Von Stefan Edberg lernen: Der richtige Laufweg ans Netz

Bunte Flecken auf dem Shirt.

Blonde Haare. Der Blick stets nach unten gerichtet.

Nur selten wirkte er auf dem Platz negativ, er verhielt sich immer wie ein Vorbild, ohne dies bewusst zu tun.

Runde, harmonische Bewegungsabläufe zeichneten seinen Charakter auf dem Platz. Die perfekte Ergänzung zu seiner körperlichen Erscheinung.

Ein Aufschlag, der beim Zuschauen die eigenen Beine zucken ließ. Man wollte aufspringen, auf den Court gehen und diesen Aufschlag nachahmen.

Mir ging es bereits als kleiner Steppke so. Nur hatte ich damals noch kein Auto, um zur Tennisanlage zu fahren und den Aufschlag von Stefan Edberg detailgetreu nachzuahmen.

Deswegen griff ich mir aus der Küche einen Kochlöffel und verzog mich ins Wohnzimmer:

Zeitungsartikel aus dem Jahre 1995 – ja, der Autor hatte keine Ahnung. Natürlich war der Volley Edbergs Paradeschlag

Stefan Edberg war aber nicht nur der Sympathieträger, dessen Art heute teilweise von Roger Federer gelebt wird. Edberg spielte ein Tennis, welches es heutzutage, auch aufgrund der starken Returnspieler wie Nadal, Murray oder Djokovic, nicht mehr zu sehen gibt.

Pardon, Mischa Zverev.

Kaum noch zu sehen gibt … 😉

Doch vielleicht geht die Reise wieder zurück in die Vergangenheit. In die Zeit, als Ivan Lendl noch Sägespäne nutzte, um seinen Schlägergriff zu trocknen. In eine Zeit, in der in Wimbledon der mittlere Bereich der T-Linie mehr abgelaufen war, als der hintere Bereich der Grundlinie.

Eine Reise, die Roger Federer bereits angetreten ist.

Das Netzspiel kann in den nächsten Jahren der Schlüssel dazu werden, um gegen die Macht von der Grundlinie zu triumphieren.

Was ist für ein erfolgreiches Netzspiel wichtiger als der Volley selbst?

Es ist der Laufweg, der dich zum Netz führt.

Ich möchte in diesem Artikel nicht zu sehr auf die verschiedenen strategischen Möglichkeiten des Angriffballes eingehen. Jetzt soll sich alles um den Laufweg und das richtige Verhalten auf dem Weg zu deinem ersten Volley, nach deinem Angriffsball, drehen.

In welche Richtung sollst du laufen?

Du solltest immer der Richtung deines Angriffsballes folgen. Das ist die Lösung, die dir wahrscheinlich schon oft geraten wurde.

Spielst du einen Slice cross in die Rückhand deines Gegners, läufst du diagonal. Doch wohin solltest du laufen, wenn du Longline einen Slice spielst und auf die Vorhand deines Gegners angreifst?

Solltest du dann auch deinem eigenen Ball folgen, gerade nach vorn laufen, um dann die Vorhandseite für deinen Gegner komplett zu öffnen?

Stefan Edberg war nicht nur ein Meister darin, direkt nach dem Aufschlag ans Netz zu gehen. Sein Returnspiel war strategisch so aufgebaut, dass er so schnell es der Ballwechsel hergab, er seinem Ball ans Netz folgen konnte. Dabei hatten seine Netzangriffe immer ein grobes Ziel.

Ich habe dir eine kleine Grafik angefertigt, um dir dieses Ziel zu zeigen. Du siehst in dieser Grafik das „T“ des T-Feldes und das grobe Ziel, welches Edberg bei seinen Netzangriffen erreicht wollte:

Kurz vor der T-Linie war das Ziel, welches Edberg durch sein nach vorn rücken erreichen wollte

Auch wenn Stefan Edberg Serve-and-Volley spielte, war diese Position, ungefähr 15 Zentimeter hinter der T-Linie, zentral, sein Ziel.

Dabei machte es für ihn keinen großen Unterschied, ob er mit Slice nach außen servierte oder mit Kick durch die Mitte.

Sein Ziel war stets der zentrale Bereich, kurz hinter der T-Linie.

Die Methode

Durch das zentrale Vorrücken ans Netz hatte Stefan Edberg alle für den Gegner möglichen Winkel abgedeckt. Dazu war seine Position kurz hinter der T-Linie so clever, dass er selbst kurze und flache Bälle seiner Gegner gut spielen konnte. Die Bälle vor die Füße, die für viele Angriffsspieler ein Vibrationsdämpfer im Auge sind, konnte Edberg durch seinen Laufweg kontrolliert zurückspielen.

Das Netzspiel des Schweden basierte auf einer „Zwei-Schritte-Methode“.

Der erste Schritt, sein erstes Ziel, war der erste Volley kurz hinter der T-Linie. Nach diesem ersten Volley ging er dann der Richtung des Balles aggressiv, so weit wie möglich nach.

Schau dir die Grafik an, um dir dies zu verdeutlichen:

Nach seinem ersten Volley rückte Edberg so nah wie möglich ans Netz

Wenn es ging, rückte Edberg so weit nach vorn, dass er beinahe mit seinem schmalen Bauch am Netz stand. Mit dieser Methode verringerte er im zweiten Schritt nochmals die Winkel für seinen Gegner. Er passte seine Position am Netz dem laufenden Ballwechsel an. Spielte er den ersten Volley in die Rückhand des Gegners, so folgte er der Richtung seines Volleys mit Vehemenz. Je mehr Schritte Edberg Richtung Netz machen konnte, desto schwieriger wurde in diesem zweiten Schritt der Winkel für den Gegner.

So war es für seine Gegner, vor allem auf sehr schnellen Belägen, fast unmöglich ihn zu passieren.

Deine Laufwege

Wenn du in deinem nächsten Trainingsmatch dein Netzspiel forcieren willst, probiere diese „Zwei-Schritt-Methode“ von Stefan Edberg aus.

  • Schritt 1: Folge deinem Angriffsball bis kurz hinter die T-Linie, halte deine Position zentral
  • Schritt 2: Folge der Richtung deines ersten Volleys so nah wie möglich ans Netz

Habe dabei immer die beiden Laufwege im Kopf:

  • Laufweg 1: Zentral bis kurz hinter die T-Linie
  • Laufweg 2: Folge deinem Ball

Dein erster Volley muss kein direkter Punkt sein. Versuche den Volley möglichst kurz zu halten und konzentriere dich mehr auf die Richtung. Wichtig ist, dass du deinen Gegner in eine Ecke bekommst – sei es nun in die Vor- oder Rückhand. Wenn dir dies gelingt, kannst du mit dem zweiten Laufweg die Winkel für den gegnerischen Passierball schließen und deinen Netzraum abdecken.

Vielleicht gelingt dir dies nicht so perfekt wie Stefan Edberg.

Aber du wirst dein eigenes Spiel variabler gestalten können und für deinen nächsten Gegner ein paar Überraschungsmomente parat haben. Aus meiner Erfahrung kann ich dir raten, dass du das Netzspiel immer Schritt für Schritt in dein Training integrieren solltest.

Lege zunächst wert darauf schnell Richtung T-Linie zu kommen. Wenn du diesen Step sicher schaffst und dich dort wohlfühlst, kannst du dich auf den nächsten Schritt konzentrieren. Dieser Schritt wäre dann der Übergang vom Bereich der T-Linie hin zum Netz. Bedenke, dass diese Zonen unbequem für dich auf dem Platz sein werden. Dein Unterbewusstsein ist es gewohnt, dass du dich an der Grundlinie nach links und rechts, selten mal nach vorn, bewegst.

Stecke nicht den Schläger in den Sand, wenn deine ersten Versuche dich Richtung Netz zu orientieren nicht funktionieren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es nicht funktionieren wird. Dies ist aber nicht schlimm so lange du sofort analysierst, was du falsch gemacht hast. Wenn du dein Verhalten auf dem Platz stets analysierst, wirst du dich bei jedem deiner Versuche verbessern.

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1 Kommentar

  • […] sich seiner Position absolut bewusst und konnte sehr gut einschätzen, dass aus ihm vermutlich kein Wimbledon-Sieger mehr werden […]

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