
Fehlt dir im Match ein Plan B?
Weißt du nicht, wie du deine Taktik im Matchverlauf anpassen kannst?
Du bist nicht allein.
Viele Hobby-Leistungsspieler sind nervlich im Match erstarrt. Steht dann auch noch ein nerviger Mondball-Zombie auf der anderen Seite, kann die Taktik schnell zur Nebensache werden.
In diesem Artikel findest du 14 Taktiken für ein smartes Tennis mit Köpfchen.
Wir starten.
Spiele im Einspielen bewusst einen kurzen Slice oder eine bewusst kürzer gespielte Vorhand.
Prüfe, ob sich dein Gegner gut zu diesen kurzen Bällen bewegt. Oder ob er den Ball zu eng am Körper trifft oder Probleme mit dem Timing hat.
Warum ist das ein Taktik-Trick?
Wenn du Schwächen erkennst, können sich im Match Stopps und kurze Slice-Bälle lohnen. Meistert dein Gegner diesen Trick, kannst du dir das sparen.
Hier ist der Bereich, den du anspielen kannst im Einschlagen:

Es ist immer schwieriger einen langsamen Ball schnell zu machen, als einen schnellen Ball noch schneller zu spielen.
Hier habe ich über ein Tempoprinzip im Detail geschrieben.
Unser Coach im Verbandstraining, Christian Vogl, sagte früher zu uns:
Gib dem Gegner Chancen, Fehler zu machen.
Was meinte der gute Vogl damit?
Geh nicht auf jeden Ball drauf. Spiele nicht jeden Schlag als Winner. Ich weiß, du hast diesen unbewussten Druck, jederzeit im Match besonders toll spielen zu müssen.
Aber:
Habe keine Angst davor, den Ball im Spiel zu halten.
Wie kriegst du das hin?
Nimm Tempo aus dem Ballwechsel.
Spiele hin und wieder mittig und mit mehr Spin. Lass deinen Gegner einen langsamen Ball schnell machen.
Dieser Artikel über mehr Topspin in der Vorhand hilft dir dabei.
Stelle dich mal weiter ins Feld, mal weiter hinter die Grundlinie.
Warum ist das ein Taktik-Trick?
Du gibst deinem Gegner kein festes Ziel.
Du kannst dich auch weiter nach rechts oder links verschieben. Gerade auf der Einstandseite macht es Sinn, sich weiter nach rechts zu verschieben. Einfach, um den möglichen Slice-Aufschlag deines Gegners nach außen abzudecken.
Psychologisch ist das ebenfalls smart:
Dein Gegner hat vor seinem Aufschlag immer ein anderes Bild von dir. Er weiß nie, was du als Nächstes beim Return tun wirst.
Hier ein paar Ideen:

Was mir früher sehr geholfen hat:
Bei 0:15 oder 0:30 im Aufschlagspiel des Gegners den zweiten Aufschlag attackieren. Wie bei Punkt drei bereits kurz angerissen:
Stelle dich beim zweiten Aufschlag ganz bewusst zwei Schritte ins Feld. Am besten so, dass dein Gegner das vor seinem zweiten Aufschlag sieht.
Du erhöhst nicht nur psychologisch den Druck auf deinen Gegner. Du zeigst, dass du voll da bist und bereit bist, mutig zu spielen.
Djokovic tat es mit dem größtmöglichen Erfolg.
Sinner tut es ebenfalls.
Warum spielst du nicht mehr durch die Mitte?
Das mag im ersten Moment langweilig klingen. Aber denk nochmal drüber nach.
Mittig gespielte Bälle, mit guter Länge, geben dem Gegner keine Winkel. Viele Hobby-Turnierspieler sind von Natur aus ungeduldig und wollen den Punkt so schnell wie möglich beenden. Abgesehen von den Mondball-Zombies.
In dieser Zverev-Vorhand-Analyse gehe mehr ins Detail.
Mit dieser Taktik setzt du Punkt Nummer 2 aus unserer Liste praktisch um.
Wir Menschen sind Gewohnheitstiere.
Auch auf dem Tennisplatz bestehen wir aus festen Gedanken- und Verhaltensmustern. Deine Gegner sind es gewohnt, als ersten Aufschlag ein Brett und als zweiten Aufschlag einen Einwurf serviert zu bekommen.
Drehe dieses Muster hin und wieder um.
Serviere deinen zweiten Aufschlag als den ersten. So bleibst du für deinen Gegner ein Rätsel. Du signalisierst, dass du kreativ bist und dir immer wieder neue spielerische Ideen einfallen lassen kannst.
Das ist ein Weg, um in den Kopf deines Gegners zu kommen.

Nach einem Seitenwechsel.
Vor deinem Aufschlag. Beim Return.
Lass deinen Gegner regelmäßig warten. Mit dieser Taktik kontrollierst du das Geschehen im Match. Du entscheidest, wann der nächste Punkt gespielt wird.
Novak Djokovic tat dies im Laufe seiner Karriere auf unterschiedlichste Art und Weise. Mal durch das ewige Auftippen des Balles vor dem Aufschlag. Mal durch Verletzungspausen im Match.
Mal durch bewusste Pausen zwischen den Ballwechseln.
Diese Taktik kann deinen Gegner nerven. Aber du zeigst unbewusst, wer der Chef auf dem Platz ist.
Es sei denn, du bist von Natur aus ein Mondballspieler.
Aber wenn du eher zu den Hardhittern gehörst, dann spiele mit mehr Köpfchen. Der Tempowechsel im Ballwechsel ist eine herausvorragende Taktik, um die Dynamik des Ballwechsels zu verändern.
Gib deinem Gegner immer neue Aufgabe.
Die beste Möglichkeit?
Spiele auf einen schnellen Ball des Gegners einen hohen Topspin-Ball. Schön lang, vor die Grundlinie. Das ist nicht ganz einfach. Aber eine fantastische Taktik für dein Spiel.
Ein Satz, den damals verbandstrainer Christian Vogl zu mir sagte, als ich im Trainingsspiel gegen einen älteren, kräftigeren und besseren Jungen spielte.
Ich ließ mich auf sein Gedresche von der Grundlinie ein. Wollte jeden Ball noch schneller spielen.
Coach Vogl kam auf meine Seite und sagte mir:
"Marco, er da hinten spielt schneller und besser als du. Lass dich nicht darauf ein. Spiele mehr Winkel, weniger Tempo und versuche, ihn ans Laufen zu kriegen!".
Was uns direkt zur nächsten coolen Taktik für dein Spiel führt:
Im Profibereich gilt diese Taktik nicht so sehr wie im Hobbybereich.
Im Hobbybereich machen die Spieler viel mehr Fehler, wenn sie aus dem Lauf heraus spielen müssen. Das Timing zum Ball geht dann flöten. Das Risiko beim Schlag wird falsch eingeschätzt.
Das ist ein Grund, warum manche Spieler im Einspielen so stark wirken. Aber im Match dann kaum etwas auf den Platz bringen.
Lass dich niemals von einem Spieler im Einspielen einschüchtern. Teste erst, wie dieser Spieler aus dem Lauf heraus spielt. Das zeigt dir ein Stück seines wahren Tennis-Gesichts.
Sun Tzu war ein chinesischer Militärstratege und Philosoph.
Sunzi lebte zwischen ca. 534 v. Chr. und 453 v. Chr. Und er hat eine verdammt gute Taktik für dich hinterlassen:
Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden. Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.
Matteo Berrettini hätte vermutlich längst einen Grand-Slam-Titel geholt, wenn er diesen Spruch kennen und verstehen würde. Stattdessen verlegt er immer noch seine Vorhand bei den Big-Points, wenn es um große Siege geht.
Wäre ich sein Trainer, dann hätte man mich mehrfach vom Platz schleifen müssen, weil ich ihm an den Hals gesprungen wäre.
Wie sieht es bei dir aus?
Verstehst du, was dein Gegner gut kann? Welche Schläge er gerne spielt? Wie er sich zu seinen Schlägen bewegt?
Erkennst du, wenn er nervös wird, Angst hat und an sich zweifelt?
Und:
Verstehst du dich? Kennst du deine Schwachstellen, die Gedanken, die dir Angst machen? Und kennst du deine unverrückbaren Stärken? Kennst du deine Waffen, um ein Spiel zu drehen oder nach Hause spielen zu können?
All die Antworten auf diese Fragen verbessern dein Tennis.
Verinnerliche dieses Prinzip. Ich empfehle dir diese Fragen nach drei Aufschlagspielen mal für dich durchzugehen und zu überlegen:
Wie kannst du diese Fragen beantworten?
Diese Antworten können deinen Matchplan bilden. Sie können dir Spielzüge verraten. Und: Sie machen dich zu einem taktisch stärkeren Spieler - langfristig.
Hast du Angst vor einem wichtigen Meisterschaftsspiel?
Fühlst du dich hilflos, wenn dein Gegner keine Fehler macht und dir deine kurzen Bälle um die Ohren haut?
Perfekt, dann bringst du alle Voraussetzungen mit, um eine wichtige Lehre heute mitzunehmen. Diese Lehre wird von den absoluten Champions unbewusst in Perfektion ausgeführt.
Es ist die Lehre von der Pyramide.
Wie sieht diese Pyramide aus?
So:
1) Denken
2) Fühlen
3) Spielen
Was du wie denkst, beeinflusst deine Emotionen. Wie du dann fühlst, beeinflusst deine Spielweise.
Beispiel:
Es steht 4:5 aus deiner Sicht, du servierst bei 30:40 und dein Gegner hat dir bis dato drei von vier zweiten Aufschlägen direkt als Returnwinner ins Eck gejagt.
Du stehst an der Grundlinie bereit, tippst die Kugel ängstlich auf, servierst - und dein erster Aufschlag bleibt an der Netzkante kleben wie damals das Kaugummi unter`m Holztisch im Klassenzimmer.
Was denkst du vor deinem zweiten Aufschlag?
"Oh je, F*ck! Jetzt, bei diesem wichtigen Punkt über den zweiten gehen ... Mist ey ...!"
Wie fühlst du dich durch diesen Gedanken? Verzweifelt, ängstlich. Panik macht sich breit, dass du durch den folgenden zweiten Aufschlag diesen so wichtigen ersten Satz verlieren könntest.
Wie wirst du deinen zweiten Aufschlag vermutlich spielen?
Mit einem Arm so schwer wie ein Yokozuna. Langsam, harmlos - und zu kurz. Eine schlechte Mischung für einen zweiten Aufschlag, wenn der Kontrahent gerade Satzball hat.
Das Pyramiden-Prinzip verrät dir, wie du in solchen Matchsituationen anders denken, dich dadurch selbstbewusster fühlen und anschließend besser spielen kannst.
Bei uns spielte früher Sven im Verein.
Technisch unglaublich starker Spieler. Schleife bei der Vorhand-Ausholbewegung. Immer in den Knien, wenn er sich zum Schlag fertig machte. Perfekte Trophy-Position beim Aufschlag.
Ein Kunstwerk auf dem Tennisplatz.
Dieses Kunstwerk bekam allerdings Risse und Farbflecke, wenn es in die Meisterschaftsspiele ging. Da schlich sich der Feind von hinten an, kletterte über den Rücken in Sven`s Nacken und machte es sich auf seiner Bespannung gemütlich.
Wer war dieser Feind?
Exakt, die Angst.
Wer im Match Angst hat, der:
Du merkst es, oder?!
So lässt sich nur schwer ein Match gewinnen.
Es wird selbst dann verflucht eng, wenn du der klar bessere Spieler auf dem Court bist. Ich würde hier nicht nur von einer angezogener Handbremse sprechen. Eher von einem Totalschaden, wo bereits eine dichte Rauchwolke aufsteigt.
Wenn du unter Angst im Match leidest, dann kannst du vier Trainerstunden pro Tag nehmen. Deine Leistung im Turnier wird sich nur minimal verändern. Ob sie sich verbessern wird?! Eher nicht.
Es wird einfach nicht beachtet.
Ganz ehrlich?! Wer irgendwann mal gesagt hat man solle Niederlagen schnell abhaken, der hatte schlicht keine Ahnung.
Ja, emotional abhaken - okay.
Aber doch bitte nicht spielerisch, taktisch - mental. Es ist fatal, wenn man nicht aus seinen und den Fehlern anderer lernt. Wenn du dir das Match von deinem nächsten Gegner anschaust und dort siehst, dass dessen Gegner jeden Ball hoch spielt und dein nächster Gegner diese hohen Bälle alle direkt tötet - spielst du dann hoch?
Wäre das deine Taktik in diesem Match?
Natürlich nicht! Du kannst dir hohe Bälle direkt sparen und deinen Rückhand-Slice einsetzen.
Eine Niederlage kann dir viel geben:
Wie hat der Gegner die meisten Punkte gegen dich erspielt?
Wo lagen hier deine Schwächen?
Hast du glatt verloren? Wenn ja, waren die Aufschlagspiele wenigstens eng? Falls ja, wo hast du in den engen Situationen versagt?
Hast du knapp verloren? Wenn ja, was hat dein Gegner bei den Big-Points besser gemacht? Wie würdest du spielen, wenn du dieses Match nochmal spielen könntest?
Wie hast du deine Punkte gemacht? Was zeichnete dein Spiel aus? Hattest du einen klaren taktischen Plan? Falls ja, warum ist dieser gescheitert? Hat dein Gegner dich eventuell bei deinem Taktik-Plan ertappt? Hast du es dann verpasst deine Taktik wieder anzupassen?
Merkst du, was durch eine saubere Niederlagenanalyse alles für dich drin ist?
Der großartige Roger Federer ist das beste Beispiel. Er hatte aus seinen knallharten Niederlagen gegen Rafa und den Djoker so viel über sich und seine Taktik gelernt, dass er begann effektiver und gezielter ans Netz zu gehen. Er konnte seine individuelle Spielphilosophie anpassen erweitern und - verbessern.
Hätte er nicht diese zermürbenden Niederlagen erlebt, dann hätte er sein Spiel niemals so maßgeblich verbessern können.
Ist Roger Federer ein gutes Ende für diesen Artikel?
Ich denke schon.
Nun liegt es an dir, diese Prinzipien in dein Tennis zu integrieren.
Nimm dir zwei bis drei dieser Prinzipien für deine Taktik im Einzel heraus. Setze sie um, sammle deine Erfahrungen.
Und feile weiterhin an deinem Tennis.

5 Kommentare
Ich bin zwar mit meinen 70 Jahren und fast fünfzigjähriger Tenniserfahrung ein alter Hase auf dem Platz, aber Taktik, Strategie und mentaler Stärke habe ich bisher nicht so bewusst angewendet. Umso spannender und interessant finde ich deinen Blog. Ich bin gespannt ob ich meine DTB-Ranglistenposition (29) noch verbessern kann, indem ich versuche deine Tipps umzusetzen.
In diesem Sinne freue ich mich auf alles weitere was du von dir gibst.
Schöne Grüße aus Oberfranken
Monika
Dein Blog ist wirklich besonders. Kompetent auf der einen Seite, praxisorientiert auf der anderen und dann noch gespickt mit eigenen Erfahrungen. Manche Zeilen erinnern an die eigene Tennispraxis. Und das Gedankenspiel auf dem Court. Ich bin angehender Tennistrainer, will mich eher auf den Breitensport konzentrieren, aber Deine Tipps sind sehr, sehr hilfreich eben auch für den ambitionierten Hobbyspieler. Danke.
danke für deinen Kommentar und viel Spaß und Erfolg als Trainer!
Beste Grüße
Marco
vielen Dank für diesen picke packe wert-vollen Beitrag.
Unglaublich viele Tipps drin.
Grüße
Felix
danke für dein Feedback 💪
Beste Grüße
Marco
Was denkst du?