Zückte mein Smartphone und erstellte sie.
Wovon ich spreche?
Die Liste mit Fehlern, die mir auf dem Platz unterlaufen waren.
So gut wie nichts funktionierte auf dem Court. Kaum Druck in den Schlägen, katastrophale Aufschlagquote.
Tennis verlangt eine hohe Frustrationstoleranz. Es gibt Tage, da hängt diese Frustrationstoleranzhürde einige Zentimeter zu hoch.
Wir gehen meine Fehler-Liste jetzt gemeinsam durch und schauen, was wir beide im nächsten Match besser machen können.
Bist du bereit?
Dann lass uns an die Grundlinie stiefeln und unsere Fehler vermeiden.
Fehler und Niederlagen sind die besten Trainer.
Klingt so spannend wie ein Match zwischen Carlos Alcaraz und Benoit Paire. Passt aber. Ein Sieg streichelt das Ego. Aber eine Niederlage verbessert jeden Spieler - falls er die Lehren erkennt.
Ein Trainer sagte mir mal, ich bräuchte ihn gar nicht, wenn ich mehr aus meinen Niederlagen lernen würde. Dieser Satz blieb bis heute im Kopf hängen. Klar, du brauchst einen Trainer, der mit dir auf dem Court an deinen Schlägen feilt.
Aber die Spielintelligenz, das Spielverständnis, die knallharten Lehren der erbarmungslosen Grundlinie, die findest du in deinen Niederlagen.
Mit unserer 10-Fehler-Liste gibt es eine ganze Tennistasche an Lernmaterial für unser Spiel. Ich schlage vor, wir starten mit einem Klassiker der Fehler im Tennis.
Als ich Daniil Medvedev das erste Mal spielen sah, dachte ich:
"Verdammt, der Typ holt bei jedem Schlag zu spät aus und macht dennoch kaum Fehler!".
Was für Meddy gilt, gilt nicht für uns.
Leider.
Wer zu spät ausholt, der ist mit dem Treffpunkt im Rückstand. Dieser verlagert sich nach hinten. Gern so weit, dass man die Murmel hinter dem Körper trifft. Was viel zu spät ist und den Schlagrhythmus zerstört.
Triffst du die Murmel zu spät, geht dir die Kontrolle flöten. Du kannst deinen Schlag weniger kontrollieren. Du wirst anfälliger für Fehler, obwohl der Schlag gar nicht so schwer ist.
Was kannst du tun?
Hole aus, sobald du erkennst, wohin der Ball des Gegners kommt. Hole während oder vor deiner Bewegung zum Ball aus. Je früher du das Racket nach hinten nimmst, umso mehr Zeit hast du dann am Ball.
Verunsicherung, Nervosität, schwache Beinarbeit.
Alles Indikatoren für eine Rücklage beim Schlag. Dabei gehst du aus dem Schlag raus, statt auf den Ball zuzugehen. Viele Spieler trauen sich in einem Meden- und Turnierspiel nicht, nach vorn auf den Ball zuzugehen.
Sie warten auf den Ball, weil sie vor nervlicher Anspannung wie paralysiert sind. Sie wollen auf keinen Fall den Fehler riskieren. Diese Angst vor dem Fehler wird zu einer Schockstarre. Wir kommen bei Punkt drei noch zu einem Indikator.
Worauf ich aber jetzt mit dir hinaus will:
Diese innere Einstellung der absoluten Passivität führt zur Rücklage.
Die Rücklage führt wiederum zu weniger Kontrolle auf der Bespannung. Der Ball fliegt hoch und weit weg, lässt sich kaum kontrollieren und die Körperspannung beim Schlag bleibt auf der Strecke.
Was kannst du tun?
Durchbreche deine Passivität. Gehe auf den Ball zu. Schaue die Murmel aufmerksam an. Schnapp sie dir aktiv, anstatt auf sie zu warten.
Passivität und damit die Rücklage werden in deiner Einstellung gelöst. Wie du dich auf dem Platz fühlst, spiegelt sich in deinen Schlägen wider. Setze dir Mini-Ziele für deine Schläge. Bewege dich nach vorn, spiele den Schlag, gehe wieder zurück.
Nutze einen sauberen Schwung.
All diese kleinen Details führen dich auf den Weg nach vorn, Richtung Ball.
Mein alter Coach Magnus, er war Schwede, sagte früher:
"You walk like Kühlschränke!".
Was meinte er damit?
Wir bewegten uns zwischen den Schlägen so dynamisch wie ein Yokozuna nach fünf Minuten Kampfzeit.

Wir blieben nach dem Schlag stehen, schauten unserem Schlag hinterher, staunten, warteten auf den nächsten Ball und waren dann überrascht, wenn wir nicht pünktlich zum nächsten Schlag standen.
Starre Beine führen zwangsläufig zu vielen Fehlern. Du stehst dann schlecht zum Ball, dein Timing geht flöten und die Sicherheit und das Selbstvertrauen in deinem Spiel schwinden.
Was kannst du tun?
Bewege dich zwischen deinen Schlägen. Sei auf den Zehenspitzen, Split-Step, wenn der Gegner den Ball trifft, zum Schlag bewegen und wieder von vorne. Es darf keinen Stillstand in der Rally geben.
Wann immer du mit vielen ärgerlichen Fehlern im Match zu kämpfen hast: Prüfe, ob du dich schlecht bewegst. Beginne dann im nächsten Ballwechsel damit, dich mehr nach deinen Schlägen zu bewegen.
Das sehe ich bei vielen Clubspielern in längeren Ballwechseln.
Ab dem dritten, vierten Schlag in der Rally öffnet sich die Schlägerfläche. Die Bespannung zeigt dann schräg Richtung Himmel. Was nie ein gutes Zeichen ist. Wenn du die Schlägerfläche beim Schlag öffnest, verlierst du die Kontrolle über deinen Schlag. Der Ball "geht dir ab" und fliegt weiter nach hinten.
Meist ins Aus.
Hier fehlt der Einsatz des Handgelenks. Du triffst den Ball zwar sauber vor dem Körper. Du stehst auch gut zum Ball. Aber der fehlende Einsatz des Handgelenks führt zur Öffnung der Schlägerfläche beim Schlag.
Das wollen wir in unseren Matches vermeiden.
Was kannst du tun?
Setze bewusst dein Handgelenk ein.
Nutze dieses, um die Schlägerfläche beim Schlag zu schließen. Stelle dir vor, du würdest den Ball beim Schlag mit deiner Bespannung wie ein Geschenk einwickeln wollen. Deine Schlägerfläche geht über den Ball. Um diesen Effekt zu erreichen, setzt du dein Handgelenk ein.
Hier ein Tipp aus meiner Praxis:
Wenn du merkst, dass dir der Ball "ab gegangen" ist, prüfe direkt, ob du die Schlägerfläche zu früh und zu sehr geöffnet hattest.
Meist ist genau das der Fehler, den du dann direkt im nächsten Ballwechsel korrigieren kannst.
Das sagte mein alter Coach Tom zu meiner Vorhand.
Wenn ich in unseren Trainerstunden nicht locker über die Schulter ausschwang, landete mein Schwung in der Hosentasche. Schau mal, wie deine Teamkollegen im Sommer unter Druck bei der Vorhand ausschwingen. Ich bin mir sicher, du wirst den Hosentaschen-Schwung oft sehen.
Warum ist das ein Fehler?
Auch beim Hosentaschen-Schwung verlierst du die Kontrolle über die Murmel. Du bekommst kein Tempo auf den Ball, machst mehr Fehler ins Netz und verlierst dadurch einiges an Nerven.
Was kannst du tun?
Führe das Racket durch den Ball nach vorn. Beende den Schlag bewusst über deiner Schulter. Ziel ist es, dass der Ellbogen nach dem Ausschwung vor deiner Nase tanzt.
Der Hosentaschen-Schwung gehört ebenfalls zu den Fehlern, die du sehr schnell korrigieren kannst. Hier ist auch gern der Arm zu eng am Körper. Auch dieses kleine Detail möchte von dir korrigiert werden.
Wenn man es weiß, kann man schneller und effektiver handeln.
In einem Mentalcoaching-Gespräch sagte mir ein Spieler:
" ... ich habe diese Gewohnheit meinen Schlägen hinterherzuschauen. Dann schaue ich auf den Gegner und bleibe so lange stehen, bis dieser den Ball schlägt. Ich merke selbst, dass mich das voll rausbringt ...".
Ein Stück weiter oben haben wir über die starren Beine gesprochen. Jetzt müssen wir über den starren Blick sprechen.
Mir passiert es oft, dass ich VOR meinem Schlag auf den Gegner schaue.
Ich gucke, wo er steht, in welche Richtung er sich als Nächstes bewegen könnte. Das stört die Konzentration beim Schlag. Der Flow in den Bewegungen geht verloren. Die Fehlerquote steigt, die Selbstsicherheit sinkt.
Was kannst du tun?
Fokussiere den Ball.
Klingt zu simpel und aus der Hüfte geschossen daher gesagt. Ist nicht leicht, das weiß ich. Aber wir haben den Tennissport ja nicht gewählt, weil er leicht ist.
Das Anschauen des Balles ist die vielleicht schwierigste Disziplin beim Tennis. Aber wenn du in dieser Disziplin nur zu 2 % besser wirst, hat diese Verbesserung einen enormen Einfluss auf dein Leistungspotenzial.
Das kann ich dir, ohne mit dem Schlägerkopf zu zucken, versprechen.
Die Murmel tropft mit 3 km/h auf deine T-Linie.
Dein Gegner hängt hinten links im Zaun.
Du hast Zeit, dich zum Ball zu bewegen. Du hast Zeit, die dir Ecke auszusuchen. Du hast Zeit, dir eine Menge Gedanken zu machen.
Dann, wenn der Ball bei dir ist und du ihn spielen musst, passiert es.
Du lässt den Ball zu tief fallen. Deine Körperspannung gleicht einem Wackelpudding. Du schaust den Ball nicht an, obwohl er ja so lang und langsam in der Luft unterwegs war.
Zack, da haben wir einen Fehler, der völlig unnötig ist.
Was kannst du tun?
Mein alter Coach Hans-Egon sagte mir mal, man müsse die "einfachen" Bälle noch fokussierter, noch aggressiver, noch aufmerksamer, noch professioneller, noch akribischer und noch besser spielen als die schweren Bälle in einer Rally.
Damit lag er goldrichtig.
Gehe mit vollem Fokus auf diese vermeintlich "leichten" Bälle zu. Triff den Ball am höchsten Punkt. Schnapp dir den Ball, attackiere ihn und überlasse rein gar nichts dem Zufall.
Die Bälle, die leicht aussehen, sind die schwierigsten.
Auch das kann ich dir, ohne mit dem Schlägerkopf zu zucken, versprechen.
Stöppchen hier, Löbchen dort ...
Und schneller als man denken kann, hat man den sicher geglaubten Punkt noch verloren. Ich bin ein großer Freund der Spielfreude, des Spielwitzes und der Spielintelligenz.
Das innere Kind soll sich ab und an auch mal zeigen.
Aber es ist unsere Aufgabe dieses Kindchen jederzeit in der Rally zu kontrollieren.
Was kannst du tun?
Besonders in wichtigen Spielphasen, wenn die Big-Points anstehen. Schlagentscheidungen, oder auch die Shot-Selection, ist eine der entscheidenden Faktoren beim Tennis.
Ich empfehle dir fokussiert und humorlos vorzugehen, als zu sehr dem inneren Kind Raum an der Grundlinie zu geben.
Kennst du das?
Man ist mental so gefangen, dass man einfach nur irgendwie die Situation überstehen will. Das kann beim Arzt sein. Das kann in einer Prüfungssituation sein.
Das kann auf dem Tennisplatz, im Wahnsinn eines Meden- und Turniermatches, sein.
Was passiert, wenn du vor Nervosität erstarrst?
Exakt, du spielst den Ball nur noch rein. Dein Spiel hat keinen Plan, keine Struktur mehr. Du spielst, um nicht zu verlieren. Du spielst aber nicht, um zu gewinnen.
Fehlende Spielfreude kann zur Stagnation in den Leistungen führen. Ein Spieler, der immer nur mit denselben Leuten trainiert, der immer nur in seine Komfortzone schwimmt, der wird sich auf Dauer kaum verbessern.
Was kannst du tun?
Experimentiere in deinen Trainingsspielen immer wieder mit neuen Schlagvariationen.
Spiele gegen unterschiedliche Spielertypen Trainingsmatches. Finde neue Wege, dich an der Grundlinie zu positionieren. Finde neue Positionen beim Return. Schlage von weiter außen auf.
Du verstehst, worauf ich hinaus will?
Sei kein Spieler, der NIE neue Sachen auf dem Court probiert. Lass die kreative Sau in dir heraus. Bleibe spielerisch in Bewegung und höre niemals auf, neue Sachen über dein Spiel zu lernen.
Völlig unterschätzt meiner Meinung nach.
Tennis ist ein Flow- und Rhythmussport. Kein Kraftsport.
Je angespannter das Nervenkostüm, desto angespannter die Schlagbewegungen.
Wenn du bei deinen Schlägen zu viel Kraft aufwenden musst, dann kapituliert irgendwann dein Körper. Du verlierst zu viel unnötige Energie im Verlauf eines Matches. Diese verbrannte Energie aufgrund von zu viel Kraftaufwand raubt dir Konzentration, Fokus, Rhyhtmus und Flow.
Was kannst du tun?
Verfeinere die technische Ausführung deiner Schläge. Lerne zu schwingen, statt zu schlagen. Bei Vorhand, Rückhand und auch beim Aufschlag. Ja, auch der Aufschlag ist eine kinetische Kette, die aufgrund von Schwung und Energie funktioniert. Nicht aufgrund von Kraft.
Hier sind die Details entscheidend. Arbeite an einer ruhigen Ausholbewegung. Lerne, deine Hüftrotation bei deinen Grundschlägen mühelos einzusetzen. All diese kleinen Details werden dich zu einem besseren Spieler mit verbesserten Schlägen und verbesserter Energiie sowie Konzentration im Match machen.
Du kannst kein fehlerfreies Tennis spielen.
Wirf deinen Perfektionismus über den Zaun. Stürze dich in ein Tennis-Abenteuer, bei dem du mehr über dich und deine dunklen Seiten des Geistes lernen wirst, als du zu Beginn deiner Reise je vermutet hättest.
Werde ein Student des Sports, der auch mit einer 6:0-Matchbilanz niemals aufhört, zu lernen. Konzentriere dich auf die kleinen, feinen Details deiner Spielweise.
Versuche immer, diese kleinen Details weiter zu optimieren.
Dann machen dir die Fehler, die du machen wirst, weniger aus. Dein Nervenkostüm seitzt besser und du kannst freier durchschwingen, wenn es im Match-Tiebreak 7:7 steht.
]]>Emotionslos.
Nur eine kleine Schwäche. Und du wirst bestraft.
Mit Justin Engel hat Deutschland ein Talent an der Grundlinie, das im Kern alles mitbringt:
Power, Athletik, grandiose Einstellung und gutes Aussehen.
Du spürst es auf der Bespannung. Es folgt ein Aber-Satz. Deswegen habe ich noch das gute Aussehen mit dazu gepackt.
Aber:
Es hapert an kleinen Details.
Zu viele, um in einem Artikel darauf einzugehen. Aber die größte Stellschraube in seinem Spiel gehen wir jetzt an. Für dich als Clubspieler steckt unheimlich viel Know-how hinter den Daten, die wir gleich besprechen.
Bleib dran, richte die Saiten und klopf dir die Asche aus den Grätensohlen.
Seitdem Justin auf der Challenger- sowie ATP-Tour angekommen ist, analysiere ich die Daten seiner Matches.
Ein Dämon kehrt dabei immer und immer wieder. In fast jedem Match setzt er sich auf seine Schultern.
Wir nennen ihn in diesem Artikel den "Break-Point-Dämon".
Wie genau macht sich dieser bösartige Dämon bemerkbar?
Justin muss in nahezu jedem seiner Matches unfassbar viele Breakbälle abwehren. Das Paradoxon dabei ist, dass er verdammt stark aufschlägt. Hier zum Beispiel die Daten aus seinem Match gegen Vit Kopriva in München:

Die Daten stammen von meinem Partner tennisviz.com.
Wir gehen gleich noch tiefer in die Aufschlag-Dämon-Materie hinein. Aber wir können bereits hier interessante Fakten herauslesen.
Justin servierte beim ersten sowie zweiten Aufschlag härter als sein Gegner. Das ist gegen Vit Kopriva auch nicht schwer. Vit hat extreme Defizite in der Aufschlagtechnik. Diese macht es ihm unmöglich, konstant Bretter zu servieren.
Justin war mit seinen Aufschlagspielen schneller fertig. Er brauchte durchschnittlich 2 Minuten und 58 Sekunden.
Vit brauchte 3 Minuten und 23 Sekunden.
Macht Sinn, wenn Justin der "härtere" Aufschläger ist.
Auch beim zweiten Serve servierte Justin mit mehr Wumms als der Gegner. Er war hier also in jeder Hinsicht der "stärkere" Spieler.
Doch lass uns genauer hinschauen.
Vit Kopriva spielte 80 % der ersten Aufschläge von Justin zurück. Justin spielte "nur" 76 % der ersten Aufschläge von Vit zurück.
Jetzt kann man unterstellen, dass Vit der bessere Returnspieler ist. Das wäre aber nur ein möglicher Teil der Wahrheit. Kopriva ist auf der Tour nicht für unglaubliche Returnfähigkeiten gefürchtet.
Es muss also einen anderen Grund geben. Wir werden weiter analysieren und gleich feststellen, wo das große Problem bei Justin liegt und warum dieses Problem ihn Matches kostet.
Schauen wir uns diese Daten an:

Die Daten stammen von meinem Partner tennisviz.com.
Die Aufschlag-Quote war bei beiden Spielern identisch. Über den zweiten Aufschlag machte Justin 50 % der Punkte - was stark ist. Aber, und hier kommen wir wieder zu dem Problem mit dem ersten Aufschlag:
Mit dem ersten Aufschlag machte Justin zehn Prozent weniger Punkte als sein "aufschlagschwacher" Gegner.
Wir haben hier also einen unglaublich athletischen, jungen, dynamischen Typen. Groß, mit einem super Winkel für seinen Aufschlag. Er kann mit über 130 mph servieren.
Konstant.
Dennoch hat er ein Aufschlag-Problem.
Denn:
In 14 Matches sah sich Justin insgesamt 94 (!) Breakbällen gegenüber:

Daten aus 14 Matches von Justin Engel.
Ein Alejandro Tabilo zum Beispiel, ein Spieler, den Justin überholen könnte im Ranking, musste in 14 Matches nur 69 Breakbälle abwehren.
Dabei serviert Tabilo nicht annähernd so mächtig wie Justin.
Wir fassen kurz zusammen:
Die Preisfrage lautet also:
Er serviert doch so stark, oder nicht?!
Jupp, das tut er. Dennoch sitzt dem guten Justin regelmäßig der "Break-Point-Dämon" auf den Schultern. Warum dieser für sein mentales Spiel Gift ist, besprechen wir gleich noch.
Zunächst müssen wir aber herausfinden, warum Justin trotz seines starken Aufschlages ständig um seine Service-Games kämpfen muss.
Hier sind die Optionen, die mir mein großartiger Coach Tom nannte:
1) Justin serviert so eindimensional, dass sich die Gegner schnell auf seinen Aufschlag einstellen
2) Justin spielt nach seinem Aufschlag schwach weiter
Wir starten mit dem ersten Punkt:

Ja, das ist eindimensional.
Justin serviert mit seinem ersten Aufschlag häufig nach außen, gerne auch durch die Mitte.
Meiner Meinung nach serviert er viel zu selten durch die T-Feld-Mitte, in den Körper des Gegners. Dabei hat er durch seine Größe so einen coolen Winkel für diese Aufschlagvariation.
Er serviert zu 45 % auf der Einstandseite nach außen. Das ist sein Lieblingsaufschlag. Gerne mit Slice gespielt.
Aber:
Das wäre so ein Punkt, wo sich der Gegner nach zwei Aufschlagspielen drauf eingestellt hat. Es ist dann keine Überraschung mehr in diesem Slice nach außen. Vor allem, wenn Justin dann nichts anderes mehr spielt.
Zur Info:
Dieses Aufschlagbild ist typisch für Profispieler. Die Richtungen werden häufig so gespielt. Entscheidend ist aber nicht nur die Richtung, sondern auch die Variation von Slice, Brett und Kick.
Justin kann hier noch mehr mischen, um neue Überraschungen für den Gegner zu kreieren.
Kommen wir zum zweiten Punkt meines großartigen Coaches Tom:
Justin spielt nach seinem Serve schwach weiter.
Lass uns dazu Daten aus dem Kopriva-Match anschauen:

Aufschlag +1 Daten aus dem Match von Justin Engel vs. Vit Kopriva.
Hier sehen wir, wie Justin nach seinem ersten Aufschlag weitergespielt hat.
Zu 68 % nutzte er seine Vorhand. Nur zu 32 % "musste" er seine Rückhand einsetzen.
Daraus lese ich, dass er sich nach seinem guten, sehr harten ersten Aufschlag, in seine Rückhandecke verschiebt, um mit seiner Vorhand Dampf machen zu können.
Ich denke, so denkt er.
Und jetzt kommt er wieder, dieser fiese Aber-Satz.
Aber:
Justin machte mit dieser Kombination "nur" zu 47 % den Punkt. Seine Vorhand ist nicht schlecht. Er kann sie unglaublich hart schlagen und macht viele Punkte mit seiner Vorhand. Sie ist eventuell auch sein gefühlter Lieblingsschlag.
Die Daten sagen allerdings, dass dieser Schlag sehr wackelig ist. Weil er so wackelig ist, bekommt Justin enorme Probleme beim Aufschlag. Vor allem beim Weiterspielen nach seinem ersten Aufschlag.
Was genau bedeutet "wackelig" in unserem Falle?
1) Justins Vorhand ist anfällig für leichte Fehler. "Streuung", wie man im Clubspieler-Fachjargon sagt
2) Justins Vorhand ist zu kurz
Ja, du hast richtig gelesen. Wir haben hier wieder das Problem, dass Justin zwar hart schlägt, aber die Effizienz auf dem Sandplatz bleibt.
Das war die Länge von Justin im Match gegen Kopriva mit seiner Vorhand:

19 % seiner Vorhände landeten im T-Feld.
50 % seiner Vorhände hatten eine Länge, die nicht mal deinem aktuellen Vereinsmeister weh tut.
31 % seiner Vorhände hatten eine starke Länge.
Bei Vit Kopriva sah die Vorhand so aus:

Mehr lange Vorhände. Weniger kurze Vorhände.
Kurzum:
Effektiver als Justin. Das sind kleine Details, die ein Match entscheiden können.
Nach dem umkämpften zweiten Satz, in dem Justin nach etlichen Satzbällen endlich das Ding verbuchen konnte, ging im dritten Satz nicht mehr viel mit der Vorhand.
Hier sind Justins Vorhand-Daten aus Satz drei:

30 % seiner Vorhände landeten im T-Feld.
Nur noch 18 % seiner Vorhände hatten eine starke Länge.
Bei Kopriva sah es hingegen so aus:

Kopriva konnte sein Vorhand-Niveau halten. Er war der stabilere Spieler, der mit dem besseren Schlag eine höhere Konstanz auf die Asche bringen konnte.
All die besprochenen Daten führen mich zu folgender These:
Es ist mental anstrengend, wenn der eigentlich so starke Aufschlag immer und immer wieder Probleme bereitet.
Er serviert wie ein Bär, muss aber dennoch um zu viele Aufschlagspiele zu viel kämpfen. Selbst wenn er es bewusst nicht merkt, so stellt sich im Unterbewusstsein ein:
"Kaum ein Aufschlagspiel bringt Luft zum Atmen! Ich muss immer voll da sein!".
Im Match gegen Vit Kopriva sah er sich erneut zwölf Breakbällen gegenüber.
Das ist für so einen harten Aufschläger zu viel.
Justin ist ein Charakter und Spielertyp, der simpel gestrickt ist und seinen Matchplan simpel halten muss. Das versucht er in seinen Matches auch, aber es fehlt durch die ständigen "Ablenkungen" beim eigenen Aufschlag die mentale Frische.
Dadurch fehlt ihm die Konstanz, um sein Power-Tennis, diesen simplen, aggressiven Stiefel, effektiv durchziehen zu können. Dann steht er bei der Vorhand nicht gut zum Ball. Dann geht er viel zu früh auf den Winner.
Dann trifft er völlig banale Schlagentscheidungen.
All diese kleinen Details führen dazu, dass er Matches verliert, die er locker gewinnen könnte.
Was uns zu der logischen Frage führt:
Sein Grundgerüst ist großartig:
Das ist das Grundgerüst, das ihn in so jungen Jahren so weit nach vorne gebracht hat. Aber dieses Gerüst allein wird ihn nicht noch weiter nach vorne bringen.
Das Gerüst braucht neue Schrauben und Etagen.
Wie zum Beispiel:
Mehr Variation beim ersten Aufschlag: Kick auf Mann, Slice auf Mann, Brett auf Mann, Serve and Volley. Drei dieser Variationen pro Aufschlagspiel und er würde viel weniger Breakbälle abwehren müssen. Da bin ich mir sicher
Die Djokovic-Injektion: Darren Cahill sagte mal, er hätte Jannik Sinner eine Dosis Djokovic injiziert. Sinner spielte früher ebenfalls nur volle Pulle. Ohne groß nachzudenken. Cahill lehrte ihn, seinen Verstand mehr zu nutzen und seine Schlagentscheidungen anzupassen. Mehr durch die Mitte. Tempo variieren. Mal eine schnelle Vorhand, danach eine mit mehr Spin und Länge. Dann eine mit Spin halbhoch durch die Mitte. Diese Variation des Tempos in den Grundschlägen führte a) zu viel mehr Sicherheit und b) zu mehr Fehlern beim Gegner. Das ist eine Sache, die Justin sofort besser machen würde
Mehr ans Netz: Nahezu alle jungen Spieler spielen von der Grundlinie großartig. Schaue dir Rafael Jodar an. Eine Maschine. Aber Justin spielt einen schönen Volley. Gegen Kopriva machte er 10 von 10 Punkten am Netz. Warum wird das nicht forciert? In Kombination mit seiner wunderschönen Rückhand oder seiner brachialen Vorhand wäre das eine Option, sein Spiel noch variabler zu gestalten - ohne sein Wesen zu verändern
Es würde mich persönlich sehr freuen, wenn ich die nächste Engel-Analyse über Netzangriffe und weniger Vorhand-Fehler schreiben könnte.
]]>Was ein Match-Up.
Die Tenniswelt schaute mit Tennisball großen Augen nach Indian Wells. Leider fand dieses Match der Superlative mitten in der Nacht unserer Zeit statt.
Aber:
Ich werde versuchen, das Match zwischen diesen beiden Ausnahmespielern so detailliert wie möglich zu analysieren. So, dass du ein Gefühl dafür bekommen kannst, was zwischen den beiden Jungs auf dem Center Court geschah.
Das Match besaß eine spannende Geschichte.
Bevor wir uns auf die Daten und Zahlen dieses Matches stürzen, müssen wir kurz eine Frage beantworten:
Es war tatsächlich das erste Duell.
Zuvor hatten die beiden noch nie gegeneinander gespielt.
Joao Fonseca kam mit einer schwächeren Form nach Indian Wells. Er hatte zuvor leichte Rückenprobleme. Dadurch konnte Joao weniger trainieren.
Du kennst das.
Wenn man weniger trainiert, dann fliegt der Arm im Match nicht so frei durch den Ball.
Hier die Formkurve von Joao:

Nach Paris kam die kleine Pause.
In Buenos Aires und Rio blieb Fonseca hinter den Erwartungen zurück. Er konnte sich dort aber Matchpraxis holen.
Sinner hingegen war im "Clutch-Modus", wie die Amis gerne sagen. Messerscharfes Tennis, eiskalt und mit einer guten Form.
Wir hatten die folgende Situation:
Der Mann, der als Herausforderer von SinCaraz gehandelt wird, kommt mit einer schwachen Form zum ersten Duell mit Jannik Sinner. Dem Mann, der mit Carlitos "Charly" Alcaraz das Tennis dominiert wie zuvor Novak Djokovic.
Eine coole Ausgangslage für ein großes Match.
Wir werfen zunächst einen Blick auf die Gesamtperformance der beiden Spieler. Allein dieser Blick zeigt uns, welch hohes Niveau das Match hatte.
Hier die Zahlen:

Wie setzt sich das Performance-Rating zusammen?
Aus diesen Bereichen:
An dieser Stelle müssen wir kurz über den vierten Punkt, die Schlagqualität von Sinner und Fonseca in diesem Match sprechen.
Beim Aufschlag und beim Return sah es so aus:

Beim Serve sehen wir kleine Vorteile für Jannik Sinner. Beim Return hingegen GROßE Vorteile für Jannik Sinner.
Wie sah es bei Vorhand und Rückhand aus?

Auf beiden Seiten Vorteile für den Brasilianer. Mit der Vorhand spielte Fonseca nahezu am Limit. Auch mit der Rückhand war Fonseca stabiler und effektiver von der Grundlinie.
Interessant ...
Sagt man nicht, der Aufschlag sei der wichtigste Schlag im Tennis? Manchmal mag er das sein.
Manchmal mag dies aber auch der Return sein. Hätte Fonseca besser returniert, hätte er 7:6 und 7:6 gewinnen können. Das ist ein kleines Detail, das wir auf Grundlage dieser ersten Daten festhalten können.
Lass uns tiefer ins Detail gehen.
Beide Spieler spielen ein ähnliches Tennis. Nah an der Grundlinie. Flottes Tempo in der Rally. Fonseca besitzt dazu ein wahres Markenzeichen in seinem Spiel.
Seine Vorhand ist ein Reality-Highlight-Reel und hat dem YouTube-Channel von Tennis TV bereits Tausende Klicks gebracht.
Hier sind zehn Minuten Fonseca-Vorhände am Stück:
Was uns zu einer wichtigen Frage führt, wenn wir das Match zwischen Jannik Sinner und Joao Fonseca detailliert analysieren wollen.
Das Selbstvertrauen eines Spielers ist unweigerlich mit seinem besten Schlag gekoppelt.
Du kennst das aus deinen Meisterschafts- und Turniermatches.
Wenn du die ersten Vorhände im Match gut triffst, gibt dir das ein echtes, gesundes Selbstvertrauen in dein gesamtes Spiel. Du fühlst dich "sicherer" auf dem Platz. Deine Gedankengänge sind positiver. Fliegen die ersten Vorhände hingegen kreuz und quer Richtung Zaun und Netz, fühlst du dich unsicher. Dir fehlt diese Prise Selbstverständnis für dein Spiel.
Fonseca schlug mit seiner Vorhand 16 Winner.
In den ersten vier Aufschlagspielen unterliefen ihm nur zwei Fehler mit der Vorhand. Bis zum 2:2 schlug er vier Vorhand-Winner.
Das war ein starker Start ins Match. Genau das muss ihm Selbstvertrauen für den Rest des Matches gegeben haben. So sahen die ersten vier Spieler mit der Fonseca-Vorhand aus:

Allerdings unterliefen ihm im Verlauf des Matches auch zwölf vermeidbare Fehler. Er geht mit seiner Vorhand-Fackel oft maximales Risiko. Sinner ist dafür bekannt, an oder auf der Grundlinie in seiner Skifahrer-Position zu "grinden".
Dadurch kommen die Bälle schneller zurück. Das Tempo in der Rally bleibt hoch.
Zwölf Fehler und 16 Winner sind gut. Diese Statistik sehe ich als kleines Qualitätsmerkmal dieses Matches - auf der Seite von Joao. Wäre die Statistik umgekehrt gewesen, wäre das Ergebnis vermutlich deutlicher gewesen.
Interessanterweise spielte Fonseca mit seiner Vorhand öfters in die Vorhand als in die Rückhand von Sinner:

41 % der Vorhände gingen in Sinners Vorhand.
"Nur" 38 % fanden in der Sinner-Rückhand ihr Ziel.
Wäre ich Fonseca-Coach, würde ich das Spiel durch die Mitte forcieren. Die schnelle Vorhand von Fonseca würde, durch die Mitte gespielt, dem Gegner weniger Zeit plus weniger Winkel geben.
Eine Kombination, die man als Gegner nicht braucht. Allen voran bei den Big-Points oder in den Phasen, in denen das Momentum zu wechseln scheint.
Man könnte meinen, dass der Plan von Fonseca darin bestand, die unfassbar stabile Rückhand von Sinner aus dem Spiel zu nehmen. Soweit das gegen den Südtiroler möglich ist. Sinner spielt Matches, in denen er so gut wie gar keine Fehler mit der Rückhand macht.
Wir kommen gleich noch zu den Zahlen von Jannik.
Interessant ist auch die Zahl der Vorhand-Winner von Fonseca im Tiebreak des zweiten Satzes. Eine Phase im Match, in der eine (bzw. die) Entscheidung anstand.
Konnte Fonseca hier seine große Stärke effektiv einsetzen?

Joao wurde ein bisschen kurz.
Dazu konnte er "nur" zwei Vorhand-Winner im Tiebreak des zweiten Satzes schlagen. Das muss gar nicht an seinem Nervenkostüm gelegen haben. Sinner schmiss in dieser Matchphase alles in jeden Ballwechsel.
Er fuhr sein Level nochmal hoch.
Und drückte mit seiner Vorhand auf die Tube:

Starke Länge. Super konstant.
Fünf Vorhand-Winner in der entscheidenden Phase des Matches. Das war der eventuell entscheidende Unterschied in diesem Match. Der Underdog, der junge Wilde, der Herausforderer, konnte seine größte Stärke noch nicht im entscheidenden Moment von der Bespannung lassen.
Der Champ hingegen spielte sein bestes Tennis. Fuhr sein Niveau hoch. Ließ dem Underdog kaum Luft zum atmen.
Fun-Fact:
Sinner dominierte in der entscheidenden Phase des Matches mit dem Schlag, den Joao im gesamten Match über öfters angespielt hatte - die Vorhand.
Ironie ist, dass Joao den Schlag "warm gespielt" hat, den Sinner dann zur Entscheidung nutzte. Das ist Humor, wie wir Tennisfans ihn mögen.
Lass uns schauen, wie die Winner und Fehler in diesem Match verteilt waren.
Joa Fonseca unterliefen im Match 24 Fehler.
Jannik Sinner kam auf 21 Fehler.
Bei einem so engen Ergebnis können diese drei Fehler einen entscheidenden Einfluss gehabt haben. Manche Matches werden von kleinen Details entschieden. Besonders dann, wenn auf einem solch hohen Niveau wie in diesem Match gespielt wird.
Was uns zu den Winnern führt.
Na, du denkst jetzt, Fonseca schlug mehr Winner?
Da muss ich dich enttäuschen.
Fonseca schlug insgesamt 27 Winner. Sinner 38. Das ist ein ordentlicher Unterschied. Sinner war zu seiner Teeniezeit ein reiner Hardhitter. Er spielte fast schon zu schnell. Dadurch war sein Spiel fehleranfälliger.
Auf seinem Weg zum Champion injizierte ihm Darren Cahill eine Prise Djokovic.
Sinner spielt seitdem mehr durch die Mitte, mit mehr Kontrolle und schlicht sicherer. Er hat aber nie den Killerinstinkt verloren, um viele Winner zu schlagen. Wenn der Gegner Schwäche zeigt und kurz wird, dann ist Jannik Sinner gnadenlos.
Lass uns dazu zunächst schauen, wo beide an der Grundlinie ihre Position suchten.
Bei Sinner sah dies im Verlauf der Partie so aus:

Jannik stand in den meisten Ballwechseln keine zwei Meter hinter der Grundlinie.
Zu 49 % befand er sich zwischen Grundlinie und der 2-Meter-Marke.
Im Finale gegen Daniil Medvedev war er da noch strikter:

Fonseca schaffte es, Jannik weiter hinter die Grundlinie zu treiben.
Wie sah es bei Joao Fonseca aus? Konnte er nah an der Grundlinie bleiben und diese Position verteidigen?

Das konnte er.
Fonseca war sogar noch aktiver an der Grundlinie. Er konnte einen Tick öfters ins Feld gehen, um von dort weiter in die Offensive zu gehen.
Beide Spieler standen nah an der Grundlinie, verteidigten diese gut und gaben Gas. Wenn zwei solche Spielertypen mit diesen Eigenschaften aufeinandertreffen, dann kann es nur ein Spektakel werden. Dazu spielte Fonseca ein hohes Niveau. Wir haben das zu Beginn unserer Analyse im Performance-Tracking sehen können.
Einige Zeilen weiter oben analysierten wir, dass Joao mehr die Vorhand von Jannik suchte.
Wie sah das bei Sinner aus? Spielte er auch bewusst in die Vorhand?
Der Südtiroler ist definitiv nicht masochistisch veranlagt. Er wählte selbstverständlich den Weg über die Rückhand von Fonseca:

Knapp die Hälfte (!) aller Schläge gingen in die Rückhand von Joao.
Ein ganz kleiner Mini-Tick mehr ging es durch die Mitte. Fonseca spielte zu 21 % mittig. Wir sehen viele Winner in die Vorhand-Ecke von Fonseca.
Sinner ging also penetrant über die Rückhand, um die Seite zu öffnen und über die Vorhandseite abzuschließen. Diese Taktik ist aufgrund der Spielanlage von Fonseca nicht überraschend.
Ein Match auf Augenhöhe.
Fonseca konnte sich an das Spielniveau des Gegners anpassen. Er konnte sein Spiel durchbringen und verdammt gut die Grundlinie verteidigen. Trotz seiner Formschwäche vor dem Turnier in Indian Wells war er geistig voll da. Dieses Match zeigte, wie hoch sein Selbstverständnis schon in jungen Jahren ist.
Es ist nicht leicht mit einer schwächeren Form in ein solches Match-Up zu gehen. Die ganze Tenniswelt schaute auf dieses Match. Das sind aus mentaler Sicht keine kleinen Hürden gewesen.
Fonseca konnte sich hier mehr als gut behaupten. Er war dran, er war drin im Match und weiß jetzt noch mehr als zuvor, dass er dieses Niveau kann. Ich bin mir sicher, er wird verdammt viel für sein Spiel gelernt haben.
Wie bereits einige Zeilen weiter oben geschrieben:
Ich würde ihn noch mehr durch die Mitte spielen lassen. Auch Joao kann eine Prise "Djokovic" gut in seinem Spiel vertragen.
Tja, und Jannik?
Er hat das gemanagt. Er war der bessere Mann, wenn es um die entscheidenden Punkte ging. Er war, wie fast immer, super konstant. Er war aber auch aggressiv, voller Selbstvertrauen in sein Spiel.
Kann Joao Fonseca SinCaraz auf Dauer attackieren?
Wenn er weiter lernt, weiter an sich arbeitet und seine Stärken weiter verbessert - warum nicht?
Alle Daten stammen von meinem Partner tennisviz.com.
So oft dreht sich die Murmel, wenn Carlos Alcaraz eine Vorhand mit Topspin spielt.
Durchschnittlich spielt er diese 70 cm hoch über das Netz.
Was bedeutet das für den Gegner?
Er muss a) die Vorhand aus dem Spiel nehmen oder b) eine verdammt smarte Taktik gegen den Topspin haben.
Okay, du spielst nicht gegen Carlos Alcaraz. Aber auch als Hobby-Leistungsspieler hast du in deinen Matches mit dem Topspin des Gegners zu kämpfen.
Die Frage ist:
Was kannst du tun, wenn auf der anderen Seite des Netzes ein Clubspieler-Alcaraz steht?
Nach diesem Artikel wirst du wissen, wie du dein nächstes Match gegen einen Topspinspieler taktisch angehen kannst.
Hast du Lust, Taktiken gegen den Topspin zu entdecken?
Es kommt auf den Belag an.
Hartplatz, Granulat, Teppich, Asche - sie alle nehmen den Spin anders an. Natürlich kommt es zusätzlich auch noch darauf an, wie extrem der Topspin deines Gegners ist. Ein richtig mieser Linkshänder-Spin springt ganz anders ab, als der eines Rechtshänders.
Problem?
Deine wichtigsten Matches spielst du im Sommer auf der roten Asche.
Ist der Sandplatz trocken, springt dir die Murmel bei einem guten Spin tückisch weg. Der Ball fliegt zwar langsam durch die Luft. Er wird mit dem Aufprall auf deiner Seite des Netzes aber schneller, höher und gefährlicher.
Der Topspin wird nicht nur schneller. Er dreht sich vorwärts, seitwärts oder sogar beides gleichzeitig. Je nachdem, wie stark der Spin im Schlag deines Gegners ist.
Diese Kombination macht den Topspin so gefährlich:
Profispieler spielen ihre Vorhand zu über 90 % mit Topspin.
Hier eine Infografik dazu:

Wenn du zwischen LK 5-15 stehst, dann wirst du mit ähnlichen Zahlen "zu kämpfen haben".
Auch auf deinem Niveau werden die meisten Tenniscracks eine Vorhand mit Spin spielen.
Auf Teppichboden wird der Spin nicht so gut angenommen, wie auf dem trockenen Sand. Auch ein Sandplatz, der von Nieselregen erschlagen wurde, nimmt den Topspin weniger an.
Nutze diese Fakten für deine Taktik gegen den Topspin.
Je höher der Spin abspringt, desto schwieriger wird es für dich.
Was hier gilt:
Spielst du öfters gegen diese Spielertypen, wirst du dich immer besser an diese Spielweise gewöhnen. Suche dir im Verein Spieler, die mit viel Spin spielen.
Das bereitet dich auf den Ernstfall LK-Match vor.
Das Spiel gegen Topspinspieler ist körperlich und mental anstrengend.
Der Ball springt bei einem Topspinspieler höher ab.
Der Ball ist "härter" auf deiner Bespannung. Damit ist er schwieriger zu kontrollieren.
Es ist nicht unüblich, dass Spieler mehr Kraftaufwand aufbringen müssen, wenn sie gegen den Spin spielen. Die Ballwechsel fühlen sich gegen Topspinspieler schneller und dynamischer an. Das gesamte Spiel erscheint schneller. Es kann dir passieren, dass du im Verlauf einer Rally nicht mehr richtig zum Ball stehst.
Springt der Ball höher ab, musst du dich besser bewegen. Stehst du nicht korrekt zum Ball, kann das sofort zu einem vermeidbaren Fehler führen.
Was ich auch häufig beobachte:
Viele Spieler werden gegen Topspinspieler im Verlauf eines Ballwechsels kürzer in ihren Schlägen. Wirst du zu kurz, kann der Spinspieler leichter attackieren.
Das Spiel gegen den Topspin ist auch aus taktischer Sicht kompliziert.
Da der Ball hoch abspringt, kommst du schneller in die Defensive.
Ein herausragender Spinspieler kann dich mit seinen Schlägen weiter hinter die Grundlinie drücken. Dazu haben diese Spielertypen leider die Eigenschaft, dass sie weniger Fehler machen als die üblichen Hardhitter.
Das ist positiv für den Topspinspieler, aber negativ für dich.
Wir gehen jetzt sechs Strategien für deinen Erfolg gegen Topspinspieler durch.
Habe auf dem Racket:
Du musst nicht all diese Strategien umsetzen. Eine Strategie passt perfekt zu deinem Spiel? Dann setze diese Strategie auch um. Ein guter Matchplan ist simpel. Keine Raketenwissenschaft.
Wir starten mit der wichtigsten Strategie.
Allein dieser "Hack" kann dir das Spiel gegen den Topspin vereinfachen.
Entscheide dich, ob du den Ball im Fallen oder Aufsteigen treffen willst.
Dazwischen ist die Todeszone.
Dein Ziel muss es sein, den Ball auf deiner Hüfthöhe zu treffen. Nicht darüber. Das kann in deinen Matches gegen den Topspinspieler zu einem Problem werden.
Ein Problem, das Roger Federer massiv gegen Rafael Nadal hatte. Vor allem mit seiner einhändigen Rückhand.
Der Spin wird nach dem Absprung so giftig, dass du ihn entweder direkt im Aufsteigen nimmst oder nachdem er seinen höchsten Punkt erreicht hat - im Fallen.
Das wiederum hat sehr viel mit deiner Beinarbeit zu tun.
Jupp, du wirst viele kleine Schritte gegen Topspinspieler nutzen müssen. Ohne eine gute Beinarbeit wirst du die Spinschläge auf Dauer nicht entschärfen können.
Die meisten Topspinspieler sind Vorhand-Monster.
Sie wollen so oft wie möglich Vorhand spielen.
Was bedeutet das für dich?
Bewusst oder unbewusst stehen sie deswegen weiter in ihrer Rückhandecke. Wenn du das siehst, spiele bewusst in ihre Vorhand.
Warum? Klingt das nicht zu simpel?
Schau:
Sie müssen dann weitere Wege auf dem Platz gehen, was zu mehr Konditionsverschleiß während des Matches führt. Weniger Kondition bedeutet auch immer weniger Konzentration.
Weniger Konzentration bedeutet für Topspinspieler mehr Rahmenbälle und mehr Fehler.
Beobachte genau, wie sich dein Gegner an der Grundlinie verhält. Wo steht er? Wie bewegt er sich nach einem Schlag? Spielt er auffällig viel Vorhand?
All diese Fragen führen zu deinen taktischen Lösungen zwischen T- und Grundlinie.
Je besser du deinen Gegner beobachtest, desto besser kannst du ihn und sein Spiel lesen. Viele Informationen über deinen Gegner führen in deinem Kopf zu vielen taktischen Manövern, die du im Match umsetzen kannst.
Spiele schnell und flach in die Topspin-Vorhand deines Gegners.
So bleibt ihm weniger Zeit, dem Ball viel Spin mitzugeben.
Das glaubst du nicht?
Schau:
Mit dieser Taktik hebelte Novak Djokovic den unangefochtenen King of Clay, Rafael Nadal, in seinem Wohnzimmer in Roland Garros aus.
Wenn du schnell in die Vorhand des Gegners spielst, hat dieser weniger Zeit dem Ball Spin mitzugeben. Im Idealfall ist dein flacher Ball dazu auch noch lang.
Einen Topspinball hingegen kann der Spinspieler ohne Probleme kontern. David Ferrer kann davon ein ganzes Album singen. Er wurde von Rafa auf Sand vernichtet.
Ein schneller, flacher Ball, dreht sich aber weniger.
Wenn sich der Ball weniger dreht, muss der Spinspieler dem Ball diese Umdrehungen selbst mitgeben. Ein sich bereits drehender Ball ist für den Spinspieler leichter zu spielen.
Logisch, oder?
Spiele viel Slice.
Klingt simpel, ich weiß. Aber es ist effektiv. Du hast vor ein paar Zeilen bereits gelernt:
Ein guter Matchplan ist ein simpler Matchplan.
Der großartige Boris Becker sagte mal:
Gib deinem Gegner Aufgaben!
Der Topspinspieler mag den Slice wie wir beide früher Matheklausuren.
Warum ist das so?
Der Slice dreht sich seitlich. Der Topspin dreht sich vorwärts und/oder seitwärts.
Damit gibst du dem Topspinspieler die Aufgabe, die Rotation des Balles zu verändern. Das kann beim Spinspieler für mehr Rahmenbälle sorgen. Es kann zu mehr Fehlern sorgen.
Es führt aber in erster Linie zu einer Denkaufgabe, die der Topspinspieler konstant lösen muss.
Gib ihm diese Aufgabe und schaue, wie der Spinspieler diese löst.
Topspinspieler lieben und brauchen einen guten Schlagrhythmus.
Wenn Rafa früher einmal im Match war, dann kam der Gegner aus seiner Grundlinienmühle nicht mehr heraus. Allerdings hatte Rafa gegen die Hardhitter und starken Aufschläger so seine Probleme.
Wie zum Beispiel gegen Reilly Opelka oder auch gegen einen Jack Sock, der mittlerweile Pickleball spielt. Diese Rhythmusbrecher sorgten dafür, dass Rafa erst gar nicht in seinen guten Wohlfühl-Rhythmus kam.
Was bedeutet das für dich?
Nein, du musst nicht wie Opelka aufschlagen.
Wenn du weißt, dass dein Gegner ein Topspinspieler ist, gib ihm diesen Rhythmus nicht. Streue kurze Bälle ein. Spiele Stopps. Spiele erst schnell und flach, dann halbhoch mit viel Spin.
Mixe dein Spiel durch. Gehe gerne mehr Risiko, auch wenn dir dabei mehr Fehler unterlaufen.
Mach lieber drei Fehler mehr und gib deinem gegner keinen Rhythmus, als wenn du auf Sicherheit spielst und dein Gegner sich in einen Rausch spielen kann.
Aus dem Rausch, aus dem kommst du nicht mehr heraus.
Einen kleinen Vorteil hast du gegen Topspinspieler.
Sie können vermutlich nicht so gut schnell und flach spielen. Hinzu kommt:
Ihre Spinschläge sind länger in der Luft.
Robin Söderling nutzte dies bei seinem Coup gegen Rafael Nadal bei den French Open. Er nahm die Spinbälle von Rafa früh. Dann spielte er flach in die Vorhand von Rafa und marschierte guten Schlägen ans Netz nach.
Für einen Spinspieler ist es nicht einfach, Netzangriffe zu kontern.
Nutze das für deine Taktik gegen den Topspin.
Was kannst du komplett falsch machen gegen Topspinspieler?
Den Ball auf Kopfhöhe treffen.
Das passiert dir, wenn du zuvor nicht festgelegt hast, ob du die Spinschläge im Fallen oder Aufsteigen treffen willst. Wenn du sie im Fallen spielen willst, dann musst du den Spinschlag des Gegners austrudeln lassen. Das ist ähnlich wie bei einem Return auf den Kick-Aufschlag.
Wie funktioniert das?
Der Ball springt auf deiner Seite des Netzes auf. Dann erreicht der Ball zunächst seinen höchsten Punkt nach dem Absprung. Ab diesem höchsten Punkt beginnt der Ball zu fallen.
Hier eine Grafik dazu:

Die Fallphase ist der Moment, indem du den Ball auf Hüfthöhe treffen willst.
Bedenke dabei:
Deine Beinarbeit muss hier On-Point sein.
Du musst viele kleine Schritte nutzen, um dich gut zum Ball bewegen zu können. Du wirst dich flink nach hinten orientieren, den Ball schlagen und dann wieder nach vorne orientieren müssen.
Das kann auf Matchdauer anstrengend sein.
Was kannst du dir in dein nächstes Match mitnehmen?
Wie kann ein Matchplan gegen Topspinspieler für dich aussehen?
Hier eine kleine Checkliste für deine Bespannung:
1) Entscheide dich schnell, ob du die Bälle im Fallen oder Steigen spielen willst
2) Variiere deine Schläge in Geschwindigkeit und Höhe
3) Versuche, Slice einzustreuen
4) Spiele schnell und flach in die Vorhand deines Gegners
Dieser simple Matchplan gibt deinem Spiel eine Struktur. Du hast einen klaren Plan, was du taktisch gegen den Topspin machen kannst.
Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg in deinem nächsten Match!
]]>Er lief in den Laden, sah ein cooles Racket, der Verkäufer redete von Leistung, Rahmen und „perfekt für jeden Spieler“.
Zehn Minuten später war das Ding bezahlt.
Auf dem Platz stellte sich heraus:
Zwei Wochen später saß er am Rechner. Diesmal mit zehn geöffneten Tabs, einer Liste mit Anforderungen und dem Gedanken:
„Hätte ich mir vorher einen Überblick verschafft, hätte ich mir 300 € Ärger gespart.“
Er kaufte schließlich ein anderes Modell.
Das erste verkaufte er mit Verlust.
Was lernen wir daraus?
Wer sich vor wichtigen Entscheidungen einen klaren Überblick verschafft, der kommt weiter.
Heute verschaffen wir uns einen Überblick über dein Spiel - und wie du dich verbessern kannst.
In diesem Artikel stelle ich dir die super-simple Overview-Methode vor. Keine Angst vor dem englischen Wort. Diese Methode ist einfacher umzusetzen, als den Ball mit dem Rahmen aufzutippen.
Mit dieser Methode kannst du dein gesamtes Spiel verbessern, indem du dein Spiel zunächst in seine Einzelteile zerlegst. Dann bewertest du diese Einzelteile und setzt dein Spiel wieder neu zusammen.
Während dieses Prozesses wirst du viele kleine Details finden, die du in deinem Spiel verbessern kannst.
Klingt interessant?
Dann lass uns starten.
Wie der Name bereits verrät, holst du dir einen Überblick über dein Spiel.
Das Wörtchen "Overview" bedeutet nichts anderes als Überblick. Du arbeitest also mit der "Überblick-Methode". Wenn ein Trainer einen neuen Spieler in sein Training aufnimmt, dann verschafft dieser sich auch erstmal - genau, einen Überblick.
Er schaut sich die Schläge des Spielers an:
Er schaut sich die Beinarbeit an. Er schaut sich an, welcher Spielertyp dieser Spieler ist:
Nach diesem Überblick legt der Trainer die Stärken und Schwächen fest. Nachdem er dies getan hat, beginnt er die Stärken zu verbessern und die Schwächen auszubügeln. Das ist eine simple Struktur, um einen Tennisspieler zu verbessern.
Ich kann dir bereits jetzt verraten:
Verbessere immer nur ein Detail deines Spiels. Dieses Detail sollte so klein sein, dass es beim Aussprechen lächerlich in deinen Ohren klingt.
Was können solche kleinen Details sein?
All das sind kleine Hebel, die einen großen Einfluss auf deine Performance zwischen T- und Grundlinie haben können.
Mit der Overview Methode verschaffst du dir einen Überblick über Hebel in deinem Spiel, die du anschließend in noch kleinere Hebel "zerlegen" kannst.
Wir werden gleich im Detail besprechen, wie die Overview-Methode für dein Spiel funktioniert. Du wirst noch heute damit starten können, dein Spiel zu verbessern.
Zunächst musst du aber wissen:
Betriebsblind.
Das wird man, wenn man sich zu sehr in sein eigenes "Ding" vertieft. Allein ich kenne auf Anhieb fünf Spieler, die komplett betriebsblind in Bezug auf ihr Spiel sind. Ich bin mir sicher, dass dir ebenfalls sofort fünf Spieler aus deinem Verein einfallen.
Das ist aber nicht schlimm. Denn es zeigt, dass die Spieler sich mit ihrem Spiel beschäftigen.
Es gibt da nur ein Problem.
YouTube.
Wenn ich bei YouTube "Vorhand verbessern" eingebe, erhalte ich knapp 40 verschiedene Tricks, Kniffe und Methoden, wie ich meine Vorhand verbessern kann. Gebe ich die Suchphrase auf Englisch ein, bekomme ich 400 Methoden, Tricks und Kniffe.
Warum ist das ein Problem?
Bei uns Menschen führen zu viele Informationen zur Verwirrung.
Wir brauchen klare, simple Anweisungen. Je mehr Optionen wir haben, desto schlechter kommt die Vorhand. Bei uns in Werl gibt es einen Imbiss, der knapp 60 verschiedene Gerichte anbietet.
60!
Da habe ich direkt mehrere Probleme:
Probleme über Probleme. Und das alles nur, weil man zu viele Informationen hat.
Was kann dir in deinem Spiel helfen?
Die Overview-Methode.
In meinen simplen Tennis-Leitfäden nutze ich viele Beispiele.
Für die Overview-Methode habe ich uns einen richtig coolen Spieler ausgesucht:

Herzlich willkommen auf tennis-insider.de, lieber Joao.
Wir gehen die Overview-Methode jetzt Step by Step am Beispiel von Joao durch. Wir schauen uns die einzelnen Hebel seines Spiels an. Dann schauen wir uns seine Werte zu diesen Hebeln an.
Neben der Vor- und Rückhand gibt es weitere, wichtige Bereiche in jedem Spiel.
Hier ist die Übersicht von Joao:

Die Daten stammen von meinem Partner tennisviz.com.
Wir sehen acht unterschiedliche Hebel des Spiels:
Der hellgrüne Kreis zeigt die Qualität von Joao. Der dunkelgrüne Kreis zeigt den Tourdurchschnitt der anderen Spieler.
Wir können allein aus diesem Überblick erkennen:
Hier eine kleine Liste mit Ideen:
Egal, welches kleine Detail er picken würde. Es würde sein Spiel komplementieren.
Ich kenne dein Spiel leider nicht.
Aber dein Trainer kennt dich. Deine Teamkollegen kennen dich. Deine Spielpartner, mit denen du seit Jahren spielst, kennen dich.
Und, was auch gut möglich ist:
Du kennst dich.
Wen auch immer du wählst, lass deinen Trainer oder einen Teamkollegen deine acht Hebel bewerten. Du kannst auch zwei unterschiedliche Leute zu deinen Hebeln befragen.
Du kannst deine Hebel auch selbst bewerten.
Lass mich mit gutem Beispiel vorangehen:
Wir nehmen unsere acht Hebel und schreiben hinter jeden Hebel eine Bewertung:
Das ist meine Übersicht, mit kleinen Notizen dazu. Du kannst gerne längere Notizen schreiben. Aus dieser Übersicht ergeben sich die folgenden Hebel, an denen ich arbeiten kann:
Puhh, damit habe ich den Rest meines Lebens zu tun.
Die acht Bereiche sind richtig coole Hebel, um von dort aus einzelne Details deines Spiels zu verbessern. Du bekommst eine gute Übersicht über Bereiche, in denen du bereits gut bist und Bereiche, in denen du dich noch verbessern kannst.
Wir können nicht jeden Spieler gleich bewerten.
Jeder Spieler hat unterschiedliche Voraussetzungen. Joao ist zum Beispiel noch sehr jung. Seine Werte sind herausragend für sein Alter und Standing.
Auch auf unserem Hobbyspieler-Niveau können wir weitere Faktoren einfließen lassen. Es ist wichtig, wie lange ein Spieler bereits das Racket schwingt. Wie oft ein Spieler die Woche spielt, ist ebenfalls wichtig.
Man kann die Overview-Methode früh anwenden.
Auch bei Spielern, die noch nicht so lange spielen und noch zu den Tennis-Anfängern gehören. Die Overview-Methode dient nicht dazu, einen Spieler bloßzustellen. Sie dient dazu, eine Übersicht über die Fähigkeiten des Spielers zu gewinnen, damit dieser sich effektiv verbessern kann.
Aus diesem Grund ist die Overview-Methode auch für Trainer eine super Sache.
Beim Tennis verändert sich nicht viel von heute auf morgen. Man braucht Ruhe, Geduld und Beharrlichkeit. Verbesserungen finden nicht innerhalb von Tagen statt. Wenn du nach jeder Sommersaison dein Spiel neu bewertest und die Hebel der Overview-Methode durchgehst, hast du einen guten Rhythmus gefunden.
Pass auf Euphorie und Rückschläge auf.
Auf deinem Weg zum Clubmeister wirst du grandiose Tennistage haben. Du wirst aber auch Tage haben, an denen du am liebsten dein Racket an einen rostigen Nagel im Keller hängen würdest.
Das ist der ganz normale Verlauf einer Tenniskarriere. Beim Profi, aber auch bei dir, einem Clubspieler. Bewerte deine acht Hebel weder auf einem Leistungspeak noch in einer Downphase. Das würde deinen Overview verfälschen.
Positiv, wie auch negativ.
Ich würde vorschlagen:
Schnapp dir einen Stift und Papier. Oder öffne eine App. Kopiere dir die acht Hebel aus diesem Artikel in eine Textdatei. Bewerte dich selbst oder setze dich mit deinem Trainer oder einem Teamkollegen zusammen.
Beginne mit der ehrlichen Bewertung deiner Fähigkeiten. Nimm dazu nicht nur dein letztes Match als Referenzpunkt. Hole dir einen echten Überblick über dein Spiel.
Nachdem du die Werte zu jedem einzelnen der acht Hebel eingetragen hast, kannst du dir Notizen zu jedem Hebel machen. Notiere, was zu jedem Hebel in deinem Kopf ist. Lass es einfach raus. Das muss keine durchdachte Analyse sein.
Wenn du dann deine Bewertung plus Notizen fertig hast, schreibst du eine Ideenliste mit Verbesserungen auf. Auch das kannst du mit deinem Trainer oder Teamkollegen machen. hau eine Liste mit mindestens zehn kleinen Hebeln für dein Spiel raus.
Dann kannst du diese Liste mit kleinen Hebeln nach Wichtigkeit sortieren.
Hast du diese Liste sortiert, beginnst du für die nächsten sechs Wochen mit dem ersten kleinen Hebel für dein Spiel.
Ich wünsche dir dabei viel Spaß und vor allem Erfolg!
]]>Du stehst morgens mit dem linken Bein zuerst auf.
Setzt dich auf die Bettkante. Schaust auf dein Smartphone.
Du machst du dich auf den Weg ins Bad. Dort triffst du jemanden im Spiegel, der dir auf den ersten Blick fremd vorkommt. Auf Autopilot putzt du diesem Fremden die Zähne, stiefelst unter die Dusche und ziehst dir etwas an.
Wir alle haben unsere Gewohnheiten.
Gewohnheiten, die wir bewusst gar nicht mehr bemerken.
Warum erzähle ich dir von einem Fremden im Spiegel am Morgen?
Auch auf dem Tennisplatz haben wir feste Gewohnheiten.
Es gibt Schlagvariationen, die spielen wir häufiger als andere.
Den Rückhand-Slice spielst du nicht so oft wie die Vorhand-Topspin.
Bei den Profis ist die Rückhand-Cross der am häufigsten verwendete Schlag. Was nicht verwunderlich ist. Fast jedes Spiel baut sich über die Rückhand des Gegners auf.
Die Rückhand dient dazu, die Murmel im Spiel zu halten, den Gegner zu bewegen und abzuwarten, etwas im Ballwechsel machen zu können. Offensiv zu werden, zu attackieren, den Gegner weiter nach außen oder hinter die Grundlinie zu drängen.
"Marco, wann kommst du endlich zu Alexander Zverev?".
Jetzt, mein aufmerksamer Tennisfreund.
Sascha spielt ebenfalls die Rückhand-Cross am häufigsten in seinen Matches. Genau genommen zu 27 %. Allerdings spielt er auch sehr häufig Vorhand-Cross. Was ebenfalls völlig natürlich nicht.
Es ist einer der Grundschläge.
Warum diese Vorhand-Cross aber ein Problem in den großen Matches gegen Jannik Sinner und Carlos Alcaraz ist, das besprechen wir gleich.
Hier zunächst eine Übersicht über die Frequenz seiner Schlagvariationen im Jahr 2025:

Du liegst richtig. Er liebt den Stoppball über alles.
Spaß beiseite.
Wir kümmern uns jetzt um den Schlag, der seit Jahren als seine Schwäche bezeichnet wird.
Wir analysieren in den folgenden Zeilen, warum die Vorhand das fehlende Puzzleteil ist. Wir werden auch analysieren, wie sein Kopf damit zusammenhängt und was Zverev in Zukunft besser machen könnte.
Ganz nebenbei:
Der aufmerksame Leser wird viel, sehr viel, für sein eigenes Spiel mitnehmen können.
Bist du bereit? Dann lass uns starten.
Die Vorhand-Cross ist bei Zverev zu 22,2 % ein schwacher Spielzug.
Was bedeutet "schwacher Spielzug"?
Zu 22,2 % ist die Vorhand-Cross schwach.
Aber: Zu 23,2 % ist diese Schlagvariation ein starker Spielzug. Warum diese Zahl in den epischen Matches um Titel zu wenig ist, finden wir später noch heraus.
Wie setzt sich ein "starker Spielzug" zusammen?
So:
54,6 % der Vorhand-Cross gespielten Schläge von Zverev sind neutral. Heißt: Sie lassen den Ballwechsel weiterlaufen, ohne dass etwas Entscheidendes passiert.
Lass uns das genauer analysieren.
Sascha weiß, dass die Vorhand nicht sein bester Schlag ist. Wir alle kennen das. Wir alle haben diesen Schlag, bei dem wir mehr nachdenken. Es ist der Schlag, den wir im Kopf mit angezogener Handbremse spielen. Bei uns Hobbyspielern ist es meist die Rückhand.
Die Gegner von Sascha wissen, dass er die Vorhand liebt wie Vampire das Tageslicht. Er wird Tage haben, an denen er diesen Schlag noch schlechter als sonst auf dem Schläger fühlt. Was unweigerlich zu noch mehr Verunsicherung bei der Vorhand führt.
Was tut er also?
Er spielt die Vorhand cross.
Er wird oft dort angespielt, er fühlt sich nicht wohl mit diesem Schlag und er traut sich nicht die Linien zu suchen. Das sind Indizien dafür, warum die Vorhand-Cross leider sein zweithäufigster Schlag ist.
Hier ist er mental in einer Zwickmühle:
Er traut sich nicht, viel mit seiner Vorhand zu machen.
Spielen seine Gegner ihm bewusst in seine Vorhand?
Jupp. Und er traut sich nicht, viel damit zu machen. Deswegen spielt er so häufig Vorhand-Cross in seinen Matches. Allen voran in den engen Spielsituationen, wo es auch mal um einen Grand-Slam-Titel geht.
Er wird mit der Vorhand-Cross zu passiv.
Zverev schlägt bis auf Taylor Fritz nahezu alle Spieler, die hinter ihm in der Weltrangliste stehen.
Probleme bekommt er in den Blockbuster-Matches. In den Matches, in denen ein Carlos Alcaraz oder Jannik Sinner auf der anderen Seite des Netzes stehen.
Ich denke nicht, dass Zverev Angst vor den beiden hat oder zu viel Respekt. Ich schätze Zverev so ein, dass er vor dem Match zu 100 % an seine Chance glaubt. Diese 100 % werden aber im Verlauf eines Matches niedriger.
Viel niedriger.
Und zwar dann, wenn er spürt, dass er mit seiner Vorhand schlicht nicht gegen die Beiden ankommt. Die Zahlen belegen die absolute Überlegenheit von SinCaraz gegen Zverev.
Lass uns den Einfluss der Vorhand dieser drei Spieler miteinander vergleichen.
Wir starten mit Carlitos.

Spielt Alcaraz Vorhand-Cross, macht er zu 49,6 % den Punkt.
Der Einfluss dieser Schlagvariation ist mit 9,5 % solide. Er setzt den Gegner mit dieser Variation zu 28,4 % unter Druck oder macht direkt den Winner.
Wir kennen ja die Vorhand-Raketen, die Alcaraz gerne mal zündet. Cross ist das Netz flacher als Longline.
Das macht seine Vorhand-Cross noch gefährlicher.
Zu 18,9 % macht er a) den Fehler oder b) der Gegner konnte ihn unter Druck setzen. Das mag im ersten Moment nach einer hohen Quote klingen. Das wird sich gleich aber in einem anderen Licht zeigen, wenn wir uns Jannik und Sascha anschauen.
Bei Jannik Sinner sieht die Geschichte so aus:

Jannik macht sogar zu 49,9 % den Punkt, wenn er Vorhand-Cross in der Rally spielt.
Der Einfluss dieser Schlagvariation ist einen Tick höher als bei Carlitos. Was den Druck auf den Gegner und die Fehler betrifft, nehmen sich die beiden besten Spieler der Welt nicht viel.
Was die Vorhand-Cross betrifft, sind Alcaraz und Sinner gleich stark. Auch wenn Carlos den Ball besser beschleunigen mag. Der Effekt auf das Spiel ist ähnlich wie bei Jannik Sinner.
Aber wie sieht es bei Alexander Zverev aus? Bedenke: Wir vergleichen Sascha mit SinCaraz.
Zverev spielt alles andere als eine schlechte Vorhand. Wir wollen herausfinden, was ihm fehlt, um die beiden in großen Matches packen zu können.
Bei Sascha sieht es so aus:

Das ist der Unterschied im Vergleich zu Jannik und Carlitos.
Er kann beim Gegner wesentlich weniger Schaden mit seiner Vorhand-Cross anrichten. In Zahlen:
Knapp 6 % weniger, als SinCaraz.
Im Gegenzug macht er weniger Fehler und gibt dem Gegner weniger Optionen. Das sehen wir beim Cold-Balken.
Aber:
Das ist wieder ein klares Indiz dafür, dass Zverev die Vorhand auf Sicherheit im Spiel hält. Und sich in der Rally weiter hinter die Grundlinie zurückfallen lässt.
In der Grafik siehst du den Impact-Bereich der Vorhand-Cross. "Impact" steht in unserem Falle für den Einfluss des Schlages auf das Match.
Die Impact-Säule verrät:
Was ebenfalls interessant ist:
Sascha schlägt durchschnittlich nur 6,9 Winner pro Match mit seiner Vorhand. Bei einem Alcaraz sind es durchschnittlich 10,1. Zverev spielt seine Vorhand zu 95 % mit Topspin.
Ein Alcaraz "nur" zu 89 %.
Auch das zeigt uns:
Sascha traut sich nicht.
Er wird mit der Vorhand zu passiv. Er spielt die Kombination aus viel Spin + Cross. Dabei orientiert er sich weiter hinter die Grundlinie.
Wir dürfen nicht vergessen, dass er ein starker Aufschläger ist. Er könnte richtig stark Aufschlag +1 spielen, so wie es ein Jakub Mensik oder ein Joao Fonseca machen.
Zverev bewegt sich für seine Größe sensationell. Er kann unheimlich konstant spielen. Seine Rückhand ist eine Waffe.
Aber:
Diese verflixte Vorhand hat einen Einfluss auf sein Spiel, den er nicht haben möchte. Vor allem, wenn man diesen einen Grand-Slam-Titel holen will.
Wir haben herausgefunden, dass Zverev nicht gerne offensiv Vorhand spielt.
Die Vorhand ist für ihn ein Schlag, mit dem er die Murmel im Spiel halten will. Dazu wissen wir, dass er sich gerne weiter hinter die Grundlinie zurückfallen lässt.
Ist das die "passive Kombination", die er gar nicht bewusst spürt?
Bei Unsicherheit tendiert der menschliche Geist zur Vorsicht.
Man schaut, was passiert. Man reagiert, man hört auf, zu agieren. Viele Zuschauer sind seit Jahren verwundert, warum Alexander Zverev so passiv ist.
Es ist ja so offensichtlich.
Aber es ist gut möglich, dass er das nicht so sieht. Für ihn ist diese "passive Kombination" normal:
Mit viel Topspin auf Sicherheit gespielte Vorhand-Cross + Zurückfallen lassen = Passivität.
Sascha spielt die Vorhand zu 95 % mit Topspin. Die passive Kombination kommt mir so vor, als wenn sie eine Gewohnheit in seinen Abläufen in einer Rally ist. Tief in die Knie gehen, schön unter den Ball kommen, Spin, halbhoch cross über das Netz und dann ein, zwei Schritte zurückgehen.
Das ist keinesfalls ein schlechter Spielzug. Für viele Spieler ist diese Kombination gut. Aber reicht eine solche Kombination gegen einen Jannik Sinner oder Carlos Alcaraz?
Das wage ich zu bezweifeln. Das ist zu wenig.
Er wird Tage haben, an denen er die Vorhand besser fühlt. Es wird auch an der Tagesform, dem Gegner und der Situation liegen. In Matches, in denen er spürt, dass er nicht verlieren kann, wird die Vorhand lockerer aus dem Arm kommen als in einem Endspiel gegen Sinner oder Alcaraz.
Kennst du das?
Du stehst im Hochsommer an der Grundlinie bereit zum Aufschlag. Es war den ganzen Tag heiß und es kündigt sich durch Gewittertierchen ein Unwetter an. Aus dem Nichts kommen diese kleinen Tierchen auf dich zugeflogen und halten dich von deinem Aufschlag ab.
Nicht lang, aber sie stören deine Konzentration.
Diese kleinen Tierchen können auch sinnbildlich für negative Gedanken stehen, die dich während eines Matches ablenken. Diese Gedanken kommen immer wieder und sie tun dir nicht weh. Sie stören aber deine Konzentration.
Dein Fokus switcht vom Match hin zu diesen negativen Gedanken.
Wie ein Magnet.
Alexander Zverev kennt seine schwächere Vorhand. Er weiß, dass es sein "Zitterschlag" ist. Er wird bei der Vorhand mehr nachdenken, als bei seiner Rückhand. Zwischen einem Ballwechsel und auch vor einer Vorhand wird er von negativen Gedanken abgelenkt sein.
Was völlig menschlich ist.
Wer denkt als Hobbyspieler nicht mehr nach, wenn der Gegner jeden zweiten Ball hoch auf die Rückhand spielt?
Es ist das Zusammenspiel aus Selbstvertrauen und Selbstsicherheit in den entscheidenden Momenten eines Matches. Nur ganz wenige Schlagentscheidungen in einer Rally entscheiden darüber, wie die Dynamik des Matches verlaufen wird.
Um das besser verstehen zu können, müssen wir die Begriffe Selbstvertrauen und Selbstsicherheit in Bezug auf Tennis klären.
Selbstvertrauen ist nichts anderes als das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Es hat nichts damit zu tun wie ein Hulk über den Platz zu laufen und sich mit dem Schlägerrahmen auf die Brust zu klopfen. Selbstvertrauen hast du, wenn du vor und bei einem Schlag so wenig wie nötig denkst.
Hier wieder unser Rückhand-Beispiel:
Wenn der Ball langsam auf deine Rückhand kommt, dann springt in deinem Kopf direkt die Alarmsirene an:
"Verdammt, ich muss Rückhand spielen. Was mache ich jetzt?".
Dein Puls geht hoch. Dein Fokus liegt nicht beim Schlag. Dein Vertrauen in deine Fähigkeiten ist gering. Spielst du hingegen sehr gerne und gut Vorhand, sieht das anders aus. Du freust dich, wenn du eine Einladung mit Schleife in Form eines langsamen Balles des Gegners auf die T-Linie bekommst.
Du denkst höchstens:
"Das Dingen setze ich schön hinten ins Eck!".
Hier sieht es ganz anders aus. Du spürst Vorfreude. Dein Fokus ist voll beim Schlag. Dein Vertrauen in deine Fähigkeiten ist hoch.
Das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist der erste wichtige Step, um im Match sein bestes Tennis zeigen zu können. Selbstvertrauen allein reicht aber nicht. Jeder Spieler braucht im Match Selbstsicherheit.
Ich nenne diese Selbstsicherheit gerne:
Eine Bestätigung vom Match, dass dein Selbstvertrauen echt ist.
Selbstsicherheit gibt dem Spieler diesen "im Tunnel"-Fokus beim Schlag. Diese flüssigen Bewegungen, die einfach da sind, ohne dass man sich auf sie konzentrieren muss.
Selbstvertrauen und Selbstsicherheit sind zwei Faktoren, die Alexander Zverev für eine offensive Vorhand fehlen. Was nicht heißt, dass seine Vorhand schlecht ist. Das ist sie ganz sicher nicht. Aber seine passiv gespielte Vorhand wirkt sich auf sein Selbstvertrauen und seine Selbstsicherheit aus.
Das ist einer der Gründe, warum er so konstant stark gegen "schwächere" Leute spielt, aber in den ganz großen Matches gegen die besten der Welt verkopft.
Im wahrsten Sinne des Wortes.
Mini-Erfolgserlebnisse mit der Vorhand zu Beginn eines Matches sammeln. Oder was denkst du?
Egal, welches Match. Ob gegen Alcaraz oder Jarry.
Stell dir vor, du stehst zum Aufschlag auf die Einstandseite bereit. Du nimmst dir vor, den Aufschlag mit Slice nach außen zu spielen, um anschließend mit deiner Vorhand in die offene Seite zu spielen.
Du tippst den Ball auf, servierst giftig mit Slice an die seitliche T-Linie. Dein Gegner kommt in voller Streckung gerade so eben an den Ball. Du umläufst deine Rückhand und spielst mit deiner Vorhand in die offene Seite.
Deine Vorhand landet aber 2 Zentimeter hinter der Grundlinie.
Der gelungene Slice-Aufschlag und das Umlaufen deiner Rückhand sind in diesem Fall aber dennoch Mini-Erfolgserlebnisse. Der Slice-Aufschlag ist ein Mini-Erfolgserlebnis. Das Umlaufen der Rückhand ist ein Mini-Erfolgserlebnis.
Die Vorhand in die offene Seite ist ein Mini-Erfolgserlebnis.
Der Fehler? Der gehört zum Tennis dazu wie der Netzpfosten.
Mini-Erfolgserlebnisse sind ganz kleine Details deines Spiels, die sich im Verlauf eines Matches anhäufen und dir Selbstvertrauen und Selbstsicherheit geben.
Früh im Match die Vorhand anders als "nur" den Cross einsetzen.
Mit einer frühen Vorhand-Longline kann Zverev die Ballwechsel-Dynamik verschieben. Diese Vorhand-Longline muss nicht als Winner gespielt werden. Er kann sie mit mehr Höhe und Spin spielen.
Eine weitere Option wäre die Vorhand aus der Mitte oder der eigenen Rückhand heraus. Die Vorhand aus der Mitte spielt Zverev sehr gut.
Das Umlaufen der besseren Rückhand klingt im ersten Gedankengang kontraproduktiv. Aber lass uns das genauer analysieren.
Wenn die Vorhand-Cross die Schwäche ist und diese Schwäche aufgrund einer passiven Kombination aus langweiligem Topspin und dem Zurückfallen hinter die Grundlinie zustande kommt, dann ist die Vorhand Inside-Out eine sehr gute Lösung.
Zverev würde das exakte Gegenteil von dem tun, was er sonst tut.
Er würde ins Feld hineingehen. Das ist der Kontrast zum Zurückfallen. Er würde die Vorhand mit mehr Dampf spielen. Was ebenfalls der Kontrast zur sicheren Topspin-Variante wäre.
Man sagt ja gerne:
Wenn dir ein Verhalten an dir nicht gefällt, dann tue das exakte Gegenteil.
Das hilft nicht immer. Kann aber ein erster, guter Schritt sein.
Zum Schluss dieser Analyse müssen wir noch kurz über die Passivität sprechen. Diese entsteht, wenn man in einem Gedankenmuster des Reagierens gefangen ist. Ein inneres Mantra spult unbewusst ab, dass man nur in der Reaktion ist.
Bedeutet im Zverev-Fall:
Der Gegner spielt ihm auf die Vorhand. In seinem Unterbewusstsein ist abgespeichert, cross mit viel Spin zu antworten. Das ist seine Gewohnheit. Er ist in einem Gedankenmuster gefangen, das sagt:
"Ich reagiere mit der Vorhand-Cross!".
Ein echter Mindset-Shit für Sascha könnte die folgende Reaktion sein:
"Ich agiere mit der Vorhand-Longline!".
Jeder Spieler schenkt sich ganz neue spielerische Optionen, wenn er vom Reagieren auf das Spiel zum Agieren des Spiels übergeht. Das macht Carlos Alcaraz so stark und kreativ in seinem Spiel. In seinem Unterbewusstsein scheint abgespeichert zu sein:
"Ich agiere im Ballwechsel. Ich kreiere meine Chancen!".
Das ist eine mentale Haltung, die für Alexander Zverev vieles verändern könnte.
]]>Der letzten Vorhand wird erstaunt hinterhergeschaut.
Peter hat den Gedanken just zu Ende gedacht, da kommt die Murmel wieder zurück.
Ralf hat das Brett sauber entschärft, in einen Slice gepackt und mit 3,8 km/h, drei Zentimeter mittig vor die Grundlinie von Peter gelegt.
Peter steht angewachsen wie eine frisch eingepflanzte Eibe einen Schritt hinter der Grundlinie.
Wie wird sein nächster Schlag aussehen?
Wird er gut zum Ball stehen? Oder besteht die Gefahr eines leichten Fehlers?
Lass uns das in den folgenden Zeilen herausfinden.
Stell dir einen Highway vor.
Du hast eine ellenlange Straße vor dir, die scheinbar kein Ende findet. Der Highway kann in einem Flow durchfahren werden. Ohne Kreuzung, Ampel oder andere Unterbrechungen. Du kannst John Coltrane voll aufdrehen, die Abendluft plus Aussicht genießen.
Fahrspur-Assistent und Tempomat erledigen den Rest - wie Jannik Sinner und Carlos Alcaraz die Konkurrenz.
Sobald ein Ballwechsel startet, bist du auf dem Tennis-Highway unterwegs.
Jede Unterbrechung deines Flows führt dazu, dass es dir schwerer fallen wird, dich gut zum nächsten Schlag zu stellen. Durch deinen Aufschlag oder Return kommst du sofort in die Bewegung.
Lass uns das kurz beim Aufschlag durchgehen.
Du servierst, der Ball verlässt deine Bespannung, du gehst in die Knie und machst dich sofort bereit für den nächsten Schlag. Würdest du nach deinem Aufschlag stur in der Gegend herumstehen, müsstest du dich erst wieder in die Bereitschaft für deinen nächsten Schlag bringen.
Du wärst auf dem Highway vor einer Ampel gestrandet.
Beim Return ist es ähnlich.
Dein Gegner serviert, du spielst den Return und bewegst dich sofort Richtung Platzmitte. Ob du je dort ankommen wirst, das entscheidet die Dynamik des Ballwechsels. Das entscheidet der nächste Schlag deines Gegners.
Aber du bleibst in Bewegung, deine Bewegungen bleiben im Flow und du verlässt den Ballwechsel-Highway nicht. Das gibt dir eine viel besser Option, dich gut zum nächsten Schlag stellen zu können.
Das Stehenbleiben nach einem Schlag unterbricht den Flow in deinen Bewegungen. Du kommst vom Highway ab.
In unserem Beispiel schaute Peter seiner Vorhand begeistert hinterher.
Er war vom Highway abgekommen.
Er hat sich weder zurück Richtung Mitte bewegt, noch hat er sich anderweitig auf den nächsten Schlag vorbereitet. So verlor er wichtige Millisekunden, um sich perfekt zum nächsten Schlag bewegen zu können.
Wir schreiben an dieser Stelle in unser Tennis-Tagebuch:
Bleibe nicht stehen nach einem Schlag. Bleibe in Bewegung.
Coach Vogl wurde früher feuerrot um die Nase, wenn wir Kids nach einem Schlag stehenblieben. Bereits im Einspielen flog er um uns herum und verbesserte:
" ... Vorhand spielen, Füße bewegen, nicht stehenbleiben!".
Er legte größten Wert darauf, dass wir während eines Ballwechsels keine Sekunde stur auf einer Stelle, auf dem ganzen Fuß, stehenblieben. Das hat sich so krass in meinem Kopf eingebrannt, dass ich es 30 Jahre später immer noch parat habe.
Niemals Stehenbleiben nach einem Schlag. Niemals auf der ganzen Sohle bewegen.
Aber warum war das Coach Vogl so wichtig im Verbandstraining? Das ist ein Mini-Detail, das scheinbar nicht entscheidend ist. Lass uns kurz überlegen, warum dieses Detail unserem Coach so wichtig war.
Bleibst du während des Ballwechsels keine Sekunde stehen, bleiben deine Bewegungen im Flow. Flow bedeutet Fokus. Fokus erhöht deine Konzentration auf den Ball. Du kennst das ja, wenn man im Ballwechsel nach drei Schlägen sein Timing verliert.
Bevor man dieses Timing verliert, verlierst du deinen Fokus.
Schau:
Allein das in die Knie gehen und das Verlagern des Körpergewichts nach unten, bringt dich in eine coole Fokus-Position.
Schau dir mal Jannik Sinner an.
Er spielt nahezu jeden Ballwechsel in einer Skifahrer-Position. Allein diese Körperhaltung sorgt für seinen schier unantastbaren Fokus in seinem Spiel. Der Typ hat fast keine Schwächephasen. Er kann sein Niveau unwahrscheinlich konstant halten. Diese Skifahrer-Position ist vermutlich einer der Gründe für diese irre Konstanz.
Deine geistige Haltung und deine Körpersprache sind Partner. Sie profitieren voneinander.
Sinner tippelt immer auf den Zehenspitzen. Er steht in seiner Skifahrer-Position niemals still. Wenn du dir eine gute Körperhaltung für dein Tennis abschauen willst, dann schau dir die Sinner-Skifahrer-Position an.
Coach Vogl wollte uns nicht wie beim Militär ständig in Bewegung sehen, weil er das witzig fand. Er wollte, dass wir vom ersten Schlag an in einen Flow für unsere Bewegungen kommen.
Flow bedeutet Bewegung. Stillstand führt zum Fehler.
Coach Vogl korrigierte uns mit simplen Anweisungen.
Er konnte gut erklären, sodass wir seine Lehren schnell umsetzen konnten.
Klappt das Umsetzen einer neuen Sache beim Tennis, macht das Spaß. Spaß führt zu mehr Spielfreude. Mehr Spielfreude führt zu besserem Tennis.
Was bedeutet das für dich?
Jupp, setze kleine Details perfekt um.
Jage kleine Verbesserungen.
Das ist der Motor deiner Entwicklung als Spieler. Wer keinen Spaß auf dem Court hat, der wird über Jahre oder gar Jahrzehnte stagnieren. Das sehen wir in jedem Tennisverein.
Welche Schritte brachte Coach Vogl uns bei?
Schau:
Ich habe es mir früher in meinen Gedanken so gemerkt:
"Split Step heißt: 'Ich bin bereit!"'. Ab auf die Zehenspitzen, um den Fokus weiter zu schärfen. Kleine Schritte zum Ball, damit der Abstand zum Schlag passt!".
Der Split Step ist mental das Öffnen der Schranke zum nächsten Schlag. Dieser signalisiert: "Vamos! Ich bin am Start!". Dein nächster Schlag beginnt mit dem Split Step. Dein nächster Schlag beginnt nicht mit dem Schlag. Das wird gerne unterschätzt.
Mit dem Bewegen auf den Zehenspitzen unterstützt du diese Bereitschaft. Hast du noch unseren Satz ein paar Zeilen weiter oben parat?
Deine Körpersprache und deine geistige Haltung sind Partner.
Du kannst mit deiner Körpersprache deine mentale Einstellung verbessern. So wie, wenn du völlig deprimiert und ängstlich im Match bist und wie ein nasser Sack zwischen T- und Grundlinie stehst.
Dir sehen die Zuschauer und dein Gegner an, dass du Angst hast.
Deine Körpersprache verrät deine innere Haltung. Du kannst mit deiner Körpersprache aber deine innere Haltung positiv beeinflussen.
Cool, oder?
Der letzte Punkt unserer 3er-Kette ist das bewegen mit kleinen Schritten zum Ball. Ich sehe in den Vereinen dieser Welt häufig Spieler, die mit großen Schritten zum Ball marschieren. Aber warum funktioniert das nur selten?
Warum stehst du so oft zu eng am Ball oder läufst in den Schlag hinein?
Du nutzt zu große Schritte, um von deiner Position an der Grundlinie zum Ball zu kommen. Wenn du nur drei, vier Schritte zum Schlag machen musst, dann nutze kleine Schritte. Sie sind viel besser, um dein Timing zum Ball abzupassen. Wenn du große Schritte nutzt, dann machst du zwei Schritte und - Zack! - der Ball ist schon da. Du kannst dich nicht mehr richtig zur Murmel positionieren.
Ich habe es früher so gelernt:
Kurze Wege zum Ball? Kleine Schritte.
Weite Wege zum Ball? Erst große Schritte, dann kleine Schritte zum Ball hin.
Wir kritzeln in unser Tennis-Tagebuch:
1) Split Step
2) Ab auf die Zehenspitzen
3) Kleine Schritte zum Ball
Ja, jeder Schlag besteht aus verschiedenen Phasen.
Ein Flugzeug hebt nicht direkt ab in Richtung Himmel. Es muss erst Tempo kreieren, bevor es dann abheben kann. Ohne das Kreieren des Tempos könnte es nicht hochsteigen.
Je schneller und dynamischer das Flugzeug anfährt, desto smoother kann es in die Lüfte gleiten.
Bei deinen Schlägen ist es ähnlich.
Je besser deine Schlagvorbereitung ist, desto besser gelingt dir der Schlag. Durch eine verbesserte Schlagvorbereitung stehst du besser zum Ball. Der Abstand zum Ball stimmt. Du hast genügend Zeit, auszuholen und dich zum Ball zu stellen. Dein ganzes Spiel wird ergonomischer, wenn du bei vielen deiner Schläge sauber zur Murmel stehst.
Du kannst nicht zu jedem Ball perfekt stehen. Du kannst deine Schlagvorbereitung aber so gut es dir möglich ist perfektionieren. Und komm, wir Tennisspieler sind kleine Perfektionisten.
Zu dieser Vorbereitung gehören:
Jupp, deswegen ist Tennis so schwer und heißt nicht Curling. Du musst viele kleine Details unter einen Hut bekommen. In kurzer Zeit.
Habe stets im Hinterkopf:
Verbessere kleine Details, um ein besserer Tennisspieler zu werden.
Was kannst du aus diesem Artikel mitnehmen?
Du hast das Geheimnis der ersten drei Schritte zum Ball erfolgreich gelöst. Eine gute Schlagvorbereitung führt dich zu besseren Schlägen.
Du kannst dich auch wunderbar selbst korrigieren, wenn du einen blöden Fehler gemacht hast. Checke sofort, ob etwas bei der Schlagvorbereitung schiefgelaufen ist.
Lass uns zum Schluss die wichtigsten Lehren aus diesem Artikel zusammenfassen:
1) Bleibe im laufenden Ballwechsel immer in Bewegung
2) Nutze den Split Step, um bereit für den nächsten Schlag zu sein
3) Bewege dich auf den Zehenspitzen
4) Bewege dich mit kleinen Schritten zum Ball, damit Timing und Abstand zum Ball möglichst perfekt sind
]]>Entspannt gleitet sie durch das Wasser. Erstaunlich ist dabei ihre Geschwindigkeit.
Die Meeresschildkröte kennt keine Hektik. Ihre Bewegungen sind smooth. Aus einer langsamen Bewegung heraus, kann sie enormes Tempo kreieren.
Was hat diese Meeresschildkröte mit deinem Tennis zu tun?
Gut, dass du fragst. Im Tennis wird "schnell" häufig mit "gut" oder "stark" verwechselt. Wir sehen einen Spieler auf dem Court, sehen wie er den Ball mit Karacho drei Millimeter über das Netz jagt und denken uns:
"Boah, was ein Spieler!".
Die Meeresschildkröte tippt uns aber auf die Schulter. Sie sagt:
"Denk nochmal nach! Du siehst doch an mir, dass schnell nicht immer gut sein muss!".
In diesem Artikel besprechen wir, warum "schnell" nicht gleich "stark" ist.
Es war ein heißer Sommer im Jahr 2001.
Ich war 17 Jahre jung, hatte mich von mehreren Knieoperationen erholt und begann, wieder anzugreifen. Voller Elan wollte ich jeden Ball so hart und flach wie möglich über das Netz spielen. Jeder Schlag sollte perfekt sein.
Das Problem?
Auch wenn ich technisch gut drauf war, unterliefen mir hanebüchene Fehler. Die Ballwechsel waren nie länger als drei, maximal vier Schläge. In der Rally wurde ich von Schlag zu Schlag hektischer.
Ich holte schneller aus, kürzte meine Schlagbewegungen ab und war nicht mehr ruhig im Körper.
Was führte zu dieser Hektik und diesen hanebüchenen Fehlern?
Ich wollte jeden Schlag noch schneller spielen. Wenn mein Spielpartner schnell spielte, wollte ich vom Tempo her noch einen drauf setzen.
Aber es kam Hilfe.
Nach einer Partie kam Hans-Egon zu mir. Egon war damals knapp 70 Jahre jung und hatte mehr Tenniserfahrung als jeder andere im Verein. Er stand am Spielfeldrand und analysierte durch seine große, graue Brille die Spieler auf den Plätzen.
Er klopfte mir auf die schmale Schulter und sagte:
"Marco, es ist immer schwieriger, einen langsamen Ball zu beschleunigen, als einen schnellen Ball noch schneller zu machen!".
Dieser Satz ist mir bis heute im Kopf. Lass uns weiter schauen, wie du mit diesem taktischen Konzept dein Tennisspiel verbessern kannst.
Was bedeutet "verbessern" in diesem Sinne?
Lass uns schauen, wie wir das in dein Spiel implementieren können.
Wir haben einen großen Denkfehler.
Zuletzt sprach ich mit Marcel Hornung darüber.
Langsame Bälle laden dazu ein, sich auch langsamer zu bewegen.
Was bedeutet "langsamer bewegen" in unserem Kontext?
Deine Körperspannung fällt ab. Du tänzelst nicht zwischen den Schlägen. Du stehst nicht auf den Zehenspitzen. Du bewegst dich nicht aktiv auf die Murmel zu.
Weil der Ball langsamer ist, sind auch deine Bewegungen langsamer. Das ist eine interessante These für die Gehirnforschung. Wahrscheinlich reagiert dein Gehirn auf die Wahrnehmung, dass der Ball langsamer durch die Luft fliegt.
Du kannst dich aber nicht auf dein Gehirn verlassen.
Wenn du dich langsamer zum Ball bewegst, dann geht dir dein Timing für den Schlag verloren. Du stehst wie eine durchgekochte Spaghettinudel zum Schlag. Du lässt den Ball zu tief fallen. Du gehst nicht in die Knie und auch dein Fokus auf den Ball ist nur halbherzig.
Wir erleben dieses Phänomen bei den vermeintlich leichten Vorhandschlägen aus dem T-Feld.
Dein Gegner spielt dir ein Ei mit 4,8 km/h aufs T. Du hast genug Zeit. Zu viel Zeit. Auf dem Weg zu diesem Ball überlegst du, wie du dieses Geschenk verwerten kannst.
In genau diesen Situationen passieren dir Fehler, über die du dich anschließend die nächsten fünf Punkte ärgerst.
Langsame Bälle sind schwieriger zu beschleunigen, weil du diese langsamen Bälle aggressiver spielen musst. Du sitzt im Pilotensessel. Du musst den Ball von Null auf beschleunigen.
Das wird schwierig, wenn du dich langsamer bewegst und nicht aktiv auf die Bälle zugehst.
Lass uns über Aggressivität sprechen.
Aggressivität bedeutet beim Tennis nicht nur, die Filzkugel mit 250 km/h über das Netz zu jagen. Aggressivität bedeutet auch:
Du gehst mit vollem Fokus auf den Ball zu. Mit kleinen Schritten, Selbstvertrauen und absoluter Entschlossenheit.
Das Zauberwort ist hier:
Entschlossenheit.
Das Gegenteil von Entschlossenheit ist Zögern. Wer zögert, der verliert beim Tennis. Lass uns kurz dein letztes Match gegen einen Mondball-Zombie analysieren.
Diese Spielertypen löffeln dir jeden Ball langsam und hoch auf deine Rückhand. Dich nervt das, du sagst dir Sachen wie:
"Das hat nichts mit Tennis zu tun!".
Das stimmt, es hat nicht viel mit Tennis zu tun.
Aber was verrät dir der Mondballspieler über dich?
Genau, dass du bei seinen hohen Bällen zu zögerlich agierst. Du gehst nicht entschlossen auf die hohen Bälle zu. Du nimmst sie nicht im Aufsteigen, du triffst sie im Fallen.
Pack mehr Aggressivität in deine Schlagvorbereitung.
Wie kannst du das umsetzen?
1) Gehe aktiv auf den Ball zu, warte nicht auf ihn
2) Nutze dazu viele kleine Schritte, um dich Richtung Ball zu bewegen
3) Fokussiere den Ball mit deinen Augen. Lass ihn nicht aus deinem Visier.
Vor allem bei langsamen Bällen des Gegners musst du den Ball bewusster anschauen. Ein langsamer Ball verzeiht dir keine Unaufmerksamkeit.
Wir wissen jetzt, dass langsame Bälle schwieriger zu handeln sind, als die schnellen.
Was kannst du taktisch bei schnellen Bällen machen? Jupp, ich würde dir empfehlen, diese langsamer zurückzuspielen.
Lass uns tiefer ins Detail gehen.
Eine der für mich wichtigsten Fähigkeiten war früher die Kontrolle über schnelle Bälle. Tennis ist ein Gefühlssport. Du solltest zunächst Gefühl und Kontrolle über deine Schläge gewinnen, bevor du dich mit dem Tempo oder der Platzierung deiner Schläge beschäftigst.
Du musst ein Gefühl dafür entwickeln, ob dein Schlag ins Aus geht oder ins Netz. Im Idealfall spürst du das direkt, nachdem die Murmel deine Bespannung verlassen hat.
Mit diesem Gefühl auf der Plecke kannst du dann beginnen, schnelle Bälle des Gegners zu kontrollieren. Kontrollieren heißt in unserem Falle:
Du lernst, schnelle Bälle mit wenig Tempo, viel Topspin und starker Länge zu entschärfen. Du lernst, das Tempo aus dem Ballwechsel zu nehmen.
Was passiert dadurch mit der Dynamik des Ballwechsels?
Exakt, du gibst dem schnell spielenden Gegner einen langsamen Ball, den dieser dann selbst beschleunigen muss. Du kehrst das Tempo-Konzept um und gibst dem Gegner einen schwierigen Ball. In unserem Falle: Den langsameren Ball.
Denn:
Es ist immer schwieriger, einen langsamen Ball zu beschleunigen, als einen schnellen Ball noch schneller zu spielen.
Das kommt auf deine Spielweise an. Welcher Spielertyp bist du? Gehst du gerne drauf? Suchst du die Winner?
Oder lässt du den Gegner machen und agierst dann als Counterpuncher? Novak Djokovic ist vermutlich einer der besten Counterpuncher aller Zeiten.
Ein Counterpuncher nutzt das Tempo des gegnerischen Schlage aus. Er nimmt das Tempo mit und reagiert auf das, was ihm der Gegner spielerisch gibt.
Wenn du gerne auf die Punkte gehst, warte den richtigen, langsamen Ball ab. Du solltest im Feld stehen, wenn du in den Offensive-Modus schalten willst. Stehst du auf oder hinter der Grundlinie, erschwert dies deine Offensive. Es können für dich ärgerliche Fehler entstehen.
Stehst du aber im Feld, kannst du den richtigen Ball attackieren. Beachte dabei aber deine Entschlossenheit. Wir haben einige Zeilen weiter oben über diese gesprochen. Gehe die Absätze zur Entschlossenheit nochmal durch.
Bist du eher der abwartende Spielertyp?
Dann gilt für dich ebenfalls die Entschlossenheit. Gehe entschlossen auf den langsamen Ball zu. Entschlossen auf den langsamen Ball zuzugehen bedeutet nicht, dass du den Ball auch beschleunigen musst. Eine starke Körperspannung und Aggressivität in der Schlagvorbereitung ist auch wichtig, wenn du den Ball halbhoch und mit Spin spielen willst.
Du kannst deine Aggressivität auch in den Topspin packen.
Lass uns das Gelernte zusammenfassen:
Dieser Artikel zeigt dir:
Klingt cool?
Dann starten wir:
Der Slice fliegt langsam auf dich zu.
"Ach, da hab ich ja noch Zeit!" - denkst du dir.
Und dann, zack!
Der Ball tippt auf deiner Seite auf. Er wird pfeilschnell, flach. Du hast keine Zeit mehr, dich auf den Schlag vorzubereiten.
Ergebnis?
Deine ersten Schläge auf Teppichboden sind wie eine andere Sportart. Treffpunkt zu spät. Viele Schläge gelingen dir nur in Rücklage. Das Tennis auf Teppich unterscheidet sich vollkommen von dem Tennis auf Sand.
Das gilt auch für deine Schuhe.
Der Teppichboden verlangt von deinem Schuhwerk ganz andere Qualitäten. In diesem Artikel besprechen wir, wie du die besten Tennisschuhe für dein Tennis auf Teppich findest.
Lass uns starten.
Die Asche draußen ist rutschig.
Du brauchst Grip, um nicht ins Schleudern zu geraten. Auf Teppich ist das Gegenteil der Fall.
Der Boden ist stumpf.
Du kannst nicht rutschen und musst alle Bälle auslaufen. Das ist nichts für Beinarbeit-Minimalisten. Bei Sandplatzschuhen hast du die Grätensohle, die dir Grip gibt.
Bei Tennisschuhen für Teppich benötigst du das Gegenteil:
Kein Profil, eine glatte Sohle.
Wir wurden früher beim Training vom Teppichboden geschmissen, wenn wir Schuhe mit Sohle trugen.
Das nicht vorhandene Profil der Teppichschuhe gibt dir die Chance dich besser auf dem Court zu bewegen. Du machst den Teppich nicht kaputt.
Die richtige Sohle – das A und O.
Der wichtigste Unterschied zu anderen Tennisschuhen ist die Sohle, weil Teppichplätze empfindlich und glatt sind.
Glatte oder leicht angeraute Sohle bedeutet:
Keine tiefen Profile oder Rillen. Diese könnten am Teppich „kleben“ und Verletzungen oder Schäden verursachen. Stichwort: Carpet-Sohle oder Indoor-Sohle.
„Non-Marking“ Gummi:
Die Sohle darf keine schwarzen Streifen auf dem Boden hinterlassen. Achte auf den Hinweis „non-marking“ auf der Produktbeschreibung oder auf der Schuhsohle selbst.
Mehr dazu gleich.
Da Teppichplätze oft hart und stumpf sind, sollten deine Schuhe ausreichend Dämpfung bieten:
Dämpfungssysteme (z. B. Gel bei Asics, Air bei Nike, EVA bei Head/Babolat) schützen deine Knie und Sprunggelenke. Achte auch auf eine gute Beinarbeit. Mehr Schritte geben dir eine viel bessere Balance in den Rallys.
Eine stabile Fersenkappe verhindert das Umknicken bei schnellen Richtungswechseln.
Der Schuh sollte im Mittelfußbereich festen Halt bieten. Bedenke, dass zu viel Beweglichkeit zu Instabilität führt.
Ein Schuh kann technisch ein Grand-Slam-Champ sein.
Wenn er nicht richtig sitzt, bringt dir das nichts. Achte auf einen festen Sitz an der Ferse, ohne zu drücken. Genug Platz im Zehenbereich ist wichtig, damit du beim Abstoppen nicht anstößt. Seitlicher Halt ist auf Teppich besonders wichtig, da der Untergrund weniger nachgibt.
Plus: Atmungsaktives Obermaterial (z. B. Mesh oder Mikrofaser) verhindert übermäßiges Schwitzen.
💡Tipp: Probiere Tennisschuhe immer mit deinen Tennissocken an. Das kann den Sitz deutlich verändern.
Auf Teppich spielt man oft schneller, mit kurzen, flachen Bewegungen. Dein Körpergewicht ist die meiste Zeit nach unten verlagert. Es entsteht mehr "Arbeit" für deine Gelenke.
Deshalb sind leichtere Schuhe dein Vorteil.
Leichtgewichtige Modelle ermöglichen dir schnelle Richtungswechsel. Trotzdem sollte der Schuh nicht zu weich oder instabil sein. Sonst verlierst du Standfestigkeit bei seitlichen Bewegungen.
Und seitlich bewegst du dich mit Abstand am meisten in deinen Ballwechseln.
So, wir haben uns warm gespielt.
Lass uns im weiteren Verlauf dieses Artikels herausfinden, wie du den perfekten Schuh für deine Hallensaison findest. Ich möchte dir eine bestmögliche Orientierungshilfe geben.
Ich kann dir schlecht einen Schuh direkt in deine Tasche packen. Aber ich kann dir die besten Informationen und Empfehlungen liefern.
Vamos!
Teppich lässt sich am ehesten mit Rasen vergleichen.
Die Murmel springt flacher ab. Der Ball wird schneller, wenn er auftippt. Topspin wird auf Teppich nicht so gut angenommen, wie auf Sand. Dafür wird ein Slice ultraschnell und flach.
Das Spiel auf Teppich ist im Vergleich zum Spiel auf Sand viel schneller. Die Murmel ist schneller bei dir. Du hast zwischen deinen Schlägen weniger Zeit.
Auf Sand- und Hartplatz hast du zwischen deinen Schlägen mehr Zeit, um dich auf den nächsten Schlag vorzubereiten. Dazu ist der Ball im Spiel viel flacher unterwegs. Es kann dir passieren, dass du zu Beginn der Hallensaison mehr Fehler ins Netz machst.
Was nicht schlimm ist, wenn du die Ursache kennst.
Wir halten fest:
Auf Teppich springt der Ball viel flacher ab, als auf Hartplatz oder Sandplatz. Der Topspin wird auf Teppich nicht so gut angenommen wie auf Sand. Die Ballwechsel sind auf Teppich viel schneller als auf Sand- oder Hartplatz.
Wir hatten ein paar Zeilen weiter oben kurz darüber gesprochen.
Der Begriff „Non-Marking“ bedeutet wörtlich übersetzt:
„Keine Spuren hinterlassend“.
Ein „Non-Marking“-Schuh hat eine spezielle helle, abriebfeste Gummisohle, die beim Spielen keine dunklen Streifen oder Abdrücke auf dem Hallenboden hinterlässt. Das ist auf Teppichboden besonders wichtig.
Du willst ja nicht den Hallenbesitzer verärgern.
Schwarze oder harte Sohlen können sichtbare Reibespuren oder Verfärbungen hinterlassen, die sich oft nicht mehr entfernen lassen. Viele Hallen schreiben das explizit vor.
Non-Marking-Sohlen bestehen aus helleren, weicheren Gummis, die zwar guten Grip bieten, aber den Boden schonen. Eine helle Sohle ist nicht automatisch non-marking – entscheidend ist die Materialmischung.
Seriöse Marken kennzeichnen ihre Modelle daher mit einem kleinen Schriftzug auf der Sohle oder im Produkttext:
“Non-Marking Sole” oder “Indoor/Carpet”.
Hier findest du einen Test zum Babolat Pure Drive.
Hier ist eine Checkliste mit Merkmalen für Tennisschuhe für Teppichboden.
Ich kann dir aus meiner Erfahrung sagen:
Mir waren leichte Schuhe mit einer komplett glatten Sohle am liebsten.
Du kannst diese Checkliste als Kriterien heranziehen, wenn du dich auf die Suche nach dem idealen Schuhwerk für deine Wintersaison machst:
Non-Marking / profillose oder nahezu glatte Sohle
Kein grobes Profil, um Streifen zu vermeiden.
Mischung und Material der Außensohle
Eine weichere Gummimischung kann mehr Grip ermöglichen, aber sie darf nicht zu weich sein, sonst verschleißt sie schnell. Du willst ja was von deinen neuen Schuhen haben.
Dämpfung und Zwischensohle
Eine gute Dämpfung ist wichtig für deine Gelenke.
Ich hatte große Probleme mit dem Knie. Teppich ist kein Belag, der deine Gelenke schont. Du kannst also einen großen Wert auf eine gute Dämpfung legen.
Stabilität und Seitenhalt
Verstärkungen an Seiten, Zehen- und Fersenbereich, um Abrutschen bzw. Umknicken zu vermeiden — besonders bei schnellen seitlichen Bewegungen.
Gewicht und Flexibilität
Ein idealer Schuh bietet dir eine gute Balance: nicht zu schwer, damit du agil bleibst, aber stabil genug. Flexibilität im Vorfußbereich ist für Richtungswechsel wichtig.
Atmungsaktivität
Mesh oder Lüftungsöffnungen, die Feuchtigkeit ableiten, damit der Fuß auch bei Anstrengung nicht überhitzt.
Passform und Komfort
Ausreichend Platz im Zehenbereich, gute Fersenfixierung, guter Sitz ohne Druckstellen.
Ersatzpaar
Wenn du oft in der Halle spielst, lohnt sich ein zweites Paar, damit sich der Schuh nicht zu schnell abnutzt.
Babolat SFX Evo Carpet

Head Sprint Pro 4.0 Carpet

Mirage 650 IDC Teppichschuh Herren

K‑Swiss Court Express Carpet

Das sind die Topmodelle, die ich dir empfehlen kann.
Bedenke aber:
Schuhe sind eine völlig individuelle Geschichte. Du musst für dich entscheiden, was du auf dem Teppich rocken willst. Ich mag zum Beispiel die Marke K-Swiss am liebsten und würde bei dieser bleiben.
Wir sprechen gleich noch darüber, worauf du vor dem Kauf achten solltest.
Trage deine Teppichschuhe nur auf Teppich zum Tennis. Das klingt banal, ist aber der wichtigste Punkt:
Nie draußen benutzen!
Nicht, dass du deine Teppichtreter noch auf der roten Asche im April trägst.
Schon wenige Minuten auf Asphalt oder Beton zerstören die feine, glatte Sohle. Der Gummi raut auf, kleine Steinchen setzen sich fest – und du verlierst den für Teppich typischen „kontrollierten Gleitmoment“.
Tipp: Trage die Schuhe erst direkt am Platz – viele Hallen haben Sitzbänke oder Umkleiden genau dafür.
Teppichböden setzen feinen Staub und Fasern frei, die sich in der Sohle festsetzen und Grip kosten. Was kann dir helfen?
Reinige die Sohle mit einer weichen Bürste oder einem feuchten Tuch. Das macht nicht immer Spaß, verlängert aber die Lebensdauer und vor allem die Qualität deiner Schuhe.
Nutze aber keine aggressiven Reiniger oder Lösungsmittel. Die greifen das Gummi an. Bei stärkerer Verschmutzung helfen dir lauwarmes Wasser und ein bisschen Seife.
Tausche oder lüfte regelmäßig die Einlegesohlen. Wenn du viel spielst, lohnt sich ein zweites Paar Einlegesohlen, das du wechseln kannst. Das sind Kleinigkeiten, die die Lebensdauer deiner Schuhe verbessern können.
Du kennst ja unser Motto:
Kleine Hebel, große Wirkung.
Das gilt nicht nur für dein Spiel, sondern auch für deine Ausstattung.
Lass deine Schuhe nicht im Kofferraum oder feuchten Taschen verhungern. Hitze oder Nässe lassen Kleber und Dämpfung schneller altern. Am besten besorgst du dir einen atmungsaktiven Schuhbeutel oder.
Die hatte ich früher schon als Kind.
Auch wenn Teppichschuhe glatte Sohlen haben, nutzen sie sich mit der Zeit ab.
Achte regelmäßig auf abgeriebene Sohlenbereiche. Diese verringern deinen Halt auf dem Court. Lockere Nähte oder eingedrückte Dämpfung können mit der Zeit ebenfalls auftauchen.
Ein gut gepflegtes Paar Tennisschuhe für Teppich hält im Schnitt:
Teppichplätze sind empfindlich und sehr glatt. Schuhe mit Outdoor-Profil (z. B. für Sand oder Hartplatz) haben zu viel Grip und können:
Teppich-Tennisschuhe haben dagegen eine glatte, non-marking Sohle, die kontrolliertes Gleiten erlaubt und den Boden schützt.
„Carpet“ ist die englische Bezeichnung für Teppichboden.
Wenn auf einem Schuhmodell „Carpet“ steht, ist es speziell für Hallen mit Teppichbelag entwickelt worden.
Diese Schuhe besitzen:
und oft eine etwas weichere Dämpfung für den harten Hallenuntergrund.
„Non-Marking“ bedeutet wörtlich: „keine Spuren hinterlassend“.
Die Sohlen dieser Schuhe bestehen aus einem besonders hellen, weichen Gummi, der beim Spielen keine schwarzen Streifen oder Gummirückstände auf dem Teppich hinterlässt.
In fast allen Tennishallen sind nur Non-Marking-Schuhe erlaubt, um den Boden zu schonen.
Der Hinweis steht meist auf der Schuhsohle oder in der Produktbeschreibung.
Die Sohle sollte möglichst glatt sein. Leicht angeraut ist auch okay, aber keine tiefen Rillen oder Noppen!
Ein gutes Teppichmodell bietet:
und schont den Teppich, weil sich keine Fasern im Profil verfangen.
Merke: Je glatter der Teppichbelag in deiner Halle, desto glatter darf auch deine Schuhsohle sein.
Da Teppichböden oft relativ hart und wenig federnd sind, sollte der Schuh über eine gute Dämpfung verfügen. Vor allem im Fersen- und Mittelfußbereich. Bedenke, dass du dich auf Teppich mehr bewegen musst und die Ballwechsel schneller sind.
Typische Systeme sind:
Eine gute Dämpfung schont deine Knie, Sprunggelenke und Rücken - besonders bei längeren Matches.
Fester Halt an der Ferse, ohne zu drücken. Guter Seitenhalt ist wichtig, damit du bei schnellen Richtungswechseln stabil bleibst. Und die Vorhand aus dem Lauf auch gut kommt.
Dazu empfehle ich dir: Ausreichend Platz im Zehenbereich, um Blasen und Druckstellen zu vermeiden. Atmungsaktives Obermaterial, damit deine Füße nicht überhitzen.
Probiere Tennisschuhe immer mit deinen Tennissocken an. Sie beeinflussen das Volumen im Schuh deutlich.
In der Regel ja.
Teppich ist ein schneller Belag, auf dem du dich viel bewegst und kurze, viele Schritte machst.
Leichtere Schuhe ermöglichen dir in diesen Rallys:
und weniger Ermüdung.
Aber: Ein zu leichter Schuh kann an Stabilität verlieren. Ideal ist eine Balance zwischen Gewicht und Halt.
Besser nicht.
Allcourt- und Hardcourt-Sohlen sind zu stark profiliert und bieten zu viel Grip für Teppich.
Das kann das Gummi am Teppich hängen bleiben lassen, den Belag beschädigen und dein Verletzungsrisiko erhöhen.
Wenn du regelmäßig in der Halle spielst, lohnt sich ein eigenes Paar Carpet-Schuhe.
Bekannte Hersteller mit speziellen Carpet-Modellen sind:
Diese Marken entwickeln gezielt Sohlenmischungen, die dir auf Teppich optimalen Halt bieten.
Das hängt von deiner Nutzung ab:
1–2x pro Woche spielen: etwa 1,5–2 Saisons
3–4x pro Woche spielen: etwa eine Hallensaison
Du erkennst den Verschleiß an einer abgenutzten oder leicht glänzenden Sohle, nachlassender Dämpfung und instabilem Sitz. Mit guter Pflege (regelmäßiges Reinigen, Trocknen, nicht draußen tragen) kannst du die Lebensdauer deutlich verlängern.
Ja, aber hauptsächlich in:
Technisch sind die Modelle vergleichbar. Entscheidend ist, dass der Schuh perfekt sitzt, egal ob Damen- oder Herrenmodell.
Nur bedingt.
Auf glatten Kunststoff- oder PVC-Böden funktionieren sie meist gut, auf Sand oder Hartplatz aber nicht. Dort fehlt dir der Grip, und die glatte Sohle nutzt sich viel schneller ab.
Wir haben alles zusammen.
Du hast jetzt alle relevanten Informationen, um den für dich besten Tennisschuh für Teppich zu kaufen. Dazu hast du auch eine kleine Auswahl von Schuhen bekommen.
Denke aber für dich. Kaufe nicht blind ein paar, nur weil es cool aussieht. Gehe in einen Laden, trage die Schuhe mit Tennissocken zur Probe und entscheide erst dann, welchen Schuh du kaufen willst.
Wenn du noch Fragen hast, schreibe gerne einen Kommentar unter diesen Artikel.
Dein Marco
]]>Kennst du das?
Im Training läuft der Arm.
Die Vorhand zischt wie bei Prime-Federer (na ja… fast). Dein Aufschlag ist solide, die Rückhand sicher. Selbstvertrauen? On top.
Doch dann kommt das Turnier.
Match-Tag.
Und plötzlich ist dein Arm so steif wie dein Schlägergriff.
Die einfachsten Vorhände landen im Netz, du atmest flach und dein Kopf brüllt dich an:
„Bitte keinen Fehler machen!“.
Willkommen im Club.
So geht es fast jedem Hobbyspieler. Im Training frei und locker. Im Match verkrampft und nervös.
Aber keine Sorge: Es gibt einen Ausweg.
Routinen und Ballwechsel-Strukturen sind wie dein persönliches Navigationssystem.
Sie bringen dich zurück auf die Spur, wenn die Nerven verrücktspielen. Und das Beste: Du musst kein Profi sein, um davon zu profitieren.
Routinen sind kleine Gewohnheiten, die dir Halt geben.
Siehe Rafas "Flaschenzauber" beim Seitenwechsel.
So etwas wie ein Anker, wenn dein Kopf Achterbahn fährt. Profis nutzen Routinen und wir Hobbyspieler dürfen gnadenlos abkupfern.
Beispiele gefällig?
Rafa Nadal hatte neben seinem Flaschenzauber auch noch den Hosenzupfer-Zauber. Er zupfte sich vor jedem Aufschlag an der Hose herum. Das war fester Bestandteil seiner Aufschlag-Routine.
Stefanos Tsitsipas geht vor dem Return an der Grundlinie Auf und Ab. Schnell, dynamisch - nur leider nicht mehr mit so viel Erfolg. Dennoch ist das ein gutes Beispiel für eine Routine.
Alexander Zverev tippt den Ball vor seinem Aufschlag stets direkt auf die Grundlinie. nicht einen Zentimeter davor oder dahinter. Nein, er tippt die Murmel direkt auf die Grundlinie.
Routinen sind wie ein Reset-Knopf. Sie holen dich raus aus der Grübelfalle und rein ins Hier und Jetzt. Und das Beste: Sie sind total individuell.
Was für Nadal das Hantieren mit den Trinkflaschen ist, kann für dich der kurze Blick in den Himmel sein.
Sportpsychologen sind sich einig:
Routinen wirken wie mentale Zaubertricks.
Studien zeigen, dass Athleten mit festen Abläufen weniger Stress spüren, cooler bleiben und sogar ihre Fehlerquote senken. Klingt nach Hokuspokus – ist aber messbar. In Tests warfen Basketballer ihre Bälle zuverlässiger, wenn sie vor jedem Wurf ein kleines Ritual durchzogen. Golfer lochten mehr Putts ein.
Tennisspieler trafen die Murmel konstanter und machten weniger Fehler.
Kurz gesagt: Dein Kopf beruhigt sich, der Körper läuft auf Autopilot. Genau das, was wir im Turnier so dringend brauchen.
Klingt noch zu kompliziert?
Ich möchte es dir mit diesem Artikel so einfach wie möglich machen, Routinen in dein Verhalten auf dem Court zu integrieren. Jepp, wir sprechen hier von Verhalten.
Denn:
Jedes deiner Matches ist ein Abspulen deiner Gewohnheiten.
Fies, oder?!
Aber wenn du mal in dich gehst und dich ernsthaft hinterfragst, dann wirst du exakt das feststellen. Du machst immer dieselben Fehler. Deine emotionalen Reaktionen sind gleich. Und klar, auch deine starke Vorhand ist gleich.
Routinen helfen dir, deine Gewohnheiten zu verbessern oder schlechte Gewohnheiten durch bessere zu ersetzen. Die Wissenschaft ist sich da einig:
Willst du eine schlechte Gewohnheit durch eine gute Gewohnheit ersetzen, musst du diese neue Gewohnheit 21-mal durchführen.
Damit du Futter für deinen Kopf bekommst, hier ein paar Ideen für positive Routinen:
Das waren Routinen.
Alles, was außerhalb des Ballwechsels stattfindet.
Jetzt kümmern wir uns um Ballwechsel-Strukturen, Spielmuster - Taktik. Alles, was innerhalb der Rally stattfindet.
Früher hatte mein Trainer immer zu mir gesagt, dass ein planloser guter Spieler immer gegen einen planvollen schwächeren Spieler verlieren wird.
Das war nach einem Match gegen einen lupenreinen Mondball-Zombie.
Ich ging sang- und klanglos bei einem Turnier in Dortmund unter. Mein Gegner war keinesfalls stärker. Er spielte keinen Schlag besser als ich. Er war auf den Beinen flinker, aber sonst?
Waren wir uns ähnlich.
Aber dieser Typ spielte mir hoch auf die Rückhand, rückte dann zwei Schritte ins Feld vor und attackierte meine kürzeren Bälle auf seine Mondbälle.
Das war ein klarer Plan, den ich gegen diesen Typen nicht hatte. Ich hatte null Ahnung, wie ich meine Ballwechsel aufbauen sollte.
Damit dir nicht ein ähnliches Match vor das Racket gelaufen kommt, sprechen wir jetzt über Ballwechsel-Strukturen und Spielmuster für dein bestes Tennis.
Klingt erstmal nach Matheunterricht, oder?
Keine Sorge, es geht nicht um komplizierte Formeln, sondern um einen Plan für deine Punkte.
Ballwechsel-Strukturen sind wie deine „Lieblingswege“ im Match. Feste Muster, die du spielst, wenn der Kopf im Turnier wieder schreit: „Hilfe, wie spiele ich den nächsten Punkt?“
Beispiel:
Aufschlag nach außen → Gegner läuft raus → nächster Ball in die offene Ecke.
Oder:
Cross auf die Rückhand → warten, bis der Ball etwas kürzer wird → dann die Vorhand longline ins Feld nageln. Das Schöne daran: Du musst nicht bei jedem Ball neu überlegen. Du folgst einfach deinem Muster.
Wie beim Navi im Auto: „Biegen Sie links ab.“
Ballwechsel-Strukturen geben dir Sicherheit, weil du weißt, wohin du den nächsten Ball spielst. Es geht gar nicht so sehr darum, unglaublich kreative Spielzüge zu entwickeln oder ein Spielzug-Einstein zu werden.
Das ist nicht das Ziel.
Dein Ziel mit Spielmustern ist es, klare Pläne für deine Ballwechsel zu haben. Dass du weißt, welchen Spielzug, welches Spielmuster, du wann spielen kannst.
Lass uns mal schauen, wie solche Spielmuster für dein Spiel aussehen könnten.
Muster 1: Der Rückhand-Test
Spiele konsequent cross auf die Rückhand deines Gegners.
8 von 10 Hobbyspieler mögen ihre Rückhand nicht (ehrlich!). Warte, bis ein kurzer Ball kommt. Dann Attacke mit der Vorhand.
Simpel, klar. Aber ein klarer Plan für deinen nächsten Ballwechsel.
Muster 2: Aufschlag + 1
Aufschlag nach außen. Sei es auf der Vor- oder Rückhandseite.
Der Return kommt meist in die Mitte. Direkt mit der Vorhand in die freie Ecke nachlegen.
Einfach, effektiv und gut zu spielen. Du kannst auch gegen die Laufrichtung des Gegners spielen.
Muster 3: Der Geduldige
Spiele drei sichere Bälle cross. Im Idealfall zwischen T- und Grundlinie Halbhoch, mit Spin.
Erst der vierte Ball darf Risiko sein.
Klingt langweilig, macht dich aber zum Fels in der Brandung. Du gibst deinem Gegner Chancen, Fehler zu machen. Völlig unterschätzt im Hobbyspieler-Bereich.
Muster 4: Angriff über die Vorhand
Return cross mit der Vorhand.
Gegner spielt zurück – meist auch cross.
Longline die freie Seite nutzen und ab ans Netz. Keine Angst: du musst nicht wie Federer vollenden, manchmal reicht schon „Ball rüber“. Durch deinen Netzangriff zwingst du deinen Gegner zu einem riskanten Schlag.
Er muss was machen.
Diese Muster sind wie Rezepte.
Manchmal klappt nicht jedes Gericht perfekt – aber wenn du die Basics kennst, wird’s meistens lecker.
Routinen allein sind super. Sie bringen Ruhe in deinen Kopf.
Spielmuster allein sind auch klasse. Sie bringen Ordnung in dein Spiel. Aber das wahre Zaubermittel entsteht, wenn du beides kombinierst.
Stell dir vor:
Vor dem Punkt → kleine Routine: Atemzug, Ball auftippen, Fokus-Satz.
Während des Punkts → klarer Plan: „Drei Mal Rückhand cross, dann Vorhand longline.“
Nach dem Punkt → Reset-Routine: Schläger drehen, Schulter lockern, kurzer Satz im Kopf („Weiter geht’s.“).
So baust du eine Art Sicherheitsnetz. Selbst wenn du nervös bist, kannst du dich immer daran festhalten. Du kommst immer wieder zu dir zurück.
Wir können auch sagen:
Du bleibst im Match bei dir. Du lässt dich nicht von Selbstzweifeln oder bescheuerten Gegnern ablenken.
Oder, wie Rafael Nadal einmal sagte:
„Without routines, I lose concentration. With routines, I find calm and order.”
Ohne Routinen, verliere ich meine Konzentration. Mit Routinen bin ich ruhig und geordnet.
Und genau das ist das Geheimnis: Routinen geben dir den Rhythmus. Spielmuster geben dir den Weg. Zusammen sind sie dein Anti-Chaos-System für Matches.
Hier sind drei weitere Beispiele, die du sofort nutzen kannst:
Routine: Zwei Mal tief durchatmen, Ball drei Mal auftippen, im Kopf: „Erster rein.“
Struktur: Aufschlag nach außen → nächster Ball in die offene Ecke → Punkt aufbauen.
So startest du jeden Aufschlagpunkt mit Ruhe + klarer Route.
Routine: Nach einem Fehler Schläger kurz drehen, Blick nach oben, innerlich: „Nächster Ball.“
Struktur: Nächsten Ballwechsel bewusst auf die gegnerische Rückhand ziehen (Cross-Duelle).
Dadurch lenkst du deine Energie sofort wieder auf ein klares Muster – statt auf den Fehler.
Routine: Auf der Bank immer dasselbe: Schluck Wasser, Handtuch, Schulter lockern, kurzes Motto („Bleib geduldig.“). Feste Gewohnheiten etablieren.
Struktur: Im nächsten Spiel mindestens drei Bälle cross spielen, bevor du riskierst.
So verbindest du mentale Frische mit einer taktischen Bremse – perfekt gegen unnötige Hektik.
Das Prinzip dahinter: Routine beruhigt den Kopf, Struktur steuert den Ball. Und genau dieses Doppel macht dich im Match stabiler.
Das Coole:
All das kannst du in deinen Trainingsspielen oder mit deinem Trainer aktiv trainieren. Es muss nicht immer stur ein Technik-Training sein. Du kannst Routinen und Spielmuster bewusst trainieren, damit du diese Abläufe im Wahnsinn eines Matches effektiver einsetzen kannst.
Folgend ein paar lose Beispiele, wie du Routinen und Spielmuster aktiv trainieren kannst.
Übung 1: Fehler-Routine
Spiele ein ganz normales Trainingsspiel.
Nach jedem Fehler MUSST du dein Ritual machen: Schläger drehen, atmen, Zaun anschauen – egal was.
Klingt komisch, aber so trainierst du, dass dein Körper automatisch reagiert. Dein Unterbewusstsein saugt neue Gewohnheiten auf, um diese dann im Match automatisiert abzuspulen.
Übung 2: Drei-Plus-Eins
Spiele bewusst drei Bälle cross.
Der vierte darf erst riskant sein (z. B. longline oder Angriff).
Am Anfang langweilig, am Ende genial – dein Gedulds-Muskel wächst. Das Drei-Plus-Eins lässt sich wunderbar im Trainingsmatch trainieren. Unterschätze nicht die Macht, wenig Fehler zu machen.
Die meisten Matches werden durch Fehler entschieden. Tennis ist ein Fehlersport - und bleibt es auch.
Übung 3: Aufschlag + 1
Trainiere Sätze nur mit dieser Struktur: Aufschlag nach außen → nächster Ball in die offene Ecke.
Dein Gegner weiß bald, was kommt. Aber egal! Es geht darum, dass es bei dir ins Blut übergeht. Dafür sind deine Trainingsspiele da. Das Ergebnis ist nicht so wichtig wie neue Spielzüge, Taktiken und Routinen, die du dann perfekt im Match umsetzen kannst.
Übung 4: Bank-Routine
Stell dir vor, es ist Seitenwechsel.
Setz dich hin, trink was, wisch Stirn, kurzes Motto („Locker bleiben“).
Dann wieder raus aufs Feld.
Klingt albern im Training, wirkt aber Wunder im Turnier. Im Match fehlt dir die Ruhe und die Zeit, solche Sachen zu trainieren.
Übung 5: Mini-Match mit Muster
Vereinbart vor dem Punkt: „Heute nur Rückhand cross bis einer longline geht.“
Oder: „Immer der dritte Schlag ist ein Angriff.“
So übst du, Routinen bewusst einzusetzen und nicht nur planlos draufzuhauen.
Das Schöne: Diese Übungen machen nicht nur dich besser, sondern auch dein Trainingspartner freut sich, weil endlich Struktur im Training ist (und weniger sinnloses Geballer 😉).
Wenn du noch Fragen zu einer Routine oder einem Spielmuster hast, melde dich in den Kommentaren unter diesem Artikel.
Dein Marco
“Tennis ist ein undankbarer Sport!”.
Das sagte mir ein sehr guter Kumpel, nachdem er beim letzten LK-Turnier im Match-Tiebreak einen Matchball verbaselte und anschließend das Match verlor.
Es war ein einfacher Volley.
Er hätte diesen nur noch reindrücken müssen. Kein schwieriger Schlag. Im Training versenkt er den mit Augenbinde und Bratpfanne.
Tja, im Match?
Nicht.
Du kannst ein famoses Match gespielt haben. Du kannst über weite Strecken des Matches der klar bessere Spieler gewesen sein.
Ein, zwei falsche Entscheidungen im Match-Tiebreak, und du darfst als Gratulant am Netz stehen.
Kein schöner Moment.
Der Match-Tiebreak ist eine Lotterie. Du kannst dich mit deinem Gegner auch ins Clubhaus an einen Tisch setzen und knobeln.
Es sei denn, du machst dir einen gezielten Plan für den CT. Es sei denn, du gehst smart vorbereitet in diese Match-Entscheidungen, die den Blutdruck noch vor dem ersten gespielten Punkt nach oben peitschen.
In diesem Artikel besprechen wir, wie du mit mentaler Fitness und taktischer Finesse den Match-Tiebreak attackierst.
Wie ein Champion.
Der Match-Tiebreak ist die schnelle Entscheidung bei Satz-Gleichstand.
Früher wurde in Medenspielen der dritte Satz als normaler Satz gespielt. Der Match-Tiebreak, oder Champions-Tiebreak, hat sich im Amateurbereich mit der Zeit durchgesetzt. Er verkürzt die Spiele, ohne den Matches dabei die Spannung zu nehmen.
So müssen die Spieler am Wochenende nicht den ganzen Tag auf der Auswärtsanlage des gegnerischen Teams verbringen, bevor es am Montag wieder zur Arbeit geht.
Vor allem im Seniorenbereich wird der Match-Tiebreak, kurz CT, häufig gespielt.
Der Match-Tiebreak ist dabei ein ganz normaler Tiebreak, der aber bis zehn statt nur bis sieben gespielt wird. Die Seiten werden, wie im normalen Tiebreak, nach allen sechs Punkten gewechselt. Diese Seitenwechsel finden schnell statt.
Sollte es im Match-Tiebreak 9:9 stehen, gewinnt der Spieler, der zuerst zwei Punkte Vorsprung hat.
Klingt nach einer nervenaufreibenden Sache, nicht wahr? Und das ist sie auch. Der Champions-Tiebreak ist tatsächlich 80 % Kopf. Man könnte auch sagen:
Im Match-Tiebreak spielt der Kopf die entscheidenden Vorhände. Nicht der Arm.
Aber was kannst du in dieser Sudden-Death-Entscheidung aktiv tun, um mental stabil zu bleiben? Lass uns schauen, was es im mentalen Schrank an Medikamenten gibt.
Ein Tennismatch ist ein nervliches Auf und Ab, das im Match-Tiebreak seinen Höhepunkt findet.
Du bist körperlich nur noch bei 30 % und mental bei 20 %. Die letzten Reserven wollen also bestmöglich eingesetzt werden.
Zu Beginn eines Matches bist du körperlich und mental bei 100 %. Ein Tennismatch ist ein physischer sowie psychischer Sprint. Im Match-Tiebreak angekommen, fühltst du dich wie vor einer endgültigen Entscheidung - was dieser Tiebreak auch ist.
Kondition bedeutet immer auch Konzentration. Da du bereits zwei intensive Sätze gespielt hast, fällt auch dein Level an mentaler Kondition.
Siehe diese Grafik:

Wir haben vorhin kurz besprochen, dass der Kopf im Match-Tiebreak die entscheidende Waffe ist.
Bist du frei und klar im Kopf, läuft der Arm locker. Denkst du zu viel nach, lässt du dich von der Spielsituation zu sehr einschüchtern, dann verkrampft dein Arm.
Studien haben herausgefunden, dass Atemtechniken sofort deinen Puls regulieren und senken können.
Mit einem niedrigen Puls sinkt automatisch auch die Anzahl deiner Gedanken in deinem Kopf. Sinkt die Anzahl deiner Gedanken in deinem Kopf, verbessert sich der lockere Schwung deiner Vorhand. Wir müssen keine Mathestrategen sein, um zu ahnen: Das ist eine verdammt coole Gleichung.
Hier eine kleine Routine:
Das ist eine simple Routine, die im Tiebreak deine Nerven kontrollieren kann. Mit weniger Murks im Kopf spielt es sich dann doch einfacher.
Eine weitere mentale Technik ist das Fokussieren auf lösungsorientierte Gedanken.
Klingt komplex, ist es aber nicht.
Schau:
Du kannst im Match-Tiebreak allerlei Quatsch denken und diesen Quark dann auch glauben. Die Spielsituation an sich ist Druck. Warum also sich selbst noch mehr Druck machen?
Wir Tennisspieler sind Meister darin, negativ zu denken.
Wir können die beste Vorhand unseres Lebens gespielt haben. Für uns ist das dann “Normalform”. Wenn der Druck größer wird, dann wird diese Negativität proportional zum Druck größer.
Versuche dich auf die taktischen Lösungen, nicht auf deine Probleme, zu fokussieren.
Das kann man auch “Play to win”-Routine taufen, wenn man möchte.
Denke nicht: “Oh Gott, hoffentlich spielt mir mein Gegner nicht auf die Rückhand!”.
Denke lieber: “Okay, jetzt gut bewegen, Ball anschauen und zwischen T- und Grundlinie spielen!”.
Spürst du den Unterschied? Durch das problemorientierte Denken entsteht eine negative Energie. Durch das positive Gedankenkonstrukt entsteht eine positive Energie.
Welche Energie passt dir besser im Tiebreak? Ich denke, wir sind uns da einig.
Wir halten fest:

Interessant:
Eine Studie untersuchte das Verhalten von Profispielern in Tiebreaks.
Und es gab Unterschiede zwischen den Siegern und den Verlierern der Tiebreak.
Hier die Unterschiede:
Daraus kannst du ein paar Tipps für deinen nächsten Match-Tiebreak mitnehmen.
Hier eine Grafik dazu:

Was uns direkt zum nächsten Punkt führt (unbedingt weiterlesen, wenn du deinen Aufschlag im Tiebreak smarter spielen willst).
Tiebreak bedeutet für dich maximalen Druck.
Um diesen Druck zu regulieren, kannst du smarte Entscheidungen treffen. Der leider schon fast in Vergessenheit geratene Andy Murray war früher einer der besten Aufschläger, ohne ein starker Aufschläger zu sein.
Wie geht das? Wie konnte ein Spieler, der im Grunde schwach servierte, ein starker Aufschläger sein?
Murray servierte unglaublich variantenreich. Klar, er spielte nach seinem Aufschlag auch sehr gut weiter. Aber er musste mit seinem im Grunde schwachen Aufschlag den Gegner erst zu einem schwächeren Return zwingen, um gut weiterspielen zu können.
Das war der Trick an der Geschichte.
Wie servierte Murray, um schwache Returns zu provozieren?
Murray nutzte dazu eine völlig unterschätzte Aufschlagvariation, die jedem Spieler auf diesem Planeten weiterhelfen kann. Sei es Anfänger, Profi oder Ü-70-Haudegen.
Murray servierte seinen ersten Aufschlag mit Slice in den Körper des Gegners. Jepp, den ersten Aufschlag spielte er so, nicht den zweiten. Damit erhöhte er seine Quote beim ersten Aufschlag, sammelte Selbstvertrauen und gab dem Gegner einen schwierigen Return.
Eine coole Kombination.
Im Tiebreak hast du wenig Raum für Fehler. Jede falsche Entscheidung, jeder Fehler, kann der entscheidende Fehler zu viel sein. Da ist die Variation mit dem Slice beim ersten Aufschlag doch eine Option, oder nicht?
Du senkst das Risiko, über deinen zweiten Aufschlag gehen zu müssen. Du gibst dem Gegner eine Aufgabe. Du sammelst Punkte für dein Selbstvertrauen.
Beim Return kannst du ebenfalls strategisch vorgehen.
Leider sehe ich das heutzutage bei Turnieren viel zu selten. Wir haben früher im Verbandstraining gelernt, den zweiten Aufschlag des Gegners zu attackieren. Das begann mit der Körpersprache. Du stellst dich automatisch zwei Schritte weiter nach vorn, wenn dein Gegner über den zweiten Aufschlag gehen muss. Du zeigst Präsenz, du tänzelst, du gehst in den Blickkonakt.
Das macht was mit deinem Gegner.
Dann nimmst du den Return früh. Du gehst aktiv auf den Ball zu. Das heißt nicht, dass du Harakiri spielen sollst. Kontrollierte Offensive, ohne zu viel Gefühl beim Schlag zu verbrennen.
Diese Return-Variation kann dir den entscheidenden Vorteil im Match-Tiebreak bringen. Bleib dieser Taktik treu. Attackiere, körperlich wie auch spielerisch, den zweiten Aufschlag deines Gegners.
Matchorientiertes Training hilft dir, Spielsituationen zu “proben”.
Ähnlich eines Schauspielers, der zunächst Zuhause in seinen eigenen vier Wänden probt, bevor er zum Set fährt. Bei dir wäre das Zuhause das Trainingsspiel und das Set das Meden- oder Turniermatch.
Spiele Match-Tiebreaks im Training.
Starte bei einem speziellen Spielstand, der eine spezielle Matchsituation simuliert. Viele Spieler haben Probleme, die Führung nach Hause zu spielen. Du kannst die Simulation zum Beispiel bei 4:1 für dich starten. Du kannst ganz normal den CT spielen. Du kannst aber auch einen Rückstand oder enge Entscheidungen simulieren.
Starte dazu den Tiebreak bei 7:7 oder auch gerne bei 7:8 aus deiner Sicht.
Bekommst du ein Gefühl dafür, wie du den Tiebreak trainieren kannst?
Sehr gut.
Nutze diese Simulationen auf unterschiedliche Weise.
a - Denke dich in eine echte Matchsituation. Stelle dir ein 13-Mann-Publikum am Spielfeldrand vor. Versuche, die echte Matchsituation in deiner Simulation zu “fühlen”.
b - Probiere unterschiedliche Spielzüge aus. Sieh die Simulation wie ein Training und teste, teste und teste.
Nach deinen Simulationen kannst du die Phasen des Match-Tiebreak analysieren.
Die Analyse wird bei Clubspielern völlig unterschätzt. Nach einem Match oder Trainingsspiel geht es an die Theke, zwei Bierchen werden geschlürft und das Spiel ist vergessen. Was traurig ist, da in der Analyse die hervorragende Option zur Verbesserung versteckt ist.
Analysiere, wann du deine Vorhand wie gespielt hast. Warst du bei den Big-Points vorsichtiger und zu kurz? Wann hast du Fehler gemacht und wann hat dein Gegner Fehler gemacht?
Welche Aufschlagvariationen hast du bei welchem Spielstand genutzt? Hast du überhaupt irgendwelche Aufschlagvariationen genutzt? Oder hast du nur “blind” serviert?
All die Antworten auf diese Fragen liefern dir kleine Matchpläne für den Tiebreak.
Je schneller du diese abhaken, desto besser.
Der Tiebreak verzeiht wenig Fehler. Er verzeiht aber keine langen mentalen Löcher. Wenn du dich über einen Fehler zwei Minuten aufregst, dann kann das drei oder vier weitere leichte Fehler zur Folge haben.
Willst du das?
Willst du deinem Gegner neben dem einen ärgerlichen Fehler noch weitere Geschenke machen, weil du dich nicht im Griff hast?
Ich denke nicht.
Richte dich nach deinem Selbstvertrauen.
Fühlst du den Ball gut im Schläger, gib mehr Gas in der Rally. Fühlst du dich wackelig, gehe vom Gaspedal herunter. Denke aber daran, dass du vermutlich mehr Fehler machen wirst, wenn du Fehler vermeiden willst.
Klingt verrückt, ist aber nicht selten die Realität. Schwinge auch dann locker durch, wenn du die Murmel im Spiel halten willst.
Gehe in die Knie, halte deine Körperspannung und gehe beim Schlag durch den Ball. Das Schlimmste, was dir im Match-Tiebreak passieren kann, ist Angst. Angst führt fast immer dazu, dass der Spieler aus dem Schlag heraus geht, den Ball in Rücklage trifft und damit die Kontrolle über sein Spiel verliert.
Gut, dass du fragst.
Im Tiebreak rate ich dir, mehr Slice-Aufschläge als ersten Aufschlag zu spielen. Du erinnerst dich an Andy Murray und seine Taktik beim Aufschlag aus diesem Artikel? Je mehr erste Aufschläge du ins Feld spielst, desto weniger musst du über deinen zweiten Aufschlag gehen. Folglich gibst du dir die Chance, weniger Doppelfehler zu machen.
Hier gilt Ähnliches wie bei deinen leichten Fehlern. Selbst wenn dir mal ein Doppelfehler von der Bespannung flutscht, bleib cool. Lass dich nicht emotional von einem Doppelfehler kontrollieren.
Wir halten fest:
Trainiere den Tiebreak im Training. Simuliere Spielsituationen und unterschiedliche Spielstände. Nutze unbedingt die Analyse. Prüfe, wie deine Schlagauswahl war, wie du servierst hast und wie du in den unterschiedlichen Phasen des Match-Tiebreaks gedacht hast. Wo war dein Fokus, wenn die Big-Points gespielt wurden?
Attackiere den zweiten Aufschlag deiner Gegner. Zeige Präsenz, indem du zwei Schritte nach vorn rückst.
Das ist Winning Ugly im Match-Tiebreak.
Hake ärgerliche Fehler und Doppelfehler sofort ab.
Liest sich leichter, als es ist. Aber denke immer daran, dass du nicht der Weihnachtsmann bist und nach einem Fehler aufgrund deines Ärgers nicht noch mehr Geschenke verteilen solltest.
Und mental?
Mal gewinnt man, mal verliert man. Du kannst aber immer dein Bestes geben.
Verbandstraining.
Als man im Walkman noch zu seinem Lieblingslied spulen musste.
Die Ballmaschine war grün, groß und laut.
Von der Marke MIHA.
Coach Vogl stellte das "grüne Monster" ein.
Der Vorteil?
Coach Vogl konnte sich neben uns Kids stellen und besser korrigieren. Er war näher an den Spielern, konnte besseren Einfluss nehmen und war schneller mit der Verbesserung technischer Details.
Während ich diese Zeilen schreibe, fällt mir auf:
Durch das Nutzen der Ballmaschine kann der Trainer aus einer anderen Perspektive auf seine Schützlinge schauen. Diese neue Perspektive eröffnet weitere kleine Details, um an der Schlagausführung der Spieler zu feilen.
Und, worum es in diesem Artikel gehen wird:
Du kannst allein mit einer Ballmaschine trainieren. Wenn du genau weißt, wie.
Das magische "Wie?" werden wir gemeinsam in den nächsten Zeilen klären.
Lass uns zunächst schauen:
Wenn du noch nicht allzu lange das Racket schwingst und noch zu den Anfängern gehörst, hast du vielleicht noch nie von einer Ballmaschine gehört.
Oder eine gesehen.
Das ist nicht tragisch.
Eine Ballmaschine ersetzt den Trainer, wenn es um das Zuspielen der Bälle geht. Eine Ballmaschine spielt dir die Bälle in unterschiedliche Richtungen, mit unterschiedlicher Länge und unterschiedlichem Spin zu.
Die Ballmaschine ist aber nicht nur ein Trainerersatz.
Sie kann auch problemlos dazu dienen, um allein zu trainieren. Damit du im Match-Tiebreak die entscheidende Vorhand direkt ins Eck zirkelst.
Ich kenne Leser, die haben ihre Ballmaschine auf Reisen dabei, um nicht aus dem Schlagrhythmus zu kommen. Du kannst aber nicht nur einfach ein paar Bälle schlagen.
Du kannst ein richtiges Training mit einer Ballmaschine und ohne Trainer absolvieren.
Wie das im Detail funktioniert, das besprechen wir gleich.
Eine Ballmaschine kann dich mit Spin anspielen, sie kann dich laufen lassen, sie kann dir schnelle und langsame Bälle zuspielen.
Eben exakt das, was ein Trainer auch tut.
Vielleicht dreht Elon Musk ja völlig durch und bringt bald eine Tesla Ballmaschine auf den Markt, die wie John McEnRoe spricht.
Bis dahin aber ...
Es gibt große, kleine. Tragbare und weniger tragbare Ballmaschinen.
Eine Google-Suche zeigt das folgende Ergebnis:

Von 500 Euro bis 2599 Euro ist alles dabei.
Für ein simples Training ohne Trainingspartner, so wie wir es in diesem Artikel besprechen, brauchst du keine 2599 Euro Ballmaschine. Von Lesern habe ich gehört, dass die Slinger Ballmaschinen sehr gut für "on the Road" sein soll:
Wenn du Trainer bist und die Ballmaschine als festes Tool in dein Training integrieren willst, dann rate ich dir zu einem hochwertigen Modell, von dem du lange etwas hast und das zuverlässig für dich im Trainingsalltag funktioniert.
Kommen wir nun zur Praxis.
Bevor ich dir einen Trainingsplan für ein Training mit der Ballmaschine gebe, müssen wir uns auf die Details spezialisieren.
Wissen ist Macht.
Bei kaum einem anderen Sport ist das zutreffender, als beim Tennis.
Tennis ist ein mental und körperlich fordernder Sport.
Nicht umsonst kann Tennisspielen das Leben um zehn Jahre verlängern, wie Studien belegt haben.
Du wirst bei jedem einzelnen Schlag körperlich und geistig gefordert. Jeder Schlag besteht aus vielen, kleinen Details, die allesamt aufeinander aufbauen. Je besser du diese Bewegungskette bei jedem einzelnen Schlag schaffst, desto besser wird dein Schlag.
Hier mal nur ein kleiner Einblick in diese Bewegungskette, die du bei jedem Schlag auf dem Court ausführst:
Um nur ein paar kleine Details zu nennen.
Irre, was du da alles leisten musst.
Es gibt noch mehr Details, die hier aber den Rahmen sprengen würden.
Du hast jetzt ein Gefühl dafür, was du bei jedem einzelnen Schlag alles unter einen Hut bekommen musst. Das ist auch der Grund, warum du nach dem ersten Satz deine Konzentration verlierst.
Es ist schier nicht möglich, über einen langen Zeitraum voll konzentriert perfektes Tennis zu spielen.
Das berichtete auch Stefan van der Stigchel, Professor für kognitive Psychologie, in diesem Blogartikel. Dafür sind die Anforderungen an Geist und Körper bei jedem einzelnen Schlag zu hoch.
Sei also fair zu dir, wenn du dich das nächste Mal im Medenspiel selbst zerfleischen willst.
Wir haben jetzt all die kleinen, feinen Details beisammen, die bei jedem Schlag entscheidend sind.
An dieser Stelle kommt jetzt die Ballmaschine ins Spiel.
Wenn du mit einer Ballmaschine trainierst, dann hast du einen großen Vorteil:
Du schlägst viele Bälle innerhalb kurzer Zeit.
Das ist entscheidend.
In einer Trainingsgruppe mit drei oder vier Spielern schlägst du nicht annähernd so viele Bälle. Andre Agassi sagte schon, dass das Geheimnis zur Verbesserung des eigenen Spiels sei, viele Bälle in möglichst kurzer Zeit zu schlagen.
So simpel, so lehrreich, so wahr.
Die Ballmaschine gibt dir die Chance, kleine Details deiner Schläge in einer unglaublich hohen Intensität zu trainieren. Diese Kombination kann ein Gamechanger für dein Spiel werden:
Kleines Detail + Training in einer hohen Intensität = besseres Tennis.
Wir gehen da gleich noch detaillierter drauf ein.
Das Prinzip ist zunächst wichtig.
Eine hohe Intensität bedeutet:
Du spielst 45 Minuten mit der Ballmaschine und schlägst dabei 150 Bälle. In einer gewöhnlichen Trainerstunde mit mehreren Personen in einer Gruppe schlägst du vielleicht nur 40 bis 50 Bälle. Du kannst mit einer Ballmaschine deine Intensität um das Dreifache erhöhen.
Weiter gedacht:
Nach einer Trainerstunde, in der dir dein Trainer einen sehr hilfreichen Tipp für deine beidhändige Rückhand gegeben hat, kannst du anschließend mit der Ballmaschine diesen einen Tipp in einer hohen Intensität trainieren.
Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du in kürzerer Zeit eine bessere Rückhand spielst.
Wir haben das Prinzip der erhöhten Intensität durchgesprochen.
Lass uns jetzt darüber sprechen, welche kleinen Details du mit einer Ballmaschine trainieren kannst. Das ist natürlich von Spieler zu Spieler völlig unterschiedlich.
Ein Profispieler wird anders trainieren als ein LK 21er.
Aber die Prinzipien bleiben:
Kleine Details in einer hohen Intensität trainieren.
Das Training mit der Ballmaschine kannst du hervorragend für ein "Schwachstellen-Training" nutzen.
Wenn du jetzt sagst: "Mein Spiel ist eine gesamte Schwachstelle", dann bleib cool.
Du kannst dir ein kleines Detail nach dem nächsten nehmen und so langfristig und wirksam dein Spiel verbessern.
Lass uns jetzt kleine Details durchgehen, die du mit der Ballmaschine trainieren kannst. Wenn wir diese durchgesprochen haben, dann gebe ich dir noch eine kleine Idee für einen Trainingsplan mit der Ballmaschine mit.
Das erste kleine Detail lautet:
Die Vorhand Inside Out ist ein Schlag, bei dem du deine Rückhand umläufst, um dann mit deiner Vorhand quer über den Platz zu spielen.
Schaue hier:

Um diese Vorhand spielen zu können, musst du viele kleine Schritte machen. Viele kleine Schritte sind bei jedem Schlag wichtig, um gut zum Ball zu stehen.
Daher die logische Idee:
Trainiere mit einer Ballmaschine die Vorhand Inside Out, mit Fokus auf deine Beinarbeit.
Du musst deinen Fokus nicht auf den Schlag an sich legen.
Ziel dieses kleinen Trainings ist das Entwickeln deiner Beinarbeit. Die Beinarbeit ist ein Schlüssel zu besseren Schlägen und damit zu einem besseren Tennis. Natürlich kannst du deine Beinarbeit auch mit Linienläufen trainieren - keine Frage.
Aber ein effektives Training der Bewegung zum Ball, matchorientiert, ist dieses Training mit der Ballmaschine. Du wirst in kurzer Zeit viele kleine Schritte machen. Das ist ein Training deines Unterbewusstseins.
Du zeigst deinen Geist, wie man viele kleine Schritte zum Ball macht.
Von diesem Training profitierst du dann bei jedem anderen Schlag. Du nutzt das Training der Vorhand Inside Out, um mit einem Schlag auch alle anderen Schläge zu verbessern.
Ein simples Prinzip. Kompliziert darf es auch nicht sein, denn das ist Tennis schon genug.
Dieses Prinzip ist der Kick-Off zu unseren Übungen.
Kommen wir damit direkt zum nächsten Punkt.
Du kannst völlig gedanken- und planlos hunderte Bälle am Tag schlagen.
Du wirst nicht viel besser werden.
Du kannst aber auch eine Stunde lang mit vollem Fokus auf ein kleines Detail Bälle schlagen. Und du wirst dich in dieser einen Stunde effektiver verbessern.
Ein mögliches Detail?
Deine Bewegungen zum Ball.
Ein oft unterschätztes Detail bei vielen Spielern. Eine gute Bewegung zum Ball verbessert dein Timing beim Schlag. Du stehst besser zum Ball. Du gehst besser vorbereitet in den Schlag.
Wir können auch sagen:
Deine Bewegung zum Ball ist die erste Phase deines Schlages.
Ich habe früher mit einer Ballmaschine exakt diese kleinen Bewegungen zum Ball trainiert. Ich habe die Ballmaschine auf Vorhand und Rückhand eingestellt - und dann gib ihm. Kaum einen Gedanken verschwendete ich an die Schlagausführung.
Was tat ich stattdessen?
Ich fokussierte mich nur auf meine Füße. Große Schritte, um von der Stelle zu kommen. Dann kleine Schritte zum Ball hin.
Bewege dich dabei auf den Zehenspitzen. Viele kleine Schritte sind dein Ziel.
Dann, wenn du zum Ball bereit bist, bleib stehen beim Schlag. Ebenfalls ein Detail, das vielen Spielern abhandenkommt. Sie neigen dazu, in den Ball hineinzulaufen. Sie rennen in den Schlag, sie bleiben nicht stehen.
Daraus ergibt sich ein kleiner Drill, den du hervorragend mit der Ballmaschine trainieren kannst:
1) Große Schritte, um in die Bewegung zu kommen
2) Kleine Schritte zum Ball hin
3) Stehenbleiben bei der Schlagausführung
Aus diesem Drill kannst du eine 45- oder 60-Minuten-Session mit der Ballmaschine zaubern. Konzentriere dich dabei nur auf deine Bewegungen zum Ball und diesen Drill.
Geheimtipp:
Sage dir diesen Drill laut vor, wenn du dich auf dem Weg zum Ball machst.
Beispiel:
Der Ball kommt auf dich zu, sage dir: "Große Schritte!". Du bewegst dich direkt auf den Ball zu, sage dir: "Kleine Schritte, Zehenspitzen!". Dann, in der letzten Phase, sagst du dir: "Stehenbleiben".
Du kannst die Begrifflichkeiten auch abkürzen.
Zum Beispiel so:
"Groß!", "Klein!", "Stehen!".
Oder noch kürzer:
"G!", "K!", "S!".
Du wirst schnell merken, wie deine Bewegungen in einen Flow kommen. Du wirst einen stabilen Rhythmus spüren, der dich optimal zu deinen Schlägen führt. Dann kannst du dir als Aufgabe setzen, diesen Rhythmus zu halten. Achte nicht so sehr darauf, wohin deine Bälle fliegen.
Es geht nicht darum, fehlerfreies Tennis zu spielen.
Es geht bei dieser Übung darum, einen Flow zu kreieren und diesen zu halten.
Plus:
Du wirst in kurzer Zeit enorm viele Schritte machen. Diese vielen Schritten gehen automatisch auf dein Herzkreislaufsystem. Du wirst nicht völlig am Ende sein.
Aber du wirst deine Ausdauer trainieren.
Und zwar so, wie du sie auf dem Tennisplatz auch wirklich benötigst.
Ich bin nicht der allergrößte Fan des Joggens.
Klar, das kann man machen und für viele Leute ist das ein guter Weg fit und gesund zu bleiben. Aber wenn du mal was am Knie hattest und eh verletzungsanfälliger bist, dann würde ich lange Ausdauerläufe von deiner Liste streichen.
Dann lieber ein Ausdauertraining in Form der Übung, die wir gerade besprochen haben. Da schlägst du viele Bälle UND tust was für die Pumpe.
Wir schnappen uns das nächste kleine Detail.
Wann immer du im Match kein Gefühl bei deinen Schlägen und/oder zu viele vermeidbare Fehler machst, korrigiere sofort deinen Treffpunkt.
Was genau meine ich damit?
Dein Treffpunkt besteht aus zwei Elementen:
1) vor dem Körper
2) am höchsten Punkt
Diesen so wichtigen Treffpunkt kannst du hervorragend mit der Ballmaschine allein trainieren. Von außen wird das für Zuschauer nach nichts aussehen. Aber entscheidend ist, worauf du dich konzentrierst.
Was in deinem Kopf abläuft.
Stelle die Ballmaschine so ein, dass du nur Vorhand spielst. Wenn du deine Vorhände spielst, nimmst du dir nur zwei Aufgaben vor:
1) triff den Ball vor deinem Körper
2) triff den Ball am höchsten Punkt
Jepp, es ist wieder ein kleines Detail, das du trainierst. Und wieder ist es nicht allzu wichtig, ob du jeden Ball ins Feld spielst - oder nicht. Entscheidend ist, dass du die Murmel a) vor deinem Körper und b) am höchsten Punkt oder im Aufsteigen triffst.
Das hat wieder viel mit deiner Beinarbeit zu tun.
Und es hat sehr viel mit deiner Konzentration auf den Ball zu tun. Du trainierst mit dieser simplen Übung hervorragend deine Kopf-Schlag-Verbindung. Dein Unterbewusstsein lernt den idealen Treffpunkt des Balles und kann diese neu erlernte Fähigkeit besser im Match abrufen.
Das Prinzip bleibt.
Das Detail bestimmst du.
Viele Clubspieler spielen eine schwächere Rückhand als Vorhand, weil sie auch weniger Rückhände als Vorhände spielen.
Macht halt auch nicht so viel Spaß, die Rückhand.
Aber wenn du immer mal wieder eine kleine Session Rückhand-Training mit der Ballmaschine in deinen Tennisalltag integrierst, dann kannst du auch auf deiner schwächeren Seite nur besser werden.
Ich habe früher meine Rückhand allein mit der Ballmaschine wie folgt trainiert:
1) ich habe 30 Minuten nur Rückhand gespielt
2) ich habe mich auf das konzentriert, was ab dem Treffpunkt des Balles bei der Rückhand entscheidend ist
Wir Clubspieler ziehen die Rückhand oft nicht richtig durch.
Das kleine Detail, das dir hier helfen kann?
Du konzentrierst dich bei deinem Training mit der Ballmaschine nur auf das Durchschwingen des Schlägerkopfes durch den Ball. Das würde ich als eine Art Drill bezeichnen.
Immer und immer wieder fokussierst du dich darauf, den Schlägerkopf durch den Ball zu pfeffern. Dein Ziel ist dabei, ein Gefühl für eine duerchgezogene Rückhand zu gewinnen. Du kannst mit Topspin und Slice experimentieren.
Das ist kein Problem.
Wichtig bei dieser Übung und bei diesem Drill ist, dass du dich zu 100 % auf die Schlägerkopfbeschleunigung ab dem Treffen des Balles konzentrierst.
Neben den von uns erarbeiteten kleinen Details, kannst du natürlich auch Schlagvariationen mit der Ballmaschine trainieren.
Vergissaber auch dabei niemals unser Prinzip:
Kleine Details in einer hohen Intensität trainieren.
Das kleine Detail switcht dann. Du fokussierst dich nicht mehr auf ein kleines Detail deiner Schlagausführung. Das kleine Detail ist dann eben die Schlagvariation.
Was können Schlagvariationen sein?
Hier ein paar Beispiele:
Bei verschiedenen Schlagvariationen variierst du Höhe, Tempo und Länge deiner Schläge.
Schnapp dir für dein Ballmaschinen-Training eine Schlagvariation und trainiere diese 30 bis 45 Minuten. Du wirst ein neues Gefühl für deine Schlagvariation kennenlernen.
Früher habe ich von meinem großartigen Coach Tom, der mir damals das Buch Winning Ugly zeigte, das Geheimnis der Treibschläge gelernt.
Was sind Treibschläge?
Hier ein kurzer Reminder:
Treibschläge sind Topspin-Schläge, nah an die Seitenlinien gespielt. Dadurch, dass dein Topspin-Schlag höher abspringt, geht dieser noch weiter nach außen nach dem Absprung.
Das hier können Ziele für deine Treibschläge sein:

Du kannst dir Bierdeckel oder Ringe an exakt diese Positionen legen.
Dann stellst du dir deine Ballmaschine ein und gehst mit Spin und Höhe auf diese Ziele. Du kannst Treibschläge mit Vor- und Rückhand trainieren. Ich bin aber mehr Fan davon, eine Stärke richtig stark zu entwickeln.
Daher würde ich empfehlen, vor allem deine Vorhand-Treibschläge mit der Ballmaschine zu trainieren.
Stell dir vor, wie giftig deine Vorhand auf den Sandplätzen dieser Welt wird, wenn du diese Treibschläge regelmäßig trainierst.
So, lieber Freund der fliegenden Filzkugel.
Du hast das Prinzip hinter dem effektiven Training mit einer Ballmaschine verstanden.
Du weißt:
Trainierst du allein mit einer Ballmaschine, spielst du viele Bälle in kurzer Zeit. Diese hohe Intensität ist ein großer Vorteil für deine Entwicklung zu einem besseren Tennisspieler.
Das ist das Grundprinzip.
Wenn du jetzt basierend auf diesem Prinzip einen simplen, kleinen, feinen Trainingsplan erstellen willst, würde ich wie folgt vorgehen:
1) finde heraus, was eine Schwäche in deinem Spiel ist
2) trainiere diese Schwäche zehnmal mit der Ballmaschine
3) nimm dir dann deine nächste Schwäche vor
Sagen wir, du hast Probleme mit dem Timing beim Schlag. Du läufst zu oft in die Schläge hinein, du wirst hektisch ab dem dritten Schlag im Ballwechsel und dir unterlaufen allgemein zu viele vermeidbare Fehler in deinen Matches.
Dann empfehle ich dir die "Bewegung zum Ball"-Übung.
Hast du deine Schwäche erkannt und die Übung festgelegt, kannst du dich auf deine zehn Trainingseinheiten stürzen. Diese müssen natürlich nicht hintereinander weg sein. Du musst nicht jeden Tag allein mit der Ballmaschine auf die Tennisanlage.
Du kannst das tun, keine Frage. Aber du musst es nicht.
Du kannst auch zwei- bis dreimal die Woche auf den Court marschieren, bis du zehn Einheiten absolviert hast. Du hast in jeder Session mit der Ballmaschine eine hohe Intensität. Aufgrund dieser hohen Intensität musst du die Frequenz (täglich wäre zum Beispiel eine hohe Frequenz) nicht auf enorm hoch halten.
Wichtig ist nur, dass du regelmäßig trainierst.
Bedeutet:
Die Rechnung ist einfach:
Integrierst du in einer Sommersaison ein regelmäßiges Training mit der Ballmaschine in deinen Tennisalltag, dann schlägst du viel mehr Bälle als zuvor.
Je mehr Bälle du schlägst, desto besser wirst du.
Was wird also passieren, wenn du nur eine Sommersaison dein Training mit der Ballmaschine durchziehst?
Exakt, du kannst nur ein besserer Spieler werden.
Ja, das ist eine gängige Floskel. Dennoch steckt darin so viel Wahrheit! Vor Allem für den „normalen“ Breitensportler. Du brauchst die entsprechende Technik, um Deine Schläge mit der notwendigen Präzision dorthin zu spielen, wo es dem Gegner weh tut.
Dabei darfst Du die 4 anderen, wichtigen Aspekte jedoch nicht vernachlässigen. Die da wären: Fitness, mentale Stärke, Taktik und sogar das Tennis Equipment.
Inklusive der passenden Besaitung. Besonders Letztgenannte wird häufig unterschätzt.
Nur wenige Breitensportler sind sich der Tatsache bewusst, dass ein auf Dein Spiel abgestimmter Tennisschläger die Qualität Deines Tennis enorm verbessert.
Ich würde mich sogar weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, das richtige Racket kann bis zu 20 Prozent an Spielstärke ausmachen.
Die Frage sollte also lauten: „Möchtest Du dieses Potenzial vergeuden oder zu Deinen Gunsten verwenden?“
Übrigens: derselbe Schläger mit einer anderen Besaitung / Bespannungshärte, kann dafür sorgen, dass Du Dich wesentlich selbstbewusster fühlst.
Oder der Schläger Dir wie ein Fremdkörper in der Hand vorkommt!
In Sachen Tennisschläger gibt es so viele Dinge zu beachten.
Unter anderem solltest Du die richtige Griffstärke auswählen, um Verletzungen vorzubeugen. Parallel bestimmen Gewicht, Besaitungsmuster, Material, Kopfgröße, Balancepunkt, Rahmen und Form unmittelbar die Eigenschaften Deines Schlägers. Ist dieser dann gewählt steht eine mindestens genauso schwierige Aufgabe bevor: die passende Saite(n) für Deinen Schläger auszuwählen!
Hier kommt es nicht nur auf den Hersteller und das Produkt an. Sondern ebenfalls auf die Bespannungshärte und ob Du ggfs. unterschiedliche Saiten zeitgleich verwendest (hybrides Setting).
Jede Kleinigkeit kann große Veränderungen nach sich ziehen. Ich selbst habe viele Jahre gebraucht, um mein aktuelles Setting herauszufinden. Dazu habe ich etliche Hersteller und Produkte gegeneinander verglichen. Immer wieder! Nicht nur Schläger, sondern auch Besaitungen.
Was stetiges Testen voraussetzt und nicht immer zwangsläufig zu guten Ergebnissen führt.
Einige Veränderungen werden sich nicht gut anfühlen und Du musst doch nochmal nachjustieren. Andere Veränderungen lassen Dich das Vorherige komplett bezweifeln, obwohl es Monate gedauert hat, zu diesem Punkt zu gelangen!
Glaubst Du mir nicht, dass das Tennis Equipment so große Auswirkungen hat?
Ich weiß es aber aus eigener Erfahrung und kann Dir eine Story dazu erzählen. Die zwar nicht direkt mit der Spielstärke zu tun hat, aber sehr gut aufzeigt, warum die richtige Auswahl des Tennis Equipments so essenziell ist!
Wir schreiben das Jahr 2022. Die Winter-Saison 2022/2023 ist in vollem Gange.
Damals habe ich beim Training ein unangenehmes Gefühl in meinem Handgelenk verspürt. Zunächst dachte ich mir Nichts dabei. Glaubte, es würde bis zum nächsten Training von allein wieder verschwinden. Doch es wurde schlimmer, stechender bei gewissen Bewegungen.
Eigentlich wollte ich deshalb beim letzten Punktspiel aussetzen, um dem Körper Zeit zu geben. Doch es kam anders, weil wir sonst keine 4 Spieler für das Punktspiel zusammenbekommen hätten. Kennt glaube ich jeder Mannschaftsführer nur zu gut, oder? Notgedrungen spielte ich also unter Schmerzen. Im Nachhinein betrachtet keine gute Idee!
Du musst Dir nur einmal vor Augen halten, wie belastend Tennis für Dein Handgelenk und die Schulter sein kann. (Nicht muss!) Kommt ein hart geschlagener Ball auf Dich zu und Du erwiderst dem mit einem Vorhandschlag, gibt es beim Aufprall einen Rückstoß.
Dein Handgelenk ist massiven Belastungen ausgesetzt. Im Normalfall spürst Du das nicht einmal.
Ergänzender Hinweis: Auch wenn das viele Spieler glauben, ein Dämpfer reduziert den Rückstoß des Schlägers nicht! Der Dämpfer hat AUSSCHLIESSLICH Auswirkungen auf den Sound Deiner Schläge. Vielleicht auch ein wenig auf Deine Gedanken im Kopf 😉!
Wenn Du jedoch leichte Probleme mit dem Gelenk hast – wie ich damals. Dann tut jede Kleinigkeit doppelt weh. Du merkst jede Bewegung und jeden noch so kleinen Kontakt.
Leider verschwanden meine Schmerzen nicht über Nacht. Auch nicht nach 4 Wochen kompletter Pause vom Tennis. Was mir sehr schwer fiel, weil ich den Sport so sehr liebe. Ein Gang zum Arzt, Medikamente und Dehnübungen machten meine Probleme nicht unvergessen. Die Situation zog sich über Monate hin, ich war sogar beim Orthopäden. Welcher mir 3 Optionen vorstellte:
Dehnen, Übungen machen und hoffen es verschwindet wieder. (Danke für‘s Gespräch Herr Doktor! :/)
Operativer Eingriff mit Möglichkeit auf bleibende Schäden.
Kortison-Spritze ins Gelenk mit potenziell möglicher Entzündung.
Ich bin in Punkto Arztbesuch eher konservativ eingestellt. Mir gefällt es nicht, wenn Ärzte sofort ohne Not Röntgenbilder machen wollen oder mal schnell einen operativen Eingriff. Oft haben Patienten hinterher größere Probleme als vor dem Eingriff. Ich ernähre mich vegan, bin sportlich und achte auf meinen Körper. In den letzten Jahren hatte ich selten Probleme.
Aus diesem Grund entschied ich mich zunächst für Option 1 und konzentrierte mich weiter auf die Übungen. Obwohl ich schon etwas enttäuscht von den Optionen war.
Jeden Tag morgens, mittags und abends Dehnübungen, die teilweise extrem schmerzhaft waren. Ich bezog nicht nur die Hand mit ein, sondern auch den Unterarm und Oberarm. Informierte mich bei YouTube über erfahrene Orthopäden, die zu dieser Thematik Videos gemacht hatten. Versuchte Zusammenhänge mit anderen Regionen auszuschließen.
Dazu habe ich mir ergonomische Geräte für die Arbeit gekauft, um nicht den ganzen Tag in unnatürlicher Weise vor dem Computer zu sitzen. Was viele solcher Probleme ja befeuert. (Stichworte: Tisch, Stuhl, Maus, Tastatur etc.)
Und dann kommen wir zurück zum eigentlichen Thema des Artikels: Ich habe mir die Frage gestellt, ob meine Handgelenk Verletzung vielleicht durch mein Tennis Equipment verursacht wurde? Zumindest in Teilen.
Ich habe mich das erste Mal in meiner Tennis-Karriere aktiv mit dem Thema Tennisschläger und Tennis Besaitung beschäftigt. Auf Medizin und den operativen Eingriff habe ich natürlich verzichtet. Vorher habe ich das Thema eher von mir weg geschoben und darauf vertraut, was meine Trainer mir sagten.
Tja was soll ich sagen, meine Recherche hat mir die Augen geöffnet.
Überall wo man hinsah, war die Rede von Armprobleme beim Umstieg auf den Tennisschläger, den ich gespielt habe (Wilson Blade V7). Bei uns im Verein war der Blade V7 damals sehr weit verbreitet und tatsächlich folgten nach mir noch andere Spieler, die umgestiegen waren und plötzlich mit Schmerzen kämpften. Problematisch ist jedoch nicht ausschließlich der Schläger selbst gewesen, sondern die Kombination mit der Luxilon Alu Power.
Bis heute verstehe ich den Hype um diese Besaitung ehrlich gesagt nicht. Sie ist verhältnismäßig teuer, hält nicht sonderlich lang.
Sowohl der Blade als auch die Alu Power waren ohnehin nicht gerade für Armschonung bekannt. In Kombination fast schon eine Prophezeiung für Verletzungen. Kurioserweise nutzten die Kombination alle Spieler im Verein, welche den Schläger spielten. Einer der Trainer hat die empfohlen und auch immer schön mit Alu Power besaitet. Unser örtlicher Tennis Store war dazu ähnlich eingestellt, wo genau diese Kombination am häufigsten verkauft wurde.
Verrückt, wenn nicht sogar schon fast fahrlässig!?
Das Ende vom Lied: Ich beschäftigte mich intensiv mit Schlägern, Saiten und deren Eigenschaften. Wollte selbst wissen, was richtig ist und was Du besser nicht mit Deinem Schläger machst. Probierte selbst viele neue Saiten auf dem Tennisplatz aus. Beim Training, in Wettbewerben und jeder anderen Möglichkeit. Nach einem Schläger- und Saiten-Umstieg wurden meine Schmerzen besser und verschwanden.
Seither habe ich keinerlei Probleme mehr mit dem Handgelenk. Außerdem hat mich die Situation veranlasst, anderen Tennisspielern die Augen zu öffnen!
Zunächst schrieb ich davon auf meinem Blog "Sandplatz-Tennis.de", wo ich seit 2021 regelmäßig über Tennis berichte. Später folgten Reviews von Schlägern, Saiten und Vielem mehr. Denn ich möchte meine große Leidenschaft für den Tennis-Sport verbreiten und möglichst viele Menschen vom Tennis begeistern. Anfänger und Fortgeschrittene Spieler finden dort jede Menge Tipps und Tricks. In den bereits veröffentlichten Artikeln gebe ich nämlich praxisnahe Einblicke und versuche dem Leser zu helfen, sich zu verbessern.
Mein Taktik eBook, die Tennis Bibel des Amateursports, mit über 650 Seiten voller Übungen, Taktiken, Spielzüge uvm. ist aber nicht Alles. (Bekommt zudem in Auflage 12 im Jahr 2025 nochmal ein großes Update von 120+ Seiten.)
Viele Jahre Erfahrung als aktiver Turnierspieler fließen in meine Arbeit ein. Obwohl ich mittlerweile sehr sportlich und gesund lebe, habe selbst einmal als „Couch-Potatoe“ begonnen. Mich dann zum ambitionierten Tennisspieler und später zum Tennis-Influencer entwickelt. Denn neben meinem Blog bin ich auch auf Instagram sehr aktiv! Früher war bereits der Weg von der Couch zum Kühlschrank eine sportliche Aktivität.
Ein Vorfall im Freundeskreis (Herzinfarkt) brachte mich dazu, mehr Bewegung und Aktivitäten in meinen Alltag zu integrieren. Um meinem Leben mehr Qualität zu verleihen, soziale Kontakte zu erhalten und mich neuen Herausforderungen zu stellen.
Das ist mittlerweile über 15 Jahre her.
Zwischenzeitlich stand ich unter den 1.500 besten Spieler Deutschlands in der Konkurrenz Herren 40, auch wenn das nur eine inoffizielle Rangliste ist und keine großen Auswirkungen auf Turniere hat. (Für einen offiziellen Ranglistenplatz benötigen Spieler eine bestimmte Anzahl an Siegen oder Punkte.) Meine aktuelle LK11 will ich aber dennoch weiter verbessern und arbeite hart daran.
Das war übrigens ein weiterer Beweggrund meiner vielen Tests und Berichte im Blog.
Ich erhoffte mir selbst dadurch besser auf dem Platz zu werden.
Im Rahmen meiner Tests ist mir dann die Idee gekommen, den Lesern im Sandplatz Tennis Blog bei der Wahl der passenden Saite zu helfen. Denn viele Amateurspieler kennen sich schlichtweg nicht mit der Besaitung aus oder überlassen die Auswahl Anderen. Dem Trainer, dem Bespanner, Kollegen aus der Mannschaft oder dem Berater im Tennis Shop des Vertrauens.
Was, wie meine Story oben zeigt, nicht immer die beste Idee ist!
Du darfst nicht vergessen, ein Shop-Mitarbeiter denkt immer wirtschaftlich! Er versucht Produkte zu verkaufen, welche den Umsatz / Gewinn steigern. Natürlich möchte ich Niemanden etwas unterstellen, aber meiner Erfahrung nach decken sich Beratung und Bedürfnisse des Kunden nur in sehr wenigen Fällen. Ausnahmen bestätigen die Regel. In mehreren Ladengeschäften habe ich zwangsläufig (dahinter wartend) Empfehlungen gesehen, wo sich mir die Nackenhaare aufstellen.
Ich förmlich dazwischen Grätschen und dem Kunden sagen wollte: „Hör auf keinen Fall auf das, was der Verkäufer Dir da gerade gesagt hat!“. Mir als Kunde steht es allerdings nicht zu, in diese Gespräche einzugreifen. Letztlich muss es der Käufer selbst wissen/entscheiden. Was er allerdings häufig aufgrund fehlenden Wissens nicht tun kann und sich auf die Beratung verlässt.
Ein Grund mehr, sich zumindest etwas mit dem Tennis Equipment auszukennen, oder was meinst Du?
So erkannte ich, dass es hier Bedarf im deutschsprachigen Raum gibt. Tennisspieler in den Vereinen, gerade im Breitensport, kennen sich in der Regel kaum mit dem Tennis Equipment aus. Kaufen teilweise Schläger nach ihrer Form oder den Farben, die zu den Schuhen und dem Shirt passen.
Echt jetzt, Ronny? Ja, Alles schon live erlebt! Ich wollte das ändern.
Nein, ich MUSSTE das ändern!
Aus diesen Gründen habe ich meinen Tennis Saiten Ratgeber (Vergleich) im Jahr 2024 ins Leben gerufen. Den ich selbstverständlich fortlaufend verbessere, ergänze und weiterentwickle. Um die besten Informationen für meine Leser zu schaffen.
Im genannten Saiten Ratgeber sollen die Leser verschiedenste Saiten mit unterschiedlichen Eigenschaften vorfinden können. Alle Herstelle, alle Eigenschaften und natürlich sortiert nach Bewertung. Dazu passende Reviews von mir oder zumindest entsprechende Bewertungen aus der Community finden. Jeder Leser kann dabei helfen, die Neutralität zu steigern und Bewertungen von diversen Saiten einreichen. Ein Stück sind Tennis Besaitungen nämlich Geschmackssache und höchst individuell.
Ein Spieler, der auf dem Platz mit seinem Topspin dominieren will, wird sich nur in den seltensten Fällen eine Hart-Hitter-Besaitung auf den Schläger spannen. Die meisten solcher Spieler, werden eine Topspin-Unterstützung auf Saiten-Ebene suchen.
Wobei bei entsprechender Technik & extremen Topspin eine Power-Tennissaite durchaus Sinn machen KANN. Was wiederum vom Geschmack, dem Gefühl, dem Tennisspieler und dem Tennisschläger abhängig ist. Da spielen einfach extrem viele Faktoren mit rein. Vielleicht trauen sich deshalb viele Spieler nicht an das Thema ran. Es gibt nämlich Schläger die schon von Haus aus kraftvoll sind, wo eine Power-Saite zu viel des Guten sein könnte. Andere Schläger haben hingegen zu wenig Power und diese Saite könnte das gut ausgleichen.
Im Jahr 2024 habe ich im Saiten Ratgeber erstmals die TOP 3 Saiten der Community vorgestellt.
Denn alle Bewertungen im Blog addiere ich zu einer Gesamt-Benotung, die dann anhand der vergebenen Sterne sortiert werden kann. Meine Zeit ist für Reviews und Bewertungen jedoch begrenzt. Schließlich ist mein Blog nur ein Hobby neben meinem Vollzeit-Arbeitsplatz, der Familie und meinen eigenen Aufwendungen auf dem Tennisplatz, um ein besserer Spieler zu werden. Sodass ich letztlich ein Stück auf die Mithilfe der Leser angewiesen bin. Nur so kann ich über die nächsten Jahre eine noch größere Datenbank schaffen und den Ratgeber zu einem Vergleichsportal entwickeln. Ich bin jedoch sehr optimistisch, eine großartige Plattform für jeden Tennisspieler unterschiedlichen Geschlechts, Alter und Spielstärke zu schaffen.
Wie ich Eingangs bereits erwähnt habe, macht das Tennis Equipment 15 bis 20 Prozent der Spielstärke aus. Wer sein Schläger und die Saite auf seine Spielweise anpasst, wird damit unglaubliche Ergebnisse erzielen. Wie oft habe ich bei meinen Saiten-Test den Testschläger mit Testsaite für einen direkten Vergleich wieder in die Tasche gelegt und mit meinem Wettkampfschläger weitergespielt. Und auf einmal kam doppelt so viel Power aus meinem Arm, ich konnte einen extremen Topspin spielen und der Kick-Aufschlag auf die Rückhand des Gegners, brachte ihn zur Weißglut. Ich meine, wer will schon ständig mit der Rückhand über Schulterhöhe spielen? 😉
Wenn Du das Potenzial liegen lässt, bist Du selber Schuld!
Zumindest auf Breitensport-Ebene ist das allerdings eine Stellschraube, die wirklich einen Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen kann. Dich zu informieren, kostet Dich ja nichts. Wenn Du am Ende nach einem Test anderer Produkte feststellst, Deine Besaitung war doch sehr gut für Dich, so what! Dieser Test muss auch nicht mal viel Geld kosten. Leihschläger bekommst Du in jedem guten Shop. Sprich mit dem Inhaber, ob er Dir spezielle Saiten auf die Testschläger macht. Dann bekommst Du ein noch besseres Ergebnis bei den Tests.
Vergleichst Du jedoch überhaupt nicht und tust so, als wenn das Tennis Equipment völlig irrelevant wäre, dann musst Du mit den Konsequenzen leben.
Wenn Du Dich JETZT intensiver mit Deinem Schläger und der Besaitung beschäftigen willst, schau doch mal im Sandplatz Tennis Blog vorbei. Es wird sich definitiv lohnen!
Einmal drin, gibt es selten einen Weg heraus.
Kampfkunstschulen verfolgen ein simples, unglaublich motivierendes Konzept. Du startest mit einem weißen Gurt. Das bedeutet, du beginnst gerade erst mit deinen Tritten, Schlägen und Ausweichmanövern.
Hast du ein paar Leute auf die Matte gelegt, verändert sich die Farbe deines Gurtes.
Bis du schlussendlich ein Großmeister bist und den schwarzen Gurt tragen darfst.
Psychologisch ist das eine clevere Strategie. Der Schüler kann sich in kleinen Schritten verbessern.
Er hat ein Endziel im Kopf und das nächste kleinere Ziel vor Augen. Kleine Rückschläge in der Entwicklung können viel besser verkraftet werden. Die Motivation, zu lernen, bleibt hoch.
Problem?
Beim Tennis fehlt eine solche stufenweise Progression. Wir haben unsere Ligen und Rankings. Aber diese Stufen sind zu grob. Sie lassen sich nicht auf dem Platz spüren. Als LK 12er kannst du problemlos gegen einen Mondballspieler mit LK 15 2:6 und 3:6 untergehen.
Du willst aber Stück für Stück ein besserer Spieler werden.
Nach welchen Progressionsstufen kannst du beim Tennis gehen? Woran merkst du, dass du besser spielst als letztes Jahr?
Seit knapp einem Jahr trainiere ich mit Kettlebells.
Das sind diese Kugelhanteln mit Griff. Viele unterschiedliche Übungen lassen sich mit diesen Kügelchen trainieren. Beim Kettlebell-Training gibt es eindeutige Progressionsstufen.
Du fängst mit einer Kettlebell und den leichtesten Übungen an.
Dann steigerst du dich im Gewicht. Mit der Zeit werden die Übungen schwieriger.
Dann, wenn du die schwierigsten Übungen mit einer Kettlebell gemeistert hast, schnappst du dir eine zweite Kettlebell und trainierst dich mit zwei Kugelhanteln wieder von der einfachsten zur schwierigsten Übung.
Dieses Konzept, ähnlich wie bei der Kampfkunst, ist extrem motivierend. Man spürt Fortschritte und weiß genau, wo man steht.
Beim Tennis fehlte mir eine ähnliche, stufenweise Progression der individuellen Fähigkeiten des Spielers.
Dazu kommen wir gleich.
Zunächst ...
Stell dir vor, du baust ein Puzzle zusammen und weißt aber nie, wie weit du bist.
Dann kann es dir passieren, dass du kurz vor dem Ziel die Motivation verlierst. Obwohl du schon sehr weit gekommen warst. Ähnlich wie eine bittere Niederlage im Match-Tiebreak.
Wir Menschen benötigen Bestätigung und Erfolgserlebnisse. Diese Erfolgserlebnisse können winzig sein. Da ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass eine stetige Entwicklung der trainierten Fähigkeiten spürbar ist.
So entsteht gesunde Motivation. Du kannst über Jahre voll durchzuziehen.
Das führt uns zu den Progressionsstufen, die ich im Tennis entdeckt habe. Diese entstammen nicht von einem Professor oder einem Buch. Sie sind nicht aus einer Theorieblase gekrochen.
Es sind die Stufen, die ich in über 30 Jahren zwischen T- und Grundlinie feststellen konnte.
Lass uns starten.
Du beginnst mit dem Tennissport.
Voller Euphorie suchst du dir den passenden Tennisschläger. Schuhe, und Shirt sind ebenfalls top.
Dein Ziel zu Beginn deiner Karriere?
Ein Gefühl für das Timing beim Schlag entwickeln. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Als Tennis-Anfänger hat dein Ego nichts zwischen T- und Grundlinie verloren. Bevor du eine rasante Vorhand-Longline hinten ins Eck spielen kannst, brauchst du ein Gefühl für den Sport. Du musst lernen, wie sich der Ball auf der Bespannung verhält. Dein Timing ist wichtig.
Wie bewegst du dich richtig zum Ball? Wann holst du aus? Wie holst du aus?
Wie findest du den idealen Treffpunkt?
All diese Dinge sind auf Stufe 1 deine Ziele. Deine Ziele sind nicht schnelle Vorhände, Rückhand-Topspin und ein 200 km/h Aufschlag.
Das stellst du hinten an.
Gefühl und Kontrolle stellst du weit über das Tempo deiner Schläge. Wenn du dann ein gutes Gefühl für den Sport gewonnen hast, kannst du langsam rüber zu Stufe 2 wechseln.
Was bedeutet es, ein gutes Gefühl beim Tennis zu entwickeln?
Du spürst direkt nach einem Schlag, ob der Ball ins Feld geht oder nicht. Du triffst den Ball mittiger, nicht mehr so nah am Rahmen. Du stehst bei den meisten Schlägen gut zum Ball und viele der Bewegungsabläufe sind bereits zu Automatismen geworden.
Dann bist du auf einem guten Weg.
Du schwingst seit zwei bis drei Jahren das Racket.
Dein Ziel?
Spiele den Ball sieben- bis zehnmal konstant ins Feld.
Ich weiß, ich weiß ... Das klingt nicht spannend. Vielleicht klingt es für dich auch nicht schwierig. Aber spiel mal so ein Tennis. Spiele die Murmel eine Stunde lang konstant in den Ballwechseln sieben- bis zehnmal zwischen T- und Grundlinie.
Du wirst schnell merken: Das ist schwieriger, als man meint.
Das sichere Grundlinientennis ist seit Beginn unserer oft geliebten, oft gehassten Lieblingssportart der Grundpfeiler eines jeden Champions. Es gibt keinen großen Champion, der nicht ein sicheres Grundlinienspiel als seine Basis hatte. Sei es Borg, Tracy Austin, Martina Hingis, Novak Djokovic, Rafael Nadal, Roger oder heutzutage Jannik Sinner.
Sie alle hatten und haben eines gemeinsam:
Sie spielen die Murmel mühelos, sicher und konstant so nah wie möglich Richtung Grundlinie. Wenn dieses "Gesetz" für die großen Champions gilt, dann gilt es erst recht für dich.
Lass dich nicht von spektakulären Schlägen in deinem Verein ablenken. Fokussiere dich auf ein sicheres Spiel von der Grundlinie.
Mein alter Trainer im Leistungszentrum in Meinerzhagen sagte früher: "Marco, du bist doch nicht der Weihnachtsmann!".
Was meinte Coach Vogl damit?
Weniger Fehler, mehr Sicherheit. Weniger Tempo in den Schlägen, dafür mehr Länge.
Werde in dieser Disziplin so stark wie möglich. Spiele nicht schnell, spiele sicher. Hast du diese Disziplin gemeistert, dann kannst du deine Saiten richten und dich auf die nächste Stufe konzentrieren.
Du ackerst seit knapp fünf Jahren zwischen T- und Grundlinie.
Dein Ziel?
Spiele den Ball sieben- bis zehnmal konstant mit Topspin und kontrolliert zwischen T- und Grundlinie und lass den Gegner dabei laufen.
Jepp, die Progression mag nur minimal erscheinen. Einige Leser murmeln jetzt vor sich hin: "Nun, das ist doch dieselbe Stufe wie Stufe 2 zuvor!".
Nein, nicht ganz.
Denn es macht einen riesigen Unterschied, wie die Qualität deiner Schläge ist, die du sieben- bis zehnmal zwischen T- und Grundlinie spielst.
Du kennst die Mondball-Heinis, die dir die Murmel mit 0,8 km/h zwei Zentimeter vor die Grundlinie spielen? Das ist auch eine Qualität, keine Frage.
Auf den höheren Stufen verändert sich die Qualität dieser Schläge. Sie sind auch sicher, lang und kontrolliert. Aber mit einem ganz anderen Tempo, einem ganz anderen Stil.
Auf Stufe 3 bist du in der Lage deinen Gegner quer über den Platz zu jagen. Du spielst bewusst gegen den Lauf. Du treibst den Gegner mit Treibschlägen aus dem Feld.
Dabei gehst du ein kalkulierbares Risiko. Du schießt deine Gegner noch nicht vom Platz. Vor allem nicht in Medenspielen.
Dazu eine witzige Story:
Vor etlichen Monden spielte Alex bei uns im Verein.
Er war groß, athletisch, Ende 20 und spielte eine wunderbare Kugel. Schöne Schleife bei der Vorhand, solide beidhändige Rückhand. Er schwebte förmlich über den Platz und schlug wie ein Holzfäller auf.
Im Training spielte er ein unglaubliches Tempo in den Grundschlägen. Locker Stufe 4-5. Er schlug viel bessere Spieler und war der typische Trainingsweltmeister. Im Medenspiel sah die Geschichte dann aber anders aus.
Aus den knallharten Vorhänden wurden ängstliche Schubser. Die Rückhand spielte er nur noch als Slice - allerdings nicht wie Graf. Den Aufschlag warf er nur noch ein. Er servierte viele Dubletten. Von seinem ersten Granatenaufschlag war nichts mehr übrig.
Man hätte meinen können, ein Alien hätte sich in seinem Körper versteckt.
Hätte Alex so im Training gespielt, wäre er im Verein niemals aufgrund seiner scharfen Schläge aufgefallen. Das zeigt sehr gut, wie groß der Unterschied der Spielweise sein kann. Und es zeigt auch, warum Stufe 3 eine ganz andere ist als Stufe Nummer 2. Auf Stufe Nummer 2 hätte Alex im Medenspiel ebenfalls aggressiv Vorhand gespielt. Mit Kontrolle, aber Druck.
Er hätte seine Rückhand durchgezogen und vor allem einen “echten” ersten Aufschlag serviert.
Wir halten fest:
Auf Stufe 3 bist du ein Spieler, der im Medenspiel mit einem dosierten Risiko in seinen Schlägen die Linien sucht. Du bewegst den Gegner, hast noch keine echten Waffen im Spiel, machst aber auch wenig Fehler.
Du kannst mit Spin-Schlägen für Druck sorgen.
Werde auch in dieser Disziplin der beste Spieler in deinem Verein.
Anschließend greifst du Stufe 4 an wie Carlos Alcaraz die Spitzenposition im ATP-Ranking.
Du spielst über fünf (oder mehr natürlich, keine Bange) Jahre Tennis, hast dich im Ranking leise nach oben gespielt und hast Erfahrungen als Turnierspieler gesammelt.
Dein Ziel?
Du spielst ein super-konstantes Grundlinienspiel, kannst die Schwächen des Gegners lesen und kiloweise Salz in diese Wunden streuen.
Du merkst schon, jetzt kommt die taktische Komponente mit hinzu.
Die ersten drei Stufen ging es nur um dich. Um dein Spiel, deine Schläge, deine Sicherheit in den Schlägen. Jetzt, lieber Freund der mittig getroffen Vorhand-Longline, schauen wir auf den Schlüssel zu einem großen Tennis.
Wo dieser Schlüssel liegt?
Auf der Seite deines Gegners.
Ich werde dieses Spiel bei unseren Clubmeisterschaften niemals vergessen. Es war irgendwann in den 90er Jahren. Als es noch Walkmans statt Instagram gab. Viel gesünder für die Jugend.
Es spielte Philipp gegen Frank. Beide spielten in der ersten Herrenmannschaft in der Verbandsliga. Aber Philipp spielte an 2, Frank an 6. Hast du die beiden lange Bälle spielen gesehen, hast du keinen großen Qualotätsunterschied gesehen. Frank konnte das Tempo von Philipp locker mitgehen. Beide bewegten sich gut, beide hatten auf den ersten Blick keine Schwäche in ihrem Spiel.
Der Clou: Das Match ging 6:1 und 6:2 für Philipp aus. Frank hatte nie im Match die Chance überhaupt mal ranzukommen. Wie konnte das sein? Wie war es möglich, dass es in einem Match zwischen zwei von den Schlägen her gleichstarken Spielern zu einem solch klaren Ergebnis kommt?
Das war ganz einfach.
Philipp, Stufe 5 Spieler, wusste exakt, was er taktisch tun musste. Frank hingegen kannte das Wort “Taktik” höchstens vom Kreuzworträtsel. Philipp hatte eine mächtige Stärke in seinem Spiel: Vorhand. Alles in seinem Spiel war darauf ausgerichtet. Er stand im Ballwechsel weiter in der Rückhand-Ecke. Er wollte seine Returns mit der Vorhand spielen. Er wollte direkt nach seinem guten Aufschlag Vorhand spielen. Alles, was Philipp tat, war auf Vorhand programmiert.
Das Schöne an diesem Tag für Philipp?
Frank merkte das nicht. Frank haderte mit seinem Spiel. Unglaublich. Er kassierte Vorhand-Winner um Vorhand-Winner, schimpfte aber über sein eigenes Spiel. Das ist das Ego beim Tennis. Es dreht sich eben nicht immer nur um dich. Vor allem nicht, wenn du langsam ein besseres Niveau spielst. Frank checkte nicht, was in den Ballwechseln passierte.
Und deswegen passierte immer dasselbe.
Philipp konnte gemütlich Vorhand spielen. Frank hatte keine Ahnung, was geschah. Das Spiel war schneller vorbei als Reilly Opelka aufschlägt.
Auf Stufe 4 setzt du deine spielerischen Stärken gegen die Schwächen des Gegners. Du bist in der Lage, die Schwächen auch dir unbekannter Gegner schnell im Match zu entschlüsseln. Du hast einen Blick für das Spiel. Stichwort: Spielintelligenz. Du hast einen klaren Plan, wie du mit welchen Schlägen zum Sieg finden kannst.
Meistere auch diese Disziplin und mache dich dann auf hzur letzten Stufe.
Du bist auf dem Weg Richtung einstellige LK (oder besser). Du hast dich als Spielertyp gefunden.
Du weißt, was deine Stärken sind.
Dein Ziel?
Du formst deine Stärken noch stärker, lernst deine Schwächen zu minimieren und spielst ein nur schwer angreifbares Tennis. Das bedeutet nicht, dass du jeden Gegner mit einem fulminanten Hochgeschwindigkeitstennis vom Platz pustest.
Auf Stufe 5 weißt du ganz genau, wer du als Tennisspieler und Tennischarakter bist. Du kennst deine Schwächen. Du kennst deine Stärken.
Du kennst den Weg, deine Stärken zu maximieren und deine Schwächen zu minimieren.
Im Jahr 2006 war ich bei einem Hallenturnier in Werne.
Dort spielte die Ü-40-Konkurrenz. Leider erinnere ich mich nicht mehr an den Namen des Spielers. Er sah vor seinem Match gar nicht wie ein Modellathlet aus. Er wirkte etwas pummelig, aber kräftig. Ich war als Zuschauer und Analyst vor Ort und erfuhr, dass dieser Kugelblitz die Nummer 1 des Turniers war.
Es wurde ein verdammt hohes Niveau auf den anderen Plätzen gespielt und ich war gespannt, wie “die 1” sich schlagen würde.
Und siehe da, dieser Mann war der Inbegriff des Stufe 5 Spielers.
Er schlug verdammt smart auf. Viel mit Slice, viele Tempowechsel. Kein Aufschlag war wie der zuvor. Er streute mit seiner Rückhand viel Slice ein, spielte eine kerzengeradem flache Vorhand. Bei all diesem flachen Spiel machte er kaum Fehler. Er setzte die Bälle klug an die Linien. Sein Gegner kam fast nie dazu, selbst in der Rally zu agieren.
Dieser Mann wusste ganz genau, dass er nicht drei Meter hinter der Grundlinie die Bälle ausgraben könnte. Er wusste auch, dass er niemals einen Gegner vom Platz schießen würde. Aber er kannte seine Stärken. Er wusste, wie er seine individuellen Stärken gegen die Schwächen des Gegners setzen konnte.
Was bedeuten diese Stufen jetzt für dich?
Ganz gleich, wo du dich befindest. Wurscht, wie alt du bist.
Fokussiere dich auf die nächste Stufe. Mache dir den Tennissport nicht noch komplizierter, als er es eh schon ist. Aus meiner Zusammenarbeit mit Profispielern kann ich dir sagen:
Die Kunst ist es, dein Tennis so leicht wie möglich zu machen.
Schau dir Borg an.
Mit Spin, lang und hoch rein - so oft wie es geht.
Oder den Djoker.
Lang rein, gut bewegen, keine Fehler machen.
Oder Roger:
Ab auf die Grundlinie, Vorhand so oft wie möglich einsetzen, volle Attacke. Keiner dieser Champions hatte eine furchtbar komplizierte Spielphilosophie.
Finde heraus, auf welcher Stufe du gerade stehst. Greife dann die nächste Stufe mit kleinen Schritten an. Setze dir Mini-Ziele, hole dir Mini-Erfolgserlebnisse.
Und klettere dann immer weiter auf der Leiter des erfolgreichen Clubspielers nach oben.
Viel Spaß, Erfolg und vor allem Gesundheit auf diesem Weg!
Halte die Rückhand lang und deinen Geist ruhig,
Dein Marco
Der schnellste Aufschlag im Tennis?
Wer sind die besten Aufschläger der Welt?
Und wie dominieren sie ihre Service-Games?
Dieser Artikel verrät dir:
Wir schmeißen hier nicht nur mit Zahlen über den Court. Wir analysieren auch, welche kleinen Kniffe du schon morgen für dein Spiel nutzen kannst.
Keine Sorge. Dafür musst du nicht mit 235 km/h und Kick servieren.
Richte die Saiten, klopf dir die Asche aus den Grätensohlen und lass uns starten.
Den schnellsten Aufschlag im Tennis spielte der Australier Sam Groth beim Challengerturnier in Busan. Sam Groth schlug mit brachialen 263.4 km/h auf und spielte damit den schnellsten Aufschlag der Welt im Tennis.
Groth wehrte mit diesem Aufschlag einen Matchball beim Spielstand von 4:6, 3:5 und 0:40 aus seiner Sicht ab. Sein Gegner: Vladimir Ignatik.
Hier ist der Monster-Aufschlag im Video:
Den zweitschnellsten Aufschlag spielte bis dato der Franzose Albano Olivetti. Ebenfalls bei einem Challenger-Event. Albano servierte sein Pfund mit 257,5 km/h über die Netzkante.
Zu den weiteren schnellsten Aufschlägern der Welt gehören:
Alles Spieler aus den 2000er Jahren. Nur ein Spieler fällt mit seinem schnellsten Aufschlag völlig aus der Reihe.
Roscoe Tanner servierte im Jahr 1978 mit 246 km/h.
Stand Februar 2025: Den schnellsten Aufschlag bei den Damen servierte Georgina Garcia Perez aus Spanien im Jahr 2018 bei den Hungarian Ladies Open. Sie schlug dabei mit satten 220 km/h auf.
Leider habe ich von diesem Aufschlag kein Video gefunden.
Derzeit serviert Aryna Sabalenka den schnellsten Aufschlag im Damentennis. Sie servierte ihren schnellsten Aufschlag mit 214 km/h über die Netzkante.
Bei der Aufschlaggeschwindigkeit müssen wir zwischen dem ersten und zweiten Aufschlag unterscheiden. Den ersten Aufschlag spielen die Herren mit durchschnittlich zwischen 190 km/h und 210 km/h. Die Damen schlagen durchschnittlich mit 160 km/h bis 200 km/h beim ersten Aufschlag auf.
Die durchschnittliche Aufschlaggeschwindigkeit beim zweiten Aufschlag ist schwierig zu bestimmen. Der zweite Aufschlag wird unterschiedlich schnell gespielt. Deswegen ist eine durchschnittliche Angabe der Geschwindigkeit nur schwer möglich.
Der Serbe und erfolgreichste Tennisspieler gehört nicht zu den schnellsten Aufschlägern. Wir werden im weiteren Verlauf dieses Artikels auch feststellen, dass er nicht zu den besten Aufschlägern gehört.
Der Djoker serviert beim ersten Aufschlag durchschnittlich mit 200 km/h auf. Das liegt aber auch daran, dass Djokovic beim Aufschlag variiert. Mal schlägt Djokovic mit Slice nach außen auf. Das führt automatisch dazu, dass sein Aufschlag langsamer ist.
Wir haben uns jetzt warm gemacht. Lass uns nun die Statistiken der zehn besten Aufschläger im Tennis attackieren.
Schauen wir uns die besten Aufschläger an, dann stellen wir schnell eine Sache fest:
Sie spielen nach ihrem Aufschlag sehr stark weiter.
Du wirst später erstaunt sein.
Die stärksten Aufschläger mit den besten Aufschlagspiel-Statistiken sind nicht unbedingt die Spieler mit dem härtesten Aufschlag. Klar, davon sind auch ein paar in der Verlosung. Aber ein knallhartes Geschoss beim ersten Aufschlag macht noch lange keinen starken Aufschläger.
Der Aufschlag ist die Vorbereitung, nicht der Abschluss.
Das verändert die Psychologie deines Aufschlags. Überlege nicht, wie du ein Ass servieren kannst. Das gelingt dir eh viel zu selten. Überlege dir lieber, wie du den Gegner vor eine komplizierte Aufgabe beim Return stellen kannst.
Wir werden in der Liste der besten Aufschläger Grigor Dimitrov finden. Kein Spieler, der konstant mit 235 km/h serviert. Er mixt seine Aufschläge dafür gut durch. Mal hier ein Slice in den Mann. Dort ein Kick mit dem ersten Serve.
Der Gegner kann sich so kaum auf die Aufschläge einstellen.
Man weiß nie, was als Nächstes kommen wird. Dies kann ebenfalls eine große Stärke eines Aufschlägers sein:
Die Flexibilität, nicht nur das Tempo.
Kurz zur Info:
Dieser Artikel wird konstant überarbeitet. Knapp alle sechs Monate schaue ich mir die neuen Statistiken. Ändert sich großartig etwas, schreibe ich es hier rein.
Und:
Die besten Aufschläger habe ich bewusst nicht von 1-10 durchnummeriert. Man kann unmöglich eine Rangliste erstellen. Dafür sind die Spieler und ihre Aufschläge zu unterschiedlich. Es gibt Spieler A, der härter als Roddick serviert. Es gibt Spieler B, der mehr über die Variation kommt.
Daher ist es nicht möglich den einen besten Aufschläger zu bestimmen.
Wir starten mit dem jungen Mann, der sich in den letzten Monaten auf die Tennis-Landkarte gesetzt hat.
Mit zweiten Aufschlägen von über 215 km/h servierte sich Giovanni Mpetshi Perricard (kurz: GMP) auf die "Gegen-den-will-ich-nicht-spielen"-Listen der ATP-Tour.
Aber:
Der großgewachsene Franzose (2,03 Meter) ist nicht der typische Serve-Bot.
GMP bewegt sich für seine Größe gut an der Grundlinie, geht starken Bällen ans Netz nach und kann mit seiner Vorhand Ballwechsel diktieren. Er spielt eine solide einhändige Rückhand, die er auch mal nur im Spiel halten kann.
In Wimbledon servierte Giovanni Mpetshi Perricard am 30.06.2025 einen neuen Wimbledon-Rekord. Mit 153 mph servierte der Franzose einen neuen Rekord auf dem grünen Rasen. Sein Gegner Taylor Fritz gewann allerdings den Punkt.
Was nicht weniger beeindruckt ist.
All das, in Kombination mit seinem Monster-Serve, macht ihn zum derzeit besten Aufschläger der Welt (es sei denn, es findet sich in irgendeinem Verein noch ein anderer Hüne, der noch effizienter serviert).
Giovanni ist erst 21 Jahre jung und wird laut Carlos Alcaraz "sehr bald ganz oben in der Weltrangliste mitspielen". Ich kann mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen. Sobald sein Serve mal einknickt und sich leichte Fehler einschleichen, hat GMP (noch) keinen Plan B.
Sein Spiel ist zu eintönig, um gegen die besten der Welt auf Dauer konstant bestehen zu können.
Hier sind seine Aufschlag-Daten von der ATP:
Aufschläge über 230 km/h und zweite Aufschläge im etlichen Tempo-Segment machen seine Aufschläge auf schnellen Belägen fast nicht returnierbar.
Hinzu kommt seine gute Bewegung zum Ball, wenn der Return ins Feld plumpst. Hat GMP Zeit sich zum Ball zu stellen, kann er direkt nach dem Aufschlag mit seiner Vorhand Dampf machen.
Die typische "Aufschlag-Vorhand"-Kombination.
Problem?
Die Quote an Doppelfehlern kann nach oben gehen. Bekommt der Gegner den Ball ins Spiel, kann GMP auch mal Aufschlagspiele verlieren. Tut er das, kann er sich aufgrund seiner Spielweise nur schwer das Rebreak erkämpfen.
Wenn es passt, spiele den zweiten Aufschlag wie den ersten.
Wird viel zu selten gemacht. Im Clubspieler-Bereich ist diese Taktik noch besser als bei den Profis.
Aber was meine ich mit "wenn es passt"?
Das kann ein 3:0 und 30:0 sein. Was spricht in dieser Situation dagegen, den zweiten Aufschlag als Brett durch die Mitte zu servieren? Das kann auch 40:0 sein.
Alle Spielsituationen, in denen du einen Doppelfehler locker verkraften kannst.
Ein schönes Zitat habe ich von GMP gefunden:
Wenn ich den Ball habe, möchte ich Schmerzen zufügen.
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Sascha serviert die höchste Quote an ersten Aufschlägen.
Wie macht er das?
Er mixt seine Aufschlagvariationen sehr gut durch. Mal einen Slice nach außen, mal einen Slice durch die Mitte, Kick - alles dabei. Sascha hat sich vom Doppelfehler-Monster zum Aufschlag-Monster entwickelt. Ein Grund, warum er seit Jahren zu den Topleuten gehört und selbst eine schwere Verletzung ihn nicht von der Grundlinie geworfen hat.
Das wurde nicht genug gewürdigt.
Betrachtet man nicht nur die Aufschläge, ist Sascha der beste Aufschläger der Welt. Er spielt herausragend weiter. Manchmal etwas zu passiv. Aber das ist eben seine Spielweise.
Hier sind seine Daten:
% 1. Aufschlag: 71.1%
% Punkte gewonnen mit dem 1.: 76.6%
% Punkte gewonnen mit dem 2.: 54.6%
% Aufschlagspiele gewonnen: 89.8%
Asse pro Match: 9.6
Doppelfehler pro Match: 2.2
Vom Brett durch die Mitte bis zum Slice nach außen.
Sascha hat alles im Aufschlag-Repertoire, was man haben kann. Eine furchteinflößende Quote beim ersten Aufschlag und ein super-stabiles Grundlinienspiel sorgen dafür, dass man sich gegen ihn lieber kein Break fangen sollte.
Falls doch, wird es ganz schwer, zurückzuschlagen. Sascha bringt von zehn Aufschlagspielen im Schnitt neun durch.
Das ist eine Ansage.
Du kannst deinen Aufschlag jederzeit verbessern.
Sascha hat es vom Doppelfehler-Bot zu einem der besten Aufschläger der Welt gebracht. Was spricht dagegen, dass du deinen Aufschlag ebenfalls extrem verbesserst? Starte mit einem kleinen Ritual vor deinem Aufschlag. Ein Ritual gibt dir a) geistige Ruhe und dadurch b) Ruhe in deinen Bewegungen.
Feile dann an deinem Ballwurf. Der Ballwurf ist der Motor deines Aufschlags.
Mit diesen zwei Elementen kannst du innerhalb weniger Wochen deinen Aufschlag verbessern - ohne viel verändern zu müssen.
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Matteo war leider zu sehr von Verletzungen geplagt.
Spielte sich aber immer, so wie Alexander Zverev, wieder zurück. Matteo ist der typische "Aufschlag-Vorhand"-Roboter. Die Vorhand gehört fast zu seinem Aufschlag. Sitzt der erste Aufschlag, positioniert er sich automatisch ein Stück weit in die Rückhand-Ecke.
Sein Ziel ist klar:
Seine Daten lauten:
% 1. Aufschlag: 68.2%
% Punkte gewonnen mit dem 1.: 77.6%
% Punkte gewonnen mit dem 2.: 52.7%
% Aufschlagspiele gewonnen: 89.8%
Asse pro Match: 9.4
Doppelfehler pro Match: 1.5
Er serviert nicht die meisten ersten Aufschläge und auch nicht die meisten Asse.
Matteo spielt aber mit seiner Vorhand sehr stark weiter. Bekommt er aus dem Halbfeld die Chance zu diktieren, ist der Ballwechsel vorbei. Sein Aufschlag dient als Vorbereitung, um dann darauf aufbauend seine Vorhand einsetzen zu können.
Easy, oder?
Und unheimlich effektiv.
Du kannst dir von Matteo abschauen, deinen Matchplan simpel zu halten. So simpel, dass er auf einen Bierdeckel passt.
Dein Tennis sollte nie kompliziert sein.
Das gilt vor allem für deinen Aufschlag und das Spiel nach deinem Aufschlag. Würden wir auf dem Platz stehen und über den Aufschlag von Matteo Berrettini sprechen, würde ich dir Folgendes sagen:
"Triffst du deinen ersten Aufschlag am obersten Punkt mit einem guten Gefühl auf dem Schläger, orientiere dich direkt nach deinem Aufschlag einen Schritt in deine Rückhand-Ecke!"
Hubi macht im Match gern den Eindruck, als ginge ihn das alles nichts an.
Lässig, entspannt und kontrolliert.
Das wirkt sich auf seinen Aufschlag aus. Viele Asse, viele gewonnene Punkte mit dem ersten Aufschlag und eine starke Quote bei den Punkten mit dem zweiten Serve.
Hurkacz weiß sich zu helfen, wenn der erste Aufschlag nicht kommt. Dank seiner Größe, hat er ebenso wie Giovanni Mpetshi Perricard, eine gute Hebelwirkung beim Aufschlag. Er kann den Ball von sehr weit oben schlagen.
Dadurch hat Hubi einen sehr guten Winkel für seine Aufschläge.
Hier sind seine Daten:
% 1. Aufschlag: 63.1%
% Punkte gewonnen mit dem 1.: 77.8%
% Punkte gewonnen mit dem 2.: 54.1%
% Aufschlagspiele gewonnen: 88.7%
Asse pro Match: 13.6
Doppelfehler pro Match: 1.8
Starke erste Aufschläge, sehr starke zweite Aufschläge und eine Ruhe am Ball, die ihn gut weiterspielen lässt nach dem Aufschlag.
Hubi spielt seit Jahren in der erweiterten Weltspitze mit. Er hat seine Vorhand verbessert, mit der er mehr Dampf machen kann. Seine größte Stärke ist aber der wichtige zweite Aufschlag, der den Gegner ständig unter Druck setzt.
Hubi kann sich auf seinen Aufschlag verlassen, was auch psychologisch einen positiven Effekt auf sein Spiel hat.
Dein Selbstvertrauen in dein gesamtes Spiel ist zu großen Teilen von deinem Aufschlag abhängig.
Funktioniert dieser nicht, kann es auch für dein Grundlinienspiel enger werden. Du gehst nicht richtig auf die Bälle zu. Du schubst deine Vorhand. Du traust deinen Fähigkeiten nicht.
Worauf ich hinaus will?
Wenn du dich in den Ballwechsel unsicher fühlst, fokussiere dich auf eine bessere Quote beim ersten Aufschlag. Ein paar richtig gute erste Aufschläge können dir Selbstvertrauen für dein gesamtes Spiel geben.
Übrigens:
Hurkacz ist der Spieler, der so nah wie kein anderer Spieler an die Linien serviert. Das minimiert zwar die Quote beim ersten Aufschlag ein wenig. Kommt die Granate allerdings, gibt ihm das viele freie Punkte.
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Der beste Spieler derzeit.
Mehr noch:
Der Spieler, der sich in den letzten Jahren am stärksten verbessert hat. Alles ist besser geworden. Körper, Geist, Technik und Taktik.
Interessant ist, dass Jannik nicht die besten Werte in unseren Statistiken hat.
Jepp, es kommt ein Aber-Satz.
Aber:
Er ist in der wichtigsten Statistik der beste Aufschläger der Welt.
Hier sind seine Daten:
% 1. Aufschlag: 61.5%
% Punkte gewonnen mit dem 1.: 79.0%
% Punkte gewonnen mit dem 2.: 57.0%
% Aufschlagspiele gewonnen: 91.2%
Asse pro Match: 7.7
Doppelfehler pro Match: 1.9
Lass uns einen gezielten Blick durch unsere Tennislupe auf die Zahlen des besten Spielers werfen.
Erster Aufschlag? Ist okay. Asse? Stark, aber auch nicht der beste Aufschläger der Welt. Doppelfehler? Sogar durchschnittlich einen mehr als Zverev.
Die wichtigste Statistik führt Jannik allerdings an:
Gewonnene Punkte mit dem zweiten Aufschlag. In dieser Disziplin ist er der beste Spieler der Welt. Niemand macht mehr Punkte, wenn er über den zweiten Aufschlag gehen muss.
Plus:
Auch mit dem ersten Aufschlag macht er dank seines sicheren Grundlinienspiels viele Punkte. Diese beiden Faktoren führen dazu, dass Jannik mehr als 90 % seiner Aufschlagspiele durchbringt.
Er ist fast nicht zu breaken.
Es sind nicht die Asse, die seine Aufschlagspiele so effizient machen. Es ist das Spiel nach dem Aufschlag. Als Clubspieler kannst du dir das mit auf deine Bespannung schreiben:
Nicht der Aufschlag ist entscheidend. Entscheidend ist, wie du nach dem Aufschlag weiterspielst.
Du musst nicht der Hulk unter den Aufschlägern sein. Mir fiel es zu meiner aktiven Zeit wesentlich leichter einen harten Aufschlag des Gegners auf Matchdauer zu returnieren. Da war die LK des Gegners nicht entscheidend.
Warum?
Mit der Dauer des Matches, stellt man sich auf den schnellen Aufschlag ein. Man gewöhnt sich dran. Serviere lieber flexibler, mal mit einem Slice auf Mann, und spiele dann clever und sicher weiter.
Ein Tennis, so spannend wie die Lindenstraße.
Spaß beiseite. Taylor Fritz ist ein konstanter Spieler, der in nahezu jedem Turnier souverän das spielt, was er kann. Und das ist einiges.
Man muss als Gegner viel auspacken, um Taylor zu schlagen. Fritz kann Ballwechsel dominieren, bewegt sich sehr stark und kann trotz seines aggressiven Spiels die Fehlerquote (meistens) niedrig halten.
All das sind Markenzeichen eines verdammt starken Spiels, das jederzeit zu einem großen Triumph bei einem großen Turnier führen kann.
Hier sind seine Aufschlag-Daten:
% 1. Aufschlag: 62.1%
% Punkte gewonnen mit dem 1.: 78.2%
% Punkte gewonnen mit dem 2.: 56.1%
% Aufschlagspiele gewonnen: 88.6%
Asse pro Match: 10.7
Doppelfehler pro Match: 1.8
Viele Asse und sehr viele starke zweite Aufschläge.
Fritz serviert viel mit Slice, was es dem Gegner schwer macht, gut zu returnieren. Fritz ist ein Aufschläger-Typ, der dem Gegner mit seinem Aufschlag Aufgaben stellt.
Seine simple, homogene Aufschlagbewegung macht seinen Aufschlag nicht lesbar für den Gegner. Selbst Novak Djokovic, der beste Returnspieler aller Zeiten, hat in seinen Matches gegen Taylor Fritz mit dem Aufschlag des US-Boys zu kämpfen.
Du kannst dir von Taylor abschauen dem Gegner Aufgaben zu stellen. Wie kannst du deinem Gegner den Return so schwer wie möglich machen?
Nutze dazu Slice-Aufschläge und Aufschläge, die mit weniger Tempo aber dafür mit mehr Präzision gespielt werden.
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Sein Tennis wird gern als Comic bezeichnet.
Ben Shelton spielt ein spektakuläres Tennis. Keine Frage. Er will eine Show bieten, ohne dabei zu sehr Nick Kyrgios zu sein. Würde ein Tick weniger Show seinem Ranking helfen?
Ich denke doch.
Ben spielt Harakiri-Tennis. Auf jeden Ball voll drauf. Entweder Punkt oder Fehler. Der Applaus des Publikums für einen grandiosen Ball scheint ihm wichtiger als der Sieg zu sein.
Verändert er dieses Mindset, kann er ein Top-10-Spieler werden.
Hier sind seine Daten:
% 1. Aufschlag: 68.7%
% Punkte gewonnen mit dem 1.: 76.0%
% Punkte gewonnen mit dem 2.: 54.1%
% Aufschlagspiele gewonnen: 89.1%
Asse pro Match: 9.5
Doppelfehler pro Match: 3.4
Volle Power voraus. Es gibt keine Diskussion. Es wird nicht gezögert. Beim ersten Aufschlag kennt Ben nur eine Variante:
So hart und flach wie möglich.
Sein zweiter Aufschlag ist eine Waffe. Aus meiner Sicht spielt er diesen perfekt für seine Verhältnisse. Er gibt der Kugel viel Kick mit, der Gegner muss bereits ab dem Return ordentlich arbeiten.
Finde die Variante für deinen zweiten Aufschlag, die dir am besten liegt. Es muss nicht der Kick-Aufschlag sein.
Es kann auch der Slice oder ein etwas langsamer, dafür länger gespielter zweiter Aufschlag sein.
Wichtig ist, dass du dich mit dieser Variante sicher fühlst und sie jederzeit spielen kannst.
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Na, was macht denn der Brandon hier?
Mir fiel fast das Jever Fun aus der Hand, als ich ihn in der Liste der besten Aufschläger fand. Aber in meinem Blogartikel zu ihm fand ich bereits heraus, dass Brandon am Tempo seines Aufschlags gefeilt hat.
Nun hat er es in die Bestenliste der Top-Aufschläger geschafft - ohne ein Hüne mit einem Granatenaufschlag zu sein.
Bevor wir seinen Aufschlag analysieren, schauen wir uns seine Daten an:
% 1. Aufschlag: 65.8%
% Punkte gewonnen mit dem 1.: 74.5%
% Punkte gewonnen mit dem 2.: 55.7%
% Aufschlagspiele gewonnen: 87.8%
Asse pro Match: 8.5
Doppelfehler pro Match: 1.2
Seine Daten hauen uns jetzt nicht von der T-Linie, oder?
Alles deutet darauf hin, dass Brandon nach dem Aufschlag verdammt gut weiterspielt. Ich will nicht sagen, er wirft den Aufschlag nur rein. Das tut er ganz bestimmt nicht.
Aber er dominiert seine Aufschlagspiele nicht mit seinem Aufschlag, sondern mit den ersten zwei Schlägen nach seinem Aufschlag.
Selbst wenn du nicht der stärkste Aufschläger bist:
Analysiere dein Spiel und finde heraus, mit welchem Schlag du nach deinem Serve Dampf machen kannst. Mit deiner Vorhand?
Oder Rückhand?
Suche nach Wegen deine Quote beim ersten Aufschlag zu verbessern und spiele dann stark weiter.
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Da ist er ja endlich.
Der Djoker.
Wir hatten ihn vermisst, oder?
Der, der nicht so stark aufschlägt wie andere Haudegen aus der Bestenliste. Djokovic schafft es aber dank seines sicheren Grundlinienspiels ebenfalls sieben bis acht von zehn Aufschlagspielen durchschnittlich nach Hause zu servieren.
Hier sind zunächst seine Daten:
% 1. Aufschlag: 64.1%
% Punkte gewonnen mit dem 1.: 76.1%
% Punkte gewonnen mit dem 2.: 55.5%
% Aufschlagspiele gewonnen: 86.7%
Asse pro Match: 7.4
Doppelfehler pro Match: 2.4
Der Djoker kommt mehr über die Variation. Er stellt seinem Gegner Aufgaben. Man weiß nie, wie Djokovic als Nächstes servieren wird.
Das macht seinen Aufschlag stark. Es ist nicht das Tempo. Der Djoker ist auch kein Ass-Monster.
Seine Stärke ist das Undurchschaubare.
Er serviert seinem Charakter entsprechend.
Was uns direkt zu deinem Aufschlag führt.
Wenn wir mal durch die Jahre reisen, dann finden wir ein paar Stellschrauben, die du vom Djoker adaptieren kannst. Zunächst das Tippen des Balles vor deinem ersten und zweiten Aufschlag. Nein, du sollst das nicht ins Extreme ziehen. Aber der Sinn hinter dieser "Taktik" ist richtig:
Ruhe vor dem Aufschlag finden. Exakt überlegen, wohin du wie servieren willst.
Das ist die größte Lehre, die du vom Djoker übernehmen kannst. Nimm dir vor jedem Aufschlag Zeit und schlage nicht gedankenlos auf. Entwickle für jeden Aufschlag einen genauen Plan, der diese zwei Fragen beantwortet:
Überrascht?
War ich auch.
Aber Grigor gehört in die Kategorie Spieler, die eben nicht mit Kanonenaufschlägen glänzen, sondern mit Köpfchen. Grigor spielt ein Tennis mit Herz und Verstand.
Exakt so serviert er auch.
Bevor wir tiefer in die Aufschlag-Materie von grigor eintauchen, schauen wir auf seine Statistiken.
Hier sind seine Daten:
% 1. Aufschlag: 61.1%
% Punkte gewonnen mit dem 1.: 79.9%
% Punkte gewonnen mit dem 2.: 52.2%
% Aufschlagspiele gewonnen: 87.2%
Asse pro Match: 8.3
Doppelfehler pro Match: 3.7
Er geht nicht auf Asse.
Er geht auf einen schwachen Return des Gegners. Er weiß sicherlich, dass er keine Assmaschine ist. Das ist nicht sein Anspruch mit dem eigenen Serve. Grigor will den Gegner zu einem kurzen Return zwingen, um dann mit seinen starken Grundschlägen die Initiative zu übernehmen.
Ich würde dir eine kleine, mentale Übung für deinen Aufschlag empfehlen.
Stark inspiriert von Grigor Dimitrov. Denn es würde mich nicht wundern, wenn er so vor seinen Aufschlägen denken würde.
Wie die Übung lautet?
Tippe den Ball vor deinem Aufschlag auf. Schaue rüber zu deinem Gegner. Schaue ihn genau an. Überlege dann, wie du ihm einen möglichst fiesen, schwierigen Aufschlag ins T-Feld legen kannst.
Hier ein paar Beispiele, damit du ein Gefühl für diese Übung bekommst:
Steht dein Gegner weit hinter der Grundlinie? Serviere mit Slice und etwas kürzer. Steht dein Gegner im Feld zum Return bereit? Serviere langsamer, kontrollierter und dafür länger auf seine schwächere Seite. Das ist meist die Rückhand.
Steht dein Gegner zu weit mittig zum Return? Serviere mit Slice nach außen.
Nach oben zur Spielerübersicht.
Das größte Learning ist die Tatsache, dass dein Spiel nach deinem Aufschlag wichtiger ist als dein Aufschlag.
Die besten Aufschläger der Welt spielen nach ihrem Serve herausragend weiter.
Hinzu kommen kleinere Learnings.
Dinge, über die nicht jeder Trainer spricht.
Was ich genau meine?
Dein zweiter Aufschlag ist in bestimmten Situationen wichtiger, als dein erster. Jannik Sinner ist nicht der beste Aufschläger. Er bringt aber fast all seine Aufschlagspiele durch, weil er der beste Spieler über den zweiten Aufschlag ist.
Das ist eine Lehre, die du definitiv mitnehmen solltest.
Was mir bei den Statistiken auch aufgefallen ist, ist die Quote des ersten Aufschlags. Man verteufelt sich gerne, wenn man ein paar erste Aufschläge nicht trifft. Die Profis servieren aber auch keine acht von zehn ersten Aufschläge ins Feld.
Keep cool, wenn du im nächsten Spiel nicht direkt jeden ersten Aufschlag triffst.
Korrigiere deinen Ballwurf, bleib ruhig im Oberkörper und denk immer dran:
Mach dir einen Plan, wie du nach deinem Aufschlag weiterspielen willst.
Nach dem Satzverlust bringst du deinen Aufschlag wieder locker durch.
Du hast dich gefangen und dann …
… passiert es.
Du schlägst den Ball ins Netz und es steht 30:40.
Breakball
Es läuft dir kalt den Rücken hinunter.
Beim Aufschlag werden deine Knie weich und das Gedankenkarussell beginnt zu kreisen:
Meinen ersten Aufschlag darf ich jetzt nicht versemmeln, sonst ist es gelaufen.
Unter Druck hat mein Aufschlag noch nie funktioniert, warum sollte das jetzt was werden?
Was, wenn er mich beim Return passiert?
Etc.
Mit dieser Denkweise gewinnst du keinen Blumentopf.
Im Gegenteil.
Die Auswirkungen von negativen Selbstgesprächen sind Gift für dein Spiel, weil …
Für mich ist es immer wieder faszinierend zu sehen, wie sich negative Selbstgespräche und Selbstzerfleischung auf das Spiel auswirken: Selbstbewusste Serve & Volley-Spieler mutieren innerhalb von Sekunden zu Mondball-Spielern.
Kommt dir das bekannt vor?
Wie reagierst du mit einem Satzrückstand beim Stand von 30:40?
Lass mich raten.
Du hast nur noch einen Gedanken:
„Jetzt nur keinen Fehler mit der Vorhand machen.“
Dein Selbstvertrauen und deine perfekt funktionierenden Automatismen sind auf einmal wie weggeblasen.
Mit dieser Haltung gewinnst du kein Aufschlagspiel.
Ich behaupte, dass du das Match mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 % verlierst, wenn du mit diesem Mindset spielst.
Und, mal ehrlich – so Tennis zu spielen, macht doch keine Freude.
Möchtest du nicht lieber selbstbewusst und überzeugt von deinen Fähigkeiten auf dem Platz stehen?
Ist es nicht cooler, wenn du auch unter Druck dein bestes Tennis auspacken kannst?
So, wie das die Champions tun?
Ich denke schon, oder?
Damit du dich wieder ins Spiel bringen kannst, ist es hilfreich, die Muster von negativen Selbstgesprächen erkennen.
Negative Selbstgespräche folgen immer den gleichen Mustern. Schau doch mal, in welchen du dich wiederfindest.
1. Verallgemeinern von negativen Erfahrungen
„Gegen Gegner X habe ich immer verloren. Warum sollte ich diesmal gewinnen? Ich verliere sowieso.“
Frisch nach dem Motto: Einmal verloren – immer verloren.
2. Katastrophendenken
„Jetzt habe ich ein Break kassiert. Der Satz ist weg, das Match verloren.“
Warum spielst du dann noch weiter?
3. Ausschliesslichkeitsbehauptungen
„Bei wichtigen Punkten ist der Wind immer zu meinen Ungunsten/spiele ich immer gegen die Sonne.“
Echt?
4. Unrealistische Erwartungen
„Nur, wenn ich perfekt aufschlage und 90 % meiner ersten Aufschläge im Feld sind, kann ich gewinnen.“
Viel Erfolg!
Solange alles gut läuft, bemerkst du nicht einmal, dass du Selbstgespräche führst.
Sobald du aus deiner Routine kippst, ändert sich die Situation schlagartig.
Wenn du den Ball bei 30:30 ins Netz schlägst und es 30:40 steht und du Gefahr läufst, deinen Aufschlag zu verlieren, dann beginnen die Gedanken zu kreisen.
Leistungsförderlich ist das nicht.
Stell dir vor, du würdest mit deinen Freunden so sprechen, wie du in diesem Moment mit dir selber sprichst:
„Du Vollpfosten, ich wusste, dass du der grösste Versager im Universum bist und diesen Ball ins Netz schlägst.“
Würdest du so mit deinen Freunden sprechen?
Wohl kaum.
Dann hättest du bald keine Freunde mehr.
Richtig?
Warum sprichst du dann so mit dir?
Bist du dir weniger wert als deine Freunde?
„Sprich so mit dir, wie du mit jemandem sprechen würdest, den du liebst.“ - Brené Brown
Wie du mit dir sprichst, hat einen grossen Einfluss auf deine Leistung und auf dein Wohlbefinden.
Du kannst dich selber zur Schnecke machen, dich bemitleiden und wie ein Häufchen Elend auf dem Platz agieren, wenn dir etwas misslingt.
Nach dem Match sagst du: „Ich wusste schon von Anfang an, dass ich keine Chance habe.“
Wirklich? Warum bist du dann angetreten?
Wäre es nicht besser, wenn dich deine Selbstgespräche motivieren und deine Handlung unterstützen?
„Ich serviere meinen besten Kick-Aufschlag und setze ihn unter Druck.“
Du kannst selber entscheiden, ob du leistungsfördernde oder leistungshemmende Selbstgespräche führst.
Für was entscheidest du dich?
Gut :-)
Mit zielführenden Selbstgesprächen kannst du …
… dich selber motivieren und zurück ins Spiel kommen:
- „Ich pack’s !“
- „Come on!“
- „Jetzt kommt meine Zeit!“
… rationalisieren. D. h., du gibst der Situation (z. B. Breakball gegen dich) einen anderen Rahmen, damit sie nicht mehr bedrohlich ist.
Damit bleibst du bei dir, deinem Spiel und deinen Stärken. Dein Spiel kannst du selber beeinflussen, wenn du das willst:
- „Nächster Punkt, nächste Chance.“
- „Ich vertraue auf meinen Service.“
… deine Aufmerksamkeit gezielt steuern und deine Handlung unterstützen.
Entscheidend ist, was du jetzt in diesem Moment tust und nicht, was eventuell passieren könnte.
- „Ich serviere nach aussen.“
- „Ich bewege mich agil und schnell.“
Auch leistungsfördernde Selbstgespräche folgen einem Muster.
1. Sie sind positiv und annähernd formuliert.
„Ich schlage souverän und mit Top-Spin auf“ (vs „Ich darf den Aufschlag nicht wieder ins Aus schlagen.“).
Das gibt doch ein anderes Gefühl, oder?
2. Sie enthalten das Wort ICH.
„Ich retourniere selbstbewusst.“
Merkst du den Unterschied?
3. Sie fokussieren sich auf deine Stärken.
„Ich spiele Serve-and-Volley.“
Ist es nicht cool, wenn du weisst, dass du es kannst?
4. Sie unterstützen deine Handlung und sind lösungsorientiert.
„Ich treffe den Ball vor dem Körper und beschleunige ihn.“
Jetzt weisst du genau, was du tun musst.
5. Sie betreffen die Gegenwart oder die Zukunft.
„Ich spiele jeden Punkt und setze meinen Gegner unter Druck.“
Schon der Gedanke daran beflügelt, oder?
Ein Mann, der gewinnt, ist ein Mann, der glaubt, dass er es kann.
Roger Federer
Leistungsfördernde Selbstgespräche müssen zwingend realistisch sein.
Es hilft dir wenig, wenn du tolle Selbstgespräche führst, die wenig mit der Realität zu tun haben. Zielführend sind diese nicht, weil dein Unbewusstes dagegen rebellieren wird. Das ist kontraproduktiv.
Gute Selbstgespräche sind Handlungsanleitungen ohne Selbstbetrug, die du in deiner eigenen Sprache formulierst.
Informationen verarbeitest du sprachlich und bildlich. Bei guten Selbstgesprächen kannst du dir ein Bild von deiner Aktion machen, z. B. „Ich treffe den Ball vor dem Körper.“
Selbstgespräche musst du regelmässig üben.
Mit den Selbstgesprächen ist es wie mit deinen Grundschlägen.
Nur wenn du sie regelmässig im Training und in Trainingswettkämpfen übst, werden sie zu einem Automatismus, den du im Schlaf abrufen kannst.
„Wenn es dann so weit ist, denke ich schon daran.“
Das ist leider ein Märchen.
Unter Druck ist deine Birne so voll, dass du keine Kapazität hast, an irgendetwas Vernünftiges zu denken.
Darum ist das Geheimnis guter Selbstgespräche üben, üben und nochmals üben.
Du hast es selber in der Hand :-)
Die Muster von leistungshemmenden und leistungsfördernden Selbstgesprächen kennst du jetzt.
Das Wissen alleine macht aus dir noch keinen Champion.
Der kleine Unterschied entsteht im Tun.
1. Nimm wahr, in welchen Situationen du negative Selbstgespräche führst, und halte diese fest.
Z. B.: „Meinen ersten Aufschlag darf ich nicht versemmeln, sonst habe ich keine Chance.“
Das ist eine Bankrotterklärung, bei der du das Spiel verloren hast, bevor der erste Ball gespielt wurde. Ist dein ganzes Spiel abhängig von deinem ersten Aufschlag?
2. Formuliere diese negativen Selbstgespräche in positive und leistungsfördernde Selbstgespräche um.
Z. B.: „Ich serviere jeden Aufschlag präzise ins Feld.“
Hier hast du das Ziel klar definiert: deinen Aufschlag präzise zu spielen. Dein Kopf hat jetzt eine sprachliche und bildliche Anweisung. Er weiss, dass dein Aufschlag präzise im Feld landen muss. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass deine Aufschlagspiele gut und präzise sind.
3. Deine leistungsfördernden Selbstgespräche übst du bewusst im Training und im Wettkampf.
Je mehr du übst, desto besser wirst du.
Kurz gesagt: Rede so mit dir, dass es für dich nützlich ist.
Ich habe aufgehört, zu viel darüber nachzudenken, was passieren könnte, und habe mich auf meine körperliche und mentale Stärke verlassen, um die richtigen Schläge zum richtigen Zeitpunkt zu spielen.
Novak Djokovic
Jetzt liegt es an dir, ob du deinen Kopf als Bremsklotz oder als Gaspedal nutzt.
Nutze deine Möglichkeiten!
Martin
]]>Die Leute stürzten sich hinein.
Der Himmel war wolkenlos blau. Der Sand wie aus einem Gemälde geklaut.
Es waren nur knapp 25 Grad. Aber in Dänemark tobten die Wellen. Die Kids warfen sich in die großen Ungetüme.
Die Hunde (in Dänemark gibt es Hundestrände für die Pfotencowboys) erfrischten sich in den kleinen Wellen am Ufer. In der folgenden Stunde veränderte sich die Dynamik der Wellen ständig. Mal kamen riesige Wasserwände auf das Ufer zu.
Fünf Minuten später konnte man Steinefletschen spielen.
Auch im Match hast du mit großen und kleinen Wellen zu tun. Die großen Wellen sind die langen Rallys.
Epische Ballwechsel, über die du nach dem Match an der Theke sprichst.
Die kurzen Ballwechsel sind wie kleine, vor sich hin plätschernde Momente. Ballwechsel-Statistiken zeigen dir das Muster der Energie im Match.
Rafael Nadal und Novak Djokovic würden diesen Artikel mit einem müden Lächeln lesen.
Die gleich folgenden Daten sind verblüffend.
Wir werden auch besprechen, wie aussagekräftig Zahlen wirklich sind. Wie sieht die Geschichte aus, wenn du gegen einen Mondball-Zombie spielst?
Bevor wir uns auf Zahlen und Fakten stürzen, müssen wir zum Einstieg eine Frage beantworten:
Nicht ganz unwichtig, oder?
Ich kenne Leute, die zählen erst ab dem Return.
Das ist nicht ganz korrekt.
Jeder Ballwechsel startet mit dem Aufschlag und dem Return des Gegners. Dabei wird der Aufschlag als erster Schlag des Ballwechsels gerechnet. Der Return des Gegenspielers als der zweite Schlag. Jeder folgende Schlag ist ein weiterer Schlag innerhalb des Ballwechsels.
Ein Ass ist ein Ballwechsel mit einem Schlag.
Ein Returnwinner ist ein Ballwechsel mit zwei Schlägen.
Rally-Längen von 1 bis 4 Schlägen sind im Durchschnitt am häufigsten.
Sie kommen in 70 % der Ballwechsel vor (sowohl bei Männern als auch bei Frauen). Ballwechsel-Längen zwischen 5 und 8 Schlägen kommen etwa 20 % der Zeit vor und die Verbleibenden neun und mehr Rallye-Längen kommen etwa 10 % der Zeit vor.
Bedeutet für Nicht-Mathemathiker wie mich:
1 1/2 Sätze spielst du kurze, knackige Ballwechsel. Der Rest wird aufgestockt mit einigen längeren Ballwechseln. Wenn beide Spieler die Buchsen voll haben, werden längere Ralys gespielt.
Es gibt eine Ausnahme.
Abseits der Profitour und in einem LK-Bereich zwischen 13 und 20, kann eine Sonderregelung eintreten.
Und zwar dann, wenn zwei Mondball-Zombies zur gleichen Zeit den Weg auf den Court gefunden haben. Ich habe Matches erlebt, bei denen der durchschnittliche Ballwechsel 8-15 Schläge ging 😎. Nach manchem Ballwechsel war der Zuschauer verwundert, dass kein Schnee auf der Murmel war.
Mondballspieler vermeiden den schnellen Ball.
Sie machen weniger Fehler. Dazu spielen sie kontrolliert, was nicht verkehrt ist. Treffen zwei solcher Spielertypen aufeinander, werden die Ballwechsel länger.
Es gibt eine Flut von riesigen Wellen.
Das muss allerdings nicht der Fall sein, wenn ein Mondballspieler auf einen Hardhitter trifft.
Ein Spieler, der den Ball sehr hart, sehr flach über das Netz spielt. Ohne Spin, ohne Schnörkel. Der Spielertyp Hardhitter möchte lange Ballwechsel vermeiden. Er will dominant spielen, den Gegner zum reagieren zwingen.
Hier eine interessante Grafik dazu:
Grafik von researchgate.net
Die Grafik zeigt, dass bei Damen und Herren durchschnittlich ca. 22 % der Ballwechsel im Match 2-3 Schläge dauern. Ganz rechts auf der Grafik siehst du die Mondball-Zombies ☠. Nach vier Schlägen nimmt die Quote deutlich ab.
Das führt uns zur folgenden Frage:
Zwei Schläge sind entscheidend. Auf ihnen baut dein Spiel auf. Sie sind die Bodenplatte deines Tennis-Hauses.
Das sind:
1) Dein Aufschlag
2) Dein Return
"Kühn, dein ernst?" - denkst du jetzt.
Ich weiß, ich weiß ...
Damit erzähle ich dir nichts Neues. Aber hast du darüber nachgedacht, wie wichtig der Schlag nach dem Aufschlag und Return ist?
Dieser Schlag wird oft unterschätzt.
Ein Novak Djokovic hat eine famose Quote an gewonnenen Aufschlagspielen. Bei den Big-Points ist er der König. Er ist schwer zu breaken. Egal, gegen wen er spielt.
Ist er das, weil er wie ein Ungeheuer serviert?
Keinesfalls.
Der Djoker spielt nach seinem Aufschlag famos weiter. Er positioniert sich clever. Er dosiert seine Schläge richtig. Er platziert Vor- und Rückhand so, dass der Gegner laufen muss.
Das ist der Grund für seine starken Aufschlag-Statistiken. Das kannst du dir von ihm abschauen. Entscheidend ist nicht, wie schnell du servierst. Entscheidend ist, wie gut du nach deinem Aufschlag weiterspielst.
Es ist nicht sein Aufschlag, der seinen Aufschlag stark macht. Es sind die ein, zwei Schläge nach seinem Aufschlag.
Ich habe eine Statistik aus dem Jahre 2019 gefunden.
In dieser geht es um nicht returnierte Aufschläge. In dieser Liste ist der Djoker "nur" auf Rang sechs gelistet. Hinter Roger Federer, Felix Auger-Aliassime, John Isner und - Achtung - Cristian Garin.
Hier ein Blick auf die Statistik:

Quelle: medium.com
Verblüffend, oder?
Der Djoker macht nicht viele freie Punkte mit seinem Aufschlag.
Ich will nicht sagen, dass er die Kugel nur einwirft. Das stimmt nicht. Er serviert mit viel Variation. Der Gegner kann sich nur schwer auf seinen nächsten Aufschlag einstellen.
Er platziert seine Aufschläge, wie auch die Grundschläge, mit Köpfchen.
Du kannst dir wichtige Fragen für dein Spiel stellen:
1) Wie will ich nach meinem Aufschlag weiter spielen? Wohin will ich den Ball wie spielen?
2) Wo will ich mich nach meinem Aufschlag und Return positionieren? Will ich aggressiv an der Grundlinie stehen? Oder lieber abwartend ein bis drei Schritte hinter der Grundlinie?
Lass uns kurz zusammenfassen, was wir bisher wissen.
70 % der Ballwechsel gehen laut Statistiken nicht länger als vier Schläge. Die meisten dieser kurzen Ballwechsel sind 2-3 Schläge lang.
Das wären:
1) Aufschlag
2) Return
3) Vorhand, Rückhand, Volley, Überkopfball etc.
Diese Statistiken sind das grobe Schema.
Klar, die Statistiken zu den Ballwechseln in unserem oft geliebten, oft gehassten Tennissport sind wichtig. Jeder von uns weiß, dass die ersten vier Schläge wichtig sind. Der Aufschlag und der Return sind die beiden wichtigsten und entscheidendsten Schläge.
Du merkst schon, es kommt ein Aber.
Wir müssen Fragen stellen.
Dazu gibt es keine offiziellen Statistiken.
Sorry für die Enttäuschung.
Da es keine Daten gibt, müssen wir darüber sprechen.
Und:
Mal unter uns.
Wie oft sitzt dein erster Aufschlag?
Eben ...
Bei den Profis, aber auch bei uns Clubspielern, ist die Dynamik nach einem zweiten Aufschlag eine ganz andere. Der Ballwechsel verläuft anders, wenn ein Spieler über den zweiten Aufschlag gehen muss. Hinzu kommt die Qualität des ersten und zweiten Aufschlages.
Nicht jeder Spieler serviert wie Milos Raonic.
In den letzten Jahren habe ich eine interessante Beobachtung gemacht.
Die Kanonen-Aufschläger gibt es in dieser Form nicht mehr. Alle starken Spieler servieren gut, spielen aber auch gut nach ihrem Aufschlag weiter. Darüber haben wir ein Stückchen weiter oben bereits in der "Causa Djokovic" gesprochen.
Die Spieler zeichnet ein starkes Grundlinienspiel mehr aus, als ein 240 km/ Aufschlag. Diese enorm harten Aufschläger werden von den Young-Guns weg-returniert.
Sinner, Alcaraz, Rune und der junge Tscheche Jakub Mensik sind herausragende Returnspieler.
Auf unserem Clubspieler-Niveau gilt ein ähnliches Prinzip.
Du wirst mit deinem ersten Aufschlag nur selten alles in Grund und Boden dominieren. Du lebst nicht von einfachen Punkten dank deines ersten Aufschlages. Du kannst in manchen Ballwechseln einen guten ersten Aufschlag als eine Basis für das Aufbauen des Punkts nehmen.
Aber mehr auch nicht.
Es lohnt sich nicht, einfach nur noch Aufschlag und Return zu trainieren. Die weiteren Schläge und taktischen Spielzüge sind wichtig.
Was ein cooles Beispiel aus der Vergangenheit zeigt.
Der Djoker und Sir Andy Murray haben das Grundlinienspiel revolutioniert.
Rafa gehörte auch dazu.
Im Jahr 2017 spielten die beiden Grundlinien-Experten Murray und Djokovic in Doha im Finale gegeneinander.
Es geht nicht um das Ergebnis.
Sondern um die Ballwechsel-Statistiken aus diesem Match.
Hier sind sie:
38 % der Punkte waren im Bereich von 0-3 Schlägen.
So, wie wir es gelernt haben.
Aber:
26 % der Ballwechsel gingen zehn Schläge und mehr. Das ist eine Hausnummer.
Wie konnte das passieren?
Beide Spieler waren keine Kanonen-Aufschläger. Beide Spieler waren sehr gute Returnspieler. Beide Spieler waren sehr starke Grundlinienspieler.
Ich bin ein großer Freund dieser Statistiken. Sie können dir viel über dein Spiel verraten. Du brauchst aber die richtigen Fragen zu diesen Statistiken.
Eine Ballwechsel-Statistik, die nicht die Spielertypen des Matches beachtet, kann nicht aussagekräftig sein.
Mal angenommen, du spielst mit deiner starken Vorhand, deiner soliden Rückhand und der holprigen Beinarbeit gegen einen Serve-and-Volley-Spieler.
Kannst du davon ausgehen, dass 26 % der Ballwechsel länger als zehn Schläge gehen?
Wohl kaum.
Gegen einen Mondballspieler spielst du viel längere Ballwechsel.
Wir halten fest:
Jede Statistik verrät dir ein Detail über dein Spiel. Noch interessanter sind die Spielertypen, die für diese Statistik gesorgt haben.
Eine kurze Zwischenfrage:
Trotz einiger kleiner Unterschiede in der Spielweise zwischen Männlein und Weiblein, wie z. B. das Verhältnis von Arbeit und Ruhe (Männer 1:3,63±0,38; Frauen 1:4,05±0,73), die Punktdauer (Männer 5,93±0,67 s; Frauen 5,44±1,11 s) und die Anzahl der Ballwechsel (Männer 4,85±0,48; Frauen 4,47±0,72), wurden in einer Studie von researchgate.net keine Unterschiede in der Ballwechsel-Länge gefunden.
So, nimm dir einen Schluck Kaffee oder Tee.
Wir kommen jetzt zu der vielleicht interessantesten Ballwechsel-Statistik. Ich kann dich beruhigen. Sie ist nicht sehr zahlenlastig und einfach zu verstehen.
Ich zeige dir zunächst die Grafik. Dann sprechen wir darüber.
Hier ist sie:

Quelle: atptour.com
Links finden wir die Siegchance in Prozent.
Fängt mit 50 % an, weil es beim Tennis kein Unentschieden gibt.
Rechts finden wir eine interessante Prozentzahl.
Diese zeigt an, wie oft ein Spieler die Chance hat im Ballwechsel zu attackieren. Das kann ein zu kurzer Ball des Gegners sein. Das kann ein sehr aggressives Grundlinienspiel eines Spielers sein.
Das kann aber auch ein herausragender erster Aufschlag sein, der bei vielen Punkten bei eigenem Aufschlag die Chance zur Attacke eröffnet.
Die Grafik zeigt:
Je höher die Prozentzahl der Chance in den Attacke-Modus zu schalten, desto höher die Siegchance im Match.
Kurz gesagt:
Wer aggressiver spielen kann, der wird mit größerer Wahrscheinlichkeit den Court als Sieger abziehen.
Die Betonung liegt hier auf dem kleinen Wörtchen kann.
Die Daten sagen nicht aus, dass du wie ein Berserker auf den Punkt gehen sollst. Viel mehr bedeuten die Daten, dass der Spieler, der mehr Attacke-Chancen kreieren kann, öfters gewinnt.
Stelle dir dazu folgende Fragen:
Viele Clubspieler wollen den Punkt schnell beenden. Das ist löblich. Aber es fehlt eine Zwischenstation auf dem Weg zu diesem Beenden. Diese Zwischenstation ist das Kreieren von Chancen, in den Attacke-Modus schalten zu können.
Jannik Sinner ist ein Beispiel.
In diesem Artikel schrieb ich darüber, was er sich von Novak Djokovic für sein Spiel abgeschaut hat.
Wovon spricht der kühne Tennis-"Prof"?
Es ist das kontrollierte Spiel durch die Mitte.
Diese Spielweise, lang und mit wenig Fehlern im Verlauf eines Ballwechsels durch die Mitte zu spielen, zwingt den Gegner zu Handlungen. Der Gegner muss agieren. Nicht selten überpowert er dann und macht den Fehler.
Oder er wird im Laufe des Ballwechsels zu kurz.
Und genau dann kann Sinner zupacken.
Er besitzt harte Grundschläge. Er kann in den Attacke-Modus schalten, wenn er die Chance bekommt. Sinner hat es in den letzten Monaten geschafft, mehr dieser Attacke-Chancen zu kreieren.
Wie?
Indem er kontrollierter und - Achtung! - langsamer spielte.
Das führt uns zur folgenden Überlegung:
Du erhöhst deine Siegchance, indem du deine Attacke-Chancen erhöhst.
Dafür musst du Situationen im Ballwechsel kreieren, die dir die Chance zur Attacke geben. Musst du ultra-aggressiv spielen?
Jannik Sinner verrät es uns.
Nein, lieber Tennisfreund, das musst du keinesfalls. Das Gegenteil ist der Fall. Du kannst mehr Attacke-Chancen kreieren, indem du langsamer und kontrollierter spielst. Ich habe auf meinem Blog, in meinen Onlinekursen und in meiner E-Mail-Community oft darüber geschrieben:
Es ist immer einfacher einen schnellen Ball des Gegners noch schneller zu machen, als einen langsamen Ball des Gegners zu beschleunigen.
Das ist ein grundlegendes Tennis-Gesetz. Eine komplette Taktik.
Dieses Gesetz erhöht deine Attacke-Quote, ohne mehr Risiko gehen zu müssen.
Ballwechsel-Statistiken können dein Spiel verbessern.
Wir müssen aber genau hinschauen. Es lohnt sich, bei Ballwechsel-Statistiken in die Tiefe und nicht nur in die Breite zu gehen.
Dazu gehört die wichtige Frage:
Welche Spielertypen spielen da überhaupt gegeneinander? Und wie lassen sich Statistik-Schemata auf dieses beiden Spielertypen anwenden?
Wir haben aus unseren Statistiken gelernt:
Halte den Ball im Spiel und packe zu, wenn du die Chance bekommst.
]]>"Marco, komm mal rüber!".
Ich schlurfte Richtung Bank. In der Zeit kramte Tom in seiner Tennistasche.
Ich erreichte die grüne Bank neben unserem Trainingsplatz Nummero 2. Sie wurde das letzte Mal vor 50 Jahren gestrichen. Zumindest sah sie so aus.
"Du fängst jetzt an, zu lesen. Winning Ugly heißt das Buch. Es ist von Brad Gilbert!" - sagte Tom.
Bis dahin war ich mehr der Typ, der Batman-Filme und verbotene Horrorfilme schaute.
Aber:
Ich verschlang das Buch innerhalb weniger Tage. Mir wurde klar, warum Tom verrückt in Sachen Strategie und Taktik war. Und mir wurde auch klar, wie wenig ich über Wettkampf-Tennis und Medenspiele wusste.
Winning Ugly ist DAS Clubspieler-Buch. Brad Gilbert spricht den typischen Clubspieler in diesem Buch auch explizit an.
Es ist ein Buch von einem ehemaligen Profi für den von Mondball-Zombies gejagten Clubspieler. Für Spieler, die technisch gut sind, aber ihr Potenzial im Match nicht abrufen können.
Ich bin mit diesem Schinken quasi groß geworden. In diesem Artikel stelle ich dir die Lehren vor, die dein Tennis innerhalb kürzester Zeit nach vorne bringen können.
Die erste Auflage von Winning Ugly erschien im Jahr 1993.
Mit den Jahren verlor das Buch nie an seinem Einfluss für Tennisspieler. Auch wenn die Beispiele älter wurden. Im Jahr 2021 wurde eine leicht erneuerte Ausgabe veröffentlicht.
Unter anderem ist das Cover jetzt moderner. Inhaltlich hat sich, aus meiner Sicht, nicht allzu viel verändert. Das spricht auch für das Buch.
Die Lehren aus Winning Ugly sind zeitlos.
Brad Gilbert war federführend.
Er war selbst Profispieler, der gegen Boris Becker und Jimmy Connors spielte. Du findest in Winning Ugly allerlei Beispiele aus seiner aktiven Zeit. Es ist cool, seine Gedanken zu verschiedenen Matches und Spielsituationen zu lesen.
Oft stecken dort kleine, feine Tricks für dich als Clubspieler drin.
Steve Jamison, der "Co" des Buches, ist Autor für Tennis- und Golfmagazine.
Die lockere Schreibweise und die vielen Beispiele aus dem Tennisleben werden von Clubspielern geliebt.
Dazu ist es eines der wenigen Sachbücher für Tennisspieler. Mit konkreten Tipps für großes Tennis trotz Wackelarm und Tennis-Dämonen im Kopf.
Das Buch zeigt eine andere Sichtweise, erfolgreicher Tennis zu spielen. Es geht nie um Technik. Bei Winning Ugly stehen Mentalität und Strategie im Mittelpunkt.
Okay, wir haben uns aufgewärmt.
Jetzt schauen wir uns die 13 besten Lehren aus Winning Ugly genauer an.
Klopf dir die Asche aus den Grätensohlen und richte deine Saiten.
Hebe die Hand, wenn du einen Tennis-Perfektionisten in dir hast.
Streben wir nicht alle nach DEM perfekten Match, DEM perfekten Schlag?
Ja, wenn wir ehrlich sind, dann tun wir das. Ich mein, wer will nicht reihenweise Vorhand Lonline-Winner ins Eck des Gegners prügeln?
Diese mentale Einstellung führt allerdings nicht zu mehr Siegen. Sie führt zu mehr Frust.
Ich wollte damals als Jugendspieler immer schön spielen. Wer schön spielt, der muss auch gewinnen. Das war meine Annahme.
Diese Annahme ist komplett falsch.
Wir beide haben vermutlich viel zu oft gegen Mondballspieler verloren, die den Ball nur hoch im Spiel halten.
Die vielleicht wichtigste Lektion aus Winning Ugly lautet daher:
Spiele nicht perfekt. Spiele einfach nur ein Stück besser als der Gegner, der dir in deinem Match gegenüber steht!
Wie du das schaffst, klären wir gleich noch.
Vor einem wichtigen Medenspiel grübelst du über deine Rechnungen nach.
Deine Waschmaschine ist letzte Woche kaputtgegangen. Dein Sohn hat eine schlechte Matheklausur mit nach Hause gebracht. Auf der Arbeit geht dir dein Chef seit zwei Wochen mit immer neuen Aufgaben auf den Sack.
Am Wochenende fährst du dann zu deinem Medenspiel. Du willst gewinnen, klar.
Aber bist du auf dein Match mental vorbereitet?
Brad schreibt in Winning Ugly:
Die Topspieler kamen mit der Erwartung auf den Platz, mich genüsslich zu verspeisen. An den ersten Bissen dachten sie bereits, seitdem sie wussten, dass ich auf dem Speiseplan stand. Sie brauchten keine vier oder fünf Spiele, um Appetit zu entwickeln, sie waren vom Start weg hungrig. Der Hauptgang: überbackener Gilbert.
Hier ein paar Ideen, wie du dich mental auf deine Matches vorbereiten kannst:
Wir kommen gleich noch weiter auf diesen mentalen Part zu sprechen. In dieser Zverev-Vorhand-Analyse habe ich über den Einfluss der Vorhand auf die Mentalität eines Spielers geschrieben.
Check den Artikel gerne aus.
Einer meiner absoluten Favorites aus dem Buch.
Diese Technik lehre ich in einigen meiner Kurse und dem Mentalgiganten Trainingsnewsletter.
Brad schreibt in Winning Ugly über ein Match gegen Ivan Lendl:
Das Match wird so verlangsamt, dass man das Gefühl hat, in Treibsand zu spielen
Was meinte der gute, alte Brad damit?
Lendl lag zurück und begann kurz vor seinem Aufschlag eine Diskussion mit dem Schiedsrichter. Er nutzte jede Möglichkeit, das Tempo des Matches zu verlangsamen. Er nahm sich mehr Zeit zwischen den Ballwechseln. Kurz bevor Brad servieren wollte, hob er die Hand und fuchtelte nochmal an seiner Kleidung oder dem Racket herum.
All das hatte nur ein Ziel:
Den Rhythmus von Brad zerstören.
Nicht nur den spielerischen, auch den gedanklichen Rhythmus.
Ich habe einigen Spielern ähnliche mentale Taktiken mitgegeben. Hier eine kleine Auswahl, die du für dich nutzen kannst:
Alles klar, wir machen weiter.
Mal unter uns:
Es gibt nur ganz wenige Spieler, die einfach ihren Stiefel herunterspielen und zuverlässig gewinnen können. Wir als Clubspieler müssen uns am Gegner orientieren. Besonders in den Matches, in denen wir der Underdog sind.
Brad schreibt in Winning Ugly viel über die spielerischen und MENTALEN Schwächen deiner Gegner.
Aber was meint er mit diesen mentalen Schwächen?
Hier ein Beispiel aus dem Buch:
Je schlechter der Spieler ist, desto kürzer will er sich in der Regel einspielen
Das Einschlagen wird mir zu sehr unterschätzt. Ein paar Minütchen bequem Bälle schlagen, acht Aufschläge und zuvor drei Volleys.
Das war`s oft.
Nein nein, lieber Tennisfreund.
Das Einschlagen ist deine Analyse des Gegners. Du machst dich auf die Suche nach Informationen. Wie holt er aus? Bewegt er sich gut? Oder ist er ein Kühlschrank ohne Beinarbeit?
Schlägt er die Vorhand mit viel Spin oder sehr gerade?
Merkst du, wie viele Strategien und Spielzüge du dir zurechtlegen kannst, allein NACH dem Einspielen?
Hier ein weiterer Tipp, wie du mentale Schwächen beim Gegner bereits im Einschlagen feststellen kannst:
Als ich irgendwann Anfang der 2000er ein Turnier spielte, rastete mein Gegner im Einschlagen fast aus.
Er regte sich über jeden zu kurz oder ins Aus gespielten Schlag auf.
Im Einschlagen!
Er war aber ganz sicher kein schlechter Mann. Seine Vorhand war stark, seine beidhändige Rückhand sehr schnell. Dazu war er fit und schlug mit dem ersten Aufschlag sehr hart auf.
Spielerisch war er stark. Doch offenbarte er im Einspielen klare mentale Schwächen. Es ist nicht normal, sich im Einspielen aufzuregen. Dazu ist es alles andere als normal, sich über zu kurze Schläge aufzuregen.
Was tat ich?
Mein Matchplan stand nach drei Minuten:
Ruhig bleiben, höher über das Netz spielen, gut bewegen - und auf Fehler warten. Bloß NICHT selbst das Tempo in den Ballwechseln forcieren.
Ich war nicht der bessere Spieler auf dem Court. Aber ich gewann das Match.
Oder anders gesagt:
Der Gegner verlor das Match.
Für mich einer der besten Tipps bei akuter Nervosität.
Brad schreibt dazu in Winning Ugly:
Kurze Schläge sind die Folge von enormer Anspannung
Fokussiere dich vom ersten Schlag an auf die Länge in deinen Schlägen. Ich würde dir dazu raten, dich bewusst auf das Anschauen des Balles zu konzentrieren.
Dein Ziel für den Beginn eines Matches sind nicht tolle Winner oder brachiale Vorhände. Dein Ziel sind lange, kontrollierte Schläge zwischen T- und Grundlinie.
Die ganze Geschichte hat auch eine psychologische Wirkung:
Deine Gedanken wandern von deinen angsterfüllten zu lösungsorientierten Gedanken. Du beschäftigst dich mit deinem Schlag, dem Jetzt. Und nicht mit deiner Nervosität, die sich meist um einen negativen Ausgang des Matches dreht.
Warum du auf keinen Fall gegen deine Nervosität kämpfen solltest, das erfährst du gleich noch.
Wir haben gelernt, wann ein Match beginnt.
Nicht beim Einschlagen.
Es beginnt ein oder sogar zwei Tage VOR deinem Match. Brad gibt in Winning Ugly coole mentale Checklisten als kleine Unterstützung. Du findest hier eine Studie über Angst im Tennis.
Zum Beispiel:
Im Mentaltraining ist das die Frage-Methode.
Bedeutet:
Du gehst unangenehme Fragen durch und gibst dir ehrliche Antworten. Dieses Prinzip eignet sich hervorragend als mentale Matchvorbereitung. Die zwei Fragen aus Winning Ugly reichen für den Einstieg in die mentale Wettkampfvorbereitung absolut aus.
Du kannst aber viel tiefer gehen:
Gehe bei deiner mentalen Matchvorbereitung in die Tiefe, nicht in die Breite.
Du hast die ersten drei Aufschlagpsiele komplett verschlafen.
Bei 0:3 sitzt du genervt auf der Bank. Du suchst deine Banane, die du definitiv eingepackt hast. Deine Tennistasche entblößt nach dem Öffnen des Reißverschlusses das absolute Chaos.
Dir springen Shirts und Socken entgegen. Dein Portemonnaie hat sich verselbstständigt und all dein Kleingeld fliegt durch deine Tasche.
Anstatt genussvoll in deine Banane zu beißen, gehst du mit noch mehr Frust auf dem Racket wieder an die Grundlinie zurück.
Merkst du, wie wichtig deine Tennistasche für deine Matches ist?
Brad gibt in Winning Ugly nicht nur den Tipp, die eigene Tasche frei von Chaos zu halten. Er gibt auch Ideen mit, was in deine Tasche gehört:
Diese Ideen sind top für eine gut gepackte Tennistasche.
Niemand kann sich davon freisprechen.
Mal ehrlich, wer wärmt sich schon auf?
Dabei ist das Aufwärmen extrem wichtig für deine langfristige Gesundheit. Du vermeidest unnötige Verletzungen. Du gehst besser vorbereitet in dein Match.
Lockeres Stretching, Laufen, Trockenübungen der Schläge.
Diese drei Punkte reichen aus, um dich gut vorzubereiten. Brad schreibt in Winning Ugly viel darüber, wie "kalt" viele Clubspieler ins Match gehen. Sie nutzen das Einschlagen und die ersten drei, vier Aufschlagspiele um warm zu werden.
Da kann der erste Satz für dich gelaufen sein.
Bring deinen Kreislauf vor dem Betreten des Courts in Schwung. Gehe in Gedanken Spielzüge und Schläge durch. Kombiniere die körperliche mit der mentalen Matchvorbereitung.
Dann bist du bereit, auf dem Platz zu gewinnen.
In zahlreichen Mentalcoaching-Gesprächen höre ich immer wieder:
"Was kann ich gegen meine Nervosität tun?".
Die ehrliche Antwort:
Nichts.
Das schreibt auch Brad in Winning Ugly:
Es ist normal, vor einem wichtigen Match nervös zu sein; egal ob es um einen bestimmten Spieler oder ein bestimmtes Turnier geht
Die Wahrheit ist:
Du kannst lernen MIT deiner Nervosität besser Tennis zu spielen. Du kannst aber nicht lernen OHNE Nervosität zu spielen. Sie gehört zu deinen Matches wie der Netzpfosten.
Dieser Wechsel der inneren Haltung bringt uns auf eine ganz andere Sichtweise. Du versuchst nicht mehr, NICHT nervös zu sein. Diesen Kampf kannst du unmöglich gewinnen. Du überlegst, wie du trotz Nervosität besser im Match funktionieren kannst.
Brad gibt dazu zwei Tipps:
Die Atmung ist deine effektivste Waffe bei Nervosität. Allein das bewusste, tiefe Ein- und langsame Ausatmen, kann deine Nerven beruhigen. Ein ruhigerer Geist denkt zielgerichteter. Du kommst auf bessere Ideen für dein Spiel.
Die wichtige Lehre für deine Medenspiele lautet klar und deutlich:
Lerne MIT deiner Nervosität zu spielen. Bekämpfe sie nicht.
Lässt du dich von Schummlern aus deinem Rhythmus bringen?
Dann denk bitte nochmal nach.
Was will der Schummler, wenn er schummelt?
Du hast recht. Es ist sein Ziel, dich aus dem Rhythmus zu bringen. Er will deinen Zorn sehen. Er will frustrierte Fehler von dir sehen.
Möchtest du ihm diesen Gefallen tun? Ich denke nicht.
Lass dich nicht veräppeln auf dem Court. Es geht nicht darum, ob der Ball wirklich im Aus war oder nicht. Es geht um das mentale Spielchen zwischen den Ohren. Es geht darum, ob du dich auf diese Spielchen einlässt, oder nicht.
Brad schreibt in Winning Ugly dazu:
Ein früher Hinweis an Ihren Gegner, dass Sie sich faire Entscheidungen erhoffen, sorgt meist dafür, dass er ein bisschen genauer hinsieht. Gehen Sie freundlich, aber bestimmt nach einem unstrittenen Punkt auf ihn zu - das hat die Erfahrung gezeigt -, wird er nachher sogar Bälle im Feld sehen, die eigentlich im Aus gewesen sind
In einem Workshop habe ich die 3er-Regel vorgestellt.
Sie kam bei Spielern und Trainern gut an.
Wie sie lautet?
Beim dritten knappen Ball, der deiner Meinung nach zu unrecht ausgegeben wird, greifst du ein. Ab diesem dritten Ball greifst du bei jeder knappen Entscheidung ein. Du zeigst klar, dass du dich nicht am Racket herumführen lässt.
Brad schreibt:
Setze bei deinen Grundschlägen Präzision über Tempo.
Einer der entscheidenden Tipps, wenn du zwischen LK 16-20 spielst.
Spiele nie zu schnell. Nimm lieber Tempo raus. Allen voran, wenn du gegen Mondballspieler spielst.
Warum?
Wer mehr Fehler macht, der verliert. Dein Spiel ist nicht so ausgerichtet, dass du Gegner vom Platz schießen kannst. Dir fehlt die Sicherheit, wenn du aggressiv spielen willst. Das spielt dem Mondball-Zombie ins Racket.
Brad schreibt dazu in Winning Ugly:
Spiele keine Schläge im Match, die du nicht richtig beherrschst.
Das kann zum Beispiel ein Rückhand-Slice sein, den du im Training noch nicht richtig perfektioniert hast. Spiele im Match die Schläge, mit denen du dich sicher fühlst. Du verteilst doch ungern Geschenke an deinen Gegner, oder nicht?!
Schenke dem Mondballspieler durch zu schnelle Schläge nicht zu viele unnötige Fehler.
Wer kennt es nicht?
Du führst 4:1 und 30:00.
Plötzlich kommt dir das Spiel anders vor. Du beginnst zu denken. Du willst die Punkte besonders spielen. Besonders schön. Dabei wird es nur besonders schlecht.
Brad Giilbert schreibt in Winning Ugly dazu:
Es ist gefährlich bei einer Führung zu komfortabel zu werden. Behalte deine Taktik bei und verändere nichts an deinem Spiel!
Auch eine mentale Geschichte, findest du nicht auch?
Der erste Punkt im Match ist einfacher zu spielen als der letzte. Brad hat hier einen sehr guten Punkt genannt. "Verändere nichts an deinem Spiel!". Beginne nicht übervorsichtig zu spielen. Denke vor einem Punkt daran, wie du den letzten Punkt gewonnen hast.
Und, was für den mentalen Part wichtig ist:
Verzeihe dir Fehler. Sie gehören zum Tennis wie der Netzpfosten.
Brad schreibt in Winning Ugly über seine Matches gegen David Wheaton.
Was dabei witzig ist:
Brad schreibt, dass man einen Spieler nicht nach dem Aussehen seiner Schläge beurteilen sollte. Auch wenn die Bewegungen auf der anderen Seite des Netzes bei einem Schönheitswettbewerb nur die goldenen Ananas erhalten würde - nimm den Gegner ernst.
Es kann dir sonst passieren, dass du dich im Verlauf des Matches schlechter redest, als du denkst. Wie oft hast du in deinem Verein schon den Satz gehört:
"Oh man, wie konnte ich nur gegen DEN verlieren?".
Beim Tennis werden keine Schönheitspreise verliehen.
Das Buch besitzt viele kleine Tipps und Tricks.
Allein aus den Geschichten von Brad könnte man einen Artikel bauen.
Damit du nicht von Informationen überwältigt wirst, kommt jetzt eine Zusammenfassung dieses Artikels. Diese Zusammenfassung kann ein Matchplan für dich sein:
Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg auf dem Court!
Dein Marco
PS:
Wenn du noch nicht genug hast, dann lies dir noch den Artikel zur mentalen Matchvorbereitung durch.
]]>In diesem Artikel erfährst du unter anderem:
Es soll tatsächlich Spieler geben, die ihren Tennisschläger aufgrund der Größe, Farbe oder dem Gewicht auswählen.
Oder:
Sie kaufen einfach den Schläger, den ihr Lieblingsspieler spielt.
Warum diese Strategien weniger erfolgsversprechend sind und was du stattdessen tun kannst, das wirst du in diesem Artikel herausfinden.
Wir starten, lieber Tennisfreund.
Du willst eine richtig gute Kugel spielen?
Dann würde ich mich NICHT an der Körpergröße orientieren.
Meine Recherchen zu diesem Artikel haben gezeigt, dass viele Clubspieler bei der Wahl des für sie passenden Schlägers nach ihrer Körpergröße gehen.
Vergiss diese Idee.
Klar, es gibt Tennisschläger in unterschiedlichen Längen. Mit unterschiedlichen Gewichten.
Richte die Wahl deines Rackets an deiner Spielweise aus.
Warum?
Weil du auf dem Platz Ergebnisse sehen willst. Du willst eine giftige Vorhand spielen. Eine stabile Rückhand schlagen.
Hervorragend servieren.
Das alles hat nicht so sehr mit deiner Körpergröße, sondern mit deiner Spielweise zu tun.
Warum?
Ein Spielertyp, der viel Topspin spielt und die Kugel lieber im Spiel hält, der wird vermutlich ein anderes Racket wählen als ein Anfänger, der hart, flach und aggressiv spielt.
Es gibt Tennisschläger, die deine natürliche Spielweise unterstützen können.
Ich erzähle dir später noch die Geschichte von Roger Federer und seinem Schläger. Aus dieser kleinen Story wirst du auf der Suche nach dem idealen Schläger eine Menge lernen können.
Als Anfänger brauchst du ein Racket, das viel verzeiht.
Klar, die Schlägerwahl ist auch für dich als Anfänger individuell. Du kommst mit einem Racket klar, mit dem ein anderer aus deiner Trainingsgruppe keinen Ball ins Feld spielt.
Bedeutet?
Nimm zu Beginn einen Tennisschläger mit einem größeren Schlägerkopf. Je größer der Schlägerkopf, desto mehr verzeiht dir dein Schläger sogenannte Misshits.
Schläge, die du nicht sauber triffst.
Als Tennis-Anfänger wirst du (noch) nicht jeden Ball mittig auf der Bespannung treffen. Das ist menschlich. Damit du mehr Spielspaß hast und deine Motivation hoch bleibt, empfehle ich dir einen großen Schlägerkopf.
Du findest in diesem Artikel viele Informationen, um den für dich passenden Schläger zu finden.
Dazu bekommst du den Rat, definitiv mehrere Schläger zur Probe zu spielen.
Warum?
Du bist mit deiner Spielweise und deinem Gefühl für den Sport individuell. Es gibt leider kein Schema, das man für alle Anfänger gleichzeitig anwenden kann.
Aber ich würde dir empfehlen, dein Augenmerk auf diese drei Punkte zu richten:
Diese drei Bereiche fördern deinen aktuellen Status als Anfänger. Du brauchst ein Racket, das dir eine möglichst gute Kontrolle über deine Schläge gibt. Dazu sollte der Sweetspot möglichst groß sein. Bedeutet: Ein Schläger, der dir verzeiht, wenn du den Ball nicht genau mittig triffst.
Und:
Du solltest nicht direkt den kleinsten Schlägerkopf spielen, wie Roger Federer früher.
Auf dieser Basis würde ich dir die folgenden Schläger empfehlen:
Diesen Schläger habe ich selbst eine sehr lange Zeit gespielt. Hier findest du meinen Bericht über das Racket.
Der Pure Drive besitzt einen großen Sweetspot, eine komfortable Schlägerkopfgröße und dazu ein gutes Power-Gefühl. Es kommt ordentlich was raus, wenn du den Ball spielst. Das geht etwas auf Kosten der Kontrolle, macht aber Spaß.
Anfänger haben mit diesem Schläger mehr Spaß, müssen aber bewusster auf die Kontrolle beim Schlag achten. Als Einsteigermodell halte ich den Pure Drive für sehr gut. Es bringt dir auch nichts, wenn du zu Beginn deiner Tenniskarriere jeden zweiten Ball mit dem Rahmen triffst.
Der Babolat Pure Drive gehört für mich in jedes Probespielen für Tennis-Anfänger.
Jetzt steigen mir einige erfahrene Leser auf die Tennistasche.
"Yonex? Für Anfänger?".
Jepp.
Schön großer Schlägerkopf, ordentlich Dampf im Schlag und dadurch viel mehr Spaß auf dem Court. Für das Erlernen der Schlagkontrolle ist dieses Racket nichts. Aber Motivation für den Sport kommt nur durch Spaß. Mehr Spaß hat man definitiv mit diesem Yonex-Schläger.
Diesen habe ich ebenfalls eine sehr lange Zeit gespielt. Ich hatte immer riesigen Spaß und habe ihn dann auch nur wegen der fehlenden Kontrolle gewechselt.
Aber als Anfänger, der Spaß haben und geile Bälle spielen will? Ich würde ihn sofort nehmen.
Kleinerer Schlägerkopf und weniger Power als bei den anderen beiden Schlägern.
Aber?
Mehr Kontrolle.
Für das Entwickeln des Ballgefühls ist dieser Schläger für Tennis-Anfänger ideal. Man kann dem Racket vorwerfen, dass ein wenig auf die Spaßbremse getreten wird. Der Ball kommt nicht so schnell aus der Bespannung wie beim Babolat oder beim Yonex.
Dafür lässt sich der Ball aber besser kontrollieren. Du kannst Länge und Geschwindigkeit des Schlages besser einteilen. Du entwickelst ein besseres gefühl für all deine Schläge:
Das sind meine Empfehlungen für Anfänger, die den passenden Schläger suchen. Da du aber immer für dich selbst denken solltest, verrät dir dieser Artikel ab jetzt weitere wichtige Informationen, damit du dein Geld sinnvoll in deinen Schläger investieren kannst.
Ich habe früher viele Schläger mit größeren Schlägerköpfen gespielt.
Unter anderem, weil ich Michael Chang so cool fand. Allerdings hatte meine Spielweise mit der von Chang nichts gemeinsam. Und ich habe mich auch nicht im Ansatz so gut bewegt wie er.
Ich war und bin weit davon entfernt.
Ein paar Jahre spielte ich mit dem Chang-Racket. Dann bekam ich den Wilson-Schläger mit den USA-Sternen in meine kleinen Finger. Den Schläger spielte damals Jim Courier. Es war ein ganz anderer Schläger, der nicht nur kleiner im Schlägerkopf war. Er verhielt sich beim Schlag auch ganz anders. Ich hatte ein bisschen mehr Kontrolle über meine Schläge.
In meinen Onlinekursen Jimmy Djoker und Novak KonstantOvic geht es um Kontrolle, Konstanz und Schlagrhythmus. Nicht um maximales Tempo in den Schlägen. Bereits als Kind und Jugendlicher lernte ich von meinen Trainern das sichere, konstante und durchdachte Tennis mit Köpfchen.
Nicht das Haudrauf-Tennis a la Carlos Alcaraz.
Ziemlich schnell stellte ich fest. wie die neue Wilson-Keule meine Spielweise unterstützte. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, diesen Schläger mal in die Hand zu nehmen. Es war zufällig, weil mir beim Training meine beiden Saiten gerissen waren und ich einen anderen Schläger benötigte.
Was ich dir sagen will:
Am Anfang steht deine Spielweise, dein Charakter auf dem Platz, er immer einzigartig ist. Erst dann, im zweiten Step, kommt der für dich passende Schläger dazu. Es ist nicht so, dass du dich dem Schläger anpassen musst.
Dein Schläger soll deine Spielweise unterstützen, so gut er kann. Und das ist definitiv problemlos möglich, wenn du diesen Artikel bis zum Schluss aufmerksam liest.
Wir werden im Verlauf dieses Artikels immer wieder auf deine Spielweise eingehen.
Im ersten Step solltest du dir also überlegen:
Es gibt zig unterschiedliche Spielertypen.
Da haben wir den berühmt-berüchtigten Mondballspieler. Wir haben den Slice-Fummler. Dann haben wir den Hardhitter, der bei jedem Schlag einen Winner mit 239 km/h spielen will. So wie Tomas Berdych früher oder Felix Auger-Aliassime heute.
Mach dir auch Gedanken darüber, was für ein Tennischarakter du bist.
Magst du Kontrolle beim Schlag?
Oder willst du, dass dein nächster Tennisschläger viel von alleine macht?
All die Antworten auf diese Fragen helfen dir, den idealen Schläger für deine Spielweise zu finden.
Ich hatte vor ein paar Jahren den Yonex-Schläger von Wawrinka. Dieser machte allerdings so viel Dampf, dass ich kaum noch Kontrolle über meine beidhändige Rückhand hatte. Auch meinen Aufschlag konnte ich zwar härter, aber ganz sicher nicht kontrollierter spielen.
Es war ein langes hin- und her.
# Lesetipp: Die 10 besten Lehren aus Winnig Ugly.
An manchen Tagen traf ich sensationell. An anderen Tagen war meine Fehlerquote viel zu hoch. In dieser Zeit lernte ich mich als Tennisspieler nochmal neu kennen. Ich traf die Entscheidung mehr mit Kontrolle als mit Power Tennis spielen zu wollen. Anders als Jiri Lehecka ;-).
Also nahm ich diese Entscheidung zum Anlass auch ein Racket zu suchen, das zu meiner Spielweise passte. Daher kann ich dir nur empfehlen ebenfalls einige Gedankengänge in Ruhe "durchzudenken", bevor du dich als Spielertyp beruteilst und dich auf die Suche nach einem neuen Tennisschläger machst.
Wir schauen im nächsten Step, welche Schlägerkopfgröße dein nächstes Racket haben könnte.
Hier eine Übersicht über die verschiedenen Größen des Schlägerkopfes:
Ich habe in meinem Tennisleben alle Schlägerkopfgrößen gespielt.
Mein größter Schläger war damals der bunte Agassi-Schläger von Head:
Ich wollte den Return so schnell spielen und die Grundschläge so früh nehmen wie Agassi.
Klappte nicht so ganz.
Heute spiele ich einen wesentlich kleineren Schlägerkopf:
Ein größerer Schlägerkopf verzeiht mehr.
Du spielst mit einem größeren Schlägerkopf, weniger Rahmenbälle. Der Sweetspot ist größer.
Was ist der Sweetspot beim Tennisschläger?
Der mittige Bereich deiner Bespannung, der für die Kontrolle bei deinem Schlag sorgt. Je mittiger du den Ball auf deiner Bespannung triffst, desto besser. Der Sweetspot fällt bei größeren Schlägerköpfen eben ein Stückchen größer aus als bei Schlägern mit einem kleinen Schlägerkopf.
Das bedeutet für dich:
Analysiere deine Schläge.
Triffst du viele Bälle mit dem Rahmen? Hast du viele Misshits pro Stunde? Dann würde ein Tennisschläger mit einem größeren Schlägerkopf für dich Sinn ergeben.
Roger Federer hat damals, als er so langsam aber sicher von Rafael Nadal und Novak Djokovic düpiert wurde, ebenfalls seinen Schläger gewechselt. Roger spielte quasi seine gesamte Karriere über mit einem recht kleinen Schlägerkopf.
Da ihm in den endlosen Ballwechseln mit Rafa und dem Djoker immer wieder Rahmenbälle unterliefen, vor allem auf der Rückhand, wechselte er die Schlägerkopfgröße seines Wilson-Schlägers.
Du siehst:
Selbst der beste Tennisspieler aller Zeiten hat seinen Schläger an seiner Spielweise ausgerichtet.
Ebenfalls nicht ganz unwichtig, aber auch nicht wirklich entscheidend, ist der Rahmen.
Die folgenden Maße geben dir Aufschluss über die unterschiedlichen Rahmenprofile bei Tennisschlägern:
Ein dünner Rahmen gibt dir mehr Gefühl bei deinen Schlägen.
Du kannst besser die Länge deiner Schläge kontrollieren. Du hast mehr Spielraum bei deinen Schlägen. Der Nachteil ist, dass du nicht so viel Beschleunigung auf die Kugel bekommst.
Wenn du ein Spielertyp bist, der seinem Gegner innerhalb der ersten vier Schläge direkt ein Pfund um die Ohren hauen will, dann ist ein sehr dünner Rahmen nicht deine beste Wahl. Ich würde dir als Clubspieler, der noch nicht zwischen LK 1 und 10 steht, immer dazu raten mehr Wert auf die Kontrolle als auf das Tempo deiner Schläge zu legen.
Warum?
Nun, dir nützt es wenig, wenn du durch Zufall von zehn Schlägen drei grandiose Winner triffst. Allerdings nicht weißt, wie du das eigentlich geschafft hast. Klüger ist es, die volle Kontrolle über seine Schläge und sein Spiel zu haben, um dann mit Köpfchen das Tempo in den Ballwechseln zu erhöhen.
Selbstverständlich ist das Ansichtssache und du kannst auch als LK 19-Spieler der nächste Tomas Berdych werden.
Der Rahmen ist die ein Baustein. Der zweite Baustein ist, ob dein Tennisschläger griff- oder kopflastig ist. Dazu kommen wir später noch.
Zunächst:
Du kannst einen Tennisschläger mit einer Griffstärke zwischen 0 und 5 kaufen.
Die durchschnittliche Griffstärke für Erwachsene ist die Griffstärke 4. Wenn du eine kleine Hand hast, dann nimmst du Griffstärke 3. Solltest du eine ordentliche Pranke haben, dann wählst du einen Schläger mit Griffstärke 5.
Damit ist es aber nicht genug.
Ich habe immer die Griffstärke manipuliert. So kannst du ein weiteres, dünnes Griffband über das sogenannte Basisband wickeln. Der großartige Richard Gasquet hat sein Griffband so gewickelt, dass nur seine rechte Hand für die Vorhand einen dickeren Griff hatte. Da er eine wunderbare einhändige Rückhand spielt, hat er das Griffband nicht über den kompletten Griff gewickelt.
Ich habe früher gerne das Gegenteil von der "Gasquet-Taktik" getan.
CTA im BeitragDa ich die Rückhand beidhändig spiele, habe ich ein dünnes Griffband ein Stückchen höher gewickelt, als das Basisband. Wenn ich in dem Wahnsinn eines Tennismatches mal zu hoch gegriffen hatte bei der Rückhand, so hatte ich immer noch einen guten Grip.
Das muss man nicht machen. Kann man aber ;-).
Wie du noch deine Griffstärke manipulieren kannst:
Du entfernst das Basisband und wickelst dann ein dünneres Griffband direkt auf das Holz des Schlägergriffes. Ich kenne viele Spieler, die so verfahren. Auf diese Weise lässt sich die Griffstärke noch ein Stück besser kontrollieren.
Übrigens ist das Basisband eines Tennisschlägers nicht immer das Beste.
Ich empfehle dir, verschiedene Griffbänder auszuprobieren. Das Griffband ist ein unterschätzter Baustein beim Schläger. Ich habe NIE das Basisgriffband bei meinen Rackets genutzt. Mir war es immer wichtig, einen richtig guten Grip zu haben. Je nachdem, wie schwitzig deine Handflächen im Match werden.
Es gibt auch Spieler, die ihr Griffband absichtlich enger wickeln. Du setzt dann beim Wickeln nicht immer an der oberen Kante an, sondern etwas darunter. Dies soll nochmals zu mehr Grip führen.
Ich habe keinen großen Unterschied gemerkt. Aber eventuell kannst du diese "Taktik" ausprobieren und stellst eine Verbesserung für dein Spiel fest.
Wir haben jetzt über die Schlägerkopfgröße, den Rahmen und das Griffband gesprochen.
Kommen wir zum nächsten Schritt:
Du streckst deinen Arm aus.
Deine Finger sind gerade, zeigen nach vorn. Die Handfläche zeigt zum Boden.
Du nimmst deinen Schläger und legst ihn mit dem Schlägerherz so auf deine ausgestreckte Hand, dass der Griff nach rechts und der Schlägerkopf nach links zeigen.
Fällt dein Tennisschläger auf der Schlägerkopfseite nach vorn, so hast du einen kopflastigen Schläger. Bleibt der Schläger einfach auf deiner Hand liegen, so hast du einen eher grifflastigen Schläger.
Wir kommen wieder zu deiner Spielweise.
Hältst du die Kugel lieber kontrolliert im Spiel? Lässt du deinen Gegner die Fehler machen, anstatt selbst auf die direkten Punkte zu gehen?
Dann würde ich dir einen eher grifflastigen Schläger empfehlen.
Hast du keine Geduld im Ballwechsel?
Ist ein Ballwechsel mit drei Schlägen für dich ein knallhartes Konditionstraining? Willst du am liebsten mit jedem Schlag, aus jeder Spielsituation heraus, den direkten Winner schlagen?
In diesem Fall würde ich dir einen eher kopflastigen Schläger empfehlen, der deinen Schlägen noch etwas mehr Power verleiht.
Im ersten Schritt ist deine "Krankenakte" wichtig.
Was meine ich damit?
Hattest du Verletzungen oder Wehwehchen mit der Schulter? Neigst du dazu, dich schnell am Schlagarm zu verletzen?
Hier sind vor allem Sehnenverletzungen wichtig.
Wenn du verletzungsanfällig bist, dann ist ein leichterer Tennisschläger besser für dich.
Du solltest neben deiner Krankenakte aber auch, du ahnst es, deine Spielweise im Hinterkopf haben. Für Hardhitter und Powerspieler empfiehlt sich ein Tennisschläger mit höherem Gewicht.
Spieler, die lieber die Filzkugel kontrolliert mit 25 km/h ganze drei Zentimeter vor die Grundlinie schaufeln, fahren mit einem leichteren Schläger besser.
Wie viel wiegt ein leichter Tennisschläger? Im Rahmen von 260 g bis 280 g.
Ein schwerer Schläger ist ca. 290 g.
Damit du eine Richtung hast, in die du dich orientieren kannst.
Ich habe zum Glück noch nie einen getroffen.
Aber es soll Spieler geben, die "blind" einen Tennisschläger kaufen.
Das tust du bitte nicht. Du surfst jetzt NICHT zu tennis-point.de und suchst mit den Infos aus diesem Artikel einen Schläger aus, bestellst zwei Stück und freust dich.
Dein nächster Schritt, nach diesem Artikel, ist das Probespielen verschiedener Schläger - und nichts anderes.
Beim Probespielen achtest du bitte nicht darauf, ob deine Vorhand besser kommt oder nicht. Du analysierst bitte dein Gefühl beim Schlag. Eine Vorhand, die 15 cm ins Aus geflogen ist, muss keine schlechte Vorhand gewesen sein, wenn du sofort gespürt hast, wie weit diese Vorhand ins Aus fliegen wird.
Hier ein paar weitere Ideen für dein Probespielen mit einem neuen Schläger:
Wir fassen diesen Artikel nochmal in Stichpunkten zusammen.
Damit sollten wir dann eine Roadmap zu deinem neuen Schläger festlegen können.
Sie geht so:
Du kannst aus einem nicht ganz so kopflastigen Tennisschläger eine echte Wucht bauen.
Wie das geht?
Mit sogenannten Bleiband-Strips.
Diese Streifen klebst du an den inneren Rahmen deines Schlägers. Es ist dir überlassen, ob du das weiter oben am Rahmen oder weiter unten tust.
Durch die Bleiband-Streifen wird dein Schläger kopflastiger. Diese Streifen können also aus einem von Natur aus kopflastigen Schläger eine absolute Racket machen.
Sie können aber auch aus einem eher grifflastigen Schläger einen kopflastigeren Schläger machen. Gerüchte besagen, dass der großartige Pete Sampras früher seinen Schläger mit Bleiband-Streifen manipuliert haben soll.
Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Wahl deines Tennisschlägers und viele grandiose Winner auf dem Platz!
Dein Marco
+Unterlaufen dir gegen Mondball-Spieler zu viele Fehler?
Verlierst du Matches, die du niemals verlieren dürftest?
Ich kenne das ...
Hohe Bälle sind wie ein Small-Talk. Man wünscht sich, dass es schnell vorbei ist mit dem Graus.
Aber es passiert das Gegenteil.
Es geht immer weiter, und weiter, und weiter ...
Die Frage ist:
Wie kannst du hohe Bälle mühelos kontern? Im Idealfall so, dass du deine Nerven über die gesamte Länge eines Matches behältst?
In diesem Artikel lernst du, wie du deine Beinarbeit nutzen kannst, um hohe Bälle mit Leichtigkeit zu kontern. Wir gehen dabei ein simples Konzept durch, das du direkt in deinem nächsten Spiel anwenden kannst.
Hohe Bälle gegen Mondballspieler zu kontern ist eine charakterliche Herausforderung. Nicht so sehr eine spielerische. Der Mondballspieler packt dich immer mehr an deinen Nerven, als an deinem Spiel.
Bist du bereit der Armee der Mondball-Zombies entgegenzutreten?
Hohe Bälle sind Schläge deines Gegners, die mindestens zwei Meter über das Netz fliegen, kaum Spin haben und zwei Zentimeter vor deiner Grundlinie eintrudeln.
Der Albtraum eines jeden Spielers, der einfach nur eine schöne Kugel spielen will.
In manchen Matches bekommst du Nackenschmerzen vom Anschauen des hohen Balles. Früher sagte ein Scherzkeks aus unserem Verein zu hohen Bällen:
"Gleich liegt da Schnee drauf!".
Du merkst schon, das klingt nach einer ganze Menge Spaß - nicht!
Spielertypen, die diese Art des Gruseltennis pflegen, nennt man auch gern Mondballspieler, Schupfer oder Löhmer-Heinis.
Ein hoher Ball nimmt das Tempo aus dem Ballwechsel und fordert von dir ganz neue Qualitäten.
Welche Qualitäten das sind?
Hier ein paar Beispiele:
Wir werden gleich Strategien besprechen, damit du hohe Bälle in Zukunft problemlos kontern kannst.
Ein hoher Ball ist Gift für spielerisch starke Spieler, die gerne Druck machen, offensiv agieren und attackieren.
Warum ist das so?
Leider ist es fast egal, wie ausgefeilt deine Schlagtechnik bei Vor- und Rückhand ist. Bei hohen Bällen unterlaufen technisch starken Spielern viel mehr Fehler als bei einem höheren Tempo im Ballwechsel.
Was uns zum nächsten wichtigen Punkt führt.
Du kennst das.
Du öffnest die neue Balldose, riechst an den Filzkugeln, marschierst Richtung Grundlinie, säuberst mit deinem rechten Fuß diese Grundlinie und spielst locker-flockig die ersten Bälle mit deinem Spielpartner.
Normales Tempo, mit Rhythmus, um in den Schlag zu kommen.
Hohe Bälle zerstören dieses "normale" Tempo. Sie zerstören deinen Spielfluss, deinen Rhythmus. Dir wird etwas genommen, was du als Tennisspieler sehr gerne hast.
Nein, nicht nur Siege.
Es wird dir vor allem das Tempo genommen, das du so gern vom gegnerischen Schlag mitnimmst. Ich sehe immer wieder sehr viele Spieler, die sehr viele Fehler auf sehr langsame Bälle des Gegners machen.
Das hat nichts damit zu tun, dass diese Spieler nichts drauf oder einen schlechten Tag erwischt haben. Nein, nein. Hohe, langsame Bälle müssen ganz anders behandelt werden, als normale, schnelle Bälle.
Wir gehen gleich noch weiter auf diese Thematik ein.
Ich habe in meiner Karriere und als Zuschauer zig verschiedene Versionen von Mondballspielern gesehen.
In den 90ern spielte ich bei einem Ranglistenturnier in Dortmund gegen einen jungen Spieler aus Lippstadt. Sein name war Simon.
Die ersten drei Aufschlagspiele, bis zum 3:0 aus meiner Sicht, war es ein ganz normales Match. Simon spielte eine giftige Vorhand mit viel Spin, machte dabei aber auch einige Fehler. Seine Rückhand spielte er super konstant, ruhig und abgeklärt, ohne viel Tempo, lang vor die Grundlinie.
Da mein Paradeschlag schon immer die Rückhand-Longline war, konnte ich mit exakt diesem Schlag die Ballwechsel öffnen und dann mit meiner Vorhand die Punkte aufbauen.
Das klappte bis zum 3:0 wunderbar.
Dann setzte sich der Coach, Vertraute, wer auch immer, zu meinem Gegner auf die Bank. Er flüsterte ein paar Wörter in dessen Ohr. Allein diese Szene regte mich innerlich auf. Sie brachte mich aus dem Rhythmus.
Vor allem aus meinem Denk-Rhythmus.
Als hätte die Turnierleitung meinen Gegner ausgetauscht, spielte Simon plötzlich jeden Ball ohne Drall, ohne Tempo, einfach nur langweilig und hoch und langsam auf meine Rückhand.
Ab diesem Zeitpunkt spielte ich von hinten aus dem Zaun. Da mein Gegner wirklich alles andere als ein schlechter Tennisspieler war, nutzte er meine kurzen Schläge auf seine Mondbälle, um die Punkte mit seiner giftigen Vorhand zu machen.
Ich schrie, fluchte, schmiss den Schläger und hätte am liebsten meinem Gegner und seinem Tennis-Flüsterer den Hals verdreht. Ich holte noch exakt zwei Aufschlagspiele und ging mit einer krachenden 4:6 und 1:6 Niederlage vom Platz.
Das sind die Mondballspieler-Typen, die richtig gefährlich sind.
Sie nutzen Mondbälle taktisch, um den Rhythmus des Spiels zu verändern.
Auf der anderen Seite gibt es Mondballspieler, die diese Art Tennis spielen, weil sie nicht anders Tennis spielen können. Diese Leute sind wesentlich leichter zu schlagen, weil ihnen schlicht die Variation und die Waffe in ihrem Spiel fehlt.
Wir kommen jetzt zu deinen Füßen. Besser gesagt zu deiner Beinarbeit und wie dir diese hilft, hohe Bälle mühelos zu kontern.
Klopf dir kurz die Asche von den Grätensholen.
Es geht weiter, Vamos!
Ein langsamer, hoher Ball ist mehr eine Denksport- als eine Technikaufgabe.
Du musst bedenken:
Dein Gegner gibt dir kein Tempo, das du mitnehmen kannst. Du musst bei hohen Bällen selbst das Tempo kreieren.
Das ist keine leichte Aufgabe.
Wie kannst du Temo selbst kreieren?
Durch deine Beinarbeit und deine Stellung zum Ball. Ich möchte dir jetzt ein simples Prinzip auf dein Racket legen. Dieses Prinzip kannst du selbständig in deinen Spielen anwenden.
Wie lautet dieses Prinzip?
Schau:
Entscheide bei jedem einzelnen Schlag, ob du den hohen Ball im Steigen oder im Fallen treffen willst.
Wir können es auch wie folgt formulieren:
Gehe auf den Ball zu oder lass ihn austrudeln. Bei beiden Strategien ist deine Beinarbeit entscheidend.
Aber warum ist die Beinarbeit bei hohen Bällen so wichtig für dich?
Ganz einfach: hohe Bälle verlangen von dir, dass du in die Aktion kommst. Du musst heiß auf den Ball sein, ihn fokussiert anschauen und Körperspannung aufbauen.
Nur weil der Ball langsam auf dich zukommt heißt das nicht, dass du dich auch langsam auf den Ball zubewegen darfst. Das ist der große Denkfehler bei hohen Bällen.
Du erinnerst dich. Wir haben ein paar Zeilen weiter oben darüber gesprochen, wie sehr Mondbälle eine Denksportaufgabe sind.
Wir gehen ein Beispiel durch.
Du servierst bei 15:15 deinem Gegner auf dessen Rückhand. Dieser löhmert die Kugel lang, hoch und langsam auf deine Rückhand. Jetzt hast du die Möglichkeit ziemlich viele Fehler auf einmal zu machen.
Dazu gehört:
All das, davon bin ich überzeugt, sind Ziele des Mondballspielers. Sei es bewusst oder unbewusst.
Eine viel bessere Strategie ist es, dass du das eben gelernte Prinzip einsetzt. Entscheide schnell, ob du die Kugel im Steigen oder Fallen spielen willst.
Starte mit deiner Schlagvorbereitung.
Dann:
Dieser Ablauf ist das genaue Gegenteil von dem, was der Mondballspieler will. Ich bin fest davon überzeugt, dass Ruhe und Coolness bei hohen Bällen eine psychologische Wirkung auf den Löhmer-Heini haben.
Wenn dieser spürt, dass du vollkommen entspannt bist und auch 123 Mondbälle in Serie zurückspielen würdest, dann wird der Mondballspieler nervös und genervt.
Und nicht du.
Machen wir uns nichts vor.
Kein Mensch auf diesem Tennisplaneten kann immer cool und konzentriert bleiben, wenn es gegen den typischen Mondballspieler geht.
Das ist auch gar nicht deine Aufgabe und sollte auch niemals dein Ziel sein. Dein Ziel ist es, dass du von zehn Ballwechseln sechs bis acht cool bleibst.
Was bedeutet cool bleiben im Detail?
Du gehst nicht direkt beim ersten oder zweiten Schlag in der Rally auf den Winner. Du wartest geduldig ab, bis sich die passende Situationen für einen Vorhandschuss ergibt. Das ist im Regelfall ein zu kurz geratener Mondball deines Gegners.
Welche Regeln können wir für einen Vorhandschuss festlegen?
1) Du stehst beim Schlag im Feld
2) Du bist von einem längeren Ballwechsel nicht außer Atem
3) Du planst den Vorhandschuss, du spielst ihn nicht aus Verzweiflung
Wir haben in diesem Artikel viele kleine Details besprochen, damit du in Zukunft hohe Bälle mühelos kontern kannst.
Ich möchte dir als kleine Zusammenfassung eine Checkliste mitgeben, die du direkt in deinem nächsten Spiel anwenden kannst. Trainieren geht über studieren. Entscheidend ist, dass du in die Umsetzung kommst, deine eigenen Erfahrungen mit den Tipps und Tricks sammelst und darauf aufbauend dein Spiel verbesserst.
Bedenke, dass beim Tennis sehr wenige Dinge von heute auf morgen funktionieren. Du solltest bei deiner Entwicklung stets mehr in die Tiefe als in die Breite gehen. Wende die in diesem Artikel vorgestellten Ideen in möglichst kleinen Happen an.
Nimm dir zum Beispiel nur einen Schritt deiner Beinarbeit vor. Den Schritt, den du auf den Ball zu machst. Perfektioniere diesen einen Schritt und du wirst viel besser zu deinen Schlägen stehen.
Was passiert, wenn du besser zum Schlag stehst?
Exakt. Du triffst den Ball früher, kannst besser und lockerer durchschwingen, deine Fehlerquote sinkt und deine Power im Schlag steigt - wie bei Jiri Lehecka. Das sind eine ganze Menge an Vorteilen, die du mit nur einer einzigen Verbesserung erzielen kannst.
Das ist doch ein ganz guter Deal, oder nicht? ;-)
Alles klar, hier ist die Checkliste:
1) Langsame Bälle des Gegners bedeuten nicht, dass du dich auch langsam auf diese Bälle zubewegen sollst. Das Gegenteil ist der Fall. Viele kleine Schritte zum Ball hin, Körperspannung aufbauen
2) Sei heiß auf die Kugel. Geh ran, schaue den Ball fokussiert an
3) Entscheide vor jedem Schlag, ob du den hohen Ball im Steigen oder Fallen spielen willst
4) Gehe erst auf den Vorhandschuss, wenn du im Feld stehend einen zu kurzen hohen Ball des Gegners attackieren kannst
5) Setze dir nicht als Ziel, jeden Ballwechsel gegen Mondballspieler perfekt spielen zu wollen. Setze dir als Ziel, sechs bis acht von zehn Ballwechseln ruhig und konzentriert zu spielen
Unter uns:
Direkt alles aus diesem Artikel umsetzen zu wollen, das ist keine gute Strategie. Ich würde an deiner Stelle in kleinen Schritten vorgehen.
Du kannst beginnen im Kopf die so wichtige Entscheidung bei jedem Schlag zu treffen:
Nimmst du den hohen Ball im Steigen oder im Fallen?
Allein dieser erste Step wird dein Spiel gegen Mondballspieler verbessern. Achte darauf, das kann bereits der zweite Schritt sein, dass du cool bleibst. Lass dich nicht zu früh zu riskanten Schlägen verleiten.
Gehe die hohen Bälle mit. Warte geduldig auf deine Chance, das Tempo anzuziehen.
Das ist ein Mini-Matchplan, auf dem du aufbauen kannst.
]]>Du lernst unter anderem etwas über:
Denn:
Ich habe in den letzten zehn Jahren die Spiel- sowie Denkweise von über 50 Clubspielern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich analysiert.
Die taktischen Bereiche habe ich als Zuschauer zahlreicher Matches bei LK-Turnieren unter die Lupe genommen. Das Spielchen im Kopf konnte ich durch mehr als 140 Mentalcoachings mit Clubspielern analysieren.
Ich habe dennoch "50+" Spieler in den Titel geschrieben, da diese Zahl den Schnitt ganz gut darstellt.
Die Kombination aus Spiel- und Denkweise kann dein Tennis innerhalb von wenigen Wochen nach vorne bringen.
Wir besprechen gleich, welche Hebel dafür effektiv sind.
1) Dieser Vergleich führt langfristig zu Blockaden im LK-Turnier
2) Diese Taktik führt Spieler zwischen LK 12 und LK 20 zu konstanten Erfolgen
3) Die Recherche des nächsten Gegners hat einen negativen Einfluss auf die eigene Leistung
4) Diese Eigenschaft hebt Clubspieler von ITF- und Challenger-Spielern ab
5) Der zweite Satz ist wichtiger als der erste Satz
Bonus: Checkliste: Wie jeder Clubspieler sein Spiel verbessern kann
Alles klar, lieber Tennisfreund. Richte deine Saiten, klopf dir die Asche von den Grätensohlen.
Wir legen los.
Eine peinliche Geschichte:
Als ich ca. neun Jahre jung war, stand ich beim Vorlese-Wettbewerb unserer Schule im Halbfinale. Ab diesem Halbfinale fand das Vorlesen in der Schulaula statt.
Rappelvoll mit Eltern, Schülern und fremden Personen.
Wir mussten fünf Seiten vortragen.
Ich bereitete mich Zuhause akribisch auf meinen Auftritt vor. Ich konnte meine Passage auswendig. Im heimischen Wohnzimmer, wo nur meine Eltern zuhörten, las ich perfekt vor.
Die Betonung saß.
Kein Stottern, kein "Ähm" - es war ein perfekter Lesefluss.
Wie war mein Auftritt in der prall gefüllten Aula?
Eine Katastrophe!
Mir lief der Schweiß vom Nacken den Rücken hinunter. Ich stammelte irgendwas vor mir her. Der Blick von der Bühne ins Publikum radierte meine Vorbereitung komplett aus.
Ich verlor das Halbfinale sang- und klanglos.
Ja, Training und Match sind zwei verschiedene Sportarten.
In meiner Clubspieler-Analyse habe ich immer und immer wieder gehört:
"Ich spiele im Training so stark, aber sobald es um Punkte geht, ist alles vorbei ..."
Dieses Phänomen hörte ich so oft, dass es zum Slogan auf der Startseite dieses Blogs wurde. Der Aufschlag wird im Match zu einem Hass-Schlag.
Ich habe noch weiter analysiert und die folgende „Entdeckung“ gemacht:
Viele Clubspieler verbrennen ihre mentale Energie wie Konzentration, Mut, Motivation und Fokus in zu vielen Trainingsspielen VOR einem Medenspiel oder Turniermatch.
So wie du ein Budget an physischer Energie hast, so hast du auch leider nur ein begrenztes Budget an mentaler Energie.
Auch, wenn man das nicht wahrhaben will.
Denn:
Viele Clubspieler geben immer alles. Auch in ihren Trainingsspielen. Sie geben am Montag um 17.00 Uhr, am Mittwoch um 18.00 Uhr und am Freitag um 16.30 Uhr alles, was in ihnen steckt.
Und stehen dann mental und auch körperlich leer am Wochenende im Medenspiel auf dem Court und wundern sich, dass es nicht gut läuft. Du findest übrigens in diesem Artikel, warum deine LK unwichtig ist - und was viel wichtiger ist.
Klar, in den Trainingsspielen mit ordentlich Energie läuft es fantastisch. Aber niemand ist eine Maschine. Und bedauerlicherweise kann man nicht immer 100 % geben.
# Lesetipp: DIe 10 besten Lehren aus Winning Ugly
Eine kurze Story dazu:
Im Jahr 2019 arbeitete ich mit einem Spieler aus der Herren 40 Regionalliga im mentalen Bereich. Er war extrem heiß auf jeden Medenspiel. Seine Selbständigkeit hielt ihn nie davon ab, viel Zeit auf dem Platz und mit seiner Vorhand zu verbringen.
Dazu ging er Laufen und machte Yoga.
Du merkst schon, da ging viel mentale und physische Energie innerhalb einer Woche drauf.
Am Wochenende fand er aber oft nicht "den Fokus", wie er es immer nannte. Er nahm sich viel für seine Medenspiele vor und war aber nie wirklich zufrieden. Auch dann nicht, wenn er locker gewann und ganz gut spielte.
In einem unserer Gespräche fiel dann der berüchtigte, goldene Groschen.
Er sagte (sinngemäß):
" ... heute war mal wieder eine Katastrophe. Ich bin nach einem langen Arbeitstag runter zur Anlage, um einen Satz zu spielen. Da wollte ich den Frust vom Arbeitstag ablassen. Aber hey, nichts ging, nichts funktionierte. So schlecht habe ich schon lange nicht mehr gespielt ..."
Klar, ich mein, wie will man auch mental ausgelaugt großes Tennis spielen?
Wir beschlossen, dass er solche Trainingsspiele als Werkstatt ansehen solle. Er sollte nicht auf ein gutes Ergebnis spielen, sondern sich ein simples Ziel für solche Trainingsspiele setzen.
In diesem Falle lautete das Ziel:
Er war zunächst verblüfft. Denn diese Herangehensweise forderte von ihm eine ganz neue Einstellung zu seinen Trainingsspielen.
Aber:
Er konnte sich so seine mentale Energie besser einteilen. Er konnte im Kopf frischer in seine Medenspiele am Wochenende gehen.
Wir halten fest:
Wir kommen zum nächsten Learning:
Vor knapp 20 Jahren hörte ich auf einer Tennisanlage diesen Satz:
"Bis zur Verbandsliga gewinnst du alles, wenn du zehnmal mit Spin kurz vor die Grundlinie spielen kannst!"
Das schaut dann taktisch so aus:

In diesem Satz stecken einige Wahrheiten und Lehren.
Die klugen Leserköpfe können aus diesem Satz eine ganze Spielphilosophie bilden. Denn im Kern setzt die Spielweise eines Novak Djokovic oder auch eines Daniil Medvedev exakt dort an.
Auf Clubspieler-Niveau bedeutet es aber noch viel mehr.
In meinen Mentalcoachings habe ich von Spielern sehr oft gehört, dass sie sich als Schönspieler bezeichnen.
Sie wollen schönes Tennis im Medenspiel zeigen. Sie wollen spektakuläre Winner schlagen. Sie wollen wenig Fehler machen. Manche wollen sogar Chip n Charge oder Serve-and-Volley spielen.
Das Problem ist:
Viele dieser Clubspieler sind technisch mehr als grundsolide.
Sie spielen eine astreine Kugel.
Doch ihr Kopf ist im Gegensatz zu ihrer Technik nicht stark genug trainiert. So ergibt sich eine enorm große Diskrepanz zwischen dem, was man eigentlich spielen kann und dem, was man schlussendlich im Medenspiel auf den Court bringt.
Dann gibt es die Clubspieler, die eine Sache verinnerlicht haben:
Du musst nicht besonders schön, besonders spektakulär oder überhaupt besonders spielen!
Das heißt nicht, dass du zum Mondballspieler mutieren sollst. Um Rogers Willen, das auf keinen Fall. Wer meine Onlinekurse kennt, der weiß, dass meine Tennis-Philosophie aus stoischer Gelassenheit und taktischer Raffinesse besteht.
Aber:
Der Kern einer jeden guten Spielweise ist ein sicheres Grundlinienspiel, das von einem sauberen Schlagrhythmus diktiert wird.
Und hier habe ich in meiner Analyse einen Denkfehler bei vielen Clubspielern erlebt:
Sie wollen nur schön, gut und clever spielen. Dafür müssen sie aber zunächst sicher und kontrolliert spielen. Es fehlt also ein wichtiger Step vor dem eigentlichen Vorhaben.
Bevor du deine Schläge so platzieren kannst:

Wir halten fest:
Wer konstant starkes Tennis und gute Ergebnisse spielen will, der setzt Rhythmus und Kontrolle vor dem "schönen" Spiel.
Kennst du ihn?
Ich habe ihn mit den Jahren genau kennengelernt.
Er ist riesig, knapp drei Meter hoch, zwei Meter breit.
Er ist grün.
Und er speit ein Feuer, das man nicht aufhalten kann.
Sein Name:
Don Dracho.
Der Don entsteht, wenn ein Clubspieler sein Smartphone zückt und beginnt seinen nächsten Gegner zu checken.
Man kann auch sagen: zu stalken.
Durch dieses Stalking kreiert der Clubspieler aus einem gewöhnlichen Gegner, der ebenso wie alle anderen Spieler Stärken und Schwächen besitzt, einen monströsen Drachen.
Einen, der nur Stärken hat und auf dem Platz dann zu einem übermächtigen Gegner mutiert, der nicht zu schlagen ist.
Diese Kreatur, die rein in den Köpfen durch intensives Stalking entsteht, ist eine spielerische Mixtur aus Björn Borg, Stefan Edberg, Rafael Nadal und Roger Federer.
Don Dracho kann alles und ist bereits im Einspielen ein furchteinflössender Gegner.
Du lachst jetzt ...
Aber das ist die Wahrheit.
Und das Kreieren dieses Dons hat Einfluss auf das eigene Leistungsniveau im Medenspiel - kein Scherz. Denn alles, was vor einem Match an Gedanken durch deinen Kopf fließt, hat direkten Einfluss auf deine Performance. Das erklärt die forensiche Psychiaterin Dr. Nahlah Saimeh in diesem Artikel ganz gut.
Das, was du denkst, das spielst du.
Ich habe es in Mentalcoachings in Serie erlebt.
Doch sobald der Spieler beginnt seinen nächsten Gegner als einen gewöhnlichen Spieler zu betrachten, der natürlich Stärken und Schwächen besitzt, steigt automatisch die Leistung dieses Spielers.
Wir halten fest:
Okay, wir machen weiter, lieber Tennisfreund.
Ich hätte es selber nicht für möglich gehalten.
Aber es ist, wie es ist.
Diese Analyse konnte ich nach knapp zehn Jahren und vielen persönlichen Erfahrungen mit Spielern aus allen möglichen Alters- und Leistungsklassen treffen:
Clubspieler besitzen mehr Biss sich weiterzuentwickeln als Spieler auf der ITF- und Challengertour.
Sie sind motivierter und haben eine viel höhere intrinsische Motivation zur Verbesserung ihrer technischen, taktischen und mentalen Fähigkeiten. ITF-und Challengerspieler sind - mein Eindruck - einverstanden damit, ein bisschen durch die Gegend zu reisen, ein bisschen Tennis zu spielen und lustige Bilder bei Instagram zu posten.
Aber echter Biss mal gegen Alcaraz auf einem Center Court bei einem Grand Slam zu spielen? Zu viel Aufwand!
Das gilt nicht zwangsweise für aufstrebende, junge Talente.
Ein Grund, warum ein Holger Rune, auch dank seiner hervorragenden mentalen Einstellung, fast alle aus seinem Jahrgang überrannt hat.
Aber im Schnitt ist der Clubspieler viel heißer als der Challengerspieler.
Das führt allerdings auch zu einer angehobenen Erwartungshaltung. Der Clubspieler ist im Medenspiel mehr mit seinen Erwartungen konfrontiert. Wir haben weiter oben bereits angesprochen, dass der Clubspieler in jedem Training und in jedem Trainingsspiel 100 % Gas gibt.
Für dieses Gas geben will er in seinen Medenspielen natürlich belohnt werden. Umso höher sind dann die Erwartungen des Clubspielers an seine eigenen Leistungen.
Der Druck, den sich der Clubspieler selbst macht, kann zu großen Blockaden im Spiel führen.
Wir halten fest:
Manage deine Motivation und deinen Biss. Schraube an deiner Erwartungshaltung. Der großartige Rafael Nadal hat mal treffend gesagt:
"Ich kann im Match nicht mehr machen als zu versuchen meine Probleme zu lösen!"
Diese Einstellung trifft es doch ganz gut, oder?

Jetzt wird`s etwas psychologisch.
Wie im vergangenen Punkt 4 angesprochen, haben Clubspieler enorm Biss und sind heiß auf tolles Tennis und gute Ergebnisse.
Dementsprechend heiß gehen sie in ihre Matches.
Teilweise schlafen Clubspieler vor einem wichtigen Medenspiel nur dank starken Medikamenten einigermaßen.
Bedeutet: Maximal vier Stunden.
Roger Federer wird vor einem Wimbledonfinale besser geschlafen haben.
Ohne Medikamente.
Der erste Satz wird dann mit so viel Konzentration, Fokus, Mut und Willen gespielt, dass all diese mentale Energie ab Beginn des zweiten Satzes futsch ist. Der Spieler fühlt sich wie ausgebrannt, hat keine innere Spannung mehr und Punkt um Punkt rast an ihm vorbei, als wenn er neben einer Autobahn sitzen und die Autos zählen würde.
Das ist übrigens ein Grund, warum man sich nach seinen Matches nur noch an ein paar besondere Ballwechsel erinnern kann. Die Aufmerksamkeit ist weg. Die Aufmerksamkeitsspanne von uns Menschen ist dank des Smartphones eh auf ein absolutes Minimum geschrumpft.
Es reicht mit Ach und Krach noch für ein 2-Minuten-YouTube-Video.
Ich habe mit dem Professor für kognitive Psychologie, Stefan van der Stigchel, über Konzentration gesprochen. Diesen Artikel findest du hier.
Der Professor sagt ganz klar:
Du kannst nicht ein ganzes Match lang mit voller Konzentration spielen. Du kannst nicht vom ersten Ballwechsel bis zum verwandelten Matchball Vollgas geben.
Es gibt mehrere Möglichkeiten.
Eine:
Überlege dir bereits vor deinem Medenspiel, wie du Anfang des zweiten Satzes spielen willst.
Mache dir einen langfristigen Matchplan. Baue darin ein, was du tun willst, wenn es nicht gut läuft. Wenn du Fehler machst, deine buddhistische Ruhe verlierst, wenn du einfach den Faden verlierst.
Funfact:
Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eine dieser Sachen passieren wird, ist groß. Du bist nur ein Mensch.
Der kluge Clubspieler bereitet sich auf diese Phasen vor.
Eine andere Option:
Teile dir deine mentale Energie besser ein.
Spiele und denke so, dass du bei den Big-Points geistig und körperlich frisch bist. Denn es bringt dir wenig, wenn du dein bestes Tennis bei 1:1 und 15:15 im ersten Satz spielst, dann aber bei 4:4 und 30:30 mental platt bist und nach Luft schnappst.
Wir halten fest:
Zum Schluss dieses Artikels gebe ich dir noch eine Checkliste mit.
Es ist die Liste, die ich während der Jahre für meine Schützlinge im Mentaltraining erstellt habe. Es sind Prinzipien, wenn du so willst. Diese Prinzipien leiten dich zu einer besseren Denk- und Spielweise.
Wichtig:
Denke dabei für dich, aus deiner Sicht, mit deiner individuellen Spielweise.
Los geht`s.
Wie sieht es bei dir aus?
Wie bereitest du dich auf deine Medenspiele vor? Lass es mich in einem Kommentar unter diesem Artikel wissen.
]]>Ich konnte nicht antworten, da ich gerade mit der Sauerstoffaufnahme beschäftigt war.
Mein Trainer sprach weiter:
"Wie oft haben wir darüber jetzt gesprochen?"
Er fuchtelte wild mit seinem Prince-Racket.
"Deine Beinarbeit ist eine 4-. Du bist einfach ein lauffauler Sack. Wie willst du schnell spielen, wenn sich deine Füße langsam bewegen?"
Was sagt uns das?
Jiri Lehecka ist definitiv schnell auf den Beinen.
Denn:
Der junge Tscheche spielt ein sagenhaftes Powertennis. Mehr Daten zu dieser Power gibt es im späteren Verlauf dieses Artikels.
Kurz zurück zum Intro:
Ich trainierte damals für ein recht großes Ranglistenturnier und lernte in einer einzigen Trainerstunde:
Du kannst nur so schnell spielen, wie du dich auch bewegen kannst.
Was uns ohne Netzroller direkt zu einem der Young-Guns führt. Wenn du mich fragst:
Jiri Lehecka ist mindestens ein kommender Top-10-Spieler.
Auch wenn dieser Artikel im späteren Verlauf viele seiner Schwächen thematisiert.
Bevor wir in die Tiefen des Powertennis und die Lehren für dich eintauchen, lernen wir den guten Jiri erstmal kennen.
Ich habe Lehecka das erste Mal bei einem Hallenturnier so richtig kennengelernt. Es war meine ich in Stockholm. Mir imponierte, wie cool er im Match blieb. Die ganzen Auf und ab`s eines Matches schienen ihm wenig auszumachen.
Er blieb stets emotional kontrolliert.
Mehr noch:
Selbst nach seinem für viele Zuschauer überraschenden Sieg gegen Grigor Dimitrov freute er sich nicht überschwänglich. Er flippte nicht aus vor Freude. Das ist eine hervorragende Eigenschaft, die jeden Spieler mental verbessern kann:
Sei weder zu euphorisch, noch zu negativ im Match.
Schauen wir uns die Fakten zur Person Jiri Lehecka an.
Seinen Instagram-Account findest du hier. Bei Twitter zwitschert er hier (beziehungsweise seine Marketing-Firma ;-) ).
Funfact:
Seine Eltern waren selbst professionelle Sportler (Mutter: Leichtathletin, Vater: Schwimmer). Jiri kommt also aus einer Wettkampf-Familie.
Eventuell verhält er sich deshalb so mental stark auf dem Platz. Die Herkunft sowie die Umgebung formen jeden Spieler. Das ist definitiv Fakt. Jiri Lehecka ist von klein auf mit Wettkämpfen groß geworden.
Ein kleiner Vorteil, wenn es um Bestleistungen unter Druck geht.
Stand März 2023 steht Jiri Lehecka auf Rang 44 im Ranking. Seine Position war bisher Rang 37. Ich bin mir sicher, dass es noch viel weiter nach oben gehen wird.
Jiri Lehecka war die Nummer 10 der Jugend-Weltrangliste. Höher ging es für ihn damals nicht. Auf der Junioren-Tour spielte er übrigens bis 2019, ehe er sich dann für den Wechsel zu den Profis entschied.
Da kam er recht schnell durch, wie man feststellen kann.
Wir können festhalten:
Der Sprung von den Juniors zu den Profis ging rasant. Daher schlage ich vor, dass wir uns mal mit seiner Psyche beschäftigen.
Der gute Jiri spielte bis auf 2017 immer eine positive Matchbilanz:
Darunter schlug er bereits gute Spieler wie:
Sein ganz klar bestes Ergebnis in seiner noch jungen Karriere:
Das Viertelfinale bei den Australian Open 2023.
Dort unterlag er Stefanos Tsitsipas mit 6-3, 7-6 (2), 6-4.
Bis 2020 spielte Jri Lehecka ausschließlich Future- und Challenger-Events. Wahnsinn, wie schnell er sich auf der ATP-Tour nach oben gespielt hat.
Lehecke spielt den Wilson Six One 95 18×20. Dieser ist wie der neue Wilson Blade lackiert. Der Schläger ist seiner Spielweise perfekt angepasst. Der Wilson Six One ist für Hardhitter, die ordentlich Dampf auf die Kugel bekommen wollen.

Der bisher größte Erfolg von Jiri Lehecka war definitiv bei den Australian Open 2023.
Er schlug Cam Norrie (gibt es einen Spieler, der noch langweiliger spielt?) und Felix Auger-Aliassime. Nach seinem Triumph gegen Norrie sagte Jiri beim On-Court-Interview:
"Ich habe gelernt, niemals aufzugeben. Tief in mir haben ich und mein Team immer an große Erfolge geglaubt."
Hier bekommen wir einen Einblick, wie echtes Selbstvertrauen auf dem Tennisplatz auszusehen hat. Klar, man kann Selbstvertrauen sehr einfach wie ein Schauspieler spielen. Man kann auf dem Platz so tun, als wäre man selbstbewusst.
Du gehst aufrecht, hältst Blickkontakt mit dem Gegner, klopfst dir auf die Brust nach einem Vorhand-Winner die Linie entlang, brüllst laut "Come on!" und guckst böse.
Aber die entscheidende Frage ist doch nicht, was du nach außen zeigst, sondern wie es tief in dir, in deiner Tennisspieler-Seele, ausschaut.
Ein paar Zeilen zuvor hatte ich geschrieben, dass Lehecka für sein Alter unglaublich cool und abgebrüht wirkt. Das ist also keinesfalls gespielt. Das können wir aus seiner Aussage entnehmen.
Er wirkt nicht selbstbewusst. Jiri Lehecka ist selbstbewusst.
Dieses Innere spiegelt sein Tennis wider. Er ist das Gegenteil von einem Mondballspieler. Jiri traut sich was, wenn es um die Big-Points geht. Wir kommen im weiteren Verlauf dieses Artikels noch zu seiner Spielweise, seinen spielerischen Stärken sowie Schwächen.
Lass uns zunächst analysieren, was wir noch von Jiri über mental starkes Tennis lernen können.
Nach seinem Match gegen einen meiner persönlichen Lieblinge, Felix Auger-Aliassime, sagte Lehecka:
"Der erste Satz war nicht so schlecht von meiner Seite. Danach habe ich nur noch versucht, mich auf meinen Return zu konzentrieren, weil er ziemlich gut aufgeschlagen hat, und ich habe versucht, eine Lösung zu finden, um besser zu returnieren. Das ist mir auch gelungen. Ich hatte das Gefühl, dass das Halten und die Konzentration auf meinen Aufschlag das Wichtigste sein wird. Im ersten Tiebreak habe ich viel besser gespielt. Im zweiten Tiebreak stand es 50:50. Ich habe einen unglaublichen Schlag gespielt, eine Vorhand die Linie runter, mit der er überhaupt nicht gerechnet hat. Das waren ein paar Momente, in denen ich großartiges Tennis gespielt habe und auch er hat mir mit ein paar Fehlern geholfen."
Du hast in deinen Matches zwei Optionen:
Wer meine Onlinekurse kennt, der kennt dieses mentale Spielchen.
Nehmen wir ein Match gegen einen apokalyptischen Mondballspieler als Beispiel. Du kannst dich über seine hohen Bälle aufregen. Du kannst seine Spielweise als Anti-Tennis bezeichnen, fluchen und hinterher jedem erzählen, der "konnte ja nix".
All das, lieber Tennisfreund, ist problemorientiertes Denken.
Du denkst nur über deine Probleme im Match nach. Stell dir mal vor, du würdest in deinem Job nur über deine Probleme nachdenken - nie über Lösungen. Wärst du dann erfolgreich in dem, was du tust? Ganz sicher nicht!
Exakt so läuft es auf dem Tennisplatz.
Du solltest in Lösungen, nicht in Problemen, denken. Jiri Lehecka sagte in diesem On-Court-Interview:
"Danach habe ich nur noch versucht, mich auf meinen Return zu konzentrieren, weil er ziemlich gut aufgeschlagen hat, und ich habe versucht, eine Lösung zu finden, um besser zu returnieren. Das ist mir auch gelungen. Ich hatte das Gefühl, dass das Halten und die Konzentration auf meinen Aufschlag das Wichtigste sein wird."
Das ist lösungsorientiertes Denken.
Lehecka dachte nicht an die brachialen Grundschläge von Felix. Er dachte auch nicht an das kaum zu breakende Serve des Kanadiers. Jiri dachte nur an die Dinge, die ihm zum Erfolg helfen könnten.
Mit Erfolg.

Lehecka „modellierte“ sein Spiel nach Tomas Berdych.
Wenn man die beiden Spieler miteinander vergleicht, dann fällt dies recht schnell auf. Ein paar Videos auf YouTube verraten, dass ihre Spielanlage sehr ähnlich ist:
Was sagt Tomas Berdych zu seinem tschechischen Thronfolger?
"Er ist sehr jung. Aber was ich gesehen habe, ist wirklich die Art und Weise, wie er sich auf dem Platz gibt sehr gut. Was ich mag, ist seine Fitness und sein starker Körper. Einige der jungen Spieler haben damit zu kämpfen.
Sie brauchen mehr Muskeln oder es fehlt ihnen an Kraft. Das ist definitiv nicht bei ihm der Fall, was mir gefällt."
Berdych hat recht.
Ein Jannik Sinner ist immer noch zu dürr. Ihm fehlt dadurch einfach diese wichtige Stabilität. Dazu marschiert der Südtiroler zwischen den Ballwechseln wie angeschossen über den Platz. Es ist für den Gegenüber nicht gerade beeindruckend, wenn der Gegner im dritten (oder fünften) Satz bei 4:4 ein Bein nach dem anderen hinter sich her schleift, um sich zum nächsten Punkt zu schleppen.
Das ist nicht nur ein körperlicher, sondern auch ein mentaler Nachteil.
Jiri Lehecka strotzt hingehen vor körperlicher Power. Er ist unglaublich fit und für einen jungen Tennisspieler muskulös. Weder ein Zverev, ein Auger-Aliassime noch ein Sinner sind auch nur im Ansatz so fit.
Ein Alcaraz hat im körperlichen Bereich, trotz seiner jüngeren Jahre, ordentlich zugelegt.
Diese körperliche Power braucht Lehecka auch, um seine Art Tennis spielen zu können. Er ist ein Spieler, bei dem man in jedem Verein sagen würde:
Spiel dem bloß nicht auf die Vorhand!
Ein Berdych in jung, mit einer starken Mentalität.
Hast du Lust auf ein paar Zahlen?
Cool, dann lass uns mal schauen.
Laut den Statistiken von Tennis Data Innovations und TennisViz hat Jiri Lehecka bereits eine der stärksten, giftigsten Vorhände der Welt.
Leheckas durchschnittliche Vorhandgeschwindigkeit liegt bei 79,2 Meilen pro Stunde, mit einer durchschnittlichen Spinrate von 2.992 Umdrehungen pro Minute.
Das ist eine beängstigende Kombination aus Geschwindigkeit und Spin.
Wie gesagt, Jiri ist einer, dem man nicht auf die Vorhand spielen sollte.
Damit liegt Lehecka in der gleichen Größenordnung wie die bekannten Hardhitter Felix Auger-Aliassime (78,4 Meilen pro Stunde und 3.178 Umdrehungen pro Minute), Andrey Rublev (78,2 Meilen pro Stunde und 2.917 Umdrehungen pro Minute) und Jannik Sinner (77,8 Meilen pro Stunde und 2.901 Umdrehungen pro Minute).
Er liegt sogar darüber.
Der ATP-Tour-Durchschnitt für Vorhandgeschwindigkeit und Spin liegt bei 75,1 Meilen pro Stunde bzw. 2.713 Umdrehungen pro Minute.
Eine solche Vorhand spielt Lehecka beim T-Feld-Tennis ;-)
Hier nochmal die Vorhand-Rangliste:
Ich dachte bisher immer, dass Rublev das Hardhitting-Monster sei.
Tennis Data Innovations und TennisViz erstellen auch eine Metrik namens "Shot Quality".
Diese misst Geschwindigkeit, Spin, Tiefe und Weite.
Dazu wird die Auswirkung des Schlages auf den Gegner analysiert.
Leheckas 52-Wochen-Durchschnitt dieser Metrik auf der Vorhandseite liegt bei 8, und in den letzten 10 Matches hat er sich auf 8,3 verbessert. Im vergangenen Jahr lag seine Schlagqualität im gleichen Bereich wie die von Auger-Aliassime (8,1), Rublev (7,9) und Sinner (7,9).
Der Tour-Durchschnitt liegt bei 7,2.
Lehecka experimentierte mit verschiedenen Schläger- und Saiten-Setups, um seine Schläge besser kontrollieren zu können. Sein Trainer, Navratil, sagte dazu:
"Er hatte ein großes Problem mit der Saite. Er war in der Lage, die Saite in 10, 15 Minuten zu zerstören."
Lehecka hat seine Schläger zunehmend härter bespannen lassen, um seine brutalen Schläge mehr zügeln zu können:
"Es ist schon komisch. Letztes Jahr war etwas ganz Besonderes. Er hat letztes Jahr in Australien 35/33 bespannt. Am Anfang war er wirklich ein Biest mit so viel Kraft. Aber schließlich hat er es geschafft, sie zu kontrollieren und alles. Trotzdem denke ich, dass er nicht mit dem vollen Prozentsatz seiner Power spielen kann, weil ich denke, dass es auf dieser Welt keine Schläger gibt, die er voll ausreizen und gleichzeitig kontrollieren kann."
Was uns zum Punkt bringt:
Die größte Stärke im Spiel von Jiri Lehecka ist seine Power, die kein Schläger auf diesem Planeten zähmen kann.
Wenn man seinem Trainer glaubt, dann hat Lehecka zu viel Power. Dazu passt die Einschätzung von Tomas Berdych. Er sagte ja, dass Lehecka ein Fitness-Biest sei.
Ich habe viele Matches von Jiri Lehecka analysiert. Dabei habe ich einige Stärken entschlüsselt, die gleichzeitig aber auch zu seinen Schwächen führen.
Mehr dazu später.
Wir bleiben zunächst bei seinen Stärken.
Was mir sehr gut bei ihm gefällt, ist das Nachrücken ans Netz. Lehecka sucht bewusst den Weg nach vorn. Er nutzt sein Powertennis als Sprungbrett ans Netz. Er kann mit Vor- und Rückhand Gas geben. Vor allem seine Netzangriffe, die er mit seiner Rückhand einleitet, kommen für den Gegner oft überraschend. Dazu nimmt er die Kugel mit seiner beidhändigen Rückhand im Feld stehend, massakriert die Filzkugel, und geht dann diesem Schlag nach.
Sehr gern spielt er diese Rückhand cross:

Der grüne Pfeil zeigt den Weg ans Netz, den Lehecka nach seiner Rückhand einschlägt.
Er kann auch auf langsamere Schläge des Gegners ein Irrsinns-Tempo entfachen. Das ist eine Qualität, die nicht viele Spieler haben.
Er kann nicht nur einfach das Tempo des Gegners mitgehen. Lehecka kann selbst Tempo forcieren. Und zwar unglaubliches Tempo.
Passend zu seinem Powertennis steht Lehecka natürlich wo in den Ballwechseln? Klar, sehr nah an der Grundlinie. Ich habe analysiert, dass er bereits nach seinem Aufschlag entweder auf oder kurz hinter der Grundlinie positioniert bleibt. Er verschiebt seine Position nicht nach hinten. Er will, vermutlich auch aus seinem Unterbewusstsein gesteuert, direkt Tempo machen, den Gegner maximal unter Druck setzen.
Nach dem Motto:
"Mein Freund, du sollst keine Zeit zum ausholen haben!"
Wir finden Jiri Lehecka daher oft hier in den Ballwechseln:

Diese grundlegende Position von ihm führt uns zu seiner größten Waffe im Spiel. Diese Waffe ist eine Kombination aus seiner Psyche, seiner Mentalität, sowie seiner Power.
Wenn es läuft und Jiri viele gute Winner geschlagen hat, dann gibt es kaum noch ein Halten. Ich habe dies in einigen Matches beobachten können. Er ist selbstsicher, ohne arrogant zu sein. Jiri weiß ziemlich genau, was er spielen kann. Und wenn das dann richtig gut funktioniert, dann kommt bei ihm ziemlich viel zusammen:
Mein Eindruck war, dass sich dieses Selbstvertrauen dann in verschiedenen Facetten in seinem Spiel zeigt. Er sucht noch häufiger den Weg nach vorn.
Und:
Er returniert aggressiver.
Meiner Meinung nach steht er beim ersten Aufschlag des Gegners etwas zu weit hinten. Es kann sein, dass ich nur die falschen Matches gesehen habe. Es kann aber auch sein, dass er diese Position wählt, wenn er sich nicht ganz so selbstbewusst auf dem Court fühlt. Man müsste ihn mal fragen.
Auf jeden Fall steht er beim zweiten Serve des Gegners viel näher an der Linie. Etwas, was sich Daniil Medvedev mal von ihm abschauen sollte. Der steht ja stets im Publikum bei Aufschlag des Gegners.
Spürt Lehecka dieses natürliche Selbstvertrauen, dann finden wir ihn beim Return auf den zweiten Aufschlag gerne hier:

Sein Spiel ist auf eine Sache ausgelegt:
Maximale Power, maximaler Druck auf den Gegner. Im besten Falle soll der Gegner so wenig Schläge wie möglich spielen. Lehecka will nicht beschäftigt werden (so wie ein Daniil Medvedev zum Beispiel), er will beschäftigen. Dazu nutzt er seine unbändige Power und seine Netzangriffe.
Wie bereits geschrieben:
Ich bin großer Fan seines Netzspiels. Er spielt einen besseren Volley als ein Tsitsipas. Wäre ich Trainer von Jiri Lehecka, so würde ich das Abdecken des Netzes, die Bewegungsrouten am Netz selbst, weiter ausbauen und verbessern.
Falls du dich fragst, warum ich bisher noch kein Wort zu seinem Aufschlag verloren habe, so kann ich dich beruhigen. Ich bin kritisch. Und daher habe ich seinen Aufschlag zu den Schwächen gepackt.
Warum?
Das kannst du jetzt herausfinden:
Bereits in der Analyse zu Brandon Nakashima schrieb ich, dass die Young-Guns ein wenig hirnlos spielen. Sie können die Kugel unglaublich hart schlagen. Sie sind alle fit. Aber es fehlt der Spielwitz, das Überraschende in ihrem Spiel.
Carlos Alcaraz besitzt seine Stoppbälle, seine Kreativität, seine Netzangriffe.
Aber was besitzt ein Jannik Sinner?
Oder eben ein Jiri Lehecka?
Ja klar, Lehecka hat bereits jetzt dieses tolle Netzspiel. Das ist ein sehr guter Anfang. Aber mir fehlt da die Würze, der Pfiff - dieses geistreiche. Sein Aufschlag ist dafür das beste Beispiel. Das ist ein Brett, klar. Seine Technik ist, wie ich finde, schon sehr ausgereift. Aber warum verdammtnochmal serviert er nicht mal mit Witz?
Seine meisten Aufschläge folgen einem Muster, bei dem ich während meiner Analysen fast eingenickt wäre:

Die Richtung seiner Aufschläge ist eintönig.
Nicht nur, dass er kaum variantenreich serviert. Er serviert auch sehr oft immer gleich. Die Topspieler mit einem starken Return haben dieses gähnend langweilige Muster innerhalb von drei Aufschlagspielen durchschaut. Ein Djokovic wird die Aufschläge von Lehecka problemlos lang vor die Füße returnieren.
Nicht, weil der Aufschlag von Jiri Lehecka schlecht ist.
Ich finde, er hat einen harten, technisch sauberen Aufschlag. Aber er macht viel zu wenig aus den Möglichkeiten, die er ja eindeutig besitzt. So, als würde er auf einer Truhe voll Gold sitzen. Er weiß nur nicht, dass in dieser Truhe unter seinem Po alles voll Gold ist.
Dabei könnte er vom Aufschlag weg hervorragend die Punkte so strukturieren, dass er sein Powertennis perfekt einsetzen kann. Eine simple Slice-Aufschlag-Vorhand-Kombi wäre da ein wirklich gutes Mittel:

Ja klar, das ist ein simpler Spielzug.
Aufschlag nach außen, kürzerer Return, Attacke mit der Vorhand.
Aber man muss die spielerischen Waffen für diesen Spielzug haben. Und Jiri Lehecka hat all diese Optionen. Er besitzt einen starken Aufschlag und die laut Zahlen mächtigste Vorhand der Welt.
Die Preisfrage, die wir uns daher stellen, lautet:
Warum spielt Lehecka diese Kombi nicht viel öfters? Warum serviert er viel zu oft stur nur knallhart auf Mann? Ich weiß es leider nicht.
Mir sind noch ein paar andere Schwächen aufgefallen. Alles, Dinge, die eventuell auch auf dein Spiel zutreffen. Nur auf einem etwas anderen Niveau ;-)
Punkt 1:
Wenn es bei Lehecka nicht gut läuft, dann ist die Streuung in seinen Schlägen enorm. Ihm unterlaufen dann vor allem viele Fehler, wenn er mittig angespielt wird. Ihm fehlen dann die Winkel für seine Schläge. Wird er mittig angespielt und sein Selbstvertrauen ist nicht On-Point, dann verschlägt er viele Bälle nach hinten ins Aus.
Punkt 2:
Aus der Defensive heraus will er zu viel. In meinen Analysen sah ich immer wieder ein wiederkehrendes Muster.
Hier ein Screenshot aus den Analysen:

Wenn der Gegner Lehecka bewegt bekommt, und wenn Lehecka mehr reagieren muss als agieren kann, dann will er aus der Defensive auf den Winner gehen.
Das macht, rein taktisch gesehen, fast nie Sinn.
Hier mal ein Beispiel:

Er will aus einer tiefen Defensive heraus Winner schlagen. Vermutlich, weil er verzweifelt ist? Ich weiß es nicht. Dieses taktische Verhalten führt dazu, dass er aus einer Mühle des Gegners nur selten heraus findet.
Ergo:
Wird Jiri Lehecka in die Defensive gedrängt, dann steht er nackig auf dem Platz ;-) Seine Stärken, die Power, kann er nicht mehr einsetzen. In manchen Phasen habe ich dieses Phänomen bereits gesehen, wenn er vom Gegner bewegt wurde.
Was meine ich damit genau?
Wenn Lehecka drei, vier Bälle in Serie aus dem Lauf heraus spielen musste, dann ging seine Fehlerquote automatisch weiter nach oben. Was uns zum nächsten Punkt, der nächsten Schwäche in seinem Spiel führt.
Es gibt den Berrettini-Komplex.
Dieser tritt dann auf, wenn ein Spieler mit unglaublichen harten Schlägen und Power-Tennis in den entscheidenden Spielsituationen den Fehler statt dem Winner schlägt. Ich mein, man könnte ja auch einfach mal nur reinspielen und den Kopf einschalten.
Berrettini ist darin absolute Weltklasse.
Das ist meiner Meinung nach der Grund, warum er nie ein Grand-Slam-Turnier gewinnen wird.
Bei Lehecka sehe ich Ähnlichkeiten.
Seine Fehlerquote ist einfach noch zu hoch. Er muss seine Power besser dosieren. Er muss sein Powertennis mit Witz, Charme und Köpfchen würzen.
Ich denke, du kannst eine Menge von Jiri Lehecka lernen.
Ganz gleich, ob du ein LK-1er bist oder noch Anfänger.
Echte Powertennis benötigt körperliche Fitness. Immer und immer wieder, in jedem Ballwechsel voll auf die Kugel draufzugehen, schlaucht. Selbstverständlich sollst du immer mit Schwung Tennis spielen - nicht mit Kraft. Dennoch ist dieser Spielstil anstrengend.
Wir haben im Verlauf des Artikels aber auch über die Fehlerquote gesprochen. Wenn du echtes Powertennis zeigen willst, dann halte deine Fehlerquote im Auge. Richte deine Power im besten Falle immer an deinem Selbstvertrauen im Match aus.
Merke:
Es ist ganz natürlich, dass sich dein Vertrauen in deine spielerischen Fähigkeiten im Match verändert. Mal spürst du die Kugel besser im match, mal schlechter. Das ist normal. Wichtig ist hier, und das haben wir auch von Jiri Lehecka lernen können:
Sei weder zu euphorisch, noch zu negativ auf dem Court.
Für mich, als Mentaltrainer, ist dies eine tolle Qualität in seinem Spiel. Sein Tennis-Charakter ist sehr sehr stark. Und hier kannst du dir auch einige Dinge von ihm abschauen.
Wie zum Beispiel:
Ich wünsche dir viel Spaß und erfolg auf dem Platz!
]]>In diesem Artikel erfährst du alles zu seinem Ranking, seiner Herkunft, seinem Coach und natürlich zu seiner Spielweise.
Dazu gibt es Tipps und Tricks für dein Spiel. Du lernst, was du dir von Brandon für dein Spiel abschauen kannst.
Lass uns zunächst schauen, wie der Weg von Brandon Nakashima verlief, bevor er Champion bei den NextGen-Finals 2022 wurde.
Bist du dabei? Cool!
Alle Infos zur Person:
Kurzer Einschub:
Davide Sanguinetti war selbst ein guter Spieler, der zwei ATP-Titel holte. Er weiß also, wie es sich auf dem Court vor einem großen Publikum anfühlt. Davor arbeitete Nakashima mit Franco Davin zusammen, der unter anderem Juan Martin del Potro betreute.
Zurück zu Brandon Nakashima.
Er begann Tennis schon mit drei Jahren.
Vermutlich saß er auf der T-Linie und spielte seine Vorhände im Sitzen ;-)
Nakashima startete das Jahr 2024 auf Ranglistenposition 134. Er stand im März 2023 allerdings unter den Top 50. Aufgrund dieses kleinen Lecks in seiner Konstanz, spielte Brandon viele Challengerturniere. Dort holte er sich wieder das Gefühl des Sieges.
Er verfeinerte sein Spiel. Wurde körperlich stärker.
Das Ergebnis?
Am 12.08.2024 wurde er wieder unter den Top 50 geführt - auf Rang 49.
Hier eine Grafik zu seiner Historie im Jahre 2024:

Quelle: highcharts.com und coretennis.net
Was du aus dieser Story lernen kannst:
Falls du eine Schwächephase hast und viele Matches verlierst, spiele mit schwächeren Leuten. Spiele im Training Sätze aus. Spiele 9er oder 11er von unten. Hole dir wieder das Gefühl des Erfolgs. Denk Kopf in den Sandplatz stecken, das kann jeder. Bringt dich langfristig aber auch nicht weiter.
Daher:
Spiele mit schwächeren, gewinne mal wieder einen Satz, eine Partie oder ein 9er oder 11er von unten. Darauf baust du auf.
Und:
Feile an kleinen Details deines Spiels. Optimiere die kleinen Schritte zum Ball, das Anschauen des Balles und deine buddhistische Ruhe zwischen den Ballwechseln.
Das ist eine gute Überleitung.
Womit wir zurück zu Brandon Nakashima kommen.
Er ist ein ruhiger Charakter mit buddhistischem Gemüt, der aber selbstbewusst ist. Brandon weiß, was er kann. Er wirkt auf mich selbstsicher auf dem Court. Wir werden uns gleich sein psychologisches Profil anschauen.
Sein Lieblingsbelag ist der Hardcourt. Auch Rasen liegt ihm und seiner Spielweise. Asche mag er hingegen eher weniger.
Das mag an seinem recht glatten Spielstil liegen.
Mehr dazu später.

Nakashima absolvierte von 2017 bis 2019 eine erfolgreiche Juniorenkarriere. Brandon spielte erfolgreich College-Tennis und zeigte bereits dort, dass sein Weg in die großen Stadien dieser Tenniswelt führen sollte.
Hier ein paar interessante Fakten, Storys und Ergebnisse aus seiner College-Zeit:
Sommer 2019:
2018-19:
Weitere Hintergrundfakten:

Okay, wir wissen jetzt:
Brandon trifft die Kugel sauber.
Er hat direkt Gas gegeben. Bereits als sehr junger Spieler hat er viel Wettkampf-Tennis bestritten. Das entnehme ich zumindest aus den Fakten, die wir gerade durchgegangen sind.
Das gilt auch für dich als Clubspieler:
Spiele so viele Turniere, so viel Wettkampf (selbst wenn es nur das Schleifchen-Turnier zur Saisoneröffnung ist) wie geht. Nur wenn du dich immer und immer wieder in das Turniergetümmel stürzt, wirst du ein besserer Spieler unter Druck.
Der Weg von Brandon Nakashima zeigt das sehr gut.
Als Trainer für mentale Fähigkeiten im Tennis darf ein Aspekt in diesem Artikel natürlich nicht fehlen:
Er ist sich vollkommen bewusst darüber, wie viel Arbeit, Opfer und Rückschläge mit einer erfolgreichen Tenniskarriere verbunden sind.
Dementsprechend besitzt er eine unheimlich starke intrinsische Motivation. Er spielt nicht für Geld und Ruhm. Er spielt dafür sein Potential und sich auf dem Tennisplatz zu verwirklichen.
Das ist immer der bessere Antrieb.
Brandon bezeichnet sich selbst als schüchtern und introvertiert.
Diese Eigenschaften können beim Tennis aber große Vorteile mit sich bringen. Schüchterne Menschen wägen oft Risiken durchdacht ab. Sie können sehr gut analytisch denken. Dafür fehlt ihnen aber in gewissen Situationen der echte Biss, der entscheidende Killerinstinkt.
Brandon wirkt auf mich so, als wenn er im Match seine Gedanken und Emotionen unter Kontrolle hat. Ich traue ihm ein sehr starkes analytisches Denken zu. Diese Fähigkeit hat er vielleicht noch nicht vollständig entwickelt.
Ich könnte ihn mir in Zukunft als einen hervorragenden Strategen vorstellen.
Einer, der sich jederzeit dem Matchverlauf und der Spielweise des Gegners anpassen kann.
Das ist eine Sache, die du auch als Clubspieler trainieren solltest.
Du spielst immer besser, wenn du das Spiel, den Matchverlauf und die Spielweise des Gegners lesen kannst.
Brandon spielte früh viele Wettkämpfe.
Er hat dadurch früh gelernt, Niederlagen zu erleben und aus diesen seine Lehren zu ziehen. Diese Fähigkeit ist eine der entscheidenden, wenn es um erfolgreiches Turniertennis geht.
Das gilt nicht nur für jüngere Spieler, übrigens ;-)
Ich schätze Brandon so ein, dass er jeden Tag ein Stück besser werden will. Er wird an seiner Technik, seiner Taktik sowie seiner Einstellung feilen. Deine Einstellung ist DAS Werkzeug für dich als Tennisspieler. Beinahe jeder Erfolg oder Misserfolg lässt sich im Tennis auf die Einstellung des Spielers zurückführen.
Eben eine sehr gute Einstellung präsentierte Brandon Nakashima bei den Next-Gen-Finals 2022. Er spielte im Finale gegen den starken Jiri Lehecka. Wir kommen gleich noch zu den spielerischen und taktischen Finessen dieser beiden Jungs.
Brandon blieb in diesem Finale für einen so jungen Spieler ungewöhnlich cool. Er konnte das Finale voll annehmen. Er war konzentriert, fokussiert und spielte "im Jetzt".
Dein Fokus ist dein Gedankenkonstrukt auf ein Ergebnis. Zum Beispiel: Den nächsten Punkt gewinnen. Oder den Breakball abwehren. Oder dein Aufschlagspiel bei 5:3 souverän nach Hause servieren.
Konzentration ist die Fähigkeit, die dich dann zu deinen fokussierten Zielen führt.
Brandon Nakashima setzte dieses mentale Spielchen herausragend in diesem Finale gegen einen spielstarken Gegner um.
Nakashima zu den NextGen-Finals:
"Bei diesen kürzeren Sätzen kann es in beide Richtungen gehen. Wenn man ein Break verliert, geht es mit dem nächsten Satz weiter. Das nimmt einem das Element, zu versuchen zurückzukommen, wenn man zurückliegt, weil es so schwierig ist. Es war eine gute Erfahrung für mich, in diesem Format zu gewinnen. Ich persönlich bevorzuge bei Turnieren das normale Wertungsformat, aber es ist ein gutes Konzept, es bei den Next Gen Finals auszuprobieren. Die kürzeren Sätze sind unterhaltsamer für die Fans."

Das Spiel von Nakashima zeichnet sich durch einen Baustein aus:
Konstanz.
Aber nicht unbedingt auf eine Weise, wie du jetzt vermutest.
Lass uns etwas genauer hinschauen.
Ich hatte vor einiger Zeit einen ganzen Artikel für Tennisnet über die Disziplin in den Ballwechseln geschrieben.
Brandon lebt diese Disziplin.
Er ist aber kein Spieler, der langweilig und eintönig spielt. Das ist nochmal ein Unterschied. Ich finde, er hat bereits einen gewissen Spielwitz in seinem Spiel. Er kennt die Winkel auf dem Court, in den Ballwechseln. Er variiert seine Schläge in einem laufenden Ballwechsel.
Brandon spielt mit Köpfchen.
Im Herrentennis haben viele Spieler unfassbar harte Schläge. Sie können den Ball mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit einen Millimeter über die Netzkante prügeln.
Es fehlt bei vielen aber an der Spielintelligenz - wie ich finde.
Nur wenige junge Spieler können wirklich ihr Spiel im Laufe eines Matches anpassen. Sie haben kaum einen Blick für den Gegner und wie dieser spielt, welche Stärken und Schwächen er hat. Klar, ihre Grundschläge sind mächtig und ihre körperliche Fitness würde David Goggins vor Neid erblassen lassen.
Dieser konkrete Spielwitz aber, der fehlt mir ein bisschen.
Kommen wir zurück zum Thema.
Brandon Nakashima gibt dem Gegner Aufgaben.
Er muss Probleme lösen. Ein Mondballspieler ist da das beste Beispiel. Er löffelt dir den Ball gnadenlos hoch auf deine Rückhand, kurz vor die Grundlinie, 120 Minuten lang. Damit stellt er dir die Frage:
"Hier, hoch und lang - kannste den?"
Du musst dann dieses Problem, in diesem Falle die hohen Mondbälle, mit deinen spielerischen (und mentalen) Fähigkeiten lösen. Keine einfache Geschichte.
Brandon Nakashima ist aber ganz sicher kein Mondballspieler. Er spielt, flach, gerade und hart über das Netz. Somit ist er eher das komplette Gegenteil eines Bringers.
Brandon sagt mit seinem Spiel zum Gegner:
"Hier, ich spiele wie ein Uhrwerk lang, sicher und kann Tempo machen. Du musst jetzt Lösungen finden. Spiele schneller, spiele genauer oder komm ans Netz. Ich werde meinen Stil weiter spielen und dir keine Ruhe geben!"
Nakashimas Schläge sind schnörkellos. Er spielt die beidhändige Rückhand sowie seine Vorhand mit wenig Spin. Das kann ein Grund dafür sein, warum er auf Sand seine bis dato schlechtesten Ergebnisse gespielt hat. Auf Hardcourt und auch auf Rasen hingegen sind seine Schläge effektiver.
Warum ist sein flaches, gerades und schnörkelloses Spiel auf Sand nicht so effektiv?
Der Sandplatz bremst harte, mit wenig Spin gespielte Schläge immer etwas aus. Das Tempo wird nicht so gut angenommen. Wer mit mehr Spin spielt, der gibt dem Sandplatz die Chance diesen Spin ab dem Aufsprung in Tempo zu verwandeln.
Übrigens spielen viele junge Amis, wie beispielsweise auch Taylor Fritz, auf Sand schwächer als auf Hardcourt.
Brandon hat sein Spiel weiter verfeinert.
Nicht nur das. Er ist körperlich fitter und austrainierter geworden. Er "humpelt" nicht mehr zwischen den Ballwechseln. Er geht aufrecht und selbstbewusst von Punkt zu Punkt. Diese Körpersprache sieht der Gegner. Sein Humpeln war früher ein kleines Zeichen von Schwäche.
Diese Schwäche hat er komplett eliminiert.
Zu diese neuen körperlichen Stärke gesellt sich jetzt ein offensiverer Ansatz seines Spiels. Er steht näher an der Grundlinie. Er findet, wenn es die Situation im Ballwechsel zulässt, den Weg ans Netz. Sein Volley wurde verbessert.
Plus:
Durch die neu gewonnene körperliche Stärke ist sein Aufschlag dynamischer, schneller und platzierter geworden.
2022 servierte Nakashima mit durchschnittlich 186 km/h beim ersten Serve. 2024 serviert er mit 203 km/h im Durchschnitt. Das ist ein Unterschied von satten 17 km/h.
Wie hat er das geschafft?
Meiner Analyse nach macht er jetzt mehr aus den Beinen. Seine Trophy-Position, die Bogenspannung, ist noch effektiver. Er lehnt sich nach dem Ballwurf weiter nach hinten und kommt durch die Arbeit aus dem unteren Bereich des Körpers dynamischer nach oben.
In Slow-Mos habe ich gesehen, dass Brandon den linken Arm jetzt näher am Kopf hält. Dies könnte ebenfalls ein kleiner Hebel sein, der ihm einen schnelleren Aufschlag gibt.
Die Trophy-Position ist die Position, die du nach dem Ballwurf und vor dem Treffpunkt der Filzkugel einnimmst. Diese Position ist der Motor deines Aufschlages. Das Herzstück deiner Aufschlagbewegung.
Dort generierst du den Schwung und die Power für deinen Aufschlag - oder eben auch nicht.
Brandon Nakashima konnte diesen Part seines Aufschlages optimieren. Wir sprechen hier wirklich von kleinsten Details. Seine Aufschlagbewegung hat sich nicht komplett verändert. Er hat nicht seine Technik verändert.
Einzig das Detail der Trophy-Position wurde, auch aufgrund einer verbesserten Fitness, optimiert.
Hier ein paar Ideen, die du von Brandon für dein Serve lernen kannst:
Das Finale bei den NextGen-Finals im Jahre 2022 gegen Jiri Lehecka hat Brandon in absoluter Topform gezeigt.
Er konnte das unglaubliche Tempo von Lehecka problemlos mitgehen. Brandon besitzt eine enorme Stabilität im Schlag. Egal wie schnell und lang Lehecka spielte, Nakashima spielte die Kugel fehlerfrei zurück.
Brandon Nakashima nahm das Tempo der Lehecka-Geschosse mit, kontrollierte die Kugel auf seiner Bespannung und spielte gnadenlos konstant, kurz vor die Grundlinie.
Es steht für mich außer Frage, dass Nakashima noch großes Potential nach oben hat. Er ist noch lange nicht voll ausgereift als Spieler. Seine größte Stärke, zumindest nach meiner bescheidenen Meinung, ist die Kontrolle des gegnerischen Spiels. Er kann hervorragend auf das, was der Gegner spielt, reagieren. Wenn man Brandon Tempo gibt, dann nutzt er dieses Tempo.
Wenn du ihm Spin gibst, dann bekommt er diesen auf dem Racket kontrolliert.
Er kann dazu im Grunde jeden Schlag:
Eine weitere Stärke, ich hatte sie etwas weiter oben angesprochen, ist die Ruhe am Ball und die dadurch gewonnene Konstanz innerhalb eines Ballwechsels. Damit meine ich jetzt nicht die Konstanz auf Matchdauer gesehen. Das ist nochmal etwas ganz anderes. Seine Konstanz innerhalb eines Ballwechsels war die entscheidende Fähigkeit im Match gegen Lehecka.
Je länger die Ballwechsel gingen, desto eher war Brandon der Sieger dieser Ballwechsel.
Was uns direkt zu seinen Schwächen führt.
Hast du zuletzt das Spiel vom BVB gegen Chelsea gesehen?
Ich spreche vom Rückspiel an der Stamford Bridge.
Dem BVB mangelte es an Killerinstinkt. Es zog sich eine nicht greifbare Lethargie durch die Leistung der gesamten Mannschaft. Mit Ausnahme von Marius Wolf auf der rechten Außenbahn.
Der BVB spielte einfach nicht zwingend.
Ähnlich kommt es mir oft bei Brandon Nakashima vor. Er spielt gut, er hat alles drauf, er besitzt sehr viel Potential in seinen spielerischen sowie mentalen Fähigkeiten. Aber irgendwie fehlt der letzte Killerschlag.
Das zwingende Element in seinem gesamten Spiel.
Dadurch, dass er keinen echten Killerschlag besitzt, kann er seine Gegner oft nicht genug unter Druck setzen. Vor allem unter mentalen Druck. Stell dir vor du spielst gegen Alcaraz und es steht 4:4 und 30:30 im ersten Satz. Dann stehst du an der Grundlinie und weißt ganz genau, dass jeder zu kurze Ball von dir einen Winner für Carlos bedeutet.
Das ist mentale Kriegsführung durch spielerische Waffen.
Dieses Element fehlt Brandon, zumindest bis dato, noch in seinem Spiel. In seinem Matchplan. Ich könnte jetzt nicht sagen Brandon besitzt eine schwache Rückhand oder eine schwache Vorhand. Gut, beim Aufschlag kann er noch was rausholen. Es ist mehr seine Aura auf dem Platz, die ihm bisher noch nicht den ganz ganz großen Durchbruch ermöglicht hat.
Ähnliches gilt übrigens für Felix Auger-Aliassime.
Ich möchte hier mal das Lehecka-Match als Beispiel nehmen.
Nakashima war der in den Ballwechseln disziplinierte Spieler. Er schaffte es den Ball von Schlag zu Schlag nicht noch schneller zu spielen. Er blieb ruhiger an der Kugel.
Lehecka überdrehte dann irgendwann. In den entscheidenden Momenten gewann - wie so oft - der Spieler mit mehr Sicherheit im Schlag.
Aber was passiert, wenn sich ein Spielertyp wie Jiri Lehecka entwickelt und lernt die Ballwechsel mit seinem Powertennis abgeklärt zu Ende zu spielen? Wie verläuft so ein Match, wenn ein Lehecka cooler an der Kugel bleibt und im passenden Moment vielleicht mal ans Netz kommt?
Dann wird Nakashima diese Matches wahrscheinlich verlieren.
Da fehlen dem guten Brandon eben diese so wichtigen Waffen in seinem Spiel. Sollte er diese aber in sein Spiel integrieren, dann wird er ein noch viel gefährlicherer Spielertyp für viele derzeit noch besser platzierte Spieler werden.
Welche Waffen könnten das sein?
Wenn dir weitere mögliche Stärken einfallen, dann schreib sie mir bitte in die Kommentare unter diesem Artikel.
Okay, schauen wir uns an, was für dich drin ist.
Wir hatten in diesem Artikel an mehreren Stellen darüber gesprochen:
Disziplin im Ballwechsel.
Die Fähigkeit, den Ball des Gegners eben nicht schneller spielen zu wollen, als der Gegner ihn spielt. Das ist eine Fähigkeit, die vielen Clubspielern fehlt. Die aber viele Clubspieler quasi "über Nacht" zu besseren Spielern machen würde.
Warum?
Dir fehlt es im Match an Selbstvertrauen. Selbstvertrauen baust du nur durch sogenannte Mini-Erfolgserlebnisse auf. Mini-Erfolgserlebnisse sind unter anderem fünf bis sieben gelungene Schläge zwischen T- und Grundlinie. Mit anderen Worten: Kontrollierte Sicherheit.
Oft wird ja von kontrollierter Offensive auf unseren Tennisanlagen gesprochen. Klar, das klingt cool und mag in der Theorie auch schön sein. Funktioniert das aber auch für dich im Match? Vermutlich nur an deinen besten Tagen.
Daher finde ich die Idee der kontrollierten Sicherheit viel effektiver.
Du bist in der Lage deine Schläge so intensiv auf deiner Bespannung zu fühlen, dass du den Ball im wahrsten Sinne dirigieren kannst. Dabei merkst du sofort, nachdem du den Ball geschlagen hast, ob er ins Aus geht oder nicht. Es geht nicht darum jeden Schlag perfekt zu spielen. Es geht viel mehr darum jeden Schlag perfekt zu spüren.
Brandon Nakashima hat diese Disziplin auf jeden Fall perfektioniert.
Okay, lieber Tenniscrack. Halten wir fest, was du von Brandon Nakashima lernen kannst:
Du hast Fragen?
Schreib mir in die Kommentare unter diesem Artikel!
]]>Mit einem 3:0 in deinem kräftigen Rücken schreitest du selbstbewusst nach zehn Minuten Richtung Bank.
Du pusht dich. Du hast den Sieg vor Augen. Auch, wenn es noch etwas früh ist.
Keine 40 Minuten später sitzt du wieder auf der Bank. Deine Euphorie ist im Netz gelandet. Deine Hoffnung auf den Sieg im Aus.
Du liegst aussichtslos mit 3:6 und 1:4 hinten.
Wie geht das? Und warum hast du so enorme Leistungsschwankungen in deinen Matches?
Wenn du in den nächsten zehn Minuten von einem Professor der kognitiven Psychologie lernen willst:
... dann lies bitte weiter.
Bevor ich dir Stefan vorstelle, muss ich dir von unserem Glück erzählen.
Als ich Stefan kontaktierte, schrieb er mit einem echten Zufall zurück.
Wie lautet dieser Zufall?
Stefan und sein Sohnemann spielen selbst Tennis. Verrückt, oder?
Stefan van der Stigchel ist Professor für kognitive Psychologie in der Abteilung für experimentelle Psychologie der Universität Utrecht.
Er ist dort Leiter der Forschungsgruppe AttentionLab. Mehr dazu gleich.
Für seine Forschungen zur visuellen Aufmerksamkeit erhielt er ein VENI- und VIDI NWO-Stipendium sowie ein ERC Consolidator Grant und ein VICI NWO-Stipendium.
Und:
Stefan ist Autor des populärwissenschaftlichen Buches "How Attention Works".
Sein zweites Buch "Concentration: Staying Focused in Times of Distraction" wurde im November 2018 in den Niederlanden veröffentlicht und erschien 2020 bei MIT Press. Seine Bücher wurden außerdem ins Russische, Koreanische und Chinesische übersetzt.
Schau hier:
"AttentionLab ist die von Stefan Van der Stigchel geleitete Forschungsgruppe. Sie ist Teil der Abteilung für experimentelle Psychologie der Universität Utrecht. Das Ziel von AttentionLab ist die Untersuchung von "Aufmerksamkeit" und "visuellem Bewusstsein" im weitesten Sinne in der gesunden Bevölkerung, aber auch in einem klinischen Umfeld. Im AttentionLab werden Aufmerksamkeit und visuelle Wahrnehmung mit verschiedenen Methoden untersucht, wie z. B. Hindernisvermeidung, Aufzeichnung von Augenbewegungen, Läsionsüberlappung und Blitzlichtunterdrückung. Diese Funktionen werden bei verschiedenen Patientenpopulationen wie Hemianopie, visuellem Neglect und dem Korsakoff-Syndrom untersucht. Das Ziel ist es, eine reichhaltige Interaktion zwischen experimenteller Psychologie und Neuropsychologie zu schaffen, mit dem letztendlichen Ziel, das Rätsel zu lösen, wie wir eine Wahrnehmung unserer Welt schaffen."
Irgendwann Ende der 90er spielte ich ein Turnier in Warendorf.
Es war eine kleine, gemütliche Anlage. Die Auslosung wollte, dass ich in der ersten Runde gegen die Nummer zwei des Turniers ran musste.
Sein Name war David.
Er spielte extrem unspektakulär. Von der Nummer zwei des Turniers erwartete ich, dass sie mich vom Platz pustet. Dem war aber nicht so.
David verstrickte mich in lange Rallys.
Er spielte ungemein sicher. Fast jeder Ball von ihm kam kurz vor die Grundlinie. Er spielte mit viel Topspin, was es noch schwieriger für mich machte. Seine Rückhand war besser als seine Vorhand. In seinen Schlägen war ein Tempo und ein Drall, den ich zuvor nicht kannte. Obwohl es, wie gesagt, eher unspektakulär war, was er in den Ballwechseln spielte. Die Effizienz spürte ich aber auf meiner Bespannung. Es war eine echte Konzentrationsaufgabe seine langen, mit viel Spin gespielten Bälle zu kontrollieren und diese mit Qualität zurückzuspielen.
Ich musste all meine körperlichen und geistigen Reserven anzapfen, um diese fordernden Ballwechsel mitgehen zu können.
Das funktionierte bis zum 1:2 aus meiner Sicht.
Ich war vollkommen K.O.
Mir fiel es schwer, mich überhaupt auf meinen Aufschlag zu konzentrieren. In meinen Gedanken waren keine Analysen mehr. Ich dachte nicht mehr darüber nach, wie ich mein Serve wohin spielen will. Die Rallys mit David waren so anstrengend, dass ich froh war, wenn ich den Fehler endlich gemacht hatte. So fühlten sich die meisten Ballwechsel zumindest für mich an.
Ich wollte alles, aber nicht noch eine lange Rally gegen dieses Uhrwerk von Tennisspieler auf der anderen Seite des Netzes spielen.
Klar, Kondition ist gleich Konzentration.
Aber was kannst du in deinen Matches tun, um dich so zielgerichtet wie möglich zu konzentrieren?
Stefan van der Stigchel dazu:
"Beim Tennis gibt es immer Urteile in deinem Kopf. Zu jedem Ball, den du schlägst, hast du eine Meinung.
Deine Gedanken können auch zu anderen Aspekten abschweifen, zum Beispiel zu den Folgen eines Sieges oder einer Niederlage, zu den Geschichten, die du über das Spiel erzählen (d. h. die Ausreden) könntest, zu den Leuten, die dich auf oder neben dem Platz stören.
Da wir uns immer nur auf eine Sache konzentrieren können, besteht der entscheidende Trick darin, sich wieder auf das Spiel zu konzentrieren.
Du wirst eine Übung der Selbstkommunikation verwenden müssen. Da deine Gedanken verbal sind und den verbalen Teil deines Arbeitsgedächtnisses beanspruchen, wird die Nutzung einer verbalen Aufgabe es unmöglich machen, an etwas anderes zu denken.
Du kannst zum Beispiel jedes Mal, wenn der Ball aufspringt, innerlich das Wort "tippen" sagen und jedes Mal, wenn der Ball getroffen wird, entweder von dir oder von deinem Gegner, "schlagen".
Ich verstehe, dass das vielleicht langweilig ist, aber es wird unmöglich sein, an etwas anderes zu denken."
Interessant, oder?
Ist dir aufgefallen, dass Alexander Zverev seit einiger Zeit vor dem Aufschlag die Kugel bewusst direkt auf dir Grundlinie tippt? Ist das etwa eine neue Konzentrationstechnik unseres ehemaligen Doppelfehler-Monsters?
Wir können nur rätseln. Alex, falls du das liest, du darfst gerne einen Kommentar unter diesen Artikel schreiben ;-)
Wir halten fest:
Sprich, in simplen Worten, mit simplen Inhalten, zu dir. Kommentiere das, was du gerade tust.
In meiner Kurz-Geschichte ein Stückchen weiter oben ging es um Konzentrationsschwankungen. Du startest wie ein Berserker, aber nur, um dann ebenso stark wieder abzubauen.
Wie lässt sich das erklären?
Stefan dazu:
"Es ist fast unmöglich, über einen längeren Zeitraum konzentriert zu bleiben.
Genau wie bei anderen Aufgaben, die Konzentration erfordern, wie beim Lesen oder Schreiben, gibt es eine Grenze für die Zeit, die man sich konzentrieren kann. Konzentrationsübungen können dir helfen, deine Konzentration zu verbessern (trainiere sie, indem du sie einfach ausführst und den Zeitraum immer länger dehnst), aber auch dann gibt es eine Grenze. Die Gehirnnetzwerke, die für die Konzentration verantwortlich sind, werden "müde", und du musst deine Batterien wieder aufladen.
Wenn du das Gefühl hast, dass deine Konzentration aufgetankt werden muss, kann es gut sein, dass du in dieser Pause deine Gedanken schweifen lässt. Selbst eine kurze Konzentrationspause kann ausreichen, um eine neue Konzentrationsphase zu ermöglichen.
Sei nicht zu hart mit dir selbst: Es gibt keine unendliche Konzentration."
Das bedeutet für uns:
Du kannst nicht in jedem deiner Matches vom ersten Ballwechsel bis zum verwandelten Matchball, mit 100 % Fokus und Konzentration zu spielen.
Verrückt ist, dass sich viele Spieler genau darüber maßlos aufregen.
Sie bringen sich selbst aus dem Spiel. Weil sie sich über etwas aufregen, das sich nicht ändern lässt. Jeder Buddhist schüttelt gerade im Schneidersitz residierend mit einem Lächeln den Kopf.
Teile dir deine Konzentration lieber ein, anstatt jeden Punkt wie den letzten spielen zu wollen.
Lesetipp bei Tennisarm: Die Masalo Manschette
Okay, wenn du dich nicht 90 Minuten am Stück voll konzentrieren kannst, wie lange kannst du dich denn dann in einem Match fokussieren?
Stefan van der Stigchel dazu:
"Auf diese Frage gibt es keine konkrete Antwort, da sie von verschiedenen Faktoren abhängt:
in erster Linie von deiner Motivation, davon, wie gut du geschlafen hast, von deiner Umgebung (gibt es ablenkende Elemente?) und davon, was du vor dem Spiel gemacht hast (Videospiele spielen oder ein Nickerchen - das macht einen großen Unterschied für deine Konzentrationsfähigkeit).
Beachte aber auch, dass es individuelle Unterschiede gibt: Manche Menschen können sich von Natur aus besser konzentrieren als andere. Diese neurologische Vielfalt führt dazu, dass manche Spieler eine längere Konzentrationszeit haben als andere."
Du kannst durch eine clevere Selbstanalyse für dich herausfinden, wie du deine Konzentration im Match am besten einteilen kannst.
Ich würde dir dafür die simple Frage-Methode empfehlen:
Wenn du dir diese drei Fragen ehrlich beantwortest, dann bist du in Sachen Taktik und Kopf einen großen Schritt weiter in deinem Spiel.
Was uns direkt zum nächsten wichtigen Punkt führt:
Wie kannst du dich konzentrieren, wenn du unfassbar nervös und angespannt bist?
Stefan van der Stigchel dazu:
"Ich liebe die Konzentrationskreise von Stanislavski, weil ich sie aus meiner eigenen Spielerfahrung so gut kenne (siehe unten).
Natürlich möchte man in der ersten Zone sein, aber wir denken oft an andere Dinge und sind deshalb in einer anderen Zone präsent. Wenn du ein wichtiges Match spielst und dich in spielentscheidenden Situationen befindest, macht es Sinn, mehr über die Konsequenzen deiner Handlungen nachzudenken.
Beim Training ist das natürlich nicht der Fall:
Wen interessiert es schon, ob der Ball drin oder draußen ist? Letztlich geht es darum, den Kreis, in dem man sich gerade befindet, zu erkennen (einen inneren Check-in durchzuführen) und zu versuchen, in die erste Zone zurückzukehren.
Du kannst die Treffpunkt-Übung (siehe weiter oben) machen oder deine Aufmerksamkeit auf die Fusseln des Balles richten. Da du dich immer nur auf eine Sache konzentrieren kannst, wird die Konzentration auf die Fusseln dazu führen, dass du deine Aufmerksamkeit nach außen statt nach innen richtest. Und es wird sogar dein Spiel verbessern, denn du wirst den Ball besser wahrnehmen können, wenn du aktiv auf ihn achtest."
In meinem Novak KonstantOvic Kurs (exklusiv für Leser meines täglichen Newsletters zu haben) gehe ich intensiv darauf ein, warum das Anschauen des Balles so unglaublich wichtig ist.
Und warum viele Spieler genau diese "Übung" so oft so falsch machen.
Stefan erklärt hier super, wie wichtig das Beurteilen der jeweiligen Matchsituation plus deiner Situation im Kopf ist.
Das beste Beispiel ist der Aufschlag.
Wir beide kennen viele Spieler, die nach einem langen Ballwechsel wutentbrannt zur Grundlinie marschieren und ohne sich irgendeinen Gedanken zu machen aufschlagen.
Wie gut wird ein Aufschlag unter diesen Umständen werden?
Wir beide kennen die Antwort.
Hier sind die von Stefan angesprochenen Konzentrationskreise von Stanislavski:
Aber wie kannst du dich auf ein Match vorbereiten, um eine Peak-Performance bei deiner Konzentration zu erreichen?
Stefan zu diesem Thema:
"Versuche etwas zu tun, das keine aktive Aufmerksamkeit erfordert: spazieren gehen, ein Nickerchen machen, bekannte Musik hören. Dinge, die automatisch ausgeführt werden können, ohne dein Aufmerksamkeitssystem zu belasten. Auf diese Weise wird dein Konzentrations-Akku voll aufgeladen und ist bereit für eine längere Konzentrationsphase."
Der entscheidende Faktor:
Gib deinem Geist Ruhe vor einem Match.
Daddel nicht auf deinem Smartphone herum. Stell dir einen stillen See vor. Wenn du Ziegelsteine in diesen wirfst, dann wird die Seeoberfläche unruhig. Sie schlägt Wellen.
Diese Wellen willst du für deinen Geist vermeiden. Smartphones sind die Ziegelsteine.
Vor einiger Zeit stolperte ich bei YouTube über ein Video.
Es zeigte den großartigen Rafael Nadal kurz vor einem Match.
Mit Kopfhörern auf den Ohren führte er Trockenübungen aus, machte ein paar Side-Steps und tänzelte auf der Stelle. Niemand sprach ihn an. Wahrscheinlich durfte ihn auch niemand ansprechen. Er war vollkommen für sich. Abgeschottet durch seine Kopfhörer.
Dies ist ein sehr gutes Beispiel für eine solide Matchvorbereitung. Rafa hat ja das eine oder andere Turnier recht erfolgreich bestritten.
In ein paar Punkten möchte ich dir die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Artikel auf dein Racket schreiben:
Alles klar. Zum Schluss verlinke ich dir noch die Website und die Bücher von Stefan. Sie sind auf Englisch, aber leicht zu lesen. Außerdem hast du auf deinem Kindle auch die Option dir Wörter übersetzen zu lassen.
Das Lesen lohnt sich.
Concentration: Staying Focused in Times of Distraction
How Attention Works: Finding Your Way in a World Full of Distraction
Hier kommst du zur Website von Stefan van der Stigchel:
Angstschweiß macht sich breit.
Der Schläger rutscht bei der Vorhand beinahe aus deiner Hand. Arme und Beine verkrampfen, wenn die fusselige Filzkugel auf dich zufliegt. Du fühlst dich, als wärst du in dicken Stahlketten gefesselt.
Die Coolness aus dem Training ist futsch. Durch deinen Kopf fliegen negative Gedanken.
So laut wie Düsenjets.
Du bist seit Jahren der Überzeugung, dass etwas mit dir nicht stimmen kann. Du musst ein "Kopfproblem" haben. Im Training sitzt die Vorhand-Longline mit 120 km/h perfekt im Eck. Die Quote beim ersten Aufschlag liegt bei mindestens 70 %.
Dein Brett durch die Mitte würde selbst Pete Sampras staunend, mit hoch gezogener Augenbraue, applaudieren lassen.
Aber dann ...
Im Match schubst du deine Vorhand. In Rücklage, ohne über die Schulter auszuschwingen. Du bist nur darauf aus Fehler zu vermeiden. Und machst dabei noch mehr Fehler.
Du spielst im Training mehr, als dass du denkst. Im Match denkst du mehr, als dass du spielst.
In diesem Artikel lernst du, warum du kein Kopfproblem hast. Dafür habe ich dir Unterstützung von fachfremder Seite mitgebracht. Frau Dr. Nahlah Saimeh ist forensische Psychiaterin. Sie hat mit dem Gefühlsspektrum von Tätern zu tun und hat sich im Gespräch mit mir auf ein episches Fünfsatz-Match eingelassen.
Mach es dir bequem und lass uns schauen, was du über deine Psyche beim Tennis von einer forensischen Expertin lernen kannst.
Du wirst teilweise verblüfft sein.
Frau Dr. Saimeh war bereits beim SWR und Markus Lanz zu Gast. Am Ende des Artikels habe ich dir einige Links zusammengestellt.
Hier ein kleiner Steckbrief, damit du weißt, mit wem du es zu tun hast:
Mitgliedschaften
Du findest am Ende dieses Artikels noch weiterführende Links.
Alles klar.
Wir haben unseren Gast vorgestellt. Ich würde vorschlagen, wir schwingen jetzt das Racket und schauen, wie sich deine Verhaltensweisen im Dschungel eines Matches erklären - und natürlich verbessern - lassen.
Let`s go!
Ich habe früher Puzzle gehasst.
Mein Geduldsfaden war so lang wie die Stoppbälle von Carlos Alcaraz. Mir dauerte es zu lange, bis ich ein Ergebnis sah.
Bei einem Puzzle setzen wir Stück für Stück ein Bild zusammen. Dabei müssen wir aufpassen, dass ein Teil zum anderen passt. Puzzeln ist eine ziemlich komplizierte Geschichte. Dein Kopf auf dem Court ist ebenfalls ein Bild, das sich aus verschiedenen Puzzleteilen zusammensetzt. Mit meinem alten Coach Tom unterhielt ich mich an einem heißen Sommertag irgendwann in den 90ern zwischen Korbübungen und Bälle sammeln (das gehörte nicht zu meinem Spezialgebiet!) über Agassi, Sampras und Chang.
Ich weiß leider nicht mehr, über welchen Spieler wir gerade philosophierten. Dann zündete Tom diese Rakete an Tennis-Weisheit:
Der Charakter kommt immer mit auf den Platz!
Ich würde sogar sagen:
Der Charakter spielt die Big-Points.
Lass uns bei der Geburt starten.
Uff, verrückte Überleitung, oder? ;-) Du wirst im weiteren Verlauf des Artikels verstehen, warum wir genau dort beginnen. Für uns ist es interessant zu wissen: In welchem Alter formt sich der Grundcharakter eines Menschen, der die Sicht auf die Welt maßgeblich festlegt?
Frau Dr. Saimeh dazu:
"Die ersten drei Lebensjahre sind von grundlegender Bedeutung. Aber natürlich formt sich die Persönlichkeit gerade auch in der Pubertät unter dem Einfluss von Peer-Gruppen und dem sozio-kulturellen Milieu, dem man entstammt, beträchtlich. Aber das A und O ist die frühe sichere Bindung. Und wer schon im Mutterleib dadurch vorgeburtliche Gewalterfahrungen macht, weil die schwangere Mutter verprügelt wird, dessen Gene stellen sich auf eine feindselige Umwelt ein. Die Natur hat unglaubliche Anpassungsmechanismen. Das Risiko für eine spätere dissoziale Fehlentwicklung steigt.".
Wir wollen als Tennisspieler von Match zu Match, von Trainerstunde zu Trainerstunde, am liebsten "alles" besser machen. Wir wollen 60 Minuten perfekt spielen. Jeder Schlag soll einzigartig stark sein. Im Wettkampf wollen wir immer konzentriert spielen, keine Fehler machen, dem Gegner mentale Stärke zeigen und bloß nicht den Eindruck erwecken, dass wir uns auch nur ein Stückchen unwohl fühlen könnten.
Vergiss es, das funktioniert nicht.
Viele deiner Verhaltensweisen im Match sind einfach fest. Sie gehören zu deinem Grundcharakter, zu dir. Wenn du dir die Aufgabe stellst deine Verhaltensweisen komplett ändern zu wollen, dann wirst du diese Aufgabe bis zum Ende deiner Karriere nicht lösen. Es ist vergeudete Zeit und Energie. Brandon Nakashima beispielsweise ist schüchtern und introvertiert. Er nutzt diese Eigenschaften aber für sich.
Wir kommen gleich noch darauf zu sprechen, wie du festgefahrene Verhaltensweisen im Match optimieren kannst. Wir bleiben zunächst beim Charakter. Das schrieb mir Frau Dr. Saimeh auf die Frage, ob es ab einem bestimmten Alter noch möglich ist, seine charakterlichen Eigenschaften zu optimieren:
"Charaktereigenschaften sind individuell festgelegte, zeitlich ziemlich stabile Eigenschaften, die man aber – wenn man das selbst will- zumindest einer Verhaltenskontrolle unterziehen kann. Und man kann sehr wohl Eigenschaften verändern, wenn man verstanden hat, welche innere Bedürfnisse an diese Eigenschaften gebunden sind. Man wird aus einem Choleriker nicht jemanden machen, der sich gar nicht mehr aufregt, aber es kann gelingen, dass der Choleriker lernt, mit seiner rasch anflutenden Wut anders umzugehen. Die Persönlichkeit kann sich schon verändern. Sie werden aber aus einem besonnenen Typen auch keinen Choleriker zaubern. Ob jemand eine Verhaltenskorrektur lernt, hat vor allem damit zu tun, ob er das lernen will. Leide ich selbst unter eigenen Eigenschaften, oder leiden Andere unter meinen Eigenschaften? Und ist es mir egal, dass Andere unter mir leiden, oder möchte ich das wirklich verändern? Bei jeder Therapie ist ja die Frage wichtig, was man selbst wirklich will."
Ich finde hier das Wörtchen "Verhaltenskontrolle" interessant.
Ein gutes Beispiel ist Alexander Zverev.
Vor einiger Zeit war er noch enorm emotional im Match. Es waren vor allem die negativen Verhaltensweisen, die ihn einige Siege gekostet haben. Er schmiss wütend den Schläger, redete viel mit sich und seiner Box, fluchte - aber das brachte ihm nichts. Er schadete sich selbst.
Frau Dr. Saimeh dazu:
„Wut ist im Grunde oft eine Wut auf sich selbst, weil die Grenze, an die wir stoßen, uns zeigt, dass wir nicht so allmächtig sind, wie wir gerne wären. Die Grenze, der Fehler, das Scheitern zwingt uns Demut ab. Selbst wenn wir wütend über Andere sind, trifft diese Wut uns selbst, weil der Andere uns an eine Grenze unseres Einflusses führt. Es ist eine Frage der Persönlichkeit, wie man damit umgeht."
Hat er sich nun komplett verändert?
Nein, keineswegs. Er ist immer noch voll dabei. Er trägt immer noch die Ketten um seinen (mittlerweile muskulösen) Nacken. Sein Verhalten kann er aber in hitzigen Situationen viel besser kontrollieren. Ich bin mir sicher, dass er bewusst daran gearbeitet hat.
Kommen wir zu dir. Was kannst du tun?
Lesetipp bei Tennisarm: Die Masalo Manschette
Ich würde vorschlagen:
Analysiere für dich, welche deiner charakterlichen Eigenschaften dich im Match bremsen. Prüfe dann, ob du Wege findest, diese besser kontrollieren zu können. Es geht, wie Frau Dr. Saimeh schreibt, nicht darum aus dir einen komplett neuen Charakter zu formen.
Es geht um die Kontrolle dessen, was du bereits bist.
Okay, kommen wir zu dem Thema, das viele Tennisspieler auf dem Racket haben.
Ich hatte früher nie großartig Angst vor einem Match. Mir ging erst der Puls, wenn ich auf dem Court stand. In meiner Arbeit als Mentaltrainer durfte ich feststellen, dass es zwei verschiedene Typen von Spielern gibt:
1) Die Spieler, die vor einem Match starke Ängste verspüren
2) Die Spieler, die erst im Match von ihrer Angst gepackt werden
Dann gibt es unterschiedliche Arten der Angst.
Viele, und dazu zähle ich mich ebenfalls, haben Angst davor gegen einen schwächeren Gegner unterzugehen. Das ist ein Grund, warum man gegen stärker eingestufte Spieler etwas lockerer ist. Anderen Spieler gruselt es vor der Wettkampfsituation. Sie fühlen sich von den Blicken der Zuschauer ausgezogen.
Sie fühlen im Match eine gewisse Scham.
Nun kommt die Preisfrage: Was kannst du tun?
Frau Dr. Saimeh schrieb mir zum Thema Angst:
"Angst ist ein entwicklungsgeschichtlich tief verankertes Gefühl. Sie ist überlebenswichtig. Wer keine Angst erleben kann, erkennt keine Gefahren. Wer keine Gefahren erkennt, stirbt früher. Weil es entwicklungsgeschichtlich sehr früh entstanden ist, ist auch die Kontrolle durch entwicklungsgeschichtlich spät entstandene Gehirnareale schwierig. Angst-Störungen im psychiatrischen Sinne zeichnen sich durch übersteigerte, rational unsinnige, unbegründete Ängste aus. Da hilft bei konkreten situationsbezogenen Ängsten Verhaltenstherapie. Pathologische Angstfreiheit, wie z.B. bei Psychopathen, führt dazu, dass hohe Risiken eingegangen werden, auch auf Kosten anderer Menschen."
Zu der Angst vor dem schwächeren Gegner schrieb sie aber:
„Das ist eine spezielle Angst, die mit der Angst vor Scham zu tun hat. Wenn man gegen einen schwächeren Gegner verliert, zeigt der „Schwache“ dem „Stärkeren“ wieder seine Grenzen, seine „Schwächen“ auf. Man hat Angst vor dem Moment der möglichen Blamage, in der alle anderen sehen, dass man nicht „stark“ ist. Hier hängen Angst und Selbstwertinstabilität zusammen. Man selbst weiß, was Andere eben nicht wissen: man hat Schwächen und der Gegner könnte sie erkennen und ausnutzen."
Hier ist eine Sache unheimlich interessant. Die meist gestellte Frage in meinem E-Mail-Postfach und von Eltern talentierter Kinder lautet:
"Was kann man gegen Angst machen?!".
Ich zitiere nochmal die wichtige Stelle: "Sie ist überlebenswichtig. Wer keine Angst erleben kann, erkennt keine Gefahren. Wer keine Gefahren erkennt, stirbt früher".
Wenn du als Spieler im Match keine ängstlichen Gefühle hättest, dann würdest du dich kaum konzentrieren können. Leider konzentriert man sich im Match mehr auf seine negativen Emotionen, als auf den bevorstehenden Ballwechsel. Die Konzentration aber, die ist da. Die "entwicklungsgeschichtlich" tief verankerte Angst kannst du nicht besiegen, wie deinen Gegner auf der anderen Seite des Netzes.
Du solltest dir also nicht die Frage stellen, was du gegen deine Angst machen kannst. Du solltest dich fragen, was du mit deiner Angst machen kannst. Das gibt dir eine gesündere Perspektive.
Eine Perspektive, aus der du besser im Match handeln kannst.
Roger Federer war dafür berühmt, immer mal wieder eine ordentliche Streuung in den Grundschlägen zu haben. Rafa Nadal ist zu Beginn eines Match sichtlich angespannt und weit weg von seiner Bestform.
Und du kennst mindestens fünf Spieler in deinem Verein, bei denen man mindestens dreimal als Zuschauer sagt:
"Mensch, das passiert dem aber auch immer ...!".
Frau Dr. Saimeh zu wiederkehrenden Verhaltensweisen, die uns bewusst sind, die wir aber trotzdem nicht ändern können:
"Entwicklungsgeschichtlich sind wir Bedürfnis-Wesen. Wir haften an Gewohnheiten, wenn diese uns für eine bestimmte Zeit irgendwie ein gutes Gefühl geben, uns beruhigen, unseren Selbstwert stabilisieren. Das Belohnungszentrum ist gewissermaßen der Gegenspieler unserer Vernunft. Wir tun Dinge, weil wir emotional etwas davon haben. Wir wollen genießen und knüpfen die Vorstellung von Genuss auch an Problemverhalten.".
Sehr schön und treffend finde ich den Satz:
"Das Belohnungszentrum ist gewissermaßen der Gegenspieler unserer Vernunft".
Ich habe früher zig Spielsituationen verbockt, in denen ich die Kugel nur noch hätte in das offene Feld schieben müssen. Aber nein, das wäre zu einfach gewesen. Es musste der perfekte Drop Shot sein. Der, der nach dem auftippen wieder zurück auf die eigene Seite springt.
Oder die simple Vorhand aus dem Halbfeld.
Der Punkt war schon gelaufen.
Der Gegner winkte bereits ab. Doch anstatt den Ball einfach ins Feld zu heben, musste es der perfekt aussehende Schlag kurz-cross sein, direkt ins T-Feld-Eck.
Vom kurz-cross leiten wir nun zum Fazit über.
Die Antwort fällt eindeutig aus: Nein.
Tennis ist eben mehr als ein paar gute Grundschläge und eine feine Technik. Dein Charakter kommt immer mit auf den Platz und spielt die wichtigsten Ballwechsel aktiv mit. Dein Charakter wiederum, der ist noch viel komplexer als jeder Schlag.
Der größte Denkfehler eines Tennisspielers ist, dass er denkt einen Denkfehler zu haben.
Frau Dr. Nahlah Saimeh konnte durch treffende Formulierungen klarstellen, dass beispielsweise Angst etwas vollkommen normales ist. Du hast durch diesen Artikel hoffentlich andere Sichtweisen auf dich und dein Tennis erhalten.
Du hast allen Grund dich in einem viel besseren Licht zu betrachten. Sei nicht so extrem kritisch mit dir und deinen Leistungen. Verzeihe dir schwächere Tage, akzeptiere Niederlagen und verfluche dich nicht ständig, wenn du mal nicht 60 Minuten am Stück perfektes Tennis zeigst.
Wie es so schön heißt:
Sei dir auf dem Platz ein Freund, kein Feind.
Anhang
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