir lernen können.

Außerdem kann ein gezieltes Ausrasten angestaute Emotionen abbauen und unseren Verstand für den nächsten Big-Point schärfen ;-)

Let`s go!

rafa

"Jeder gute Tennisspieler sollte eine kurze Erinnerungsspanne haben - positiv wie negativ!"

Kennst du es?

Ein dämlicher Fehler, und der Rest des Matches läuft im Schnelldurchlauf an dir vorbei.

Du fühlst dich wie ein Sumoringer beim Ironman - zur falschen Zeit, im falschen Wettbewerb.

Ein Tennismatch besteht aus verschiedensten, teils unlogischen und vor allem unkontrollierbaren Dynamiken. Mal triffst du beinahe gedankenlos jede Vorhand-Longline. 15 Minuten später weißt du vor dem zweiten Aufschlag nicht mehr, wie du den Ball hochwerfen sollst.

Diese Extreme bedeuten für dich:

Schnell vergessen. Schnell abhaken. Schnell weitermachen.

Alexander Zverev hat dieses Mindset sehr schön auf den Punkt gebracht.

Ich erinnere mich daran, wie ich in einem Match den ersten Return seitlich ins Aus gespielt habe. Es ging eine Schranke in meinem Kopf runter. Der erste Punkt ist der unwichtigste in einem Match.

Und dennoch hat dieser Punkt mein gesamtes Mindset für das komplette Match beeinflusst. Ich war negativ, passiv in den Ballwechseln, haderte nach jedem schnellen Fehler.

Mein Gegner musste nicht viel tun. Er spielte die Kugel konstant rein, ging wenig Risiko. Ich nahm mich selbst aus dem Spiel und war nicht in der Lage ansatzweise mein bestes Tennis zu zeigen.

Ich verlor dieses Match glatt, weil ich den ersten Fehler nicht vergessen konnte.

"Ich versuche so wenig wie möglich auf Leute außerhalb meines Teams zu hören. Was für mich zählt ist, was mein Vater sagt - er ist mein Coach. Dazu höre ich auf meinen Bruder und meinen Fitnesscoach. Den Rest versuche ich auszublenden"

Zu viele Meinungen, Tipps und Ratschläge sind kontraproduktiv.

Stell dir vor, du buchst eine Trainerstunde.

In dieser Trainerstunde ballert dich der Trainer mit Silben ab und lässt dich hinterher mental Scheintod die Bälle sammeln:

"Ja, jetzt Schläger zurück. Schulter-Hüftdrehung ... Ja, jetzt in die Knie, Schlägerkopf fallen lassen. Auf den Ball schauen! Ja, genauer Ball anschauen! Körpergewicht! Körpergewicht nach unten verlagern! Ja, gut ... Ball streicheln, nicht schlagen! Spin, mehr Spin!"

Ich weiß nicht, wie gut deine Auffassungsgabe ist.

Aber das sind arg viele Tipps für einen einzelnen Schlag, oder? Was bleibt bei dir hängen? Was würdest du aus solch einer Trainerstunde mitnehmen?

Vermutlich nichts, was dir in deinem nächsten Meisterschafts- oder Turniermatch hilfreich ist.

Ähnlich verhält es sich mit den Leuten, Webseiten oder YouTubern, von denen du lernst. Man verliert sich schnell in Informationen. Wir geben zu schnell auf und wollen dann neue Infos, die uns möglichst unkompliziert und schmerzfrei an unser Ziel führen.

Meist ist es aber der steinige Weg, der zum Erfolg führt.

Wähle eine Informationsquelle, höre auf diese und setze das Wissen dieser Quelle auch wirklich um.

Zu viele YouTube-Anleitungen können verwirren. 

"Ich versuche mein Spiel zu spielen. Mein Spiel zu spielen über einen längeren Zeitraum im Match"

Du hast einen Matchplan ausgeheckt und fährst voller Euphorie zur Tennisanlage.

Dann spielst du dich ein und holst dir einen ersten guten Schlagrhythmus. Und dann, nach dem 3:0 für deinen Gegner, überfällt dich dieser Frust und du denkst dir:

"Schei$$e! Nichts funktioniert hier ...!"

Dann wirfst du deinen Plan komplett über den Haufen und spielst teilweise Sachen, die du gar nicht kannst.

Alexander Zverev gibt dir den Tipp lieber an deiner Spielidee festzuhalten, diese im Match anzupassen und deinen Weg zu gehen. Deine Spielidee, dein Matchplan, ist deine Landkarte. Sie führt dich im Laufe eines Spiels durch alle Höhen und Tiefen.

Wenn du diese Landkarte einfach über den Zaun wirfst, dann verlierst du komplett deine Orientierung im Match.

Vertraue deinen Fähigkeiten!

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Was du von Alexander Zverev über dein Mindset lernen kannst

Wir sind drei Gedanken vom guten Sascha durchgegangen.

Zunächst, warum nur drei?

Du sollst aus diesem Artikel etwas mitnehmen. Und wenn ich dich mit zehn Zitaten malträtiert hätte, dann wäre dies wie bei der in diesem Artikel angesprochenen Trainerstunde gewesen. Hier auf tennis-insider.de möchte ich dir sogenannte Mini-Skills, Fähigkeiten mitgeben, die dein Denken, dein Fühlen und somit dein Tennis verbessern.

Welche Mini-Skills kannst du aus diesem Artikel für dich mitnehmen?

Der erste interessante Gedanke ist:

Wer bei sich selbst die Schuld sucht, der kommt schneller zur Lösung!

Ja, an manchen Tagen stört die Sonne beim Aufschlag extrem. Und es gibt definitiv den einen oder anderen Platzwart, der höchstens eine Dose Heineken als Lohn verdient hätte.

Die Schuld für deine verschlagene Vorhand bei anderen zu suchen, macht deine deine Vorhand aber nicht besser.

Schau immer, was in deinem Einflussbereich liegt - und was nicht. 

Der zweite coole Gedanke, den wir mitnehmen können:

Es ist wichtig ärgerliche Fehler schnell abzuhaken. Ebenso sollte man aber auch geile Punkte schnell vergessen, um sich auf den nächsten Ballwechsel fokussieren zu können.

Dies ist eine wichtige Fähigkeit für dein Tennis. Dabei spielt es keine Rolle, ob du erst ein paar Wochen das Racket schwingst oder bereits ein erfahrener Fuchs zwischen T- und Grundlinie bist.

Ich fand es interessant, dass Sascha auch die guten Bälle angesprochen hat. Wer sich selbst zu lange feiert, der liegt schneller im Match zurück, als er gucken kann.

Ein abschließender Gedanke, der das Mindset eines Champions ganz gut abrundet:

Spielerische und charakterliche Entwicklung ist wichtiger als ein kurzfristiger Sieg.

Schau dir Alex an.

Er hat schon früh erste richtig gute Siege eingefahren. Sein Umfeld und eventuell auch er selbst haben aber das große Ganze gesehen. Alex hat sich nie auf tollen Siegen ausgeruht. Er und sein Team haben immer geschaut (und tun das ganz sicher auch weiterhin), wo man sich weiter verbessern kann.

Wie man seine Schwächen stärken, die Stärken noch weiter optimieren kann.

Das ist das Mindset eines Champions, welches auch dein Tennis auf das nächste Level heben kann.

Was glaubst du:

Schafft es Alexander Zverev bald auf den Tennisthron zu klettern? 

Ich freue mich über deine Meinung in einem Kommentar.


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2 Kommentare

  • Cooler Artikel und ja, ich habe bei einem vorbildlichen Mindset tatsächlich zuerst an Zverev gedacht :)
    Ich denke, er wird Nummer eins werden, aber die nächsten Talente ( Carlos Alcaraz!!) werden ihm das Leben bald schwer machen.
    Nachdem ich gerade Deinen Blog entdeckt habe, freue ich mich doppelt auf das Tennis Training morgen Abend.
  • Hey Christoph!

    Danke für deinen Kommentar. Ich denke auch, dass Alcaraz und Auger-Aliassime sehr starke Konkurrenz für Zverev und auch Medvedev sein werden.

    Sinner natürlich auch.

    Viel Spaß bei deiner Trainerstunde!

    Marco

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