
3184 Umdrehungen pro Minute.
So oft dreht sich die Murmel, wenn Carlos Alcaraz eine Vorhand mit Topspin spielt.
Durchschnittlich spielt er diese 70 cm hoch über das Netz.
Was bedeutet das für den Gegner?
Er muss a) die Vorhand aus dem Spiel nehmen oder b) eine verdammt smarte Taktik gegen den Topspin haben.
Okay, du spielst nicht gegen Carlos Alcaraz. Aber auch als Hobby-Leistungsspieler hast du in deinen Matches mit dem Topspin des Gegners zu kämpfen.
Die Frage ist:
Was kannst du tun, wenn auf der anderen Seite des Netzes ein Clubspieler-Alcaraz steht?
Nach diesem Artikel wirst du wissen, wie du dein nächstes Match gegen einen Topspinspieler taktisch angehen kannst.
Hast du Lust, Taktiken gegen den Topspin zu entdecken?
Es kommt auf den Belag an.
Problem?
Deine wichtigsten Matches spielst du im Sommer auf der roten Asche.
Ist der Sandplatz trocken, springt dir Murmel bei einem guten Spin tückisch weg. Der Ball fliegt zwar langsam durch die Luft. Er wird mit dem Aufprall auf deiner Seite des Netzes aber schneller, höher und gefährlicher.
Der Topspin wird nicht nur schneller. Er dreht sich vorwärts, seitwärts oder sogar beides gleichzeitig. Je nachdem, wie stark der Spin im Schlag deines Gegners ist.
Diese Kombination macht den Topspin so gefährlich:
Profispieler spielen ihre Vorhand zu über 90 % mit Topspin.
Hier eine Infografik dazu:

Wenn du zwischen LK 5-15 stehst, dann wirst du mit ähnlichen Zahlen "zu kämpfen haben".
Auch auf deinem Niveau werden die meisten Tenniscracks eine Vorhand mit Spin spielen.
Auf Teppichboden wird der Spin nicht so gut angenommen, wie auf dem trockenen Sand. Auch ein Sandplatz, der von Nieselregen erschlagen wurde, nimmt den Topspin weniger an.
Nutze diese Fakten für deine Taktik gegen den Topspin.
Je höher der Spin abspringt, desto schwieriger wird es für dich.
Was hier gilt:
Spielst du öfters gegen diese Spielertypen, wirst du dich immer besser an diese Spielweise gewöhnen. Suche dir im Verein Spieler, die mit viel Spin spielen.
Das bereitet dich auf den Ernstfall LK-Match vor.
Das Spiel gegen Topspinspieler ist körperlich und mental anstrengend.
Der Ball springt bei einem Topspinspieler höher ab.
Der Ball ist "härter" auf deiner Bespannung. Damit ist er schwieriger zu kontrollieren.
Es ist nicht unüblich, dass Spieler mehr Kraftaufwand aufbringen müssen, wenn sie gegen den Spin spielen. Die Ballwechsel fühlen sich gegen Topspinspieler schneller und dynamischer an. Das gesamte Spiel erscheint schneller. Es kann dir passieren, dass du im Verlauf einer Rally nicht mehr richtig zum Ball stehst.
Springt der Ball höher ab, musst du dich besser bewegen. Stehst du nicht korrekt zum Ball, kann das sofort zu einem vermeidbaren Fehler führen.
Was ich auch häufig beobachte:
Viele Spieler werden gegen Topspinspieler im Verlauf eines Ballwechsels kürzer in ihren Schlägen. Wirst du zu kurz, kann der Spinspieler leichter attackieren.
Das Spiel gegen den Topspin ist auch aus taktischer Sicht kompliziert.
Da der Ball hoch abspringt, kommst du schneller in die Defensive.
Ein herausragender Spinspieler kann dich mit seinen Schlägen weiter hinter die Grundlinie drücken. Dazu haben diese Spielertypen leider die Eigenschaft, dass sie weniger Fehler machen als die üblichen Hardhitter.
Das ist positiv für den Topspinspieler, aber negativ für dich.
Wir gehen jetzt sechs Strategien für deinen Erfolg gegen Topspinspieler durch.
Habe auf dem Racket:
Du musst nicht all diese Strategien umsetzen. Eine Strategie passt perfekt zu deinem Spiel? Dann setze diese Strategie auch um. Ein guter Matchplan ist simpel. Keine Raketenwissenschaft.
Wir starten mit der wichtigsten Strategie.
Allein dieser "Hack" kann dir das Spiel gegen den Topspin vereinfachen.
Entscheide dich, ob du den Ball im Fallen oder Aufsteigen treffen willst.
Dazwischen ist die Todeszone.
Dein Ziel muss es sein, den Ball auf deiner Hüfthöhe zu treffen. Nicht darüber. Das kann in deinen Matches gegen den Topspinspieler zu einem Problem werden.
Ein Problem, das Roger Federer massiv gegen Rafael Nadal hatte. Vor allem mit seiner einhändigen Rückhand.
Der Spin wird nach dem Absprung so giftig, dass du ihn entweder direkt im Aufsteigen nimmst oder nachdem er seinen höchsten Punkt erreicht hat - im Fallen.
Das wiederum hat sehr viel mit deiner Beinarbeit zu tun.
Jupp, du wirst viele kleine Schritte gegen Topspinspieler nutzen müssen. Ohne eine gute Beinarbeit wirst du die Spinschläge auf Dauer nicht entschärfen können.
Die meisten Topspinspieler sind Vorhand-Monster.
Sie wollen so oft wie möglich Vorhand spielen.
Was bedeutet das für dich?
Bewusst oder unbewusst stehen sie deswegen weiter in ihrer Rückhandecke. Wenn du das siehst, spiele bewusst in ihre Vorhand.
Warum? Klingt das nicht zu simpel?
Schau:
Sie müssen dann weitere Wege auf dem Platz gehen, was zu mehr Konditionsverschleiß während des Matches führt. Weniger Kondition bedeutet auch immer weniger Konzentration.
Weniger Konzentration bedeutet für Topspinspieler mehr Rahmenbälle und mehr Fehler.
Beobachte genau, wie sich dein Gegner an der Grundlinie verhält. Wo steht er? Wie bewegt er sich nach einem Schlag? Spielt er auffällig viel Vorhand?
All diese Fragen führen zu deinen taktischen Lösungen zwischen T- und Grundlinie.
Je besser du deinen Gegner beobachtest, desto besser kannst du ihn und sein Spiel lesen. Viele Informationen über deinen Gegner führen in deinem Kopf zu vielen taktischen Manövern, die du im Match umsetzen kannst.
Spiele schnell und flach in die Topspin-Vorhand deines Gegners.
So bleibt ihm weniger Zeit, dem Ball viel Spin mitzugeben.
Das glaubst du nicht?
Schau:
Mit dieser Taktik hebelte Novak Djokovic den unangefochtenen King of Clay, Rafael Nadal, in seinem Wohnzimmer in Roland Garros aus.
Wenn du schnell in die Vorhand des Gegners spielst, hat dieser weniger Zeit dem Ball Spin mitzugeben. Im Idealfall ist dein flacher Ball dazu auch noch lang.
Einen Topspinball hingegen kann der Spinspieler ohne Probleme kontern. David Ferrer kann davon ein ganzes Album singen. Er wurde von Rafa auf Sand vernichtet.
Ein schneller, flacher Ball, dreht sich aber weniger.
Wenn sich der Ball weniger dreht, muss der Spinspieler dem Ball diese Umdrehungen selbst mitgeben. Ein sich bereits drehender Ball ist für den Spinspieler leichter zu spielen.
Logisch, oder?
Spiele viel Slice.
Klingt simpel, ich weiß. Aber es ist effektiv. Du hast vor ein paar Zeilen bereits gelernt:
Ein guter Matchplan ist ein simpler Matchplan.
Der großartige Boris Becker sagte mal:
Gib deinem Gegner Aufgaben!
Der Topspinspieler mag den Slice wie wir beide früher Matheklausuren.
Warum ist das so?
Der Slice dreht sich seitlich. Der Topspin dreht sich vorwärts und/oder seitwärts.
Damit gibst du dem Topspinspieler die Aufgabe, die Rotation des Balles zu verändern. Das kann beim Spinspieler für mehr Rahmenbälle sorgen. Es kann zu mehr Fehlern sorgen.
Es führt aber in erster Linie zu einer Denkaufgabe, die der Topspinspieler konstant lösen muss.
Gib ihm diese Aufgabe und schaue, wie der Spinspieler diese löst.
Topspinspieler lieben und brauchen einen guten Schlagrhythmus.
Wenn Rafa früher einmal im Match war, dann kam der Gegner aus seiner Grundlinienmühle nicht mehr heraus. Allerdings hatte Rafa gegen die Hardhitter und starken Aufschläger so seine Probleme.
Wie zum Beispiel gegen Reilly Opelka oder auch gegen einen Jack Sock, der mittlerweile Pickleball spielt. Diese Rhythmusbrecher sorgten dafür, dass Rafa erst gar nicht in seinen guten Wohlfühl-Rhythmus kam.
Was bedeutet das für dich?
Nein, du musst nicht wie Opelka aufschlagen.
Wenn du weißt, dass dein Gegner ein Topspinspieler ist, gib ihm diesen Rhythmus nicht. Streue kurze Bälle ein. Spiele Stopps. Spiele erst schnell und flach, dann halbhoch mit viel Spin.
Mixe dein Spiel durch. Gehe gerne mehr Risiko, auch wenn dir dabei mehr Fehler unterlaufen.
Mach lieber drei Fehler mehr und gib deinem gegner keinen Rhythmus, als wenn du auf Sicherheit spielst und dein Gegner sich in einen Rausch spielen kann.
Aus dem Rausch, aus dem kommst du nicht mehr heraus.
Einen kleinen Vorteil hast du gegen Topspinspieler.
Sie können vermutlich nicht so gut schnell und flach spielen. Hinzu kommt:
Ihre Spinschläge sind länger in der Luft.
Robin Söderling nutzte dies bei seinem Coup gegen Rafael Nadal bei den French Open. Er nahm die Spinbälle von Rafa früh. Dann spielte er flach in die Vorhand von Rafa und marschierte guten Schlägen ans Netz nach.
Für einen Spinspieler ist es nicht einfach, Netzangriffe zu kontern.
Nutze das für deine Taktik gegen den Topspin.
Was kannst du komplett falsch machen gegen Topspinspieler?
Den Ball auf Kopfhöhe treffen.
Das passiert dir, wenn du zuvor nicht festgelegt hast, ob du die Spinschläge im Fallen oder Aufsteigen treffen willst. Wenn du sie im Fallen spielen willst, dann musst du den Spinschlag des Gegners austrudeln lassen. Das ist ähnlich wie bei einem Return auf den Kick-Aufschlag.
Wie funktioniert das?
Der Ball springt auf deiner Seite des Netzes auf. Dann erreicht der Ball zunächst seinen höchsten Punkt nach dem Absprung. Ab diesem höchsten Punkt beginnt der Ball zu fallen.
Hier eine Grafik dazu:

Die Fallphase ist der Moment, indem du den Ball auf Hüfthöhe treffen willst.
Bedenke dabei:
Deine Beinarbeit muss hier On-Point sein.
Du musst viele kleine Schritte nutzen, um dich gut zum Ball bewegen zu können. Du wirst dich flink nach hinten orientieren, den Ball schlagen und dann wieder nach vorne orientieren müssen.
Das kann auf Matchdauer anstrengend sein.
Was kannst du dir in dein nächstes Match mitnehmen?
Wie kann ein Matchplan gegen Topspinspieler für dich aussehen?
Hier eine kleine Checkliste für deine Bespannung:
1) Entscheide dich schnell, ob du die Bälle im Fallen oder Steigen spielen willst
2) Variiere deine Schläge in Geschwindigkeit und Höhe
3) Versuche, Slice einzustreuen
4) Spiele schnell und flach in die Vorhand deines Gegners
Dieser simple Matchplan gibt deinem Spiel eine Struktur. Du hast einen klaren Plan, was du taktisch gegen den Topspin machen kannst.
Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg in deinem nächsten Match!

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