9 Dinge die du tun kannst, NACHDEM du eine Vorhand gespielt hast

Du hast die Vorhand aus dem vollen Lauf heraus wunderbar cross platziert.

"Einfach herrlich", denkst du so bei dir.

Während du noch deinem Geschoss hinterherschaust, schlägt es auch schon ein. Dein Gegner nimmt deinen Cross-Ball in Agassi-Manier auf Hüfthöhe und spielt einen fulminanten Longline-Winner.

Du stehst immer noch im Stile eines Kühlschrankes an genau der Stelle, an welcher du deinen formidablen Cross-Ball zwei Sekunden zuvor gespielt hast.

Das bringt uns direkt zu der Frage:

Was kannst du tun, nachdem du deine Vorhand gespielt hast?

Hier sind meine Ideen für dich:

1) Schau bloß nicht deinem Ball hinterher

Hast du mal einer gutaussehenden Dame in der Stadt hinterhergeschaut? Und wurdest du dann von dieser Frau bei deinem heimlichen Blick erwischt?

Fühlt sich blöd an, oder?

Und genau so fühlt es sich auch an, wenn dich dein Gegner in der Hitze eines epischen Matches beim Hinterherschauen deines Balles erwischt. Du stehst anschließend doof da. 

Auch wenn sich mancher Schlag richtig gut auf deiner Bespannung anfühlt. Verfalle nicht in Schockstarre. Bleib nicht stur stehen. Lass vor allem nicht deinen Schläger hängen.

Sondern:

2) Bleib in Bewegung

Ab auf die Zehenspitzen mit dir. Side-Step, zurück zur Mitte. Kreuzschritt. 

Bleib nach deiner Vorhand unbedingt in Bewegung. Selbst dann, wenn du kein Großmeister der Beinarbeit bist und Bedenken hast, dass sich deine Füße verknoten könnten.

Ein Ballwechsel ist dynamisch.

Damit du einen richtig tollen Ballwechsel spielen kannst, musst du ebenfalls immer in Bewegung sein. Dabei geht es keineswegs darum im Stile von Novak Djokovic selbst auf Hardcourt zu rutschen. Es reichen ein bis drei kleine, flinke Schritte.

Du wirst schnell spüren, dass du besser zum nächsten Schlag stehst.

3) Lesen

Nein, du sollst nicht deine Comic-Sammlung von Marvel auspacken.

Stattdessen schaust du rüber zum Gegner. Wie steht er zum Ball? Ist er hektisch bei seiner Ausholbewegung? Hat er früh genug ausgeholt? Oder ist der Ball schon kurz vor seinem Bauch, bevor er mit seinem Schlag startet?

Versuche deinen Kontrahenten zu lesen. Sammle Informationen über seine Verhaltensweisen in den Ballwechseln. Viele Spieler werden von Schlag zu Schlag hektischer.

Daher meine Idee für dich:

Prüfe, wie viele Schläge dein Gegner im Ballwechsel ruhig und konstant zwischen T- und Grundlinie spielt. Je weniger er schafft, desto unspektakulärer kannst du selbst spielen.

Dann musst du nicht bei jedem zweiten Schlag selbst auf den Winner gehen. Du kannst auf den Fehler deines Gegners setzen.

4) Prüfen

Hast du mal Novak Djokovic vor dem Return beobachtet?

Er schaut immer genau, wo er steht. Verrückt, oder? Der weltbeste Spieler weiß selbst nicht, ob er richtig steht. Und genau deswegen solltest du erst recht prüfen, wo du stehst. In einem laufenden Ballwechsel kannst du die Orientierung verlieren. Es kann dir passieren, dass du plötzlich im Niemandsland zwischen T- und Grundlinie bist und den letzten Zug verpasst hast.

Meine Idee für dich:

Prüfe nach deiner Vorhand kurz, wo du stehst und ob die Position gut oder schlecht ist.

Wenn sie schlecht ist, dann korrigierst du diese natürlich fix.

5) Nachsetzen

Wie hat Roger Federer sein Spiel neu erfunden?

Er ging mehr ans Netz. Vor allem seiner starken Vorhand ging er effizienter nach. Klar, der Maestro spielt einen wunderbaren Flugball. Aber er spielt gegen die besten Grundlinienspieler aller Zeiten.

Es wäre mir eine riesige Ehre, wenn du ebenfalls gegen diese Leute spielst. Da ich das aber nicht ganz glauben kann, habe ich eine Idee für dich:

Folge einer guten Vorhand mutig ans Netz. Du verkürzt die Winkel für deinen Gegner. Du setzt diesen psychisch stark unter Druck. Du zwingst ihn einen tollen Ball oder Lob spielen zu müssen.

Es kann daher sehr gut sein, dass du gar keinen Flugball spielen musst.

6) Liebe

Tennis ist Liebe.

Und wie in der Liebe geht es auch auf dem Court nur um eine Sache:

Gefühle.

Du spielst Tennis nicht mit idiotischer Kraft, sondern mit zartem Gefühl. Manchmal ist es besser die Kugel zwei Zentimeter ins Aus zu spielen und ein gutes Gefühl zu haben, anstatt einen brachialen Winner fabriziert zu haben ohne zu wissen, wie du das überhaupt geschafft hast.

Du kannst im Match dein Gefühl für deine Vorhand kontrollieren. Vor allem, wenn du unter starker Nervosität leidest. Setze dir als Ziel ein gutes Gefühl für deine Schläge zu gewinnen. Dieses gute Gefühl nimmt dir ein wenig Angst und baut im selben Schritt gesundes Selbstvertrauen auf.

7) Der 'Ellbogen-Nase'-Check

Wir haben gerade über das Kontrollieren gesprochen.

Technik ist eine komplett individuelle Sache. Du kannst wunderbar schönes, von jedem Vereinsmitglied beneidetes Tennis spielen. Das bringt dir alles keine Siege, wenn der Kopf streikt.

Aber:

Wenn nach deiner Vorhand deinen Ellbogen vor deiner Nase ist, dann ist das ein tolles Zeichen. Denn dann hast du durchgeschwungen (wehe du spielst mit Kraft! Dann komm ich zu dir nach Hause und wickle alle Griffbänder ab!). Und das, obwohl du im Match um Punkte doch meist die Vorhand nur schubst.

8) Stoppen

Tennis ist wunderbar einfach.

Bis man sich bewegen muss.

Die meisten Fehler unterlaufen uns, wenn wir aus dem Lauf heraus spielen müssen. Lange Ballwechsel mit vielen Bewegungen sorgen für Hektik. Schau dir mal Roger Federer genau an. Er bleibt nach einer aus dem Lauf gespielten Vorhand stehen. Er beendet seine Laufbewegung, stoppt kurz ab und orientiert sich wieder neu.

Dieses kleine Detail wird gern vernachlässigt.

Achte bei deinem nächsten Training oder Match einfach mal darauf. 

9) Körper öffnen

Nein, wir sind nicht in die Gerichtsmedizin gegangen und du heißt auch nicht Michael Tsokos.

Aber:

Ich sehe es immer wieder, dass Spieler unnötig hektisch werden. Sie schaffen es nicht nach einer gespielten Vorhand direkt wieder den Körper Richtung Gegner zu öffnen. Sie sind zu lang mit ihrem Schlag beschäftigt.

Meine Idee für dich:

Kontrolliere mal, ob du nach dem Beenden deiner Vorhand schnell wieder in einer neutralen Körperhaltung bist. Falls nicht, kannst du das ab sofort versuchen zu optimieren. Und vernachlässige mentales Training nicht.

Ein paar hilfreiche Infos über die Vorhand

Die neun Ideen waren recht unterhaltsam. Du sollst diesen Artikel aber nicht nur mit einem Schmunzeln verlassen.

Bedenke, dass du im Match vermutlich immer mehr Vorhände als Rückhände spielen wirst. Man neigt dazu eher die Rückhand anstatt die Vorhand zu umlaufen. Es sei denn, man heißt Benoit Paire.

Deine Vorhand ist nicht nur dein Paradeschlag. 

Sie ist auch dein Hilfsmittel, um gesundes Selbstvertrauen aufzubauen. Unterschätze diese Info nicht. Es kann dir in einem wichtigen Match einen Schub geben, wenn du eine richtig gute Vorhand gespielt hast. Ich kann dir aus dem mentalen Training berichten, dass ein solcher Vorhand-Schuss ein ganzes Match drehen kann.

Das hat nicht so viel mit diesem einen Punkt zu tun.

Die Gesetzmäßigkeiten haben sich dann verändert. Du kannst durch eine einzelne starke Vorhand deine mentale Blockade lösen. Anschließend verändern sich die Denkstrukturen in deinem Kopf.

Du denkst dann lösungsorientiert. Anstatt dich in Gedanken ausschließlich mit deinen Ängsten und Sorgen zu befassen, konzentrierst du dich auf deine Bewegungsabläufe. Das ist der Switch, wenn sich ein Match dreht. Der Gegner beginnt dann plötzlich mit quälenden Gedanken zu kämpfen, während du beinahe gedankenlos eine Vorhand nach der anderen als Winner spielst.

Was kannst du mitnehmen?

Deine Vorhand ist auf dem Court und für deinen Kopf ein extrem wichtiger Schlag.

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Sven H., Spieler aus der Bezirksliga

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